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Das Warten hat ein Ende...

Nach beinahe zwei Jahren Hin und Her werden die beiden Rivalen ihre Differenzen nun im Octagon beilegen.

Es hat lange gedauert, aber beinahe zwei Jahre, nachdem von diesem Kampf erstmalig die Rede war, werden Georges St-Pierre und Nick Diaz im März 2013 nun schlussendlich doch noch im Octagon aufeinandertreffen. Austragungsort wird zum vierten Mal in St-Pierres Karriere das Bell Centre in Montreal sein – für den Hauptkampf darf man also wieder eine absolute Hexenkessel-Atmosphäre erwarten.

Begleitet wird dieser Blockbuster-Kampf von zwei weiteren hochkarätigen Ansetzungen im Weltergewicht. Johny Hendricks wird gegen Carlos Condit die Chance bekommen, sich endlich seinen überfälligen Titelkampf zu sichern, während mit Jake Ellenberger und Nate Marquardt zwei elitäre Veteranen um einen Platz an der Spitze kämpfen werden.

Das Hauptprogramm sowie die letzten vier Kämpfe des Vorprogramms können in Deutschland wie gewohnt per ufc.tv verfolgt werden, die ersten drei Vorkämpfe dagegen via Facebook.

Georges St-Pierre (c) vs. Nick Diaz
Das Warten hat ein Ende: Über kaum einen Kampf wurde wohl jemals derart viel geredet, wie über die bevorstehende Kollision von Georges St-Pierre und Nick Diaz. Nun sind alle Pressekonferenzen, No-Shows und Telefonkonferenzen Vergangenheit, und die beiden Top-Weltergewichtler werden sich schlussendlich doch noch im Octagon gegenüberstehen.

Die Storyline hinter diesem Kampf ist einfach: Nick Diaz (26-8-0(1)) will, was Georges St-Pierre (23-2) hat. Der aus dem unruhigen und von Kriminalität gebeutelten Stockton stammende Diaz macht keinen Hehl daraus, was er von St-Pierre und seinem vermeintlich komfortablen Lebensstil als gut vermarkteter UFC-Champion hält. Diaz warf seinem Gegner vor, seine Knieverletzung sei gestellt gewesen, er würde von seiner Entourage „verhätschelt“ und sein angeblicher Steroidkonsum von der Chefetage der UFC gedeckt. Er dagegen, so Diaz, müsse sich um alles außerhalb des Trainings selbst kümmern. Zumindest dann, wenn die UFC mit angeblich schlecht organisierter Terminplanung nicht gerade seinen Trainingsplan durcheinanderbringt. Das traditionell stattfindende öffentliche Training am Mittwoch ließ Diaz aus diesem Grund kurzerhand ausfallen – ein langer Flug und sein Gewichts-Cut ließen eine Runde Schlaf sinniger erscheinen als ein paar Runden Schattenboxen vor den Kameras. Und obwohl er mit dieser Aussage vielleicht gar nicht mal ganz im Unrecht liegt, schlägt derartiges Verhalten in den Mengen, wie Diaz es ohne Hehl zeigt, natürlich enorme Wellen. Auch auf der Pressekonferenz am Donnerstag sorgte der Kalifornier beispielsweise erneut für einen Moment des betretenen Schweigens, als er auf die Frage, was er denn getan hätte, um einen erneuten positiven Test auf Marihuana ausschließen zu können, mit „Ich kann überhaupt nichts ausschließen“ antwortete. Dana White machte im Anschluss zwar klar, dass er Diaz, falls dieser tatsächlich nach dem zweiten Kampf in Folge einen positiven Test abgeben würde, wohl rauswerfen würde, mittlerweile ist das alles aber bereits zweitrangig – alles, was gesagt werden konnte, ist gesagt; nur der Kampf selbst bleibt noch auszutragen.

Das ist in den letzten Tagen und Wochen vor allem Georges St-Pierres Licht am Ende des Tunnels gewesen. Bereits im Jahr 2011 musste sich der langjährige Weltergewichtschampion mit den ständigen Eskapaden seines Kontrahenten herumschlagen; angeblich wurde er von diesem sogar durch ein ganzes Hotel verfolgt. Besonders interessant zu sehen wird es sein, ob sich der stets gelassene St-Pierre vom konstanten Psychoterror eines Diaz aus der Ruhe bringen lassen wird. Besonders im Laufe der letzten Woche haben ihn die teilweise doch sehr skurrilen Anschuldigungen seines Gegners immer wieder beinahe aus der Haut fahren lassen. Ob er das jahrelange Vorgeplänkel im Octagon ausblenden kann, werden wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag endlich sehen.

