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Die Nachwehen der UFC Fight Night 30

Der frühere Halbschwergewichts-Champion Lyoto Machida feierte in Manchester ein beeindruckendes Debüt im Mittelgewicht (Foto: Valentino Kerkhof/Groundandpound).

Zum zweiten Mal machte die UFC am vergangenen Wochenende in England Halt, und die zwölf Kämpfe in der Phones 4U-Arena im Herzen Manchesters boten den knapp 10.000 angereisten Fans fast alles, was die MMA-Welt zu bieten hat.

Harte Knockouts, raffinierte Aufgabegriffe, spannende Kämpfe und ein bisschen Kontroverse machten den regnerischen Abend in der englischen Industrie-Metropole zwar nicht zu einem historischen Wendepunkt für die UFC, sorgten aber für gute Unterhaltung und dürfte Auswirkungen auf so manche Gewichtsklasse haben.

Lyoto Machida vs. Mark Munoz
Im Hauptkampf in der Phones 4U Arena in Manchester standen sich zwei Trainingspartner und Freunde gegenüber: Lyoto Machida und Mark Munoz standen sich auf der Reise an die Spitze der Mittelgewichtsklasse gegenseitig im Weg, am Ende war es aber Machida, der sich in seinem Mittelgewichtsdebüt in eine äußerst komfortable Position manövrieren konnte.
Die Begegnung war kurz, und vor dem Headkick passierte kaum etwas, nach nur drei Minuten setzte „The Dragon“ dem Kampf zweier Freunde dann aber mit einem Kick zum Kopf ein Ende, den Munoz zwar zum Teil blocken konnte, aber trotzdem durch ihn zu Boden geschickt wurde.

Lyoto Machida
Machida war im Verlauf dieses Jahres auf ein Plateau gestoßen. Sein auf Bewegung und Konter ausgelegter Kampfstil war lange ein Mythos, führte in letzter Zeit aber immer häufiger dazu, dass seine Kämpfe über die Distanz gingen und niemand wusste, wer denn gewonnen hatte. Gegen Dan Henderson wurde im Februar Machida eine knappe Punktentscheidung zugesprochen, im August war es gegen Phil Davis dann andersherum. Obwohl er den Kampf gegen Davis in den Augen vieler Fans gewonnen hatte, zeigt das Ergebnis, dass Machida mit diesem Stil auf dem Elite-Level mittlerweile nicht mehr den durchschlagenden Erfolg haben wird, den er in den ersten Jahren seiner UFC-Karriere feiern konnte. Ob der Wechsel ins Mittelgewicht langfristig eine Auswirkung auf Machidas Kämpfe und Erfolge haben wird, lässt sich von den wenigen Minuten am Samstag nicht ableiten, ein spektakuläres Debüt bringt ihn aber gleich in eine gute Position für die wichtigen Kämpfe bis 85 Kilo. Falls Vitor Belfort Anfang November gegen Dan Henderson gewinnt und dem Mittelgewicht nicht mehr abgeneigt ist, könnte dieser Kampf zustande kommen, mit dem sowohl Machida als auch Dana White bereits geliebäugelt haben.
Vorhersage: Er trifft auf Vitor Belfort.

Mark Munoz
Munoz kannte Machidas Fähigkeiten aus dem Training, was ihm von vielen Beobachtern als Vorteil gegenüber dessen vorherigen Gegnern ausgelegt wurde. Tatsächlich aber schien es eher ein Nachteil zu sein – Munoz war extrem passiv und schien ständig über die Dinge nachzudenken, von denen er aus dem Gym wusste, dass Machida sie anwenden konnte. Seine einzige Aktion war ein vorsichtiger Takedownversuch, abgesehen davon musste er einige harte Kicks seines Freundes und Gegners einstecken. Kurz darauf wurde er dann mit einem Kick zum Kopf ausgeknockt, bevor er überhaupt irgendetwas zeigen konnte. Bitter für Munoz, der erst im Juli gegen Tim Boetsch mit dem beeindruckendsten Sieg seiner Karriere eine Niederlage gegen Chris Weidman und eine darauffolgende Depression überwunden hatte. Leichte Gegner wird er wegen seines Namens nicht bekommen, daher dürfte es für Munoz in einigen Monaten direkt wieder mit harten Nüssen weitergehen.
Vorhersage: Er trifft auf Costa Philippou.


