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Die Nachwehen der UFC Fight Night 33

Antonio "Bigfoot" Silva war am Wochenende in Brisbane Teil eines der besten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten (Foto: Tobias Bunnenberg/Groundandpound.de).

Die Namen auf dem Programm haben es schon im Vorhinein erahnen lassen, aber die Kämpfe am Freitag in Brisbane haben die Erwartungen noch um ein gutes Stück übertroffen: der Event lieferte Action en masse.

Harte Schlachten und furiose Knockouts prägten einen kurzweiligen Abend an der Ostseite Australiens. Von Soa Paleleis schneller Abfertigung von Pat Barry über Ryan Baders dominante Leistung gegen Anthony Perosh zu „Shogun“ Ruas wildem K.o. gegen James Te Huna und vor allem der epischen Fünf-Runden-Schlacht zwischen Mark Hunt und Antonio „Bigfoot“ Silva – die Veranstaltung sorgte vor allem für eines, nämlich eine Menge Unterhaltungswert.

Mark Hunt vs. Antonio Silva
Wohl niemand hätte gedacht, dass dieser Schwergewichtskampf über die volle Distanz gehen würde. Und wenn, dann hat sich dieser jemand wohl eher einen ereignisarmen, clinchlastigen Langweiler vorgestellt – die 25 absolut verrückten Minuten jedenfalls, die Mark Hunt und Antonio Silva in Brisbane hingelegt haben, hat in dieser Form ziemlich sicher niemand vor Augen gehabt. Das Unentschieden macht es allerdings auch schwierig, einen sinnvollen nächsten Kampf für die beiden zu buchen.

Mark Hunt:
Wer sich noch an Hunts Kampf gegen Ben Rothwell im Herbst 2011 erinnert, der hat einen schwer atmenden, langsamen „Super Samoan“ vor Augen, der konditionell völlig am Ende ist. Niemand hätte gedacht, dass der damals 36-Jährige mehr als zwei Jahre später für einen der besten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten mitverantwortlich sein würde, der darüber hinaus über die vollen fünf Runden ging. Das Unentschieden markiert das Ende eines verrückten Jahres für den Neuseeländer, der im März zunächst Stefan Struves Kiefer in zwei Teile schlug, dann mit einem spektakulären Spinning Heel Kick von Junior dos Santos ausgeknockt wurde und nun nach einem der besten Kämpfe des Jahres ein Unentschieden herausholte. Das macht ihn zwar nicht zu einem Titelkandidaten, hat ihm aber eine Menge Respekt und aller Voraussicht nach einen bekannten nächsten Gegner eingebracht.
Vorhersage: Er trifft auf Brendan Schaub.

Antonio Silva
Gleiches gilt für „Bigfoot“. Wegen seines Aussehens wird er von einigen Fans abwertend als Freak gesehen, dabei wird gern vergessen, dass dieser Mann tatsächlich ein ernstzunehmender Kämpfer ist. Ja, er wurde zwei Mal von Cain Velasquez auseinandergenommen und ja, bei seinen Siegen gegen Travis Browne und Alistair Overeem war sicherlich eine Portion Glück im Spiel. Trotzdem hat Silva in der UFC nur gegen die Besten verloren und einige von ihnen spektakulär geschlagen. Der epische Kampf gegen Hunt dürfte ihm schlussendlich doch noch den verdienten Respekt einbringen, die Frage ist nur, wie es für in weitergeht? Ein direkter Rückkampf ist natürlich möglich, wahrscheinlich wird er aber jemanden aus dem mittleren Drittel der Ranglisten vorgesetzt bekommen.
Vorhersage: Er trifft auf Stefan Struve, falls dieser 2014 ins Octagon zurückkehren kann.


Mauricio Rua vs. James Te Huna
Der Co-Hauptkampf hatte das Potential, ein 15 Minuten langer Kracher zu werden, stattdessen endete das Duell zwischen „Shogun“ und James Te Huna schnell und hart, als der ehemalige Pride-Champion seinen Gegner mit einem linken Haken erwischte und ihn damit sofort bewusstlos schlug.

