MMA

Die Nachwehen von UFC 139

UFC 139: Shogun vs. Henderson (Poster via Zuffa LLC)

Im Schatten von UFC on Fox 1 fand am vergangenen Wochenende UFC 139 statt. Der sehr unterhaltsame Event endete damit, dass Wanderlei Silva, Cung Le, Dan Henderson und Mauricio „Shogun“ Rua mit dem Bonus für den Kampf des Abends nach Hause gehen konnten. Dazu überzeugte Urijah Faber gegen Brian Bowles und sicherte sich noch dazu den Bonus für die Submission of the Night.

Dan Henderson besiegt Mauricio „Shogun“ Rua nach Punkten

Dan Henderson und Mauricio „Shogun“ Rua bewiesen eindrucksvoll, warum die Entscheidung, auch Mainevents, bei denen kein Titel auf dem Spiel steht, über fünf Runden gehen zu lassen, richtig war. Dan Henderson bestimmte die ersten drei Runden und hatte „Shogun“ in der ersten und in der dritten Runde kurz vor der TKO-Niederlage, doch Rua kam immer wieder zurück und konnte seinerseits Henderson mit harten Treffern in Schwierigkeiten bringen. Die letzten beiden Runden gingen dann an den Brasilianer, der fast die komplette fünfte Runde in der Fullmount verbrachte, weswegen viele ihm diese Runde mit 10:8 angerechnet hätten. Die Punktrichter teilten diese Einschätzung nicht und gaben den Kampf allesamt mit 48:47 an Henderson.

Dan Henderson

Henderson ist im Moment in der unglücklichen Position, dass er eigentlich um den Mittel- und Halbschwergewichtstitel kämpfen könnte, aber in beiden Gewichtsklassen stehen mit Chael Sonnen für Anderson Silva bzw. Rashad Evans für den Gewinner zwischen Jon Jones und Lyoto Machida die Pflichtherausforderer schon fest. Somit stünde Henderson eine lange Pause bevor, wenn er auf einen Titelkampf warten würde. Deswegen und weil viele Fans, Experten und Dana White den Kampf unentschieden gewertet hatten, steht nun ein zweiter Kampf zwischen „Shogun“ und Henderson im Raum. Sicherlich eine interessante Option, die aber sofort verworfen werden dürfte, wenn sich einer der derzeitigen Titelherausforderer verletzen sollte.

Mauricio „Shogun“ Rua

Sollte es nicht zu einem direkten Rückkampf kommen, würde sich für Rua jetzt ein Kampf gegen Quinton „Rampage“ Jackson anbieten. Sollte es dazu kommen, wäre es das zweite Aufeinandertreffen der beiden PRIDE-Veteranen, die bereits in der Eröffnungsrunde des PRIDE Middleweight Grand Prix 2005 aufeinandertrafen. Damals siegte Rua durch TKO in der ersten Runde.

Wanderlei Silva besiegt Cung Le durch TKO

In der ersten Runde schienen die Befürchtungen vieler Wanderlei Silva Fans wahr zu werden, als Cung Le den überraschend zurückhaltend kämpfenden Brasilianer mehrfach mit guten Kicks traf und ihn sogar einmal mit einer Spinning Backfist ins Wanken brachte. Silva erholte sich und kam in der zweiten Runde gegen einen sichtlich langsamer werdenden Le besser in den Kampf. Kurz vor Ende der zweiten Runde traf Silva seinen Gegner mit mehreren guten Knien am Kopf, bis er zu Boden ging. Dort folgten weitere Schläge, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Wanderlei Silva

Silva hat mit diesem Kampf seine UFC Karriere fürs erste gerettet, allerdings stellt sich weiter die Frage, ob er noch mit den Top-Leuten in der Gewichtsklasse mithalten kann. Ein Kampf gegen Demian Maia könnte ihn wieder oben angreifen lassen und gegen den BJJ-Spezialisten ist die Gefahr auch nicht so groß, dass Silva wieder schwer KO geht, was eine der größten Sorgen von Dana White ist. Maia und Silva sind allerdings alte Trainingskollegen, ein solcher Fight dürfte daher bei keinem der Beiden sonderlich weit oben auf der Wunschliste stehen. Ein Kampf gegen den Verlierer des Kampfes Michael Bisping gegen Jason „Mayhem“ Miller könnte auch zeigen, ob Silva noch mal ein Angriff auf die Spitze der Gewichtsklasse starten kann, oder ob er in Zukunft gegen die Jorge Riveras dieser Welt kämpfen wird.

Cung Le

Das UFC Debüt von Cung Le wurde mit Spannung erwartet und in der ersten Runde hat er auch gezeigt, was er im Stand alles drauf hat. Für Le stellt sich allerdings die Frage: Will er wirklich kämpfen? Für Anfang nächsten Jahres soll Le schon die nächsten Dreharbeiten in seinem Terminkalender haben, was nicht sonderlich viel Platz fürs Training lässt. Sollte Le, der einen Vertrag über sechs Kämpfe bei der UFC unterschrieben hat, sich dennoch entscheiden, in die UFC zurückzukehren, dann wäre ein Kampf gegen Alan Belcher sicher unterhaltsam. Ansonsten könnte ein Aufbaukampf gegen z. B. Tom Lawler zeigen, ob Le wirklich in die UFC gehört.

