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Der GnP-Jahresrückblick 2012: MMA in Amerika

Auch im vierten Quartal sorgte die UFC regelmäßig für Schlagzeilen. (Foto: Florian Sädler/GroundandPound)

Langweilig war das vierte Quartal 2012 nicht - die letzten drei Monate boten so ziemlich alles, was die MMA-Welt zu bieten hat. Auf der positiven Seite waren das vor allem langerwartete Comebacks, spektakuläre Finishes, neu erschlossene Veranstaltungsländer und tolle Kämpfe. Auf der anderen Seite der Medaille gab es allerdings auch abgesagte Veranstaltungen, harte Niederlagen alternder Legenden und die üblichen Scherereien, wie fragwürdige Punkt- und Ringrichterentscheidungen, zu vermelden.

Ein wichtiger positiver Trend, der sich im vergangenen Quartal bemerkbar gemacht hat, war das langsame Abflauen der in den vorangegangenen Monaten so unbarmherzigen Verletzungswelle in der UFC. Mit Ausnahme des hart getroffenen UFC-Rio-Events im Oktober waren es ansonsten vor allem unglückliche und zum Teil bizarre Fälle, die zum Glück nur vereinzelte Kämpfe kurzfristig ins Wasser fallen ließen. Neben diversen Erkrankungen bleibt dabei vor allem Tim Means Selbst-K.o. durch Ausrutschen beim Abkochen in der Sauna sinnbildlich für die teils unglaublichen Ausfälle des ganzen Jahres in Erinnerung. 

Neben der UFC führten auch die kleineren unter den großen Promotionen von Oktober bis Dezember weitestgehend ihren Weg fort. Während Strikeforce mit großen Schritten weiter in Richtung Abgrund schritt, bis im November letztendlich die Schließung bekanntgegeben wurde, führte Bellator FC sein erfolgreiches Turnierformat fort.

Anderson Silva und Stephan Bonnar (Foto: Tobias Bunnenberg/GroundandPound)
Oktober

Der Oktober war der Monat der Spinne – Anderson „The Spider“ Silva. Der UFC-Mittelgewichtschampion sprang in Rio de Janeiro kurzfristig für einen Halbschwergewichtskampf gegen Stephan Bonnar ein, um den Event, der wenige Wochen zuvor an einem einzigen Tag seine beiden Hauptkämpfe durch Verletzungen verloren hatte, noch zu retten. Im Vorfeld gab es einige Diskussionen über die vermeintlichen Chancen seines großen, schweren und vor allem zähen Gegners, letztendlich endete der allerdings als weiteres chancenloses Opfer, denn Silva legte den Körper des nie zuvor gestoppten Bonnar nach wenigen Minuten scheinbar mühelos mit einem Knie zum Solarplexus lahm.

Ebenfalls bei UFC 153 gelang es dem zuvor über zwei Jahre sieglosen und zum Zeitpunkt des Kampfes beinahe bankrotten Jon Fitch, mit einem „Fight of the Night“-Sieg gegen den hoch gehandelten Erick Silva nicht nur seinen Kontostand wieder ins Lot zu bringen, sondern sich darüber hinaus auch wieder als ernstzunehmender Faktor im Weltergewicht zurückzumelden.

Bei Bellator FC konnte außerdem Eddie Alvarez überzeugen, der am 12. Oktober bei Bellator 76 Patricky Freire mit einem Headkick speaktakulär und kurz vor Ende der ersten Runde ausknockte.

Kurz und knapp:
Antonio „Big Foot“ Silva knockte überraschend den schon als potentiellen Herausforderer gehandelten Travis Browne im Hauptkampf von UFC on FX 5 in der ersten Runde aus.

Chael Sonnen und Jon Jones wurden als Trainer der 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel bekanntgegeben. Die Ansetzung rief einiges an Kritik hervor, da Sonnen erst in diesem Jahr eindeutig in einem Titelkampf gegen Anderson Silva verloren hatte und seit Jahren nicht mehr im Halbschwergewicht unterwegs war.

