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Dennis Siver Exklusiv-Interview

Mit 31,9% der Leserstimmen gewann der Mannheimer Dennis Siver bei den GnP-Awards die Wahl zum "Kämpfer des Jahres national 2009". Siver ist einer von zwei Deutschen in der UFC und dort auch bereits ein "Alter Hase". Gerade 2009 war sein bisher erfolgreichstes Jahr, das er mit drei Siegen bei drei Starts abschloss. Für zwei seiner drei Siege gab es sogar einen Extra-Bonus, nämlich in beiden Fällen für den "Besten KO des Abends". Dies ist umso erfreulicher, weil es anfangs leider nicht so gut für ihn lief. Nach Niederlagen gegen Jess Liaudin, Gray Maynard und Melvin Guillard folgte ein zwischenzeitlicher KO-Sieg über Naoyuki Kotani. Auch wenn es zuletzt eine Punktniederlage gegen Ross Pearson, dem Gewinner der neunten Staffel von The Ultimate Fighter setzte, so freuen wir uns um so mehr, dass Siver einen neuen Vertrag über vier weitere Kämpfe bekommen hat. Was aber sehr auffällt - Siver ist trotz seines Erfolges ein absolut normaler, eher zurückhaltender und stets freundlicher Mensch geblieben.

GroundandPound: Hallo Dennis. Du warst ja viel beschäftigt in den letzten Wochen. Schön, dass es jetzt geklappt hat. Wie geht es Dir?

Dennis Siver: Mir geht es sehr gut, danke.

2008 hast du schon einmal einen GnP-Award gewonnen, jetzt wieder. Was bedeutet Dir der Award als „Bester Kämpfer national“?

Er bedeutet mir natürlich sehr viel und es freut mich natürlich sehr, dass mich die Leute so sehen. Zudem ist es auch ein großes Stück Anerkennung für das, was ich geleistet habe.

Jetzt ist es ja ein Award, den Du durch die Fans verliehen bekommen hast. Hat er daher einen höheren Stellenwert für Dich?

Auf jedenfall. Wenn etwas von den Fans kommt, ist es immer etwas Besonderes und es ist eine ungeheure Motivation für mich.

Nach zuletzt vier Siegen setzte es bei der  UFC Fight Night 21 eine Punktniederlage gegen Ross Pearson. Was ist aus Deiner Sicht schief gelaufen?

Also wir sind vier Tage vor dem Kampf in den Staaten angekommen. Es soll jetzt nicht wie eine billige Ausrede klingen, aber ich hatte mich auf dem Flug erkältet und dadurch fehlte mir auch etwas die Kondition. Das hab ich dann besonders in der letzten Runde gemerkt. Ich denke, dass Ross Pearson auf jedenfall schlagbar gewesen wäre.

In der UFC hast Du jetzt eine Bilanz von 4-4, Dein Vertrag müsste jetzt zu Ende sein. Gibt es schon ein konkretes Angebot?

Eigentlich hätte ich jetzt noch einen weiteren Kampf haben sollen, aber ich freue mich dass ich euch mitteilen kann, dass ich einen neuen Vertrag über vier weitere Kämpfe in der UFC erhalten habe. Er liegt zur Unterschrift bereit und den werde ich auch unterschreiben.

Nach den ersten vier Kämpfen sah es ja nicht gerade rosig aus. 1 Sieg – 3 Niederlagen. Hast Du zu dem Zeitpunkt an Dir selbst gezweifelt, ob Du überhaupt in die UFC gehörst?

Also nach der zweiten Niederlage habe ich schon etwas an mir gezweifelt. Zumal die Niederlage gegen Gray Maynard auch relativ knapp war. Aber mein Team hat mich wieder richtig aufgebaut, was man ja dann auch in den Kämpfen gesehen hat.

Du hast mir 2008 vor deinem Kampf gegen Chas Jaquier in Darmstadt gesagt, dass Dir bei einem Sieg ein neuer Vertrag in der UFC winkt. War dies sozusagen Dein wichtigster Kampf oder war es eher der gegen Jim Wallhead, weil man Dir danach den ersten UFC-Vertrag angeboten hat?

Das ist schwer zu sagen. Natürlich hat der Kampf gegen Chas Jaquier mir den neuen Vertrag eingebracht, aber ohne einen Sieg gegen Jim Wallhead, hätte ich vielleicht überhaupt keinen Vertrag erhalten.
UFC-Fighter Dennis Siver mit dem GnP-Award.

Wenn ein Kampf in der UFC ansteht, wie lange im Voraus beginnt bei Dir das Training?

Also ich trainiere sowieso fast jeden Tag. Steht aber ein Kampf in der UFC an, dann beginnt die Vorbereitung ca. 6-7 Wochen vorher und dann zweimal am Tag.

MMA besteht ja aus mehreren Stilrichtungen. Mit was steigst Du in Deine Vorbereitung ein und wie verändert sich die Intensität des Trainings?

Ich versuche von allem gleich viel zu machen. Eigentlich läuft die Vorbereitung fast immer gleich ab. Natürlich ist nicht jeder Gegner gleich und daher muss man sich auch gesondert auf den nächsten Gegner einstellen.

