MMA

Francis Carmont: "Ich will um den Titel kämpfen"

Francis Carmont will in Berlin einen großen Sieg einfahren. (Foto: Florian Sädler/Groundandpound.de)

Die Suche nach Erfolg und Anerkennung im MMA-Sport hat Francis ‚Limitless’ Carmont in den vergangenen acht Jahren um die ganze Welt geführt. Am 31. Mai wird der mittlerweile in Kanada lebende Franzose auf seinen Heimatkontinent zurückkehren und in der Berliner o2 World im Co-Hauptkampf der 41. UFC Fight Night auf CB Dollaway treffen.

Der Sport hat in Francis Carmonts Leben schon immer eine große Rolle gespielt – dass er aber eines Tages vor hunderttausenden Fernsehzuschauern als professioneller Kampfsportler in Erscheinung treten würde, dafür gab es vor ca. 25 Jahren in einem berüchtigten Pariser Problemviertel eigentlich so gar keine Anzeichen.

Damals sah es so aus, als wenn Carmont sich am ehesten durch seine Fähigkeiten am Ball einen Weg aus seiner damaligen Situation bahnen könnte, bevor ihn eben jene Umgebung zum Kampfsport umschwenken ließ: „Ich war ein guter Basketballspieler – ich war ungefähr drei Jahre lang aktiv und hätte es recht weit bringen können. Ich habe allerdings in einer ziemlich brutalen Gegend gelebt und wollte mich selbst verteidigen können. Ich habe recht spät als Teenager mit Boxen und Muay Thai angefangen, und ab da hat die Entwicklung ihren Lauf genommen. Als Kind war ich sehr schüchtern. MMA hat mir geholfen, meine Gefühle zu kanalisieren und zu einer stärkeren Person zu werden.“

Das harte Training ließ sein Selbstbewusstsein schnell in einem solchen Maße wachsen, dass er einen Kampf annahm. Carmont gewann in der ersten Runde durch Armbar und stieg vier Wochen später gleich noch einmal in den Käfig. Vom ruhigen, zurückhaltenden Francis war dort nicht mehr viel zu sehen: “In einem Kampf, wenn ich in das Octagon steige, fokussiere ich mich auf meinen Gegner und darauf, den Kampf zu gewinnen. Ich bin vielleicht schüchtern, aber das heißt nicht, dass ich kein harter Kämpfer sein kann.“

Obwohl er damit eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine Karriere im Kampfsport besaß, fehlte es Carmont zu dieser Zeit an Struktur. Sein Training war hart, aber nicht übermäßig effektiv, sodass sein Weg aus dem Gym in den Käfig wenig geradlinig und dafür umso steiniger verlief.

Zwar konnte er innerhalb von vier Jahren elf zumeist vorzeitige Erfolge einfahren, im selben Zeitraum wurde er aber auch sieben Mal besiegt: „Irgendwann bin ich an einen Punkt gestoßen, an dem ich eine Entscheidung zu treffen hatte“, erinnert sich Carmont an die wenig zufriedenstellende Entwicklung seiner Karriere zu dieser Zeit.

Wenig später stand sein Entschluss fest – ‚Limitless’ packte seine sieben Sachen und verlegte seinen Lebensmittelpunkt quer über den Atlantik ins kanadische Montreal, wo neben hochklassigem Training in Firas Zahabis Tristar Gym auch ein kleines Stückchen Heimat lockte: „Ich wusste, dass ich mein volles Potential hier niemals ausschöpfen könnte und ich nicht das Training bekam, das ich brauchte. Ich wusste, dass Tristar einen großartigen Ruf hatte und weil es in Montreal war, würde es dort auch keine Probleme mit der Sprache geben. Ich wusste, dass es ein großer Schritt für meine Karriere wäre, wenn ich dorthin ziehen würde, und ich war bereit, das zu tun. Im Tristar Gym gab es die besten Trainer und sie hatten den besten Ruf, von daher war es eine offensichtliche Entscheidung für mich.“

Die UFC ruft
Die offensichtliche Wahl stellte sich bald schon als die Richtige heraus: Carmont gewann mehrere Kämpfe hintereinander und konnte 2011 schließlich Trainingspartnern wie Georges St-Pierre, Rory MacDonald oder John Makdessi auf die große Bühne der UFC folgen. Zunächst recht unbeachtet debütierte er auf dem Vorprogramm von UFC 137 im Schatten großer Namen wie BJ Penn, Nick Diaz oder Mirko CroCop. Sein dominanter Sieg gegen Chris Camozzi an jenem Abend brachte ihm einen weiteren Auftritt im Octagon gegen Magnus Cedenblad ein, den Carmont auf der ersten UFC-Veranstaltung im schwedischen Stockholm in der zweiten Runde per Rear Naked Choke zur Aufgabe zwang.