Mauricio Rua:
Der vergangene Freitag war ein Wendepunkt für Mauricio „Shogun“ Rua. Hätte er verloren, hätte Dana White ihm den Rücktritt oder mindestens einen Wechsel ins Mittelgewicht nahegelegt; die prestigeträchtigen Kämpfe, die „Shogun“ seit jeher gewohnt war, wären Vergangenheit gewesen. Rua stand nach drei Niederlagen in seinen letzten vier Kämpfen also unter ziemlichem Druck, drehte mit dem wilden K.o. allerdings die Uhr zurück und brachte die zahlreichen Kritiker vorerst zum Schweigen. Kann man behaupten, dass er zurück ist? Dafür ist ein Sieg gegen einen Mittelklasse-Gegner zu wenig, wenn 2014 allerdings weiterhin dieser ziemlich fit wirkende „Shogun“ aufläuft, könnte er noch für einige imposante Kämpfe und Siege sorgen.
Vorhersage: Er trifft auf Ryan Bader.

James Te Huna:
Es hätte James Te Hunas bestes Jahr werden können. Gegen Glover Teixeira und Rua zu verlieren, ist zwar bei weitem keine Schande, den erhofften Durchbruch an die Spitze der Gewichtsklasse kann der Neuseeländer nun aber vorerst vergessen. Zwar wird er wohl nicht entlassen werden, das kommende Jahr wird für ihn aber auf dem Vorprogramm beginnen. Ein Kampf gegen Fabio Maldonado würde Sinn machen, obwohl der Brasilianer aus einem Sieg kommt, da es für Te Huna ansonsten recht wenig passende Gegner gibt und er sich mit den Kämpfen gegen Teixeira und Rua zumindest einen einigermaßen bekannten Namen gemacht hat.
Vorhersage: Er trifft auf Fabio Maldonado.


Ryan Bader vs. Anthony Perosh
Im Halbschwergewicht fuhr Ryan Bader nach der enttäuschenden K.o.-Niederlage gegen Glover Teixeira im September einen überzeugenden Comeback-Sieg ein. Drei Runden lang dominierte er den Australier Anthony Perosh nach Strich und Faden und sackte nach 15 Minuten eine Punktentscheidung ein, die nicht einstimmiger hätte sein können.

Ryan Bader:
Bader hat mit diesem Sieg eine Serie fortgesetzt: Gegen die Top-Leute geht er unter, während er jeden Gegner, der nicht zur Spitze gehört, gnadenlos zerlegt. So auch geschehen am Freitag, wodurch Baders UFC-Bilanz sich auf 9-4 verbessert hat. Dank seines Namens wird er auch in seinem nächsten Kampf wohl wieder auf einen namhaften Gegner treffen.
Vorhersage: Er trifft auf Mauricio Rua.

Anthony Perosh:
Perosh hat zwar einerseits ein weiteres Mal sein riesiges Kämpferherz bewiesen, andererseits aber auch, dass es für die Jungs aus den Top 15 nicht reicht. Im Alter von 41 Jahren und mit vier respektablen UFC-Siegen auf dem Buckel könnte es für ihn Zeit werden, sich im Guten vom Kämpferleben zu trennen. Erfahrungsgemäß wird das allerdings höchstwahrscheinlich nicht passieren, und so wird „The Hippo“ 2014 wohl einen Platz auf den Vorprogrammen weiterer UFC-Veranstaltungen finden.
Vorhersage: Er trifft auf Robert Drysdale oder auf Ilir Latifi, falls dieser bei der UFC London gegen Cyrille Diabaté.


Pat Barry vs. Soa Palelei
Auch dieser Kampf versprach ein schnelles Ende, und Soa Palelei sorgte gegen Pat Barry mit hartem Groundandpound dafür, dass genau das auch eintraf. Barry konnte einen Takedownversuch zunächst verteidigen, landete dann aber doch auf dem Rücken, von wo aus er zwar zunächst noch einen Kimura versuchte. Der gelang jedoch nicht, dafür sicherte Palelei sich die Mount und ließ von dort aus einen Schlaghagel los, der den Ringrichter nach nur zwei Minuten der ersten Runde zum Abbruch zwang.

