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Die Nachwehen der UFC Fight Night 26

Die UFC Fight Night 26 war die erste Veranstaltung, die auf dem neuen Sender Fox Sports 1 ausgestrahlt wurde.

Die erste UFC Fight Night auf dem neuen Sender Fox Sports 1 ist Geschichte und war ein voller Erfolg. Viele vorzeitig beendete Kämpfe, überraschende Sieger und viele überzeugende Leistungen – in Boston gab es am Samstag die volle Ladung MMA zu sehen…

Chael Sonnen vs. Mauricio Rua

Chael Sonnen verschwendete im Hauptkampf keine Zeit und brachte Rua innerhalb weniger Sekunden auf den Boden. Rua gelang es zwar nach einiger Zeit, wieder auf die Beine zu kommen, kurz darauf war der Kampf aber wieder am Boden, wo Sonnen gegen Ende der ersten Runde einen Guillotine Choke ansetzte, der „Shogun“ zum Abklopfen zwang.

Chael Sonnen
Für Sonnen war dies der dritte Hauptkampf nacheinander, obwohl er die beiden vorherigen (Titel-) Kämpfe recht klar verloren hatte. Weil er außerdem ein begnadeter Promoter ist, der gern und viel redet, hat sich ihm in letzter Zeit das Image „Große Klappe, nichts dahinter“ angehaftet und über seine Fähigkeiten im Käfig hinweggetäuscht. Fakt ist allerdings, dass er in den letzten Jahren nur gegen Anderson Silva und Jon Jones verloren hat, zwei der besten Kämpfer der Welt - mit der dominanten Leistung gegen Rua hat er spektakulär daran erinnert, dass er nicht nur reden kann. Sein nächster Schritt steht allerdings in den Sternen. Vor dem Kampf hatte er angekündigt, zurück ins Mittelgewicht wechseln zu wollen, laut Dana White hat er aber auch genug Möglichkeiten bis 93 Kilo. Darüber hinaus hat ihn eine ganze Reihe Kämpfer aus beiden Gewichtsklassen herausgefordert, von Vitor Belfort bis Phil Davis. Der lange geforderte, viel diskutierte Kampf gegen Wanderlei Silva dürfte von allen aber der  vermarktbarste sein.

Vorhersage: Er trifft auf Wanderlei Silva.

Mauricio Rua
„Shogun“ Rua hat nur zwei seiner letzten sechs Kämpfe gewinnen können. Vor diesem Kampf hatten sich für ihn in der UFC seit 2009 Siege und Niederlagen abgewechselt, der Kampf gegen Sonnen bedeutet für ihn die erste Niederlagen-Serie seiner Karriere. In Anbetracht seines Alters von 31 Jahren könnte man denken, dass er noch genug Zeit hat, um sich einen Titelkampf zu verdienen, höchstwahrscheinlich wird Rua aber nicht mehr die Chance bekommen, seinen Gürtel zurückzuholen: In einem Guillotine Choke zu landen, macht ihn nicht zu einem schlechten Kämpfer, aber zahllose Schlachten und zerstörte, chirurgisch zusammengehaltene Knie zollen seit längerem ihren Tribut. Dass er außerdem drei seiner letzten vier Kämpfe verloren hat, macht es schlicht unwahrscheinlich, ihn nochmal ganz oben an der Spitze zu sehen. Für spannende Kämpfe ist Rua aber immer noch mehr als gut und als ehemaliger Champion wird er nicht so schnell entlassen, weshalb es für ihn in der UFC immer noch genug zu tun gibt.

Vorhersage: Er trifft auf James Te Huna oder auf Thiago Silva, falls dieser im Oktober gegen Matt Hamill verliert.


Alistair Overeem vs. Travis Browne
Overeem hatte nach der desaströsen K.o.-Niederlage gegen „Bigfoot“ Silva viel zu beweisen. Bereits nach den ersten Kniestößen aus dem Clinch sah es so aus, als könne Overeem sich rehabilitieren, Browne überstand den Ansturm jedoch und schickte seinen Gegner kurz darauf mit einem Front-Kick zum Kopf zu Boden.