Wenige Monate später folgte mithilfe der gleichen Technik gegen den tschechischen Ringer Karlos Vemola der dritte Streich, woraufhin Carmont mit einem Platz auf dem Hauptprogramm von UFC 154 in seiner Wahlheimat Montreal belohnt wurde. Im über 20.000 Zuschauer fassenden Bell Centre trat Carmont gegen Tom Lawlor an – 700.000 Fans verfolgten die Pay-per-View-Übertragung, an deren Ende Georges St-Pierres lang erwartetes Comeback gegen Carlos Condit stand. Carmont bezwang Lawlor an diesem Abend durch eine geteilte Punktentscheidung, die viele Zuschauer jedoch an seinen Gegner gegeben hatten – sogar aus dem frankokanadischen Publikum in der Arena waren Buhrufe zu hören. Einen Kampf gegen Lorenz Larkin gewann Carmont einige Monate später ebenfalls nur knapp und sein dominanter Sieg gegen Costa Philippou spielte sich im vergangenen September hauptsächlich ohne größere Zwischenfälle auf der Matte ab, was ‚Limitless’ im Internet den Ruf eines nur auf Sicherheit bedachten Kämpfers einbrachte.

Carmont jedoch schert sich nicht allzu sehr um Diskussionen in Online-Foren und die Kritik von Leuten, die nicht zu seinem Trainingsumfeld gehören: “Es wird immer Leute geben, die Kämpfe kritisieren – das ist die Natur des Sports. Ich weiß aber, wozu ich fähig bin und ich weiß auch, dass ich in meinen Kämpfen alles gebe. Von daher ist es für mich am wichtigsten, fokussiert zu bleiben und nicht zu viel darüber nachzudenken, was andere Leute denken.“

Rehabilitieren konnte Carmont sich in den Augen der Fans ironischerweise ausgerechnet im Zuge seiner ersten Niederlage in der UFC – im Februar gab ein aggressiv kämpfender Carmont alles gegen das brasilianische BJJ-Ass Ronaldo ‚Jacare’ Souza, musste sich jedoch am Ende der drei Runden nach Punkten geschlagen geben. Auch, wenn der Kampf noch nicht allzu weit zurückliegt, hat Carmont sich mit dem Ergebnis abgefunden und ist entschlossen, das Beste daraus zu machen: „Ich habe eine Menge aus diesem Kampf gelernt. Auf eine bestimmt Art hat die Niederlage mich zu einem besseren, stärkeren Kämpfer werden lassen. Wenn ich noch einmal gegen ihn antreten würde, könnte ich ihn schlagen, das weiß ich.“

Nächster Halt: Berlin
Um die bittere Erinnerung an diesen Abend vollends auszulöschen, ist Carmont momentan hart am trainieren, auf einen wichtigen Eckstein in seiner Vorbereitung musste er dieses Mal jedoch verzichten: Georges St-Pierre. Der ehemalige UFC-Weltergewichtschampion riss sich im März zum zweiten Mal das Kreuzband und muss daher die härteste Phase von Carmonts Trainingscamp in der Reha verbringen: “Er trainiert normalerweise jeden Tag mit mir. Er ist für mein Training und meine bisherige Karriere immer extrem wichtig gewesen. Er ist mein Mentor und sein Rat und seine Unterstützung haben mir immer geholfen. Ich weiß noch nicht, ob er in Berlin in meiner Ecke stehen wird. Wir werden abwarten müssen, um das herauszufinden.“

Selbst, falls St-Pierre nicht mit ihm zu seinem Co-Hauptkampf gegen CB Dollaway nach Berlin kommen kann, ist Carmont äußerst zuversichtlich, am 31. Mai als Sieger aus dem Octagon steigen zu können: „Ich freue mich wirklich, gegen CB Dollaway antreten zu dürfen. Ich habe ihn kämpfen gesehen und mir ist klar, dass er ein harter Gegner sein wird. Aber ich weiß auch, was ich tun muss, um ihn zu schlagen und ich bin zuversichtlich, dass ich das umsetzen kann.“ Im Erfolgsfall könnte Carmont sieben Siege in der prestigeträchtigsten MMA-Organisation der Welt sein Eigen nennen. Wo sieht er sich selbst, falls er den ‘Doberman’ in Berlin bändigen kann? „Ich freue mich sehr, in der Top Ten zu stehen und ich will weiter auf den Titel hinarbeiten. Ich glaube, dass noch niemand mein ganzes Potential gesehen hat. Das ist der Grund, warum sie mich ‚Limitless’ nennen – ich kann noch so viel mehr!“

