MMA

„Es steht ein ganz neuer Kampf an“

Cain Velasquez will diesen Gürtel morgen zurückerobern. (Foto: Zuffa LLC)

Cain Velasquez ist entschlossen. Sehr entschlossen. Auf der offiziellen Pressekonferenz zu UFC 155 konnte man in seinen Augen den gleichen Blick erkennen, den er bisher vor jedem seiner meist äußerst dominanten Siege innehatte. Er ist einer dieser Menschen, denen man direkt anmerkt, wenn sie sich voll und ganz einer Sache verschrieben haben, und in einem Sport wie den MMA hat eine solche Ausstrahlung natürlich eine besonders bedrohliche Note.

Und obwohl, oder gerade weil seine erste und bisher einzige Niederlage im November 2011 diese Aura in Mitleidenschaft gezogen hat, will Velasquez den schnellen K.o. durch dos Santos, der ihm seinen Titel gekostet hat, dort belassen, wo er hingehört - nämlich in der Vergangenheit. Stattdessen ist er auf seine zweite Chance fokussiert, die er mit dem Rückkampf gegen den brasilianischen Champion am Samstag bekommen wird.

Verdient hat sich Velasquez diese Möglichkeit mit einem dominanten Erstrundensieg gegen Antonio „Big Foot“ Silva im Mai bei UFC 146, wo auch dos Santos auf dem Programm stand und sich mit seinem Sieg über Frank Mir die erste erfolgreiche Titelverteidigung sichern konnte. „Du kannst dich nach einer Niederlage nicht einfach hängen lassen“, so Velasquez auf der Pressekonferenz über die Zeit zwischen den beiden schicksalhaften Kämpfen. „Du musst daraus lernen und dann das Beste daraus machen. Ich habe aus dem ersten Kampf viel gelernt. Davon habe ich dann viel im Kampf gegen Big Foot anwenden können, aber auch für dieses Trainingscamp hat es sehr geholfen. Es war ein langes Trainingscamp, aber auch ein sehr gutes.“

Glaubt man ihm seine letzte Aussage, dann wird zumindest ein möglicher Faktor für den herben Misserfolg im vergangenen Jahr an diesem Wochenende keine Rolle spielen - als Velasquez das letzte Mal gegen „Cigano“ in den Käfig stieg, tat er das mit einem gerissenen Kreuzband. Auch dos Santos ging zwar mit einer ähnlich schweren Verletzung in den Kampf, aber gerade deswegen wird es interessant zu sehen sein, wie sich die beiden schlagen, wenn sie (und das scheint der Fall zu sein) gesund sind. Das beide durch die Verletzungen eingeschränkt waren, steht zumindest außer Frage.
Ein kürzlich ins Internet gestelltes Video, das Velasquez Verletzung direkt zeigte, hat der ehemalige Champion allerdings nicht gut aufgenommen: „Ich wünschte, das wäre niemals veröffentlicht worden. Man sucht einfach keine Ausreden für sich. Ich bin in den Käfig gestiegen, habe gekämpft und das war’s. Lasst uns nicht über diesen alten Kampf reden. Es steht ein ganz neuer an.“

Für diesen ganz neuen Kampf will Velasquez sich auf seine alten Stärken besinnen und damit die Kritiker zum Schweigen bringen, die ihm nach dem Titelverlust vorgeworfen hatten, er wäre gegen dos Santos zu passiv gewesen und hätte öfter den Takedown suchen müssen: „Ich will einfach da rausgehen und das tun, was ich immer tue: Aggressiv nach vorne gehen und dominieren. Das ist es, was ich erwarte.“ Der Respekt gegenüber dos Santos ist zwar da, aber Velasquez ist entschlossen, mit einer besseren Leistung als in ihrem ersten Kampf den Spielstand zwischen den beiden auszugleichen: „Er hat sich das alles definitiv verdient, aber mit diesem Kampf bekomme ich die Möglichkeit, mir meine Revanche zu holen.“

Auch von den Wettquoten, die beinahe 2 zu 1 zu dos Santos Gunsten stehen, lässt sich der im kalifornischen San Jose trainierende Velasquez dabei nicht beeindrucken: „Es ist nicht wichtig. Wichtig ist das, was am Samstagabend passiert. Was die Leute vorher denken, interessiert mich nicht.“ In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird sich zeigen, ob die Buchmacher Recht behalten werden, oder ob Velasquez sich revanchieren und das Bild seines bewusstlos auf der Matte liegenden Körpers endgültig aus den Köpfen der Fans entfernen kann.