Travis Browne
Browne war bis zu seinem Kampf gegen Antonio „Bigfoot“ Silva einer der besten Kämpfer des Schwergewichts, den kaum jemand kannte. Die Erstrunden-K.o.-Niederlage in seinem ersten Hauptkampf hat den Durchbruch an die Spitze zwar verhindert, sein Ruf hat allerdings kaum gelitten, da die Niederlage gegen „Bigfoot“ passierte, nachdem er sich verletzt hatte. Seit diesem Kampf hat er zwei Mal in der ersten Runde durch K.o. gewonnen und bewegt sich durch diesen Sieg gegen Overeem mit großen Schritten in Richtung Titelkampf.

Vorhersage: Er trifft auf Fabricio Werdum

Alistair Overeem
Overeem sah zunächst gut aus, wurde jedoch noch in Runde eins von zweien seiner Schwachpunkte eingeholt: seinem fraglichen Kinn und der Tendenz, sich nicht allzu sehr um seine Defensive zu scheren. Fehlender Respekt kann es eigentlich nicht sein, Overeem war im Vorfeld des Kampfes ungewohnt leise und hat sich stattdessen in Mike’s Gym in Holland gequält, fernab von den sonnigen Stränden Floridas. Trotzdem stand er offen vor Browne, der für Schlagkraft und Athletik bekannt ist. Gegen einen durch seine Krankheit geschwächten Brock Lesnar mag das funktionieren, gegen den Rest der Top Ten in neun von zehn Fällen nicht. Entlassen wird er wegen seiner Popularität und seines Resümees wohl nicht, die Prestige-Kämpfe gegen Leute vom Kaliber eines dos Santos oder gar eine Titelchance kann er aber auf absehbare Zeit vergessen.

Vorhersage: Er trifft auf Minotauro Nogueira oder Shane del Rosario


Urijah Faber vs. Yuri Alcantara
Urijah Faber war am Samstag in einer nicht unbedingt beneidenswerten Situation. Yuri Alcantara ist ein äußerst gefährlicher Gegner, der jedoch in den USA kaum bekannt ist. Faber stellte sich trotzdem der Herausforderung, überstand anfangs ein paar gefährliche Minuten, in denen Alcantara ihn am Boden mit Schlägen bearbeitete, und kontrollierte den Brasilianer die restlichen zweieinhalb Runden selbst auf der Matte.

Urijah Faber
Faber hat mal wieder gezeigt, warum er regelmäßig um den Titel kämpfen darf. Viel Respekt wird Faber für einen Sieg gegen den recht unbekannten Alcantara von der MMA-Welt wohl nicht bekommen, nichtsdestotrotz hat er seit der Niederlage gegen Renan Barao drei Kämpfe in Folge überzeugend gewonnen und befindet sich damit schon wieder in greifbarer Titelnähe. Da die meisten Top-Leute im Bantamgewicht zurzeit verplant sind oder vor Kurzem verloren haben, bleiben ihm nicht allzu viele Möglichkeiten für die nähere Zukunft.

Vorhersage: Er trifft auf Michael McDonald.

Yuri Alcantara
Für Alcatara war dies der zweite Kampf außerhalb Brasiliens, der Großteil der Zuschauer hatte zuvor nie etwas von ihm gehört und in der ersten Runde hat er für eine Schrecksekunde gesorgt. Allzu weit sollte ihn die Niederlage also nicht zurückwerfen. Er wird in nächster Zeit wohl nicht mehr so weit oben auf dem Hauptprogramm zu sehen sein, dank des gezeigten Potentials hat er sich aber eine gute Position gesichert.

Vorhersage: Er trifft auf Robbie Peralta oder Maximo Blanco.


Matt Brown vs. Mike Pyle
Zu diesem Kampf gibt es nicht viel zu sagen, außer, dass Brown seinen Gegner überrollt und nach 29 Sekunden per T.K.o. gestoppt hat – sein sechster Sieg in Folge.

