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David Allen: Entschuldigung, dass wir TV-Deal nicht hinbekommen

David Allen (Foto: Youtube)

Das Thema UFC im deutschen Fernsehen ist ein leidiges und vor allem sehr langes. Nachdem David Allen, UFC-Vizepräsident für Europa, Afrika und Mittelamerika, schon vor Monaten angekündigt hatte, die Tinte unter einem TV-Vertrag würde bereits trocknen, wird der heutige UFC-Berlin-Event noch immer nicht im Fernsehen laufen. Wir haben nachgehakt, woran es liegt.

„Wir sind nicht weit davon entfernt“, versichert Allen auf Nachfrage von GNP-TV, wann denn nun endlich mit der UFC-Rückkehr ins deutsche Fernsehen zu rechnen ist. „Wir sprechen darüber ja nun schon ziemlich lange. Es war eine große Herausforderung für uns, hier in Deutschland ins TV zu kommen. Das war auch ein persönliches Ziel von mir, dem ganzen Team und der gesamten Organisation. Ich muss mich bei den deutschen Fans entschuldigen, dass wir es einfach nicht hinbekommen. Das Problem war, dass wir das Ganze wirklich schnell festmachen wollten, und wenn man etwas überstürzt, dann geht es meist schief. Wir und unser Partner haben uns deshalb dazu entschieden, diesen Event noch nicht zu senden, sondern auf Fight Pass zu belassen, so dass jeder die Kämpfe dort genießen kann. Und in den nächsten 10 Tagen werden wir dann ankündigen, wie unser TV-Vertrag für die nächsten drei Jahre aussehen wird. Das wird fantastisch für die deutschen Fans. Es geht ja nicht nur um diese eine Nacht, sondern um das große Ganze. Natürlich ist das enttäuschend, aber man kann sich die Kämpfe ja live in der Halle anschauen und wie gesagt auf Fight Pass.“

Ursprünglich war geplant, mit UFC Berlin den neuen TV-Vertrag einzuläuten, so Gerüchte. Allen versprach zumindest schon vor Wochen, rechtzeitig zum Deutschland-Event im Fernsehen zurück zu sein. Das Problem seien nun aber nicht mehr juristische Einschränkungen und laufende Verhandlungen, sondern technische Probleme.

„Es gibt nicht ein bestimmtes Problem, sondern eine Reihe von Dingen, die einfach passen müssen“, so Allen. „Man steckt nicht einfach irgendwo einen Stecker rein und wir sind im Fernsehen. Da laufen viele technische Sachen im Hintergrund ab, man muss alles anständig bewerben, wir müssen uns um die Kommentatoren kümmern, es gibt so viele verschiedene Elemente. Bei vielen sind wir gut dabei, bei manchen hinken wir noch etwas hinterher.“

Laut Allen brauche man um alles richtig zu machen schlicht mehr Zeit, habe den TV-Start deshalb nach hinten verschoben. An einer baldigen TV-Rückkehr der UFC sei aber nicht mehr zu rütteln, versichert der Europa-Chef.

„Alles ist erledigt, wir haben uns bereits geeinigt, die Hand darauf gegeben, die Tinte ist getrocknet. Wir sind bereit, loszulegen. Nun liegt es hauptsächlich an technischen Problemen, die alles etwas herauszögern. Ich muss mich wirklich entschuldigen. Ich hätte nichts lieber getan, als heute hier zu stehen und anzukündigen, dass wir im Fernsehen laufen. Tun wir aber nicht. So ist das eben manchmal im Leben. Dinge laufen nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Dafür gibt es Plan B, und der heißt Fight Pass.“

Kurzzeitig sah es allerdings so aus, als würde UFC Fight Night Berlin nicht auf Fight Pass, sondern auf dem deutschen Video-on-Demand-Service Maxdome laufen. Eine entsprechende Seite, die den Event bewarb, wurde von Maxdome jedoch kurz darauf wieder offline genommen.

