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Die Nachwehen der UFC Fight Night 31

Tim Kennedy beeindruckte mit einem Erstrunden-K.o. gegen Rafael Natal.

UFC-Event Nr. 251 liegt in der Vergangenheit, und obwohl es für die Benefizveranstaltung zugunsten verwundeter Soldaten kaum bekannte Namen auf das Programm geschafft haben, hat die 31. UFC Fight Night mit Kurzweil, Knockouts und superber Stimmung unter den Zuschauern überzeugt.

Im Stand, am Boden und auf den Rängen ging es auf dem Fort Kampbell in Kentucky zur Sache, und so manche Ergebnisse dürften einige Bedeutung für die Zukunft einiger Kämpfer tragen. Wie also geht es mit den Hauptakteuren des Abends in den kommenden Monaten weiter?

Tim Kennedy vs. Rafael Natal
Den 6. November wird Tim Kennedy (17-4) wohl nie vergessen. Nach mehreren Gegnerwechseln und einer Bein-Verletzung eine Woche vor dem Kampf fuhr der Armee-Veteran einen immens wichtigen Sieg vor einer für ihn bedeutenden Kulisse ein. In den ersten Minuten seines Kampfes gegen Rafael Natal (17-5-1) geschah nicht allzu viel, 20 Sekunden vor Ende der ersten Runde fand dann aber ein linker Haken sein Ziel, der Kennedy einen wichtigen Sieg und den Bonus für den Knockout des Abends einbrachte.

Tim Kennedy
Noch vor seinem UFC-Debüt war Kennedy wegen einiger Kommentare zur seiner Meinung nach schlechten Bezahlung der Organisation bereits in der Chef-Etage in Ungnade gefallen, rettete sich aber mit einem Sieg gegen Roger Gracie vor einer potentiellen Entlassung. Nach Gerüchten um Vitor Belfort und Lyoto Machida als nächsten Gegner für den ehemaligen Scharfschützen war Rafael Natal sicherlich die angenehmere Lösung für Kennedy. Und obwohl „Sapo“ Natal in den Staaten keinen großen Namen vorweisen kann, hat Kennedy sich mit dem spektakulären Knockout ins Gespräch gebracht. Sein nächster Gegner wird zwar laut Dana White keiner der Top-Kämpfer aus dem Titelgeschehen sein, trotzdem wird Kennedy wohl einen recht prestigeträchtigen Kampf gegen einen hochwertigen Gegner bekommen, wenn er seine Verletzung auskuriert hat.
Vorhersage: Er trifft auf Cezar Ferreira, falls dieser am Wochenende bei der UFC Fight Night 32 gegen Daniel Sarafian gewinnt, oder auf Francis Carmont.

Rafael Natal
Von Anfang an war klar, dass Natal als Underdog in den Kampf gegen Kennedy gehen würde, und der Mittwochabend hat gezeigt, warum das so war. Natal wurde zwar weder überrannt noch dominiert, und doch wirkt er im Nachhinein fehl am Platz. Daran ist nicht einmal unbedingt der Knockout Schuld, sondern eher die Tatsache, dass zuvor nicht allzu viel passiert ist und Natal nun eine Erstrundenniederlage in seiner Bilanz stehen hat – er hat schlicht nicht die Gelegenheit bekommen, allzu viel zu zeigen. Nach zuletzt fünf Siegen in sechs Kämpfen, die Hoffnung auf einen Aufstieg in die relevanteren Gebiete der Rangliste gemacht hatten, natürlich ein enttäuschendes Ergebnis. In der Vergangenheit haben recht unbekannte Kämpfer, die eine Chance gegen einen größeren Namen verpasst haben, sich meist zunächst wieder auf dem Vorprogramm wiedergefunden, und Natal wird es wohl genauso ergehen.
Vorhersage: Er trifft auf Chris Camozzi oder Robert „Bubba“ McDaniel.