Ähnliches kann man jedoch auch über Dollaway sagen, der sich speziell in den letzten paar Jahren von einem versierten Ringer zu einem überall gefährlichen Mixed Martial Artist entwickelt hat – der ehemals eher unspektakuläre Kämpfer hat zuletzt den Brasilianer Daniel Sarafian im „Fight of the Night“ in dessen Heimatland bezwungen, musste dann eine kontroverse Punktentscheidung an Tim Boetsch abgeben und kehrte im März mit einem sensationellen Knockout gegen den haushohen Favoriten Cezar ‚Mutante’ Ferreira zurück, ebenfalls hinter feindlichen Linien in Brasilien.

Im Octagon in der Berliner o2 World wird sich daher vor allem zeigen, wer von beiden in letzter Zeit die größeren Fortschritte gemacht hat. Wenn Carmont gewinnen kann, könnte er damit die Niederlage gegen ‚Jacare’ vergessen machen und einen großen Schritt zurück in Richtung Titelgeschehen gehen – aus diesem Grund und um den Fans am 31. Mai eine großartige Show zu bieten, hat er in den vergangenen Wochen im Gym alles gegeben: „Ich will einfach immer besser werden und mein volles Potential ausschöpfen – ich habe noch so viel mehr zu zeigen. Die Fans sollten sich Tickets holen – es wird eine sehr aufregende Show werden, mit vielen großartigen Kämpfern. Die Leute sollten hingehen und sich selbst davon überzeugen!“

Wer Francis Carmont in Aktion erleben will, bekommt die Gelegenheit dazu am 31. Mai bei der UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi. Tickets erhältlich unter on.ufc.com/1ol2O9s.


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“I want to challenge for the title”

We talked to Francis Carmont ahead of his fight at UFC Berlin.

The search for success and recognition in Mixed Martial Arts has lead Francis ‘Limitless’ Carmont all over the world in the past eight years. On May 31st, the Frenchman who is now fighting out of Montreal, Canada will return to his home continent to take on CB Dollaway in the co-main event of UFC Fight Night 41 in Berlin’s o2 World.

Sports have always played a big role in Francis Carmont’s life – though around 25 years ago in a Paris borough notorious for its high crime rate, there was no indication whatsoever that he would appear on hundreds of thousands of TV screens as a professional fighter one day.

Back then, it looked like Carmont could maybe make his way out of the rough environment through his skills with a ball before that surrounding made him switch to Martial Arts: „ I was a good basketball player – I played for about three years and I could have carried on to a good level. But where I lived in Paris was quite a violent place and I felt I needed to be stronger and be able to look after myself. I started to learn Boxing and Muay Thai in my late teens and then it progressed from there. I was shy as a child. MMA helped me to learn how to channel my feelings and to feel like a stronger person.”

The tough training raised his confidence to a point where he actually took a fight. Carmont won by armbar in the first round and went right back to action just four weeks later. The quiet and reserved Francis was completely gone once he stepped into the cage: “When it comes to fighting, when I step in the Octagon I become focused on my opponent and on winning the fight. I might be shy, but that doesn’t mean I am not a tough fighter.”

Even if his passionate showings proved that he possessed one of the basic requirements for a successful career in combat sports, Carmont was missing structure at that time. His training was hard but not overly effective, so his path from the gym into the cage was not very smooth but hard and bumpy instead.

Still, Carmont racked up eleven wins within four years and finished most of them, but during the same time period was beaten seven times: „There was a moment in my life where I had to make a decision“, Carmont remembers the unsatisfying development of his career at that time. Not long after that, he made the necessary decision – ‘Limitless’ packed up and relocated across the Atlantic Ocean to Montreal, Canada where next to high level training in Firas Zahabi’s Tristar Gym, a little bit of home made the big change a little easier: „I knew that I wasn’t achieving my full potential and I wasn’t getting access to the training I needed where I was. I knew that Tristar had a great reputation and because it was in Montreal, I knew that there would also not be an issue with the language. I knew that if I made the move, it would be a big step for my career and I was ready to do it. Tristar had the best trainers and the best reputation so it was an obvious choice for me.”

