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Evans vs. Henderson, Nelson vs. Miocic

UFC 161 ist das Octagon-Debüt von Winnipeg in Manitoba, Kanada.

Die geographische Mitte Kanadas hat einfach kein Glück mit der UFC: Nachdem vor einem knappen Jahr bereits UFC 149, das Debüt der Organisation in Calgary, von Verletzungen durchgerüttelt wurde, musste auch UFC 161, der erste Event in Winnipeg, in den vergangenen Wochen ordentlich Federn lassen.

Neben dem Hauptkampf, in dem Renan Barao seinen Interimstitel gegen Eddie Wineland verteidigen sollte, ist kurze Zeit später auch der Co-Hauptkampf zwischen Mauricio „Shogun“ Rua und Antonio Rogerio Nogueira ins Wasser gefallen. Daneben haben diverse Ausfälle und Verschiebungen auf dem Vorprogramm dafür gesorgt, dass das tatsächliche Programm den Plänen von vor einigen Monaten nur noch in den Grundzügen ähnelt. Der Stimmung im 16.000 Zuschauer fassenden MTS Centre wird das aber wahrscheinlich keinen Abbruch tun, denn mit Rashad Evans, Dan Henderson, Roy Nelson, Pat Barry und Ryan Jimmo sind immer noch Hochkaräter, Legenden, Ikonen und Landsleute mit von der Partie, die hoffentlich für einen gelungenen Abend sorgen werden.

Der gesamte Event kann, wie gewohnt, in Deutschland kostenlos über ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil Vorprogramm) bzw. die offizielle Facebook-Präsenz der UFC (die ersten beiden Vorkämpfe) verfolgt werden.

Rashad Evans vs. Dan Henderson
Für die beiden Hauptkämpfer des Abends geht es in Winnipeg nicht um einen Titel, nicht um den Status des nächsten Herausforderers und nicht um den letzten Schritt zur Etablierung an der Spitze. Rashad „Suga“ Evans (17-3-1) und Dan „Hendo“ Henderson (25-9) müssen am Samstag einzig und allein dafür sorgen, dass sie am Sonntag nicht völlig irrelevant sind.

UFC-Präsident Dana White deutete bereits an, dass der Verlierer in Anbetracht des Alters der beiden höchstwahrscheinlich nie wieder in die Nähe eines Titelkampfes kommen wird. Ein Dasein als Durchschnittskämpfer aber wird sicherlich nicht dem Anspruch entsprechen, den die beiden an ihre Karriere stellen, und so haben sie am Wochenende die Aufgabe, den Rückschritt aufzuhalten, anstatt den nächsten Schritt nach vorne zu gehen. Rashad Evans manövrierte sich im Lauf des letzten Jahres selbst in diese Position, indem er erst einen Titelkampf gegen Jon Jones und zehn Monate später einen ziemlich ereignislosen Kampf gegen Antonio Rogerio Nogueira verlor. Persönliche Probleme, die aus Umzügen, Trainerwechseln, einer Scheidung und mehr resultierten, haben den ehemaligen Champion dabei laut eigener Aussage ausgebremst, gehören nun allerdings der Vergangenheit an. Ob der neue, alte Evans wieder Erfolg haben wird, werden wir sehr bald erfahren.

Hendersons Karriere läuft zurzeit ebenfalls nicht so gut wie in der Vergangenheit, bei ihm spielte allerdings auch eine gehörige Portion Pech eine Rolle. Nachdem er in seiner Rückkehr zur UFC im November 2011 eine epische Schlacht gegen Mauricio „Shogun“ Rua nach Punkten gewann und er sich damit das Recht erkämpft hatte, gegen Jon Jones um den Titel im Halbschwergewicht anzutreten, fiel dieser Kampf nur Tage vor dem Event ins Wasser, als eine Knieverletzung Hendersons bekannt wurde, die er zunächst verheimlichen wollte. Als klar wurde, dass daraus nichts werden würde, war es bereits zu spät, und UFC 151 wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, die erste Veranstaltung in der Geschichte der UFC zu sein, die ersatzlos gestrichen wurde. Seine Chance auf den Titelkampf hatte Henderson damit ebenfalls verspielt, und in einem Ausscheidungskampf um den Herausfordererstatus verlor der mittlerweile 42-Jährige Ex-Olympionike hauchdünn nach Punkten gegen Lyoto Machida.