Liz Carmouche vs. Alexis Davis
Im einzigen Frauenkampf des Hauptprogramms musste Liz Carmouche (9-4) gegen die Kanadierin Alexis Davis (15-5) eine enttäuschende Niederlage hinnehmen. Drei Runden lang punktete Davis die Favoritin, die meiste Zeit über im Stand, aus und sicherte sich nach 15 Minuten eine verdiente Punktentscheidung.

Alexis Davis
Die Mehrheit hatte vor dem Kampf mit einem Sieg Carmouches und einem weiteren Titelkampf in näherer Zukunft gerechnet, aber Alexis Davis vermasselte diese Pläne und manövrierte sich mit einem überzeugenden Sieg stattdessen selbst in eine komfortable Position. Mit zwei Siegen in Folge dürfte die 29-Jährige beim nächsten Mal auf einen weiteren bekannten Namen treffen, der sie im Falle eines dritten Sieges in Griffweite einer eigenen Titelchance bringen könnte.
Vorhersage: Sie trifft auf Sara McMann.

Liz Carmouche
Für Liz Carmouche war der Abend auf Fort Campbell ein Reinfall – als Militär-Veteran auf einer Armee-Basis die Chance auf einen Titelkampf zu verspielen, ist selbstverständlich äußerst bitter. Nach dem großartigen Kampf gegen Rousey und einem überzeugenden Sieg gegen Jessica Andrade läuft sie zwar trotz zweier Niederlagen in drei Kämpfen keine Gefahr, entlassen zu werden, die erhoffte zweite Chance auf den Titel aber ist fürs Erste in weite Ferne gerückt.
Vorhersage: Sie trifft auf Julie Kedzie.

Yoel Romero vs. Ronny Markes
Der aus Kuba stammende, ehemalige Wahl-Deutsche Yoel Romero (6-1) sicherte sich am Mittwoch seinen zweiten Sieg in der UFC, und gegen Ronny Markes (14-2) war es wieder ein spektakulärer Knockout, der das Kampfende herbeiführte. Zwar dauerte das ganze dieses Mal deutlich länger als die 92 Sekunden, die er im April gegen Clifford Starks für den K.o. gebraucht hatte, trotzdem hat der ehemalige Olympia-Ringer sich mit diesem Kampf für größere Aufgaben empfohlen.

Yoel Romero
Romero bringt beängstigendes Potential ins Octagon. Auch im Alter von 36 Jahren kann er mit seiner Kombination aus beeindruckender Physis, weltklasse Ringen und einer Menge Dampf in den Fäusten eine Menge Schaden anrichten, wie er in seinen zwei bisherigen UFC-Kämpfen bewiesen hat. Zwar konnte der Kubaner seinen Gegner dieses Mal nicht nach eineinhalb Minuten auf die Bretter schicken und hat Markes keineswegs überrannt oder dominiert, der Knockout war dennoch sehr beeindruckend und hat dank der Platzierung auf dem Hauptprogramm mehr Aufmerksamkeit bekommen als der Starks-Kampf. Als nächstes dürfte ein größerer Name folgen, der Romero die Chance auf einen festen Platz auf dem Hauptprogramm bieten könnte. Mit Mitte dreißig darf sich der Kubaner allerdings in Zukunft keinen Ausrutscher erlauben, wenn er große Pläne verwirklichen will.
Vorhersage: Er trifft auf den Gewinner des Kampfes zwischen Ed Herman und Thales Leites (UFC 167).

Ronny Markes
Ein enttäuschender Abend für Markes, der sich zuvor mit drei Siegen einigen Respekt erarbeiten konnte, aber häufig wegen seines risikoarmen Kampfstils unter Feuer geriet. In diesem Kampf wollte der Brasilianer unbedingt ein vorzeitiges Ende und hat das auch bekommen, allerdings nicht in der Form, auf die er gehofft hatte. Markes hat die Fähigkeiten, um einem großen Teil des Mittelgewichtskaders ernste Probleme zu bereiten und wird in Zukunft noch einige Erfolge verbuchen, trotzdem ist er immer noch wenig bekannt und wird sich daher bei seinem nächsten Ausflug in den Käfig erst einmal auf dem Vorprogramm wiederfinden.
Vorhersage: Er trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen Dylan Andrews und Clint Hester (UFC Fight Night 33).

