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Die UFC debütiert am Samstag in Singapur

Tarec Saffiedine und Hyun Gyu Lim führen den ersten Besuch der UFC in Singapur an.

Das neue Jahr ist noch keine volle Woche alt, und schon geht es in der Kampfsportwelt wieder zur Sache. Am anderen Ende der Welt wird die UFC zum ersten Mal in Singapur veranstalten, genauer gesagt im weltberühmten Marina Bay Sands-Hotel.

Die Veranstaltung bietet nicht die größten Namen – tatsächlich werden rekordverdächtige 15 der insgesamt 20 Kämpfer am Samstag ihr UFC-Debüt geben. Mit Jake Ellenberger musste vor einigen Wochen außerdem der mit Abstand größte Star auf dem ursprünglichen Programm verletzungsbedingt absagen, sodass der Koreaner Hyun Gyu Lim nun gegen Tarec Saffiedine antreten wird. Aus europäischer Sicht allerdings dürfte besonders ein Kampf auf dem Vorprogramm interessant sein, in dem der Wahl-Österreicher Mairbek Taisumov sein UFC-Debüt geben wird.

Wegen der Zeitverschiebung wird das Vorprogramm auf ufc.tv am Samstag bereits mittags um 12.30 Uhr deutscher Zeit beginnen.

Tarec Saffiedine vs. Hyun Gyu Lim
Im auf fünf Runden angesetzten Hauptkampf der 34. UFC Fight Night wird Tarec „Sponge“ Saffiedine (14-3) auf den Südkoreaner Hyun Gyu „The Ace“ Lim (12-3-1) treffen. Sowohl Saffiedine als auch Lim halten ihre Kämpfe lieber im Stand – Saffiedine, weil er dem Großteil seiner Gegner dort technisch überlegen ist und Lim, weil seine Kontrahenten nach einem klaren Treffer meist rücklings auf der Matte landen. Das dürfte am Samstag für einen spannenden Kampf sorgen, nach dem die Weltergewichtsklasse um einen aufstrebenden Top Ten-Kandidaten reicher sein wird.          

Wie so viele andere Kämpfer dieser Veranstaltung, wird auch Tarec Saffiedine am Samstag sein UFC-Debüt geben. Im Gegensatz zu den anderen Octagon-Neulingen wird „Sponge“ allerdings als Champion ins Octagon steigen, denn vor ziemlich genau einem Jahr konnte der Belgier mit einem Punktsieg gegen Nate Marquardt den Strikeforce-Weltergewichtsgürtel an sich reißen. Zwar war seine Regentschaft prinzipiell schon am selben Abend wieder vorbei, da „Marquardt vs. Saffiedine“ Strikeforces letzter Event vor der Übernahme des Kaders in die UFC war, trotzdem hat sich der Team Quest-Kämpfer mit dem Titelgewinn eine gute Ausgangsposition für den Start seiner UFC-Karriere geschaffen, wie seine Position im Hauptkampf zeigt.

Vor dem Überraschungssieg flog Saffiedine nämlich trotz sechs Siegen im Stikeforce-Hexagon länger unter dem Radar, bis er im Januar 2013 die Chance bekam, gegen Nate Marquardt um den Weltergewichtsgürtel von Strikeforce anzutreten. Der Belgier ging als Underdog in den Kampf, nahm Marquardt aber über fünf Runden die Beweglichkeit, indem er sein Bein mit dutzenden Low-Kicks malträtierte. Das Momentum dieses Sieges konnte „Sponge“ bisher allerdings nicht weiterführen, da er im Laufe des vergangenen Jahres verletzungsbedingt einen Kampf gegen Siyar Bahadurzada absagen musste.

Für Hyun Gyu Lim wird dies der dritte Auftritt in der UFC sein. Eigentlich hätte er bereits im November 2012 seinen ersten Kampf im Octagon bestreiten sollen, allerdings führte der extreme Gewichtsverlust beim Abkochen zu Komplikationen, sodass ein Arzt ihn dazu brachte, die Prozedur abzubrechen. Der geplante Kampf gegen David Mitchell fiel somit ins Wasser. Auch für Außenstehende ist der Grund für dieses Debakel auf den ersten Blick ersichtlich: Lim ist riesig für die Weltergewichtsklasse. 1,88 Meter groß und am Kampfabend garantiert nicht nur 77 Kilo schwer zu sein, kann zwar große Vorteile haben, bringt aber eben auch nicht zu verachtende Nachteile mit sich. Neben dem nicht allzu gesunden Gewichtsverlust vor dem Kampf ist besonders Lims Ausdauer im Kampf fraglich. Ob das in einem 25-minütigen Kampf gegen jemanden zum Problem wird, der schon einmal die vollen fünf Runden hinter sich gebracht hat, wird am Samstag wohl in Lims Händen bzw. Fäusten liegen.