Den Wirbel, den Politiker im vergangenen Jahr beim UFC-Debüt in Deutschland entfacht haben, hast du sicherlich mitbekommen. Wie sehr beeinflusst Dich das als Kämpfer?

Es enttäuscht mich, dass MMA nicht als Sport gesehen wird, sowie dass man eher als Idiot dargestellt wird und nicht als Sportler.

Die Situation ist ja mittlerweile nicht gerade einfacher geworden. Die Politiker beäugen MMA noch immer sehr kritisch. Was denkst Du als Sportler darüber?

Ich frage mich jedes Mal, warum die Politiker das tun und ich kann es einfach nicht verstehen.

Die Bayerische Landesanstalt für neue Medien hat dem DSF mit einer Klage gedroht, falls man die UFC nicht aus dem TV-Programm nimmt, was ja mittlerweile auch passiert ist. Siehst Du das als Rückschritt für den MMA Sport?

Auf jeden Fall ist es ein Rückschritt für die Entwicklung des MMA-Sports. Ich weiß nicht, warum man es vor einem Jahr in das Programm aufnehmen durfte und es jetzt auf einmal wieder verbietet. Es verlangt ja keiner, dass man den Sport liebt, aber man sollte den Kämpfern wenigstens den gebührenden Respekt entgegenbringen.

Was müsste Deiner Meinung nach getan werden, damit man auch die Politiker zum Umdenken bewegen kann?

Man sollte ihnen den Sport und das Regelwerk besser erklären. Aber es ist schon sehr schwer, da sie von vornherein viele Vorurteile haben.

Mit Peter Sobotta gibt es einen weiteren UFC-Kämpfer aus Deutschland. Gibt es bei uns noch weitere Kämpfer, denen Du den Sprung in die größte MMA-Promotion der Welt zutrauen würdest?

Ich glaube, Daniel Weichel oder Alan Omer könnten es schaffen. Wobei ich aber ehrlich gesagt zugeben muss, dass ich die Szene in Deutschland in der Vergangenheit nicht so gut verfolgt habe.

Wenn Du dir selbst einen Gegner aussuchen dürftest, gegen wen würdest Du am liebsten mal in den Cage steigen?

Natürlich am liebsten gegen den amtierenden UFC Lightweight Champion Frankie Edgar. Aber ich glaube, wenn er nochmal gegen BJ Penn antritt, dann wird er seinen Titel wieder verlieren. Im Prinzip gegen alle, die mich bisher geschlagen haben. Ich möchte gerne meine Niederlagen ausbügeln.
Dennis Siver liest aufmerksam das aktuelle GnP-Journal.

Jetzt könnte man meinen, der Dennis kämpft in der UFC, hat den einen oder anderen Sponsor, also arbeiten bräuchte er nicht mehr. Wunsch oder Wirklichkeit?

Mehr Wunsch. Leider reicht das, was ich verdiene, nicht zum leben aus. Ich bin sehr froh, dass ich von Bodies unterstützt werde. Zudem habe ich einen super Arbeitgeber, der mich bei meinem Sport voll unterstützt.

Du legst ja besonderen Wert darauf, dass Du KFZ-Mechaniker-Meister bist. Ist es Dir wichtig, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben?

Auf jeden Fall. Schließlich sollte man auch an das Leben nach der aktiven Karriere denken. Es wäre ein großer Fehler, wenn man dies nicht tun würde.

Job und Training, zwei wichtige Zeitfaktoren. Bleibt da überhaupt noch Platz für Freizeit und wenn ja, wie verbringst Du sie am liebsten?

Ich gehe gerne ins Kino, oder lese auch gerne. Natürlich am liebsten das GroundandPound-Journal. Auf jeden Fall nichts was anstrengend ist.

Ich möchte Dir 5 Stichpunkte nennen und Du sagst uns spontan, was Dir dazu einfällt:
- Niko Sulenta:
Freund und Trainer.
- UFC: Erfüllter Traum.
- SV Waldhof oder Adler: Adler Mannheim
- Frankie Edgar: Champion und mein nächstes Ziel.
- Dennis Siver: Das bin ich, ein ganz normaler Mensch.

Lass uns mal einen Blick in die Kristallkugel werfen. Du bist im Januar 31 Jahre alt geworden. Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, wie lange Du noch kämpfen willst und welche Pläne Du nach Deiner aktiven Karriere noch hast?

Momentan fühle ich mich körperlich top fit und ich denke, dass ich noch zwei bis drei Jahre definitiv kämpfen kann. Sollte dies Mal nicht mehr der Fall sein, dann werde ich in meinem Beruf als KFZ-Mechaniker-Meister arbeiten.

Dennis, Du hast zum Abschluss noch die Möglichkeit, eine Message an die Leser und deine Fans zu übermitteln.

Ich möchte mich bei den Lesern und meine Fans für diesen Award bedanken. Zudem geht ein großer Dank an das Kiboju-Team und meinen Coach Niko Sulenta. Vergessen möchte ich auch nicht die Jungs um Henry Navorra vom Alliance-Team in Frankfurt, mit denen ich trainiere.

Wir danken Dir für das Interview und hoffen auf weitere Kämpfe mit Dir in der UFC.

Gerne, es hat mich sehr gefreut und ich hoffe, ihr drückt mir weiterhin die Daumen.