Ross Pearson vs. Melvin Guillard
Von Ross Pearson und Melvin Guillard wurde erwartet, dass sie in Manchester Feuerwerke zünden, und genau das taten die beiden Leichtgewichts-Veteranen knapp zwei Minuten lang. Dann versuchte Pearson sich an einem eingesprungenen Kniestoß, landete auf der Matte und steckte auf dem Weg zurück auf die Beine seinerseits zwei Kniestöße Guillards ein, die grenzwertig (il-)legal waren und obendrein einen großen Cut auf der Stirn des Engländers verursachten. Letztlich kann weder Pearson, noch Guillard, noch Ringrichter Marc Goddard ein Vorwurf gemacht werden, die Situation war einfach zu unklar und zu schnell vorüber, um von einem der drei in Sekundenbruchteilen angemessen beurteilt werden zu können. Ärgerlich war es für die Fans trotzdem, dass ein vermutlich hochspannender Kampf auf diese Art zu Ende gehen musste, weshalb im Anschluss angekündigt wurde, dass die beiden erneut kämpfen werden: Am 8. März werden Pearson und Guillard in der Londoner o2-Arena zum zweiten Mal aufeinandertreffen.

Jimi Manuwa vs. Ryan Jimmo
In Manchester sollte sich herausstellen, ob Halbschwergewichtstalent Jimi Manuwa bereit für die großen Kämpfe ist. Der Kampf gegen Ryan Jimmo war zunächst ausgeglichen – Manuwa traf im Stand gut, wurde aber immer wieder vom Kanadier an den Zaun gedrängt. In der zweiten Runde – gerade, als Manuwa so langsam das Heft in die Hand zu nehmen schien – endete der Kampf mehr oder weniger von selbst, als Jimmo mit einer Beinverletzung zu Boden ging und der Ringrichter den Kampf unter den zunächst verwirrten Blicken der Zuschauer abwinkte.

Jimi Manuwa
Manuwa hat drei Mal überzeugend vor dem letzten Rundengong gewonnen, dabei aber nie einen klaren Knockout oder eine Submission eingefahren. Kyle Kingsbury wurde in der Rundenpause vom Ringarzt aus dem Kampf genommen, während Cyrille Diabaté und nun Ryan Jimmo verletzt aufgeben mussten. Obwohl das auf eine gewisse Art noch bedrohlicher wirkt als saubere K.o.’s, fehlt dem Londoner damit immer noch ein Highlight-Knockout, mit dem man weitere Kämpfe bewerben könnte. Dana White verkündete auf der Pressekonferenz trotzdem, dass Manuwa für seinen nächsten Kampf einen namhaften Gegner bekommen wird und wohl auf einem großen Event in den Staaten antreten wird. Ein Kampf gegen Thiago Silva wurde auf der Konferenz bereits vorgeschlagen, und diese Ansetzung scheint tatsächlich die sinnvollste Begegnung für Manuwa zu sein.
Vorhersage: Er trifft auf Thiago Silva.

Ryan Jimmo
Jimmo ist nun 2-2 in der UFC und ist in seinen letzten beiden Kämpfen wieder verstärkt in seine Gewohnheiten aus der regionalen Szene zurückgefallen – seine Gegner an den Käfig zu drücken und dort zu halten. Die Fans in Manchester quittierten diese Taktik mit lautem Buhen, genau wie die kanadischen Zuschauer im Juni bei UFC 161, wo er Igor Pokrajac nach Punkten bezwang. Entlassen wird der Kanadier wohl nicht, aber im kommenden Jahr sollte er möglichst eine Siegesserie auf die Beine stellen und sich dabei mehr an seinen ersten beiden UFC-Kämpfen gegen Anthony Perosh und James Te Huna orientieren und weniger an den letzten beiden.
Vorhersage: Er trifft den Verlierer des Kampfes zwischen Ryan Bader und Anthony Perosh (UFC Fight Night 33).

Norman Parke vs. Jon Tuck
Ebenfalls auf dem Hauptprogramm feierte der Nordire Norman „Stormin“ Parke seine Rückkehr ins Vereinigte Königreich – zumindest, was das Kämpfen betrifft. Drei Runden lang punktete Parke seinen Gegner aus, die meiste Zeit über im Stand und konnte, obwohl das lang ersehnte Finish nicht gelang, mit dem dritten Sieg in Folge überzeugen.

Norman Parke
Parke bestritt am Samstag seinen ersten UFC-Kampf auf heimischem Boden und sicherte sich mit dem Punktsieg gegen Tuck den dritten Erfolg im Octagon. Umso beeindruckender wird der Sieg durch die Tatsache, dass Parke sich direkt zu Beginn seines Trainingscamps das Kreuzband gerissen hatte und nur sehr eingeschränkt trainieren konnte. Und obwohl das dafür sorgte, dass er etwas verhaltener als sonst agierte, konnte Parke überzeugen und scheint sich mittlerweile wohl zu fühlen im UFC-Octagon. Beim nächsten Europa-Besuch der UFC könnte „Stormin“ sich einem etwas namhafteren Gegner gegenübersehen.
Vorhersage: Er trifft auf John Makdessi oder Al Iaquinta.