Roy Nelson vs. Stipe Miocic
Dieser Schwergewichtskampf könnte stellvertretend für den gesamten Event stehen, denn er ist aus der Not heraus improvisiert worden. Gleichzeitig ist am Ende aber eine annehmbare Lösung daraus geworden, denn die Ansetzung zwischen Roy „Big Country“ Nelson (19-7) und Stipe Miocic (9-1) verspricht vor allem eines: Action.

Nelson, der bei vielen Fans beliebt ist, weil er genauso aussieht wie sie und Gegner reihenweise mit seiner Rechten ausknockt, hat sich über die Jahre in eine prekäre Situation manövriert. Nicht jeder findet Gefallen daran, sich bei seinem Boss zum eigenen Vorteil einzuschleimen, Nelson allerdings hat gleich den gegenteiligen Ansatz gewählt und Dana White mit einer Reihe an Kommentaren und laut UFC-Boss ziemlich anstrengenden Verhandlungstaktiken mehrfach an den Rand des Wahnsinns gebracht. Dummerweise sitzt der UFC-Präsident letztendlich aber am längeren Hebel, und so wurde er kurzerhand als Ersatz gegen einen laut Ranglisten bedeutungslosen Stipe Miocic eingeplant. Ein Kampf, der mit Blick auf die Ranglisten wenig Sinn für Nelson macht und mehr Risiken birgt, als der Lohn für einen Sieg rechtfertigen würde.

Miocic, der sich mit drei beeindruckenden Siegen seinen ersten Hauptkampf erarbeitete und diesen gegen Stefan Struve durch T.K.o. verlor, ist ein gefährlicher und aufstrebender Kämpfer, der seine Gegner mit einer Kombination aus Zähigkeit, Durchschlagskraft, athletischen Gaben und Technik vor einige ernste Probleme stellt. Durch die Niederlage gegen den von vielen Fans immer noch nicht wirklich ernst genommenen Struve ging sein Ansehen in der MMA-Öffentlichkeit allerdings schlagartig in den Keller, sodass er vom Titelgeschehen zurzeit meilenweit entfernt ist. Gleichzeitig hat er dadurch in diesem Kampf gegen den zurzeit sehr erfolgreichen Nelson aber auch wenig zu verlieren und umso mehr zu gewinnen. Ob er seine Chance nutzt, oder ob er das vierte Opfer von Nelsons aktueller Siegesserie werden wird, können wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag verfolgen.

Ryan Jimmo vs. Igor Pokrajac
Im Halbschwergewicht wird ein Kampf präsentiert, der ursprünglich auf dem Vorprogramm stattfinden sollte, da sowohl Ryan „Big Deal“ Jimmo (17-2) als auch Igor „The Duke“ Pokrajac (25-9-0(1)) ihre jeweils letzten Kämpfe verloren haben. Gleichzeitig sind die beiden aber erwiesenermaßen fähige Kämpfer, weshalb ihnen die Chance gewährt wurde, sich nun auf dem Hauptprogramm zu beweisen.

Jimmo machte sich während seiner 17-fachen Siegesserie in der regionalen Szene Kanadas einen zweifelhaften Ruf als einschläfernder Kämpfer. Anders als viele UFC-Debütanten, die auf der großen Bühne zunächst etwas vorsichtiger und orthodoxer agieren, animiert das Scheinwerferlicht in der UFC Ryan Jimmo aber offenbar zu Höchstleistungen, die seine vorherigen Kämpfe vergessen machen. Mit einem 7-Sekunden-Knockout gegen Anthony Perosh verfehlte Jimmo in seinem ersten Octagon-Auftritt nur um Haaresbreite einen Rekord für den schnellsten Knockout aller Zeiten, und obwohl er im Februar gegen James Te Huna nach Punkten verlor, war auch dieser Kampf unterhaltsam – in Runde eins hätte der Kanadier seinen Gegner sogar beinahe mit einem Headkick ausgeknockt.

Igor Pokrajac wird gegen Jimmo ebenfalls versuchen, wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren. Der gebürtige Kroate und langjährige Trainingspartner von Mirko CroCop arbeitete sich mit Siegen gegen James Irvin, Todd Brown, Krzysztof Soszynski und Fabio Maldonado still und heimlich die Ranglisten nach oben, bis er bei UFC 152 von Vinny Magalhaes per Armbar zur Aufgabe gezwungen wurde. In seinem nächsten Kampf verlor er nach Punkten gegen Joey Beltran, der jedoch einige Wochen später des Dopings überführt wurde. Offiziell hat Pokrajac in den letzten zweieinhalb Jahren also nur einen Kampf verloren, tatsächlich wird er aber einen beeindruckenden Sieg gegen Jimmo brauchen, um in den Ranglisten wieder Beachtung zu finden.