Nach dem Debakel Ende 2012 debütierte das Weltergewicht im vergangenen März dann schließlich aber doch noch erfolgreich im Octagon und schlug in Runde drei Marcelo Guimaraes mit einem Kniestoß K.o. Im August folgte ein Kampf gegen Deutschlands Pascal Krauss, in dem beide sich vier Minuten lang nichts schenkten, bis Krauss sich am Knöchel verletzte und von Lims Bomben K.o. geschlagen wurde. Nach der Verletzung Jake Ellenbergers bekommt der 28-Jährige hier die größte Chance seiner Karriere. Gewinnt er gegen Saffiedine, dürfte er damit einen weiteren Sprung entlang der Ranglisten machen und in seinem nächsten Kampf einen weiteren Gegner vorgesetzt bekommen, den er sich ohne diese unerwartete Chance wohl über eine weitaus längere Zeit hinweg hätte erarbeiten müssen.

Tatsuya Kawajiri vs. Sean Soriano
Im Co-Hauptkampf wird ein in Japan sehr bekanntes Gesicht sein UFC-Debüt geben – Tatsuya „Crusher“ Kawajiri (32-7-2) stand im Laufe der letzten 13 Jahre ganze einundvierzig Mal im Ring oder Käfig, u.a. gegen Shinya Aoki, Gilbert Melendez, Joachim Hansen und Eddie Alvarez. Da diese Kämpfe allerdings beinahe ausschließlich im Land der aufgehenden Sonne stattgefunden haben, ist der 35-Jährige in Europa und Amerika kaum bekannt. Nun wird er zum ersten Mal seit einem kurzen Abstecher zu Strikeforce auch in der westlichen Welt 15 Minuten Scheinwerferlicht bekommen. Der „Crusher“ ist in allen Bereichen des Sports versiert; seine Siege sind je zu einem knappen Drittel durch (T.)K.o., Aufgabe und Punktentscheid zustande gekommen. Am Samstag wird er auf den wesentlich unerfahreneren, aber auch elf Jahre jüngeren Sean Soriano (8-0) treffen.

Auch der Blackzilian-Kämpfer aus Miami ist im Kampf überall gefährlich – von seinen acht Siegen hat er zwei durch Punktentscheid und je drei durch (T.)K.o. oder Aufgabe eingefahren. Auf dem Papier wirkt der Erfahrungsunterschied zwischen den beiden groß genug, um Soriano wie einen Aufbaukampf für den Veteranen Kawajiri wirken zu lassen, tatsächlich könnte das Duell aber ausgeglichener sein als gedacht. Kawajiri hat seit Dezember 2012 nicht mehr gekämpft, während Soriano in der Zwischenzeit zehn volle Runden Kampferfahrung sammeln konnte und seine Fähigkeiten zusammen mit Vitor Belfort, Rashad Evans und co. bei den Blackzilians ausgebaut hat. Ob er den aktuellen Lauf des Erfolgs-Teams aus Florida weiterführen kann oder der Veteran und Lokalmatador die Oberhand behält, werden wir am Samstag sehen.

Kiichi Kunimoto vs. Luiz Dutra
Im Weltergewicht werden mit Kiichi „Strasser“ Kunimoto (15-5-2(1)) und Luiz „Besuoro“ Dutra (11-2) zwei weitere UFC-Neulinge um ihren ersten Sieg im Octagon kämpfen.

Kunimoto startete seine professionelle MMA-Karriere im Jahr 2006 und hat sich seitdem hauptsächlich bei Pancrase seine Sporen verdient. Nach einem eher unsteten Karrierestart konnte Kunimoto seit 2011 konstant überzeugen und sechs seiner letzten sieben Kämpfe gewinnen, zuletzt per Armbar gegen den UFC-Veteranen Edward Faaloloto.

