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GnP-Awards 2012: Bester junger Kämpfer international

Rory MacDonald hat ein beeindruckendes Jahr hinter sich. (Foto: Florian Sädler/GroundandPound)

Die GnP-Leser haben abgestimmt: Der 23-Jährige Rory „Ares“ MacDonald (14-1) ist eurer Meinung nach der beste junge Kämpfer international des Jahres 2012.

Überraschend ist die Wahl nicht wirklich, denn kaum jemand in MacDonalds Alter konnte im letzten Jahr oder auch davor derartig mit Fähigkeiten überzeugen, die jemand in seinem Alter eigentlich noch nicht besitzen sollte. Neben seinem kämpferischen Können ist es vor allem MacDonalds Einstellung zum Sport, die für offene Münder und eine ordentliche Portion Ehrfurcht sorgt - beinahe niemand wirkt vor und während seiner Kämpfe so fokussiert, entschlossen und selbstbewusst wie der junge Kanadier. Wenn er kämpft, dann weiß man, dass er seinen Gegner gnadenlos bearbeiten wird, bis er sein Ziel erreicht und er darüber hinaus auch im Erfolgsfall nicht völlig mit seiner Leistung zufrieden sein wird; egal, wie dominant sie auch war.

Diese Einstellung war es auch, die MacDonalds Karriere immens beschleunigt hat, seitdem er in seinem Heimatort als Kind das erste Mal ein Gym betreten hat. Die kanadische Provinz British Columbia ist allerdings nicht gerade der Nabel der (MMA-) Welt, und so bekam außerhalb von Kelowna und Umgebung kaum jemand etwas vom raschen Aufstieg des jungen Phänomens mit. Auch, als er es schließlich mit nur 20 Jahren in die UFC schaffte und er dort in seinen Debüt-Kampf den Veteranen Mike Guymon nach nur viereinhalb Minuten abklopfen ließ, nahm noch niemand wirklich Notiz von ihm.

Erst sein zweiter Kampf war es, der MacDonald schlagartig in die Köpfe der Fans katapultierte. Ironischerweise war es zwar der Durchbruch des jungen Kanadiers, gleichzeitig aber auch die erste Niederlage des bis dahin ungeschlagenen Senkrechtstarters. Schon im Vorfeld des Kampfes hätte es dem damals kaum bekannten Jungspund kaum jemand zugetraut, den ehemaligen WEC-Champion Condit, der die meisten seiner Gegner vorzeitig besiegt hatte und das immer noch tut, über zwei Runden den Schneid abzukaufen. Genau das tat MacDonald allerdings – Front Kicks zum Kinn, eingesprungene Kniestöße, zahlreiche Takedowns und mehr hätten beinahe gereicht, um den vermeintlichen Underdog eine Punktentscheidung gewinnen zu lassen… Hätte, denn Condit fasste sich in der dritten Runde ein Herz, drehte auf und schaffte es, den Ringrichter sieben Sekunden vor Kampfende zum Abbruch zu zwingen.

Einige Verletzungen hielten den jungen Kanadier zwar für einige Monate aus dem Octagon fern, seine Rückkehr durfte MacDonald im April 2011 dann allerdings auf der größten bisher dagewesenen Bühne für MMA-Kämpfer feiern - bei UFC 129 dominierte er vor 55.000 Landsleuten den kürzlich für den Leichtgewichtstitel angetretenen Nate Diaz über die komplette Distanz von drei Runden und sorgte mit drei Suplex-Würfen in den letzten paar Minuten des Kampfes erneut dafür, dass die Zuschauer ihn definitiv in Erinnerung behielten.

Ein recht schneller T.K.o.-Sieg gegen den ansonsten ebenfalls sehr erfolgreichen Mike Pyle nur drei Monate später ließ den Stern des mittlerweile nach Montreal gezogenen Jungspundes weiter steigen, bevor ihn weitere Verletzungen auch für den Rest des Jahres 2011 zur Passivität zwangen. Das Training im renommierten Tristar-Gym, wo unter anderem Größen wie MacDonalds Trainer und Mentor, UFC-Weltergewichtschampion Georges St-Pierre, Miguel Torres, Mark Bocek, Francis Carmont, Mike Ricci und viele andere zuhause sind, ließ Ringrost allerdings kaum zu, sodass MacDonald in dieser Zeit trotz fehlender Kämpfe weiter an Fahrt aufnahm. 

Mit Beginn des Jahres 2012 war MacDonald dann auch wieder für das Octagon einsatzbereit, und die folgenden Monate liefen kämpferisch ebenfalls völlig nach Plan. Bei UFC 145 im April brachte der mittlerweile vom „Waterboy“ zu „Ares“ gewordene Weltergewichtler den britischen Thaiboxer Che Mills immer wieder scheinbar mühelos zu Boden und bearbeitete ihn dort mit brutalem Groundandpound, bis der Ringrichter in der zweiten Runde genug gesehen hatte und den Kampf abbrach.

Dieser erneute Sieg bahnte für MacDonald letztendlich den Weg für einen Kampf mit einer wahren Legende des Sports. BJ Penn hatte nach seiner eindeutigen Niederlage gegen Nick Diaz im Oktober 2011 eigentlich angekündigt, mit dem Kämpfen aufhören zu wollen, der rasche Aufstieg des Trainingspartners von Penn-Rivale Georges St-Pierre motivierte ihn aber anscheinend genug, um der Pensionierung den Rücken zu kehren und es noch einmal zu versuchen. Bei einem Versuch blieb es allerdings auf der letzten UFC on Fox-Show im Dezember dann auch, denn MacDonald ließ seinen Gegner nie in den Kampf kommen, stoppte ihn beinahe mit Schlägen zum Körper und fuhr nach drei Runden einen weiteren kaum gefährdeten Sieg ein. Nachdem er zuvor gelegentlich wegen angeblich schlechter Qualität der Gegner kritisiert wurde, setzte MacDonald mit diesem Sieg ein eindeutiges Zeichen. BJ Penn ist vielleicht nicht mehr der, der er vor wenigen Jahren noch war – den legendären Hawaiianer dominiert man aber dennoch nicht aus reinem Zufall. 

Die Chance, die Kritiker gänzlich zum Schweigen zu bringen, wird sich MacDonald im kommenden März bieten. Dann wird er bei UFC 158 in seiner Wahlheimat Montreal erneut auf seine Nemesis Carlos Condit treffen. Condit konnte nach seinem Sieg gegen MacDonald im Jahr 2010 noch drei weitere hochkarätige Gegner ausschalten und sich damit einen Titelkampf gegen St-Pierre sichern, den er im vergangenen November nach Punkten verlor. Nun ist es an MacDonald, es seinem Trainingspartner und Freund gleichzutun. Je mehr Erfolg er jedoch an diesem Abend haben wird, desto schneller wird er auf eine neue Herausforderung zusteuern, denn an der Spitze der Gewichtsklasse steht immer noch Georges St-Pierre. Ein Sieg über Condit würde „Ares“ in den Rankings noch ein großes Stück weiter nach oben bewegen, und zumindest die Auseinandersetzung mit der Frage nach einem Kampf der beiden Freunde dürfte dann nicht mehr wegzureden sein. In welche Richtung auch immer sich die Dinge entwickeln werden – interessant dürfte es werden.

Die exakte Stimmenverteilung im Überblick:

1. Rory MacDonald 51.48%
2. Andrey Koreshkov 15.27%
3. Charles Oliveira 10.76%
4. Erik Perez 9.66%
5. Dustin Poirier 7.86%
6. Kyoji Horiguchi 4.96%