Alexis Davis vs. Rosi Sexton
Im erst vierten Frauenkampf in der Geschichte der UFC werden zwei talentierte Bantamgewichtlerinnen aufeinandertreffen. Mit dem Kampf zwischen Alexis „Ally-Gator“ Davis (13-5) und Rosi „The Surgeon“ Sexton (13-2)  hat man damit eine Strikeforce- und Invicta-Veteranin mit Heimvorteil auf eine weniger bekannte Britin angesetzt, die zwei Kämpfe bei Bellator und einen Cage Warriors-Titel vorweisen kann.

Die Kanadierin Davis debütierte im Jahr 2011 bei Strikeforce und konnte dort zwei Siege einfahren, bevor sie zum zweiten Mal in ihrer Karriere an Sarah Kaufman scheiterte. Der Niederlage folgte ein Wechsel zu Invicta FC, wo Davis ihre zwei Kämpfe beide per Rear Naked Choke beenden konnte und sich damit eine komfortable Ausgangsposition für den Start ihrer UFC-Karriere aufgebaut hat.

Dort wird sie zunächst auf Rosi Sexton treffen. Die 35-Jährige, die einen Abschluss an der renommierten Cambridge-Universität vorweisen kann, kämpft seit 2002 professionell und musste sich in dieser Zeit lediglich Gina Carano und Zoila Gurgel geschlagen geben. Gegen Davis wird sie als Underdog den Käfig betreten, falls sie die Lokalmatadorin allerdings schlagen sollte, könnte das für Sexton einen Senkrechtstart bedeuten.

Pat Barry vs. Shawn Jordan
Zur Eröffnung des Hauptprogramms hat Joe Silva einen potentiellen Kracher aufgestellt: Mit Pat „HD“ Barry (8-5) wird am Samstag ein talentierter Kickboxer und polarisierender Charakter ins Octagon steigen, wo bereits Shawn „The Savage“ Jordan (14-4) auf ihn warten wird. Die beiden sind Freunde, haben in der Vergangenheit kurzzeitig miteinander trainiert und sehen darin keinen Grund, um morgen in Winnipeg nicht die Fetzen fliegen zu lassen – beste Zutaten für einen tollen Kampf. Für die ist Barry sowieso bekannt, was einerseits an seinen spektakulären Kickbox-Fähigkeiten und andererseits an seiner Unfähigkeit auf der Matte liegt – Action versprechen beide dieser Eigenschaften. Das zwölf seiner 13 Profi-Kämpfe außerdem vorzeitig geendet haben, macht die Angelegenheit noch klarer: Wenn „HD“ Barry den Käfig betritt, geht es rund.

Shawn Jordan debütierte in der UFC mit einem T.K.o.-Sieg gegen Oli Thompson, gefolgt von einem der langweiligsten Kämpfe des Jahres, als er von Cheick Kongo drei Runden lang an den Käfigzaun gepresst wurde. Auch in seinem letzten Auftritt, im Januar bei UFC on Fox 6, sah es zunächst nach einer Niederlage aus. „The Savage“ bewies aber eindrucksvoll, wie gefährlich er ist, indem er Mike Russow unverzüglich und systematisch niederkämpfte, als dieser die ersten Anzeichen von Müdigkeit zeigte, was letztlich in Jordans zweitem UFC-Sieg via T.K.o. resultierte.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 161 – Evans vs. Henderson
Samstag, 15. Juni 2013
MTS Centre, Winnipeg, Manitoba, Kanada

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rashad Evans vs. Dan Henderson
Roy Nelson vs. Stipe Miocic
Ryan Jimmo vs. Igor Pokrajac
Alexis Davis vs. Rosi Sexton
Pat Barry vs. Shawn Jordan

Vorprogramm (ufc.tv)
Jake Shields vs. Tyron Woodley
Sam Stout vs. James Krause
Sean Pierson vs. Kenny Robertson
Roland Delorme vs. Edwin Figueroa

Vorprogramm (Facebook)
Mitch Clarke vs. John Maguire
Yves Jabouin vs. Dustin Pague