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Die Nachwehen der UFC Fight Night 32

Die Karrieren von Vitor Belfort und Dan Henderson haben sich am Samstag in zwei gegensätzliche Richtungen bewegt (Foto: Tobias Bunnenberg/Groundandpound.de).

Ein weiteres Mal haben die UFC-Fans in Brasilien einen Event vorgesetzt bekommen, der nicht die bekanntesten Namen auf dem Programm hatte, dafür aber mit spannenden Kämpfen und einer ganzen Menge Knockouts unterhalten konnte.

Es war ein kurzweiliger Abend für die Brasilianer, obwohl die Lokalmatadoren lediglich vier Kämpfe gewinnen konnten – nur zwei der elf Duelle gingen über die volle Distanz, stattdessen gab es spektakuläre und überraschende Knock-outs sowie vereinzelte Aufgabegriffe zu bestaunen. Im Hauptkampf führte Vitor Belfort seine imposante Mittelgewichts-Siegesserie fort, indem er den notorisch zähen Dan Henderson als erster Gegner überhaupt auf die Bretter schickte. Seine Chancen auf einen zweiten Titelkampf bis 85 Kilo sind damit dramatisch gestiegen, obwohl Dana White sich auf der Pressekonferenz nach dem Event noch nicht hundertprozentig festlegen wollte.

Vitor Belfort vs. Dan Henderson
Bis auf die letzten Sekunden gibt es über den Kampf an sich nichts zu sagen. Einer der ersten Schläge des Abends schickte Henderson bereits auf die Bretter, der noch versuchte, sich aufzurappeln, auf dem Weg aber einen Headkick mitnahm und gleich wieder zurück auf die Matte fiel.

Vitor Belfort
Belfort hat in den vergangenen Jahren seiner Karriere so einige Höhen und Tiefen erlebt, 2013 ist dafür das mit Abstand erfolgreichste seit langem. Im Alter von 36 Jahren eine derartige Renaissance zu erleben, ist absolut beeindruckend. Trotz der anhaltenden Kritik um den kontroversen Einsatz der Testosteron-Ersatz-Therapie, kann man Belforts Erfolge in diesem Jahr nicht abstreiten: Michael Bisping, Luke Rockhold und den zuvor nie ausgeknockten Dan Henderson innerhalb weniger Monate auf die Bretter zu schicken, rechtfertigt eine zweite Chance auf den Titel.
Vorhersage: Er trifft auf den Sieger des Titelkampfes zwischen Chris Weidman und Anderson Silva (UFC 168).

Dan Henderson
„Hendo“ musste am Samstag die erste K.o.-Niederlage seiner 40 Kämpfe andauernden Karriere hinnehmen und hat darüber hinaus ebenfalls zum ersten Mal drei Duelle nacheinander verloren. Vom Titelkampf, den er vor etwa einem Jahr hätte bekommen sollen, ist der 43-Jährige mittlerweile so weit entfernt, dass er vermutlich nie wieder in diese Position gelangen wird. Sein Vertrag mit der UFC ist mit diesem Kampf ebenfalls ausgelaufen, Henderson hat allerdings bereits angekündigt, nicht aufhören zu wollen. Was die Zukunft für ihn bringt, werden die nächsten Wochen zeigen.
Vorhersage: Er geht nicht in Rente und trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen „Shogun“ Rua und James Te Huna (UFC Fight Night 33).

Cezar Ferreira vs. Daniel Sarafian
Am Samstag wurde das eigentliche Finale der ersten „Ultimate Fighter: Brazil“-Staffel nachgeholt. Nach drei knappen Runden wurde Vitor Belfort-Protegé Cezar „Mutante“ Ferreira geteilt zum Punktsieger erklärt, nachdem er Sarafians Aggressivität im Stand mit Takedowns und Positionskontrolle zeitweise neutralisieren konnte.

Cezar Ferreira
Kein imposanter oder überaus spektakulärer Sieg für Ferreira, aber nichtsdestotrotz sein dritter in der UFC und darüber hinaus in einem Kampf, der seit langem mit Spannung erwartet wurde. Nun stellt sich die Frage, ob man ihn lieber in Brasilien weitere Erfahrung sammeln lassen oder ihn auf einem Event in den Staaten dem US-Publikum näher vorstellen will. Einen bekannten Namen darf man aber erwarten.
Vorhersage: Er trifft auf Tim Kennedy oder Lorenz Larkin.