Georges St. Pierre (Foto: Florian Sädler/GroundandPound)
November

Der MMA-November begann mit einer nicht allzu überraschenden, aber dennoch negativen Nachricht. Eineinhalb Jahre nach der Übernahme durch Zuffa LLC wird bekanntgegeben, dass bei Strikeforce nach einem letzten Event im Januar 2013 endgültig der Vorhang fallen wird – am 3. November hätte in Oklahoma eigentlich Strikeforce: Cormier vs. Mir stattfinden sollen, der Event wurde jedoch, wie einige Wochen zuvor eine andere SF-Veranstaltung, verletzungsbedingt komplett abgeblasen.

Im gleichen Atemzug wird dafür angekündigt, dass es ab Februar 2013 auch Frauenkämpfe in der UFC zu sehen geben wird und Ronda Rousey als erste weibliche Kämpferin verpflichtet wurde.

Der restliche November stand schließlich ganz im Zeichen der Rückkehr des Königs: Weltergewichtsphänomen Georges „Rush“ St. Pierre sollte am 17.11. nach 19 Monaten verletzunsgbedingter Auszeit mit seiner siebten Titelverteidigung gegen den in der Zwischenzeit zum Interimschampion erklärten Carlos Condit zurückkommen. Mit dem Punktsieg gegen Condit feierte GSP am Ende des Tages ein äußerst gelungenes Comeback, denn obwohl der Kampf auch dieses Mal über die vollen fünf Runden ging, waren die 25 Minuten mit reichlich Action gefüllt, in denen beide Kämpfer starke Momente hatten.

Im Co-Hauptkampf der Veranstaltung sollte es in der gleichen Gewichtsklasse darum gehen, wer als nächstes gegen den Champion ran darf, und mit Johny Hendricks schien nach dessen krachenden K.o. gegen Martin Kampmann in nur 45 Sekunden der richtige Mann gefunden worden zu sein. Nur wenige Tage nach dem Event drehte sich das Schicksal allerdings erneut zu Ungunsten Hendricks, dem bereits vor seinem Kampf gegen Josh Koscheck im Mai eine Titelchance versprochen wurde - Dana White gab bekannt, dass an seiner Stelle Nick Diaz den Titelkampf bekommen würde

Kurz und knapp:
Bei Bellator gelang es Ende des Monats dem Russen Andrey Koreshkov, mit einem Punktsieg über Lyman Good in 13 Kämpfen ungeschlagen zu bleiben und das Weltergewichtsfinale der siebten Staffel zu gewinnen.

Der langjährige MMA-Veteran Rich Clementi verlor bei Bellator 81 im Halbfinale gegen Marcin Held und verkündete daraufhin das Ende seiner Karriere.

Auch der ehemalige UFC-Titelherausforderer Mark Hominick gab nach einer Punktniederlage bei UFC 154 bekannt, dass er seine Faustschützer an den Nagel hängen wird.


Dezember

Auch im Dezember war in der MMA-Landschaft Nordamerikas einiges los. Am 8. Dezember fand in Seattle die fünfte Show der UFC auf dem Fernsehsender Fox statt. Die Veranstaltung wurde allgemein als bisher hochkarätigste Fox-Veranstaltung beworben, und die Kämpfe selbst lieferten ab, was versprochen wurde. Im ersten von drei Blockbuster-Kämpfen stieg mit dem ehemaligen Leicht- und Weltergewichtschampion BJ Penn eine lebende MMA-Legende nach über einem Jahr vermeintlicher Rente gegen den kanadischen Jungspund Rory MacDonald wieder ins Octagon. Was der Großteil der MMA-Gemeinde allerdings schon seit Bekanntgabe der Ansetzung vorausgesagt hatte, traf letztendlich auch ein: MacDonald dominierte und hinterließ nach 15 Minuten Kampfzeit einen sichtlich mitgenommenen Penn, der nun erneut kurz davor steht, die Handschuhe an den Nagel zu hängen.

