MMA

Deutschland, wir haben ein Problem!

Dennis Siver (Foto: Nazariy Kryvosheyev)

Dennis Siver ist die unumstrittene Nummer eins des Landes. Dahinter klafft eine riesige Lücke. Aufbaukämpfe und das Märchen von der lupenreinen Bilanz bedrohen UFC-Deutschland. 

Nach der krachenden Niederlage gegen den irischen Superstar Conor McGregor sind nicht nur Dennis Sivers Hoffnungen zu Grabe getragen worden, eines Tages Champion der größten MMA-Liga der Welt zu werden. Mit dem Absturz des 36-jährigen Mannheimers aus den Ranglisten ist auch der Traum aller Deutschen gestorben, dass eines Tages ein Landsmann den UFC-Titel erobern wird. Unsere polnischen Nachbarn mit UFC-Champion Joanna Jedrzejczyk können wir nur beneiden – und das auf Jahre.

Wieso die Aussichten trotz aktuell fünf deutschen Kämpfern in der UFC so düster sind, ist einfach. Als Dennis Siver 2007 in die UFC kam, war es eine logische Schlussfolgerung aus jahrelanger harter Arbeit, Erfolg in zahlreichen Kämpfen gegen die Elite des Kontinents sowie seinem spektakulären Kampfstil. Zu seiner Zeit hatte die UFC nur wenige Europäer unter Vertrag. Und diese waren ausnahmslos die Besten ihrer Länder.

Heute hat sich die Situation gewandelt. Die zahllosen Veranstaltungen der UFC in Europa haben den Kader aufgebläht. Es ist längst nicht mehr ausschließlich die Creme de la Creme, die den Sprung schafft. Aufgrund der Probleme der UFC, sich über jede Szene der zahllosen Länder einen Überblick zu verschaffen, wurden Manager immer wichtiger. Und die arbeiten für ihre Klienten und liefern der UFC nicht die Besten, sondern ihre Besten.

Sivers harten Weg in die UFC musste seitdem niemand mehr gehen. Keiner der anderen aktuellen deutschen UFC-Kämpfer zählte zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung zur absoluten Elite in Europa. Daher sollten wir die bittere Pille schlucken, dass es seit Sivers Niederlage gegen McGregor für uns in Zukunft nicht mehr um UFC-Titel gehen wird. Wir werden uns damit abfinden müssen, jedes Jahr wieder nur noch sporadische Siege zu bejubeln, wenn wir nach Berlin strömen.

„Wie sollen unsere Jungs dauerhaft im Octagon der UFC bestehen, wenn sie nicht einmal die besten Kämpfer aus Europa besiegt haben – oft nicht einmal die besten aus Deutschland!“

Hoffnungsträger sind nicht in Sicht. Der Stuttgarter Alan Omer, Anfang 2014 von der UFC unter Vertrag genommen, ist der einzige, auf dem höhere Hoffnungen ruhen können. Aus dem simplen Grund: Er hat sich in Europa bewiesen, in den Ranglisten hoch gekämpft. Bizarrerweise wurde der 26-Jährige aber von der UFC verpflichtet, nachdem er einen 37-jährigen Bantamgewichtler – einen Kopf kürzer als Omer, sieben Kilo leichter, zwei Jahre Kampfpause und nicht annähernd Omers Niveau - ausgeknockt hatte.

Ihn aufgrund dieses Kampfes zu verpflichten, war eine Farce. Dass Alan Omer es in die UFC geschafft hat, hingegen vollkommen richtig. Bis er zweieinhalb Jahre von Verletzungen aus der Bahn geworfen wurde, hatte er sich in Europa bewiesen, ist wie Siver damals den harten Weg gegangen. Doch sich zu beweisen, eine Schlacht nach der anderen zu schlagen, zählt heute nicht mehr viel.

Zehn Kämpfe, zehn Siege – gerne auch gegen unterklassige Gegner - sind bei der UFC beliebter. Die traurige Parallele des MMA zum Boxen: Die Bilanz wird immer wichtiger, Aufbaukämpfe immer beliebter. Und das vergrößert das Problem der UFC-Kämpfer in Deutschland nur noch mehr: Die Besten des Landes gehen sich aus dem Weg. Siver soll es recht sein. Seine Leistungen sind auf Jahre hinweg unerreichbar für die anderen deutschen Kämpfer. Er hat die Messlatte unerreichbar hoch gelegt.

UFC-Berlin liegt nun exakt einen Monat zurück. Unser Redakteur Ulrich Huppertz hatte diese Kolumne anlässlich des Events für die aktuelle Ausgabe des GNP1 Magazins verfasst und damit eine Menge Zustimmung, aber auch Kritik, z. B. von UFC-Kämpfer Nick Hein erhalten. Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Diskutiert mit - in den Kommentaren unter diesem Post oder auf Facebook.