Matt Brown
Matt Brown lebt momentan die Rocky-Story. Nach vier vorzeitigen Niederlagen in fünf Kämpfen stand er Anfang 2012 noch kurz vor der Entlassung – bei UFC 143 war klar, dass entweder er, oder Chris Cope nach ihrem Kampf kein Mitglied der UFC mehr sein würden. Außer Brown weiß wohl niemand genau, was es war, aber seit diesem Kampf ist ein Schalter bei ihm umgelegt. Sechs Siege nacheinander, fünf davon vorzeitig – keine zwei Jahre nach einer Aufgabe-Niederlage gegen Seth Baczynski steht Brown kurz vor dem Einstieg ins Titelrennen. Was ihm noch fehlt, ist ein Sieg gegen einen starken, respektierten Ringer.

Vorhersage: Er trifft auf Josh Koscheck.

Mike Pyle
Für Pyle war dies die erste Niederlage seit Sommer 2011, als er in Runde eins durch T.K.o. gegen Rory MacDonald verlor. Dazwischen konnte er Ricardo Funch, Josh Neer und James Head vorzeitig besiegen, bevor er Rick Story eine knappe Punktentscheidung abnahm. Brown hat nach dem Kampf gesagt, dass Pyle einer der besten Kämpfer der Welt sei, seine Fähigkeiten im Käfig allerdings nicht zur Gänze abrufen könne. Die Ergebnisse scheinen diese Theorie zu stützen, denn Pyle hat weniger Erfolg, desto stärker seine Gegner werden – gegen die Top-Leute reicht es dann nicht mehr. Entlassen wird er auf diese Art wohl lange Zeit nicht, zu einem Vorstoß Richtung Titel wird es aber ebenso wenig kommen.

Vorhersage: Er trifft auf Tyron Woodley oder den Verlierer der Kampfes Kelvin Gastelum vs. Brian Melancon (UFC Fight Night 27).


Uriah Hall vs. John Howard
Dieser Mittelgewichtskampf hatte das Potential, ein Feuerwerk zu werden. Stattdessen entwickelte sich die Ansetzung zu einem recht unspektakulären Drei-Ründer, den John Howard schließlich knapp gewann, indem er Halls Takedowns verteidigte, ihn zeitweise im Clinch kontrollierte und schließlich selbst auf den Boden brachte.

John Howard
Viel besser hätte John Howards Rückkehr zur UFC nicht ausfallen können. Der 30-Jährige hat seit seiner Entlassung Mitte 2011 zigfach und auf viele verschiedene Arten versucht, zurück in die UFC zu kommen - zuletzt hatte er angeboten, ohne Lohn in Boston anzutreten. Ein paar Absagen von Halls ursprünglich geplanten Gegnern und einen mittelmäßigen Kampf später kann Howard einen Sieg gegen den am stärksten gehypten TUF-Teilnehmer seit Jahren vorweisen. In Titelnähe hat sich Howard damit natürlich nicht gebracht, dafür aber in eine solide Position für seinen zweiten Anlauf in der UFC.

Vorhersage: Er trifft auf Tom Lawlor oder Clint Hester.

Uriah Hall
Kaum jemand ist innerhalb weniger Monate so hoch gepusht worden und kurz darauf so tief gefallen, wie TUF-Finalist Uriah Hall. Hall wurde in seinen Niederlagen gegen Kelvin Gastelum und Howard nicht dominiert, gestoppt oder sah auf eine andere Art schlicht schlecht aus, hat aber nichtsdestotrotz gegen einen ehemaligen und einen jetzigen Weltergewichtler verloren. Dabei wirkte er bei weitem nicht wie der Uriah Hall, der den halben TUF 17-Cast im Alleingang zerlegt hat. Dana White hat sich nach dem Event stark frustriert gezeigt und sagte, Hall sei mental nicht bereit für die UFC. Der 29-Jährige könnte also, um sich wieder aufzubauen, auf einen Abstecher in die regionale Szene geschickt werden, oder er wird sich auf dem Vorprogramm wiederfinden.