Ein ähnlicher Erfolg gelang in einem ähnlichen Szenario dem schwedischen Halbschwergewicht Alexander „The Mauler“ Gustafsson, der dem ehemaligen UFC-Weltmeister und PRIDE-Veteranen Mauricio „Shogun“ Rua in einem nicht ganz so dominanten, aber dennoch recht einseitigem Kampf eine einstimmige Punktentscheidung abnahm und seinen Status als potentieller Herausforderer auf Jon Jones Titel zementierte.

Zu guter Letzt verteidigte Leichtgewichtschampion Benson Henderson im Hauptkampf seinen Titel gegen den in dessen vorherigen Kämpfen brilliant auftretenden Nate Diaz. Gegen Henderson gelang es Diaz allerdings zu keinem Zeitpunkt, seinen Kampfstil auszuleben und musste sich nach fünf eindeutigen Runden wieder hinten anstellen. Der Kampf wurde im Anschluss beinahe durch die Tatsache „überschattet“, dass Henderson anscheinend die vollen fünf Runden mit einem Zahnstocher im Mund gekämpft hatte.    

Ebenfalls bei UFC on Fox 5 legte das deutsche Aushängeschild im Octagon, der Mannheimer Dennis Siver, die bisher dominanteste Leistung seiner UFC-Karriere hin: Obwohl er den UFC und TUF-Veteranen Nam Phan nicht vorzeitig stoppen konnte, sprechen die Punktrichterwertungen von 30-26, 30-25 und 30-24 Bände – falls Siver in seinem nächsten Kampf, am 16. Februar in London gegen Cub Swanson, erneut gewinnen sollte, könnte das für ihn unter Umständen einen Titelkampf gegen den Gewinner des Kampfes zwischen Jose Aldo und Frankie Edgar bedeuten.

Mitte des Monats veranstaltete die UFC außerdem zwei Events an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, auf zwei verschiedenen Kontinenten. Nachdem in Australien Norman Parke und Robert Whittaker im Leicht- bzw. Weltergewicht zu Siegern der australisch-englischen „Ultimate Fighter“-Staffel gekrönt wurden, erkämpfte sich einen Tag später in Las Vegas der Army Ranger Colton Smith die gleiche Ehre.

Am selben Wochenende gelang es außerdem Alexander Volkov, mit einem Punktsieg über Richard Hale das Schwergewichtsfinale der siebten Bellator-Staffel zu gewinnen und sich damit zugleich den vakanten Gürtel der Gewichtsklasse zu sichern.

Abgeschlossen wurde das Jahr 2012 wie gewohnt mit der traditionellen Veranstaltung zum Jahreswechsel in Las Vegas. Angeführt wurde der Event vom Rückkampf zwischen Ex-Champion Cain Velasquez und dem Mann, der ihm den Titel abgenommen hatte - Junior dos Santos. Der Brasilianer ging als Favorit in den Kampf, doch Velasquez legte von der ersten Sekunde an einen enormes Tempo vor, brachte seinen Gegner im ersten Durchgang mehrfach zu Boden, schlug ihn im Stand nieder und dominierte den sichtlich mitgenommenen dos Santos die verbliebenen Runden über bis hin zu einem sehr einstimmigen Punktsieg.

Kurz und knapp:
Am Kampfabend musste das Bellator Federgewichtsfinale zwischen Shahbulat Shamhalaev und Rad Martinez abgesagt werden, weil Shamhalaev sich eine Lebensmittelvergiftung eingefangen hatte.

Im Co-Hauptkampf von UFC 155 lieferten sich Jim Miller und Jau Lauzon eine extrem unterhaltsame Schlacht, die Miller nach Punkten gewann und sich damit nach zuletzt zwei Niederlagen in drei Kämpfen wieder langsam in Richtung Titelnähe bewegte.