Soa Palelei:
Nach dem Kampf gegen Nikita Krylov im August musste Soa Palelei für seine zweifelhafte Kondition eine Menge Kritik einstecken, obwohl er den Kampf in der dritten Runde durch T.K.o. gewinnen konnte. Als bekannt wurde, dass er mit einer schwer verletzten Rippe gekämpft hatte, hat sich die Kritik in Respekt verwandelt, und trotzdem musste Palelei gegen Barry zeigen, wozu er tatsächlich fähig ist. Mit dem schnellen T.K.o. hat der Australier genau das getan, momentan gibt es allerdings wenige passende Gegner für ihn – unter Umständen wird sich Palelei daher mit einem eher unbekannten nächsten Gegner abfinden müssen.
Vorhersage: Er trifft auf Jared Rosholt.

Pat Barry:
Barry wollte in Brisbane endlich die schmerzlich vermisste Konstanz finden und gegen Palelei den Grundstein für die erste Siegesserie seiner UFC-Karriere legen. Stattdessen endete der Abend für ihn erneut auf dem Rücken liegend, womit das Eis für ihn langsam dünn wird. Zwar wird er dank seiner Beliebtheit bei den Fans wohl noch eine Chance bekommen, wenn es jemals Hoffnung auf einen Titelkampf des sympathischen Kickbox-Spezialisten gegeben hat, ist die wohl allerdings allerspätestens jetzt zerstört.
Vorhersage: Er trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen Walt Harris und Nikita Krylov (UFC on Fox 10).


Dylan Andrews vs. Clint Hester
Auch in diesem Mittelgewichtskampf zog der Lokalmatador den Kürzeren. Der Kampf zwischen Dylan Andrews und Clint Hester war zwei Runden lang ausgeglichen, bevor Andrews während der Rundenpause aufgeben musste, weil er sich bei einem Schlag an der Schulter verletzt hatte.

Clint Hester:
Nach dem krachenden K.o. gegen Bristol Marunde im April hat Hester nun den zweiten UFC-Sieg in der Tasche, dank der Verletzung Andrews wird sie ihm in den Ranglisten allerdings nicht allzu viel bringen. Trotzdem kann er zwei Erfolge sein Eigen nennen und wird daher wohl auf eines der Mittelgewichte treffen, die eine vergleichbare Bilanz vorweisen.
Vorhersage: Er trifft auf Caio Magalhaes.

Dylan Andrews:
Ein unglückliches Ende für Dylan Andrews, der sich bereits im August gegen Papy Abedi an der Schulter verletzte. In diesem Kampf sah er bis zu seinem K.o.-Sieg nicht besonders gut aus, woran die Schulter wohl ihren Anteil hatte. Nach einem enttäuschenden Start in der UFC wird Andrews einen beeindruckenden Sieg brauchen, sobald seine Schulter verheilt ist.
Vorhersage: Er trifft auf Ronny Markes oder Andrew Craig.

 

Julie Kedzie vs. Bethe Correia
Der erste Kampf des Hauptprogramms war gleichzeitig das einzige Duell zweier Frauen. Die brasilianische UFC-Debütantin Bethe Correia fuhr in Brisbane einen knappen, aber umso wichtigeren Sieg gegen die erfahrene Julie Kedzie ein, die nach dem Kampf ihren Rücktritt vom MMA-Sport verkündete.

Bethe Correia
Correia, die kurzfristig eingesprungen war, hat sich mit dem Sieg gegen Kedzie einen perfekten Einstieg gesichert. Es war zwar nicht der überzeugendste Sieg, den man sich vorstellen könnte, nichtsdestotrotz steht sie jetzt mit 1-0 in den Statistiken.
Vorhersage: Sie trifft auf Jessica Eye.

Julie Kedzie:
Kedzie hat bereits angekündigt, dass dies ihr letzter MMA-Kampf war. Erst in der Umkleide, kurz vor dem Kampf, erzählte die 32-Jährige ihrem Trainer Greg Jackson von ihren Plänen, bevor sie gegen Correia eine knappe Punktentscheidung verlor – ein unbefriedigender Weg, die Karriere zu beenden, in deren Verlauf Kedzie aber von sich behaupten kann, für zwei der größten Organisationen der Welt angetreten zu sein.