Jon Tuck
Tuck war nicht dazu bestimmt, in Manchester einen Zuschauerliebling zu schlagen, und das hat er auch nicht getan. Während der drei Runden lieferte er in feindlichem Terrain jedoch eine ansehnliche Leistung und einen spannenden Kampf ab, der seine Zukunft in der UFC fürs Erste sichern sollte, falls in seinem nächsten Kampf wieder ein Sieg herausspringt.
Vorhersage: Er trifft auf Piotr Hallmann oder den Verlierer des Kampfes zwischen Sam Stout und Cody McKenzie (UFC on Fox 9).

Alessio Sakara vs. Nicholas Musoke
Im Mittelgewicht debütierte der Schwede Nicholas Musoke als später Ersatz mit einem Aufgabe-Sieg gegen den Veteranen Alessio Sakara. Beide Kämpfe konnten sich zu Beginn je ein Mal gegenseitig anklingeln, bevor der Kampf auf den Boden ging, wo Musoke seinen Gegner via Armbar zum Aufgeben zwang.

Nicholas Musoke
Nico Musoke hat am Samstag das Beste aus einer großen Chance gemacht. Nachdem zwei Gegner den Kampf gegen Sakara absagen mussten, griff der junge Schwede nach seiner Chance auf einen UFC-Vertrag und sprang gegen den italienischen Veteranen ein. Wenige, spektakuläre Minuten und ein Armbar im Wert von 50.000$ später hatte Musoke den wichtigsten Sieg und den größten Gehaltsscheck seiner bisherigen Karriere in der Tasche und wird nun die Chance bekommen, sich im Octagon einen Namen zu machen. Es wird interessant zu sehen sein, ob die UFC-Offiziellen ihn direkt zu den großen Jungs schicken oder ihn auf einigen der geplanten Europa-Events weitere Erfahrung sammeln lassen. Ich denke, dass letzteres der Fall sein wird.
Vorhersage: Er trifft auf Brad Scott oder den Gewinner des Kampfes zwischen Derek Brunson und Brian Houston (UFC Fight Night 31).

Alessio Sakara
Für den „Legionarius“ läuft es seit einiger Zeit gar nicht gut. Wenn Sakara auf dem Programm steht, kann man sich beinahe sicher sein, dass einige spektakuläre Minuten dabei herausspringen werden, allerdings hat der Italiener das Octagon nach seinen letzten Kämpfen allzu oft als Verlierer verlassen. Ob die kurzweiligen Auftritte der UFC nach der Niederlage gegen einen UFC-Debütanten noch genug sind, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen.
Vorhersage: Falls er nicht entlassen wird, trifft er auf den Verlierer des Kampfes zwischen Chris Camozzi und Lorenz Larkin (UFC Fight Night 31) oder auf Stanislav Nedkov.

Phil Harris vs. John Lineker
Der erste Kampf des Hauptprogramms in Manchester endete genau so, wie es die meisten Fans erwartet hatten. Phil Harris gelang es zunächst, den Bomben von John Lineker auszuweichen und sogar selbst einige Schläge ins Ziel zu bringen, wurde schließlich aber doch von den Dampfhämmern des Brasilianers erwischt und fand sich kurz darauf auf dem Rücken liegend wieder, während Lineker seinen vierten Sieg in der UFC feierte.

John Lineker
Joe Rogan konnte es während der TV-Übertragung gar nicht oft genug wiederholen, und er hat Recht: John Lineker wäre ein Titelherausforderer im Fliegengewicht, wenn er öfter als ein Mal in Folge das erforderliche Gewichtslimit einhalten könnte. Zum dritten Mal in fünf UFC-Kämpfen hat „Hands of Stone“ seinem Spitznamen auf die falsche Art und Weise alle Ehre gemacht und das Gewichtslimit für den Kampf gegen Harris um zwei Pfund verfehlt. Seine schweren Hände und die daraus folgenden Knockouts sind beeindruckend, Lineker muss in seinen nächsten Kämpfen aber beweisen, dass er ins Fliegen- und nicht ins Bantamgewicht gehört.
Vorhersage: Er trifft auf den Gewinner des Kampfes zwischen Tim Elliott und Ali Bagautinov (UFC 167).

Phil Harris
Im Vorfeld war klar, dass Harris hier eine schwere Aufgabe vor sich hatte, und letztlich setzte sich in Manchester der Favorit durch. Harris versuchte lediglich einen Takedown, der von Lineker abgewehrt wurde, woraufhin „Billy“ sich weiter im Stand versuchte und dort gar nicht mal so schlecht aussah. Zumindest bis zu dem Punkt, als Lineker das erste Mal sauber durchkam. Danach ging es bergab für Harris, der kurz darauf mit einem schmetternden Körperhaken auf die Bretter geschickt wurde. Der Engländer steht damit nun bei 1-2 in der UFC und wird auf einer der nächsten Europa-Shows vermutlich im Eröffnungskampf des Events um seinen Job antreten.
Vorhersage: Er trifft auf Louis Gaudinot.