Jorge Masvidal vs. Rustam Khabilov
Im Leichtgewicht wurde Rustam Khabilov (17-1) mit Jorge Masvidal (25-8) sein bisher schwierigster Test vorgesetzt, doch letzten Endes war der „Tiger“ einmal mehr erfolgreich. In den ersten beiden Runden konnte Masvidal gut mithalten und viele Takedownversuche des Sambo-Spezialisten im Keim ersticken, bevor er im letzten Durchgang jedoch von einem Kick zum Kopf erwischt wurde und den Rest der Runde im Überlebensmodus verbrachte.

Rustam Khabilov
Mit drei Siegen in Folge ist Rustam Khabilov ein weiterer russischer Kämpfer, der momentan damit beginnt, Wellen zu schlagen – mit dem Sieg gegen Jorge Masvidal hat er einen weiteren Schritt in Richtung der wirklich wichtigen Kämpfe vollzogen. Seine Lernkurve in der UFC war bisher ziemlich proportional – mit jedem Kampf wurde sein nächster Gegner ein Stückchen besser und bekannter, und das wird sich auch nach diesem Sieg nicht ändern.
Vorhersage: Er trifft auf Jeremy Stephens, falls dieser bei der UFC Fight Night 32 gegen Rony Jason gewinnt oder auf Evan Dunham, falls er bei UFC 167 gegen Donald Cerrone erfolgreich ist.

Jorge Masvidal
Im Vorfeld des Kampfes wirkte es zeitweise so, als ob Masvidal seinen Gegner nicht allzu ernst nehmen würde. In diversen Online-Kommentaren machte er sich beinahe lustig über den noch recht unbekannten Khabilov und schien bereits von einem Sieg auszugehen. Falls er den Russen tatsächlich auf die leichte Schulter genommen haben sollte, ist das bitter, denn „Gamebred“ hat gezeigt, dass er mit dem „Tiger“ mithalten kann. Die Niederlage steht nun trotzdem in der Bilanz. Aufgrund seiner Erfahrung und seines recht bekannten Namens wird Masvidal in seinem nächsten Kampf vermutlich auf ein weiteres bekanntes Gesicht treffen, das kürzlich verloren hat.
Vorhersage: Er trifft auf den Verlierer des Kampfes zwischen Donald Cerrone und Evan Dunham (UFC 167).

Colton Smith vs. Michael Chiesa
Mit Colton Smith (3-3) trat am Mittwoch ein aktiver Soldat vor den Truppen an, der seinen „Heimvorteil“ aber nicht ausnutzen konnte und in Runde zwei in einem Rear Naked Choke Michael Chiesas (10-1) abklopfen musste.

Michael Chiesa
Chiesa steht seit seinem TUF-Titelgewinn nun 2-1 in der UFC und hat in dieser Zeit bewiesen, dass er ins Octagon gehört. Obwohl er im Juli vorzeitig gegen Jorge Masvidal verlor, schlug er sich vor dem kampfentscheidenden D’Arce Choke gut gegen den Veteranen und hat sich mit dem Sieg gegen Smith wieder auf Spur gebracht. Bevor er erneut einen bekannteren Namen vor die Fäuste bekommt, wird er aber in den kommenden Monaten noch ein oder zwei Kämpfe überzeugend gewinnen müssen.
Vorhersage: Er trifft auf Isaac Vallie-Flagg oder Mitch Clarke.

Colton Smith
Smith gewann die 16. TUF-Staffel, hat seitdem aber seine beiden Kämpfe vorzeitig verloren und so seine Profi-Bilanz auf 3-3 verschlechtert. Damit ist Smith ein heißer Kandidat auf die zurzeit großzügig verteilten Kündigungspapiere, sofern die UFC ihn nicht wegen seines militärischen Hintergrundes behalten will.
Vorhersage: Falls er nicht entlassen wird, trifft er auf Ramsey Nijem oder den Verlierer des Kampfes zwischen Cody McKenzie und Sam Stout (UFC on Fox 9).