Daniel Sarafian
Sarafian hat nun zwei seiner drei offiziellen UFC-Kämpfe verloren. Was andere Kämpfer zu einem Kandidaten für die Entlassungsliste machen würde, wird Sarafian dank seiner Popularität in Brasilien nicht den Job kosten, aber der erhoffte Durchbruch wird wohl noch einige Kämpfe auf sich warten lassen müssen.
Vorhersage: Er trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen Dylan Andrews und Clint Hester (UFC Fight Night 33).

Rafael Cavalcante vs. Igor Pokrajac
Sein UFC-Debüt lief nicht besonders gut, der zweite Kampf im Octagon dafür umso besser. Rafael „Feijao“ Cavalcante kam am Samstag erst richtig in der UFC an, als er Igor Pokrajac nach einer knappen Minute in den Thai-Clinch nahm und mit Kniestößen zu Boden gehen ließ, wo Pokrajac abklopfte, bevor der Ringrichter den Kampf selbst stoppen konnte.

Rafael Cavalcante
Gegen Igor Pokrajac erinnerte „Feijao“ am Samstag daran, warum er seit Jahren als eines der Top-Halbschwergewichte gilt. Auch der siebzehnte Kampf seiner Karriere endete vorzeitig, und mit der beeindruckenden Leistung gegen Pokrajac wird der populäre „Feijao“ das nächste Mal wohl wieder einen etablierten und bekannten Namen vorgesetzt bekommen.
Vorhersage: Er trifft auf „Shogun“ Rua, falls dieser bei der UFC Fight Night 33 James Te Huna besiegt.

Igor Pokrajac
Vier Mal hintereinander sieglos – für den “Duke” sieht es ziemlich düster aus. Der Kroate ist immer für einen unterhaltsamen Kampf gut, hat allerdings nicht den größten Namen und wurde in seinen letzten Kämpfen auf die Bretter geschickt, dominiert oder zur Aufgabe gezwungen.
Vorhersage: Falls er nicht entlassen wird, trifft er auf den Verlierer des Kampfes zwischen Gian Villante und Cody Donovan (UFC 167).

Paulo Thiago vs. Brandon Thatch
Brandon Thatch wurde in seinem zweiten UFC-Kampf direkt ins kalte Wasser geworfen – Paulo Thiago ist ein langjähriger Veteran, brach unter dem Druck des aggressiven Standkämpfers aber ebenso zusammen wie beinahe jeder bisherige Gegner von „Roukus“. Nur zwei Minuten und zehn Sekunden dauerte es dieses Mal, bis Thatch mit einem Knie zum Körper zum elften Mal in ebenso vielen Siegen ein vorzeitiges Kampfende erzwang.

Brandon Thatch
Thatch kam im August als hoch gehandeltes Talent in die UFC und hat im Octagon genau dort weitergemacht, wo er in der regionalen Szene aufgehört hat. Nach der Zerstörung von Justin Edwards ließ Matchmaker Joe Silva den 28-Jährigen Thatch einen Großteil der Rangliste überspringen und setzte ihm mit Thiago einen erprobten Veteranen vor die Fäuste. „Roukus“ allerdings hat den Test mit fliegenden Fahnen bestanden. Dank des beeindruckenden Sieges wird Thatch in seinem nächsten Kampf einen weiteren bekannten Namen vor die Fäuste bekommen, der selbst eine Siegesserie vorweisen kann.
Vorhersage: Er trifft auf Dong Hyun Kim oder Stephen Thompson.

Paulo Thiago
Seine UFC-Kämpfe in Brasilien hatte Thiago bis zum vergangenen Wochenende alle gewonnen, bis Brandon Thatch seine beängstigende Serie an ihm fortführte. Obwohl er fünf seiner letzten sieben Kämpfe verloren hat,  ist Thiago in Brasilien immer noch ein Star und Dana White hat immer wieder betont, dass er seinen Kampfstil mag. Ein Platz auf dem Vorprogramm gegen einen recht unbekannten Gegner ist für den nächsten Auftritt wohl am wahrscheinlichsten für den hauptberuflichen Spezial-Polizisten.
Vorhersage: Er trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen Andreas Stahl und Alex Garcia (UFC Fight Night 33).