Luiz Jorge Dutra Jr. war Teil der zweiten brasilianischen „Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) und sicherte sich mit einem Erstrundensieg durch Aufgabe seinen Platz im Viertelfinale. Den Kampf gegen Viscardi Andrade konnte er jedoch wegen einer gebrochenen Hand nicht antreten, und auch seine einzigen beiden Niederlagen kamen durch eine Knie- bzw. Schulterverletzung zustande. Daneben konnte er u.a. die UFC-Veteranen Luis Ramos und Fabricio Camoes besiegen.

Kyung-Ho Kang vs. Shunichi Shimizu
Das vier Kämpfe umfassende Hauptprogramm wird am Samstag von einem Leichtgewichtskampf zwischen dem zweifachen Octagon-Veteranen Kyung-Ho „Mr. Perfect“ Kang (11-7-0(1)) und dem japanischen UFC-Debütanten Shunichi Shimizu (28-8-10) eingeleitet.

Kang debütierte im vergangenen März im Octagon, als er eine geteilte Punktentscheidung an Alex Caceres abgeben musste. Bei der Überprüfung der Drogentests stellte sich allerdings heraus, dass Caceres in den Wochen vor ihrem Kampf wohl ein paar Gramm Marijuana zu viel geraucht hatte, sodass sein Sieg nicht gewertet wurde. Im August stieg Kang zum zweiten Mal ins Octagon, musste bei UFC 164 aber erneut eine knappe Punktentscheidung abgeben; Chico Camus wurde im Anschluss allerdings nicht positiv getestet. Am Samstag wird Kang versuchen, seinen ersten Sieg in der UFC und gleichzeitig den sechsten Erfolg im zehnten Kampf seit Mitte 2011 einzufahren.

Ihm gegenüber wird der Japaner Shunichi Shimizu stehen, der zwar noch nie für die UFC gekämpft hat, aber mit der Erfahrung aus 46 MMA-Kämpfen im Octagon debütieren wird. Den Großteil dieser Kämpfe hat Shimizu für die japanische Organisation ZST ausgetragen, die einige ausgefallene Regeln auf ihren Events anwendet: Neben der Möglichkeit, Tag-Team-Kämpfe auszutragen, werden die Kämpfe nicht von Ringrichtern gewertet, sodass jeder Kampf als Unentschieden gilt, der über die volle Distanz geht. Diese eigenwillige Regel führte dazu, dass Shimizu ein knappes Jahr nach seinem Profi-Debüt eine Bilanz von null Siegen, einer Niederlage und fünf Unentschieden sein Eigen nennen konnte, bevor er damit anfing, den Großteil seiner Kämpfe vorzeitig zu beenden. 19 Mal ist ihm das seither mit Aufgabegriffen gelungen – ob ihm ein solcher auch in Singapur den Sieg bringen wird, werden wir am Samstagmittag erfahren.

Vorprogramm (Facebook)
Angeführt wird das Vorprogramm im Marina Bay Sands von einem Federgewichtsduell zwischen Max „Blessed“ Holloway (7-3) und Will „The Kill“ Chope (19-5). Holloway debütierte im Februar 2012 als kurzfristiger Ersatz in der UFC und verlor durch Aufgabe gegen Dustin Poirier. Seitdem konnte er Pat Schilling, Justin Lawrence und Leonard Garcia besiegen, gab im Mai allerdings eine hauchdünne Punktentscheidung an Dennis Bermudez ab und wurde im August von Conor McGregor bezwungen – der Thaiboxspezialist braucht gegen UFC-Neuling Will Chope also dringend einen Sieg.

Chope, ursprünglich aus Kalifornien stammend, ist nach seiner Zeit bei der US Air Force in Südost-Asien hängengeblieben, hat die Phillipinen, Taiwan, Malaysia und Thailand bereist und in der Heimat des Thaiboxens ein neues Zuhause gefunden – wie Holloway fühlt sich auch Chope in der Kunst der acht Gliedmaßen am wohlsten. Das mit 1,95 Metern bizarr große Federgewicht hat der zuletzt allerdings auf dem Boden noch mehr Erfolg gehabt, wo der 23-Jährige zwölf seiner Siege einfahren konnte, zehn davon als Teil seiner aktuellen Siegesserie von 14 Erfolgen am Stück.