The UFC is calling
This obvious choice also proved to be the right choice after a very short time: Carmont won a bunch of fights in convincing fashion and in 2011 finally followed teammates like Georges St-Pierre, Rory MacDonald or John Makdessi onto the big stage of the UFC. Going relatively unnoticed at first, Carmont debuted on the undercard of UFC 137 in the shadows of big names like BJ Penn, Nick Diaz and Mirko CroCop. His dominant victory against Chris Camozzi, though, gained him attention afterwards and got him another fight in the UFC – in Sweden, Carmont forced hometown favourite Magnus Cedenblad to tap to a Rear Naked Choke at the first ever UFC event in the Scandinavian country.

Just a few months later and by using the same technique, Carmont pulled his third win against Czech wrestler Karlos Vemola and was rewarded with a spot on the main card of UFC 154 in his adoptive hometown of Montreal – 700.000 fans would watch the Pay-per-View-broadcast that featured the long awaited return of Georges St-Pierre in his comeback fight against Carlos Condit. Carmont beat Tom Lawlor by split decision that night but had to take criticism by the media and even the Franco Canadian crowd at the Bell Centre who thought that his opponent should have been awarded the victory. In April of 2013, another close victory followed against Lorenz Larkin before Carmont in September dominated Costa Philippou in a one sided fight that mostly took place on the mat – online, accusations of him being a “safety- first fighter” started popping up.

Carmont, though, doesn’t see too much value in paying attention to internet discussions and criticism of people who aren’t a part of his training environment: “There will always be people who criticise fights – that is the nature of this sport. But I know what I am capable of and I know that I fight hard, so to me the most important thing is staying focused on that and not thinking too much about what other people think.” It seems kind of weird that of all his showings, his first defeat inside the Octagon was the fight that seemed to rehabilitate him in the eyes of certain fans – in February, a fired up and aggressive Carmont gave it his all in a fight against BJJ wizard Ronaldo ‘Jacare’ Souza but lost a decision after three rounds. Even if that fight took place not too long ago, Carmont has made peace with the result and is committed to making the best of it: „I feel that I learned a lot from that fight. In some ways it has made me a better, stronger fighter. If I was to fight him again, I know that I could beat him.”

Next stop: Berlin
In order to completely erase the painful memories of that night, Carmont is training hard right now, even if he has to go without an important part of his usual preparation: Georges St-Pierre. The former UFC Welterweight Champion in March tore his ACL for the second time and now hast to commit to rehab during the hottest period of Carmont’s training camp: “(He) is normally with me at training every day. He has been a huge part of my training and my career so far. He is my mentor and his advice and support has always helped me. I am unsure if he will corner for me in Berlin. We will have to wait and find out.”

Even in case St-Pierre won’t be able to come to Berlin with him for his co-main event fight against CB Dollaway, Carmont is very confident that he will leave the Octagon as the winner on May 31st:  „I am really happy to be fighting CB Dollaway. I have watched him fight and I can see that he is definitely a tough opponent. But I know what I have to do to win this fight and I am confident that I can do that.” If successful, Carmont can claim to have won seven fights in the most prestigious MMA organization on the planet. Where does he see himself assuming he will beat the ‘Doberman’ in Berlin? „I am really happy to be in the top ten. I just want to keep challenging for the title. I don’t think anyone has seen my full potential yet – that is why they call me ‘Limitless’ – there is so much more I can do!”

Similar things could be said about Dollaway, though, who has transformed from being a good wrestler into being a well versed, dangerous Mixed Martial Artist – the formerly rather unspectacular fighter in recent years bested Brazilian Daniel Sarafian in a “Fight of the Night” performance in his opponent’s home country before dropping a controversial split decision to Tim Boetsch. Most recently, he pulled off another major upset on Brazilian soil by knocking out heavy favourite Cezar ‘Mutante’ Ferreira in the first round.

Inside the Octagon in Berlin’s o2 World, the most important question of the fight could turn out to be which one of the two fighters has progressed the most in recent months. If Carmont can pull out the win, he could rehabilitate himself after the setback against ‘Jacare’ and take a major step back into title contention – for that very reason and to give the fans a great showing on May 31st, he has put his heart and soul into training in the past couple of weeks and months: „I just want to get better and achieve my full potential – I have so much more to show. (The Fans) should go and buy tickets to the fight. It is going to be a very exciting card with a lot of great fighters, so people should come and see it for themselves!”

Watch Francis Carmont in action at UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi on Saturday May 31st. Tickets now on sale here:

German: on.ufc.com/1ol2O9s
English: on.ufc.com/1fFjgIu