„Ich bin mir nicht sicher und habe es selbst nicht gesehen, allerdings von verschiedenen Leuten davon gehört“, erklärt Allen. „Es wird aber auf jeden Fall auf Fight Pass laufen.“

Bedeutet UFC im TV weniger Live-Events auf Fight Pass? 

Das Thema Fight Pass erhitzt in anderen europäischen Ländern, in denen die UFC bereits einen TV-Vertrag ergattern konnte, derzeit die Gemüter, in Polen zum Beispiel. Seitdem die UFC-Events dort im Fernsehen laufen, kann man sie nämlich nicht mehr auf Fight Pass sehen – obwohl sich viele der Abonnenten den Video-Service nur wegen der Live-Events angeschafft haben. Auch in Deutschland ist eine Beschneidung des Fight Pass mehr als wahrscheinlich, sobald ein TV-Partner die UFC-Veranstaltungen überträgt.

„Die Plattform Fight Pass verändert sich manchmal eben“, so Allen. „In den vergangenen Jahren, als wir noch nicht im Fernsehen waren, konnten wir Fight Pass nutzen, um in den Markt vorzudringen, so dass all unsere tollen Fans Zugang zu unseren Kämpfen hatten. Das werden wir auch weiterhin tun. Aber bei Fight Pass geht es nicht nur um Live-Events, es gibt dort über 65.000 Stunden Inhalte zu sehen, bis hin zu UFC 1. Wir haben Shows anderer Organisation, wie Invicta, Pride, Strikeforce oder neuerdings Titan FC. Es kommt ständig etwas Neues hinzu, immer neuer Content, wie Embedded, Biografien der Kämpfer und all diese tollen Stories. Wenn man es so sieht, dann ist das doch ein tolles Angebot, für gerade Mal den Preis von einem Bier. Die wirklich echten Fans werden also auch weiterhin Fight Pass nutzen.“

Dass selbst echte Fans ihr Fight-Pass-Abo kündigen werden, wenn es außer UFC-Archiv und kleineren Organisationen nichts mehr zu sehen gibt, ist allerdings sehr wahrscheinlich. Zumal ein Bier in Deutschland selten sechs bis zehn Euro kostet, wie ein Fight-Pass-Abo. Der Großteil zahlt Monat für Monat für Live-Events der UFC. Komplett sollen die deshalb auch auf keinen Fall vom Video-Portal verschwinden, versichert Allen. 

„Wir werden natürlich nicht alles vom Fight Pass herunternehmen und sicherstellen, dass das Angebot weiterhin einen Wert hat. Vielleicht ist das Bier hier in Berlin etwas billiger als in London, im Hotel zumindest nicht. Wir werden definitiv weiterhin ein Angebot an Kämpfen haben, für alle, die beim Fight Pass bleiben. Wir werden dafür sorgen, dass bei all unseren EMEA-Events zumindest die Vorkämpfe auf Fight Pass laufen.“

Verheerende Kritik an der Fight Card

Bleibt die Frage, ob wir auch im kommenden Jahr mit einem UFC-Event in Deutschland rechnen können. Die Kritik an der Fight Card war in diesem Jahr verheerend, die Fans wollen Top-Stars sehen. In einem für die UFC nach wie vor schwierigen Markt wird mit Fight Cards wie in Schweden, zu Beginn des Jahres, jedoch auf absehbare Zeit nicht zu rechnen sein. Kommt die Fan-Kritik bei der UFC an?

„Das ist doch in jedem Sport so. Die Fans können natürlich kritisieren und ihre Meinung äußern und wir hören darauf“, so Allen. „Aber wir haben hier letztes Jahr eine tolle Show hingelegt und werden es auch in diesem Jahr tun. Und deshalb wollen wir zurückkommen. Und darum geht es doch: Seid dabei und sorgt dafür, dass wir zurückkommen!“

Das komplette Interview mit David Allen:

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