Vorhersage: Er bleibt in der UFC und trifft auf Lorenz Larkin oder Tom Watson.


Joe Lauzon vs. Michael Johnson
Damit hatte kaum jemand gerechnet: Statt einem schnellen Aufgabe-Sieg und der 13. Bonuszahlung für Lauzon wurde der Bostoner drei Runden lang von Johnson im Stand dominiert. Lauzon konnte so gut wie keine Offensive generieren und verleitete einen der Punktrichter sogar dazu, eine (zugegebenermaßen ziemlich übertriebene) Wertung von 30:25 auf seinem Zettel einzutragen.

Michael Johnson
Michael Johnson war nicht dazu bestimmt, diesen Kampf zu gewinnen: Joe Lauzon, 12-facher Bonus-Gewinner in seiner Heimatstadt im ersten Kampf des Hauptprogramms? Johnson, der mit einer Niederlage höchstwahrscheinlich entlassen worden wäre, hat, anstelle einer schnellen Niederlage die wohl beste Leistung seiner Karriere abgeliefert und den Favoriten drei Runden lang nach Strich und Faden dominiert. Die zwei vorherigen Niederlagen muss er trotzdem noch vollends vergessen machen.

Vorhersage: Er trifft auf Edson Barboza oder James Krause.

Joe Lauzon
Man kann von außen nicht beurteilen, woran es lag, aber Joe Lauzon war an diesem Abend nicht er selbst. Beinahe tatenlos sah er fünfzehn Minuten lang dabei zu, wie Johnson seine Führung auf den Punktrichterzetteln immer weiter ausbaute. Entlassen wird jemand mit dem Kampfstil eines Joe Lauzon auch nach zwei Niederlagen nicht, aus dem Titelgeschehen darf er sich nun aber endgültig verabschieden.

Vorhersage: Er trifft auf Mac Danzig oder KJ Noons.


Vorprogramm:

Conor McGregor:
So viel Hype und Aufmerksamkeit für einen Kämpfer, der auf dem Vorprogramm seinen zweiten UFC-Kampf bestreitet, gab es wohl noch nie. Nach dem schnellen K.o.-Sieg gegen Marcus Brimage wurde von McGregor Großes erwartet, und mit einem relativ unspektakulären Punktsieg gegen Max Holloway konnte der Ire diese Erwartungen nicht ganz erfüllen. Da aber klar war, dass alles andere als ein weiterer Erstrunden-K.o. als Rückschritt verstanden werden würde, wird die Art und Weise des Sieges dem Hype kaum Abbruch tun. Die Frage ist nur, ob die UFC ihm weiter Zeit gibt, um sich zu etablieren, oder ihn direkt in die großen Kämpfe schickt.

Vorhersage: Er trifft auf Manny Gamburyan oder Steven Siler.


Michael McDonald:
McDonalds Karriere weißt bisher große Parallelen zu der von Georges St-Pierre auf: Wie der Kanadier hat McDonald im jungen Alter angefangen, die regionale Szene zu zerlegen, hatte in der UFC schnell Erfolg, verlor dann einen recht frühen Titelkampf und ist daraufhin sichtbar stärker zurückgekommen. Mit dem Aufgabe-Sieg gegen Brad Pickett hat McDonald endgültig bewiesen, dass er an die Spitze der Bantamgewichtsklasse gehört, und dort oben gibt es zurzeit nicht allzu viele Möglichkeiten.

Vorhersage: Er trifft auf Urijah Faber.


Brad Pickett:
Pickett hat am Samstag wieder einmal gezeigt, warum er einer von Dana Whites Lieblingskämpfern ist: Ob er damit Erfolg hat oder nicht, der Brite ist ständig im Vorwärtsgang unterwegs. Darin ist er gut genug, um den Großteil seiner Gewichtsklasse zu besiegen, für die Kämpfer an der Spitze reicht es aber meist nicht. Dank seiner Popularität und seines Kampfstils wird er trotzdem immer wieder schnell dorthinkommen.

Vorhersage: Er trifft auf Scott Jorgensen oder Ivan Menjivar.