Im Leichtgewicht kommt es zum Duell zwischen Katsunori Kikuno (21-5-2) und Quinn Mulhern (18-3). Mulhern wurde durch die Strikeforce-Übernahme in die UFC transferiert, wo er direkt in seinem Debüt bei UFC 158 Rick Story vor die Fäuste bekam und in Runde eins T.K.o. geschlagen wurde, weshalb er in Singapur dringend einen Sieg braucht. Kikuno gibt nach fünf aufeinanderfolgenden Siegen sein UFC-Debüt. Der 32-jährige Japaner konnte zwölf seiner 21 Siege durch K.o. einfahren und stand bereits mit Kämpfern wie Gesias Cavalcante und Eddie Alvarez im Ring.

Im Bantamgewicht werden Royston Wee (2-0) und Dave „Scarecrow“ Galera (5-0) aufeinandertreffen. Wee gab erst Ende 2011 sein professionelles Debüt und konnte innerhalb eines knappen Monats zwei Kämpfe vorzeitig gewinnen. Seitdem hat der mittlerweile 27-Jährige nicht mehr gekämpft, dafür aber nach einem erfolglosen Versuch, bei „TUF: China“ teilzunehmen, als erster MMA-Kämpfer aus Singapur einen Vertrag mit der UFC bekommen. Er trifft auf Dave Galera, der mit fünf Kämpfen ebenfalls recht wenig Erfahrung im Käfig hat. Auch er gab sein Debüt Ende 2011 und hat im April 2013 zum letzten Mal gekämpft, konnte in diesem Zeitraum aber jeden seiner fünf Kämpfe vorzeitig gewinnen.

Außerdem wird in Singapur der Wahl-Österreicher Mairbek „Beckan“ Taisumov (20-4) sein Octagon-Debüt geben. Der gebürtige Tschetschene, der mittlerweile in Wien lebt, konnte jeden seiner 20 Siege vorzeitig einfahren und wird am Samstag im Leichtgewicht auf Tae „Macho“ Hyun Bang (16-7) treffen. Der 30-Jährige, der bereits mit Takanori Gomi und Jorge Masvidal im Käfig stand, legte 2010 eine längere Pause vom Sport ein, kehrte im vergangenen Juni allerdings erfolgreich mit einem T.K.o.-Sieg gegen Joo Dong Hwang zurück ins Geschehen.

Im Bantamgewicht wird Dustin Kimura (10-1) zum dritten Mal ins Octagon steigen. Bei UFC 156 im vergangenen Februar debütierte der 24-Jährige mit einem beeindruckenden Sieg gegen Chico Camus, wurde jedoch im September von Mitch Gagnon zur Aufgabe gezwungen. In Singapur trifft er auf Jon „The Heat“ delos Reyes (7-2), nach Jon Tuck der zweite gebürtige Guamese in der UFC. Der hauptberuflich als Koch arbeitende delos Reyes hat jeden seiner sieben professionellen Siege vorzeitig eingefahren, drei durch K.o. und vier durch Aufgabe.

Im ersten Kampf des Abends treffen mit Leandro „Brodinho“ Issa (11-3) und Russel Doane (12-3) ebenfalls zwei UFC-Neulinge im Bantamgewicht aufeinander. Issa ist ein brasilianischer ONE FC-Veteran mit einem BJJ-Schwarzgurt, der unter Thaibox-Spezialist Chtri Sityodtong in Singapur trainiert. Nun bekommt er nach acht Siegen in seinen letzten neun Kämpfenseine Chance in der UFC, genau wie der Hawaiianer Doane, der in diesem Jahr bereits vier Mal gekämpft und drei Mal gewonnen hat – zuletzt schlug er im November den UFC-Veteranen Jared Papazian mit Ellbogenstößen K.o.

Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 34: Saffiedine vs. Lim
Samstag, 4. Januar 2013
Marina Bay Sands in Marina Bay, Singapur

Hauptprogramm
Tarec Saffiedine vs. Hyun Gyu Lim
Tatsuya Kawajiri vs. Sean Soriano
Kiichi Kunimoto vs. Luiz Dutra
Kyung-Ho Kang vs. Shunichi Shimizu

Vorprogramm
Max Holloway vs. Will Chope
Katsunori Kikuno vs. Quinn Mulhern
Royston Wee vs. Dave Galera
Mairbek Taisumov vs. Tae Hyun Bang
Dustin Kimura vs. Jon Delos Reyes
Leandro Issa vs. Russell Doane