Urijah Faber besiegt Brian Bowles durch Guillotine Choke

Urijah Faber war den ganzen Kampf über immer einen Schritt schneller als Bowles. Viele von Bowles Schlägen gingen in der ersten Runde ins Leere, während Faber immer wieder traf und Bowles eineinhalb Minuten vor Schluss der Runde auch noch zu Boden brachte. In der zweiten Runde brachte er Bowles schließlich mit einem Aufwärtshaken ins Wanken und schickte ihn mit einem Knie zu Boden. Dort dauerte es nicht lange, bis Bowles in einem Guillotine Choke aufgeben musste.

Urijah Faber

Der Rückkampf gegen Dominick Curz ist schon beschlossene Sache. Für Faber stellt sich jetzt nur noch die Frage, wann der Kampf stattfinden wird. Dazu hat Faber auf der Pressekonferenz nach UFC 139 daraufhin gewiesen, dass er gerne gegen Cruz als Trainer bei der nächsten The Ultimate Fighter Staffel teilnehmen würde. Dana White schien der Idee nicht ganz abgeneigt zu sein.

Brian Bowles

Bowles wird sich nun wieder hinten anstellen müssen. Ein Schicksal, das er mit Demetrious Johnson teilt, der zuletzt gegen Cruz verloren hat, weswegen ein Kampf zwischen den beiden sicher interessant wäre. Dazu wäre Brad Pickett, der erst bei UFC 138 verloren hat, eine passende Option für Bowles.

Martin Kampmann besiegt Rick Story nach Punkten

Martin Kampmann war in diesem Kampf eindeutig der technisch überlegene Striker. Rick Story gelang es nicht, Kampmann seinen Stil aufzuzwingen, obwohl er zu Beginn des Kampfes einige gute Treffer landen konnte. Danach nahm der Däne ihn systematisch im Stand auseinander und die einzige Frage nach dem Kampf war: Warum hat ein Punktrichter den Kampf mit 29:28 an Rick Story gegeben? Die Antwort gab es nach dem Ende des Events, als sich herausstellte, dass einem der Punktrichter ein Fehler unterlaufen war. Das offizielle Urteil wurde somit abschließend in 30:27, 30:27, 29:28 für Kampmann abgeändert.

Martin Kampmann

Kampmann würde sich sicherlich gerne für die umstrittene Punktniederlage gegen Diego Sanchez revanchieren. Sollte dieser seinen anstehenden Kampf gegen Jake Ellenberger gewinnen, wäre dieser Kampf durchaus möglich. Da auch sonst die meisten Top-Leute in der Gewichtsklasse bereits verplant sind, wäre noch ein Kampf gegen den Sieger des bei UFC 140 stattfindenden Kampfes zwischen Brian Ebersole und Claude Patrick denkbar.

Rick Story

Nachdem Story sich mit Siegen über Johny Hendricks und Thiago Alves in die Top 10 im Weltergewicht vorgearbeitet hatte, steht er nun wieder ziemlich weit am Ende einer langen Schlange im sehr gut besetzten Weltergewicht. Und es wird ziemlich schwer, passende Aufbaugegner zu bekommen, deswegen ist es wahrscheinlich, dass er gleich gegen den Verlierer vom Kampf zwischen Ellenberger und Sanchez kämpfen wird. Eine weitere Möglichkeit wäre John Hathaway, wenn dieser von seiner Verletzung genesen ist.

Stephan Bonnar besiegt Kyle Kingsbury nach Punkten

Viele hatten hier einen Kampf im Stand erwartet, allerdings hatten die Fans die Rechnung ohne einen strategisch kämpfenden Stephan Bonnar gemacht. Nachdem der Kampf in der ersten Runde noch zum größten Teil im Stand abgelaufen ist, und Bonnar Kyle Kingsbury erst eine Minute vor Schluss der Runde zu Boden gebracht hat, dauerte es in der zweiten Runde nur eine Minute und in der dritten Runde nur 30 Sekunden bis Bonnar Kingsbury auf dem Boden hatte. Von dort dominierte Bonnar, konnte den Kampf aber nicht beenden. Dennoch reichte es bei einem Punktrichter für eine 30:25 Wertung.

Stephan Bonnar

Bonnar hat auf der Pressekonferenz nach dem Event zugegeben, dass er in den Kampf gegangen ist, um den Bonus für den Kampf des Abends zu holen, aber als er in der ersten Runde gemerkt hat, dass er auf dem Boden eindeutige Vorteile hat, ist er dabei geblieben. Eine ähnliche Strategie wird er sich wohl auch gegen Quinton „Rampage“ Jackson, den Bonnar in einem Interview nach dem Kampf herausgefordert hat, zurechtlegen müssen. „Rampage“ hat dem Kampf laut White schon zugestimmt, ob die UFC ihn jedoch tatsächlich auf die Beine stellt, wird sich erst zeigen müssen.

Kyle Kingsbury

Nach vier Siegen in Folge war dies ein Rückschlag für Kingsbury, aber auch ein Zeichen dafür, dass er dringend an seiner Takedownverteidigung arbeiten muss, ansonsten wird er sich in seinen nächsten Kämpfen häufig auf der Matte wiederfinden. Seine Takedownverteidigung könnte er in einem Kampf gegen Jason Brilz testen, wesentlich interessanter wäre aber wohl ein Duell mit Cyrille Diabate.