Santiago Ponzinibbio vs. Ryan LaFlare
Ryan LaFlare ist nach Brasilien gekommen, hat einen Fan-Favoriten aus Südamerika besiegt und ist wieder nach Hause geflogen – ein perfekter Ausflug für den 30-Jährigen New Yorker. Für Santiago Ponzinibbio dagegen ein sehr enttäuschender. Obwohl er LaFlare oft treffen und im zweiten Durchgang sogar beinahe ausknocken konnte, waren dessen Grappling-Fähigkeiten auf lange Sicht zu viel für den Argentinier.

Ryan LaFlare
Zwei Kämpfe in der UFC, zwei klare Siege. La Flares Erfolg wird lediglich dadurch etwas geschmälert, dass es auch der zweite Punktsieg war. Das ist am Samstag besonders aufgefallen, weil es nach sechs vorzeitig geendeten Kämpfen das erste Duell war, das über die Distanz ging. Trotzdem hat er zwei Mal gewonnen und dürfte das nächste Mal einen etwas etablierteren Namen vorgesetzt bekommen.
Vorhersage: Er trifft auf den Gewinner des Kampfes zwischen Brian Ebersole und Rick Story (UFC 167).

Santiago Ponzinibbio
Ponzinibbio hatte durchaus seine Momente gegen LaFlare und konnte ihn in der zweiten Runde beinahe ausknocken, den Kampf hat er dennoch verloren und steht somit bei 0-1 in der UFC. Entlassen wird er als einziger Argentinier des UFC-Kaders wohl nicht, in seinem nächsten Kampf wird er sich aber wohl auf dem Vorprogramm einer der kommenden Brasilien-Veranstaltungen wiederfinden.
Vorhersage: Er trifft auf Neil Magny oder Brian Melancon.

Rony Jason vs. Jeremy Stephens
Es hätte der endgültige Durchbruch für Rony “Jason” Bezerra werden sollen, stattdessen wurde es die bitterste Niederlage, gewürzt mit der wohl unnötigsten Verletzung seiner Karriere, die nicht einmal im Kampf zustande kam. Nachdem Jeremy Stephens ihn mit einem Headkick in Runde eins sauber ausgeknockt hatte, schlug Jason im Backstage-Bereich gegen eine Wand und riss sich eine größere Wunde am Arm auf, die ihm einen Aufenthalt im Krankenhaus eingebracht hat. Aua.

Jeremy Stephens
Noch Ende letzten Jahres sah es gar nicht gut aus für „Lil’ Heathen“. Stephens hatte drei Kämpfe nacheinander verloren und war außerdem mit einer (später fallengelassenen) Anklage wegen Körperverletzung immer wieder in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Der dominante Punktsieg gegen Esteban Payan im Mai rettete ihm vorerst den Job, galt aufgrund des unbekannten Gegners aber nicht als Comeback. Der K.o.-Sieg gegen Jason dagegen war überraschend und spektakulär und dürfte dafür sorgen, dass Stephens demnächst wieder einen bekannten Namen vor die Fäuste bekommt.
Vorhersage: Er trifft auf den Sieger des Kampfes zwischen Diego Brandao und Dustin Poirier (UFC 168) oder auch auf Dennis Siver, falls er bei UFC 168 gegen Manny Gamburyan gewinnt.

Rony Jason
Drei aufeinanderfolgende Siege in der UFC und eine große Fanbasis in seinem Heimatland – Jason hat definitiv das Potential, es im Octagon zu etwas zu bringen, der vergangene Samstag allerdings hat den Durchbruch zumindest hinausgezögert. Von Jeremy Stephens ausgeknockt zu werden, ist keine Schande, sorgt in diesem Fall aber dafür, dass Jason einige Zeit lang Kämpfe unter seinem eigenen Anspruch bestreiten wird. Er wird vermutlich auf kleineren Brasilien-Events wieder aufgebaut werden, bis er eine zweite große Chance bekommt.
Vorhersage: Er trifft auf Andy Ogle oder Robbie Peralta.