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Europa-Expansion, TV-Deals u.v.m.

Dana White nimmt vor der Presse selten ein Blatt vor den Mund (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound).

Nach der offiziellen Pressekonferenz zur anstehenden UFC Fight Night 26 hat Dana White sich, wie üblich, der Presse gestellt und eine Stunde lang sämtliche Fragen der Reporter beantwortet – mal mehr, mal weniger direkt.

Eines der Hauptthemen der Runde war der TV-Deal mit Fox, der u.a. dazu geführt hat, dass die UFC in den Staaten nun auch auf Fox Sports 1 zu sehen sein wird.
White zumindest ist immer noch hin und weg von seinen Geschäftspartnern: „Sie wollen den Sport und die Marke aufbauen. Sie sind die selbstlosesten, unglaublichsten Geschäftspartner, die wir haben. (…) Es ist zu gut, um wahr zu sein.“

Doch nicht nur mit Fox lassen sich laut White gut Geschäfte machen, auch in Europa haben sich kürzlich wichtige TV-Deals ergeben, die in den nächsten Jahren zu mehr und größeren Events führen sollen, vor allem in England und Irland.

„Alles beginnt mit dem richtigen TV-Deal, mit den richtigen Partnern. Werden wir im UK und Irland einen Sport aufbauen, für den sich das ganze Land begeistert, wenn dieser Sport um drei Uhr morgens läuft? Die Antwort ist ‚Nein, natürlich nicht.’ Man braucht die richtigen Kämpfe, die Sinn machen, und zwar zur richtigen Zeit. Und genau daran arbeiten wir (…). Wir haben diesen Deal jetzt, und nun werden wir da Kämpfe veranstalten. Bedeutende Kämpfe, zur richtigen Zeit.“

Eine der potentiellen Schlüsselfiguren der Expansion nach Europa kämpft an diesem Wochenende in Boston – Federgewichtler Conor McGregor hat in den vergangenen Monaten mehr Medienrummel auf sich gezogen als jeder andere Kämpfer, der nicht gerade im Hauptkampf stand. Auch White, der McGregor kürzlich auf eine Fahrt in seinem Ferrari mitgenommen hat, lobt den charismatischen Iren in den höchsten Tönen:

„Der Hype um ihn, als ich in Irland war, war riesig. Er ist der nächste Kämpfer, der in die Fußstapfen von Steve Collins (bekannter Irischer Boxer, d. Red.) tritt (…). Er ist ein toller Junge.“

Auf die Frage, was im Falle einer Niederlage mit all dem Hype passieren würde, gab White sich gelassen: „Das könnte passieren, Max Holloway ist kein Witz. Am Ende des Tages bin ich ein Promoter, das ist mein Job. Wenn ich einen Funken sehe, werde ich ihn zum brennen bringen.“

Ein Kampf, bei dem sich die Promotion wohl von selbst erledigen würde, ist eine mögliche Ansetzung zwischen Chael Sonnen und Wanderlei Silva, die bereits mehrfach in der Gerüchteküche die Runde gemacht hat. Sonnen redet den Brasilianer in seinen Interviews seit Jahren schlecht und hat in letzter Zeit immer wieder behauptet, Silva würde ihm aus dem Weg gehen. White schob derartigen Anschuldigungen allerdings einen klaren Riegel vor: „Wanderlei hat den Kampf abgelehnt, weil er verletzt war (…). Chael ist halt Chael.“ Abgeneigt ist er dem Duell aber nicht: „Natürlich, wir könnten den Kampf machen.“

Größere Probleme hat die UFC seit langem mit der Culinary Union, einer Gewerkschaft, die besonders an der amerikanischen Ostküste stark aufgestellt und laut White dafür verantwortlich ist, dass die UFC im Bundesstaat New York noch immer verboten ist. Darüber hinaus haben Mitglieder oder Sympathisanten der Gewerkschaft in den letzten Monaten mehrfach den Boston-Event am Wochenende in Gefahr gebracht – u.a. wurden Anträge gestellt, um Minderjährige aus der Halle fernzuhalten, Chael Sonnen nicht für seinen Kampf zu lizenzieren und von allen ausländischen Kämpfern Sozialversicherungs-Nummern zu verlangen. Für White hat der ganze Ärger einen einfachen Grund, und der ist nicht eine etwaige Abneigung gegenüber dem MMA-Sport.

„Sie versuchen, die Station Casinos, die von Lorenzo (Fertitta, UFC-Geschäftsführer, d. Red.) betrieben werden, in ihre Gewerkschaft aufzunehmen. Das würde zehn Millionen Dollar mehr pro Jahr für sie bedeuten, aus den Mitgliedsbeiträgen. (…) Die Mitarbeiter da wollen aber keine Mitglieder der Gewerkschaft sein. Die Leute glauben immer, Gewerkschaften seien gut, aber das stimmt hier nicht. Sie behandeln die Leute schlecht.“

Wenn es nach White ginge, sollten die Fertitta-Brüder ganz auf Konfrontationskurs mit den Gewerkschaftlern gehen: „Ich finde, sie sollten aggressiver werden. Was glaubt Ihr, was passieren würde, wenn die Station Casinos mir gehören würden? Diese Typen würden sich wünschen, niemals den Telefonhörer in die Hand genommen zu haben, um mich anzurufen.“

Neben den Problemen, die der Event in Boston eingebracht hat, hat sich kürzlich ein weiteres Fass geöffnet, das unter Umständen unangenehme Komplikationen für den UFC-Präsidenten zur Folge haben könnte. Ein Insider der Szene hat Gerüchten zufolge eine Liste von Steroid-Nutzern zusammengestellt, auf der Top-Athleten mehrerer Sportarten verwickelt sein sollen, darunter auch einige MMA-Kämpfer. White sieht einem möglichen Skandal allerdings gelassen entgegen: „Ich weiß nichts darüber. Ich habe zumindest nichts darüber gehört, dass einer von unseren Leuten darin involviert sein soll (…). Ich habe jeden Tag mit genug Sch***e zu tun. Wenn schlechtes Zeug passiert, findet es mich, ich muss nicht auch noch los und danach suchen.“

Unter die Kategorie „schlechte Zeug“ ist in der Vergangenheit auch die Konkurrenz-Organisation Bellator FC immer wieder gefallen, neuerdings scheint White aber dazu übergegangen zu sein, die aufstrebende Promotion einfach zu ignorieren. Auch das anstehende Pay-per-View-Debüt, mit Quinton „Rampage“ Jackson und Tito Ortiz im Hauptkampf, raubt dem UFC-Präsidenten nicht den Schlaf:

„Nein, überhaupt nicht. Offensichtlich brauchen die beiden Geld. Ich meine, gut für sie, lasst sie ihr Ding machen.“ Etwaige Bedenken, dass diese Ansetzung zweier Ex-UFC-Stars die konkurrierende Organisation zu weit ins Rampenlicht schiebt, kennt White nicht: „Nein, wieso? Sogar Mein Video-Blog zieht mehr Zuschauer als ihre TV-Show. Da habe ich kein Konkurrenzdenken.“

Wärmere Worte findet White dagegen für Invicta FC, die immer erfolgreicher werdende MMA-Organisation, die sich ganz auf Frauen-Kämpfe spezialisiert hat: „Alle denken immer,  dass ich jeder anderen Organisation den Zusammenbruch wünschen würde, aber das stimmt nicht. Wir brauchen kleinere Promotionen, um männliche Kämpfer für die UFC aufzubauen, und wir brauchen sie auch, um Kämpferinnen aufzubauen.“