Carlos Condit vs. Johny Hendricks
Johny „Bigg Rigg“ Hendricks (14-1) erlebt in dieser Wochenende ein Déjà-vu. Bereits vor knapp vier Monaten stand er im Octagon in der Mitte des Bell Centres und wusste, dass ein Sieg ihm den langerwarteten Kampf gegen den Mann, der im Hauptkampf des Abends seinen Weltergewichtsgürtel verteidigen sollte, einbringen würde. Im November meisterte Hendricks diese scheinbar letzte Hürde bravourös mit einem spektakulären Erstrunden-K.o. gegen Martin Kampmann, der versprochene Titelkampf glitt ihm in den folgenden Wochen aber nicht minder brutal aus den Händen. Der Mann, der seinen Platz einnahm, steht an diesem Wochenende an seiner statt im Hauptkampf, doch Hendricks kann daran trotz allen Grolls keine Gedanken mehr verschwenden. Für ihn zählt an diesem Samstagabend nur der „Natural Born Killer“, Carlos Condit (28-6).

Condit hatte bereits, was Hendricks unbedingt erreichen will: Seine Chance auf den Titel. Ebenfalls bei UFC 154, nur wenige Minuten nach Hendricks K.o.-Sieg, stand Condit im Octagon Georges St-Pierre gegenüber. Und obwohl er nach fünf Runden nicht zum Sieger erklärt wurde, lieferte Condit dem Champion einen harten Kampf, in dessen Verlauf er St-Pierre sogar per Headkick auf die Bretter schicken konnte. Ursprünglich für einen Rückkampf gegen Rory MacDonald eingeplant, dem er im Sommer 2010 seine bisher einzige Niederlage beibringen konnte, wird der Greg Jackson-Kämpfer nun auf den inoffiziellen Herausforderer auf St-Pierres Thron treffen. Für beide Kämpfer wäre ein Sieg also Gold wert, denn hier treffen zwei absolute Spitzenkämpfer aufeinander, die sich (immer) noch in greifbarer Nähe eines Titelkampfes befinden.

Jake Ellenberger vs. Nate Marquardt
Eigentlich hätte Jake „The Juggernaut“ Ellenberger (28-6) hier auf Johny Hendricks treffen sollen, die Verletzung MacDonalds eröffnete diesem jedoch die Möglichkeit, in den Co-Hauptkampf aufzurücken, sodass Ellenberger sich nun mit Nate „The Great“ Marquardt (32-11-2) „begnügen“ muss.

Ellenberger stand noch im vergangenen Mai nach Siegen u.a. gegen Carlos Eduardo Rocha, Sean Pierson, Jake Shields und Diego Sanchez kurz vor einem Titelkampf, musste sich von dieser Aussicht nach einer K.o.-Niederlage gegen Martin Kampmann allerdings fürs erste verabschieden. Wenige Monate später meldete sich der „Juggernaut“ dann jedoch schon wieder mit einem Punktsieg gegen Jay Hieron zurück und steht nun erneut einer immensen Chance gegenüber – ein Sieg gegen den ehemaligen Strikeforce-Champion und UFC-Veteranen Marquardt würde ihn seinem Ziel zweifellos wieder ein großes Stück näher bringen.

Marquardt ist in der UFC bisher nur im Mittelgewicht angetreten, wo er sich im Jahr 2007 bereits einen Titelkampf gegen Anderson Silva erarbeiten konnte, in diesem jedoch schon in der ersten Runde T.K.o. geschlagen wurde. Seitdem lief es mal mehr und mal weniger gut für den Veteranen. Den Großteil seiner Kämpfe konnte er zwar gewinnen, in den wichtigen Ansetzungen, die ihm eine zweite Chance auf den Titel hätten bringen können, zog er aber jedes Mal aufs Neue den Kürzeren.

Nachdem er es vor seinem bereits damals geplanten Weltergewichtsdebüt versäumte, seine Testosteron-Ersatztherapie ordnungsgemäß anzumelden und damit den Hauptkampf einer UFC-Veranstaltung ausfallen ließ, wurde Marquardt von einem wutschnaubenden Dana White vor die Tür gesetzt. Über ein Jahr sollte nach diesem Zwischenfall noch vergehen, bevor Marquardt erneut in den Käfig stieg – als er bei einer der letzten Strikeforce-Veranstaltungen allerdings Tyron Woodley nach dreieinhalb actiongeladenen Runden K.o. schlagen konnte, schien die Welt wieder in Ordnung für den neugekrönten SF-Weltergewichtschampion. Eine unerwartete Niederlage gegen Tarec Saffiedine im Januar ließ die Euphorie zwar wieder abflauen, ein Sieg gegen einen etablierten Namen wie Ellenberger dürfte für Marquardt aber eine ähnlich hohe Bedeutung haben, wie für seinen Gegner ein Sieg über ihn.

Chris Camozzi vs. Nick Ring
Diese beiden Mittelgewichtler konnten ihre letzten Kämpfe gewinnen und werden nun versuchen, die durch ihren Platz auf dem Hauptprogramm hohe Aufmerksamkeit zu nutzen und einen weiteren wichtigen Sieg einzufahren.

Chris Camozzi (18-5) kam über die “Ultimate Fighter”-Sendung in die UFC, wurde Anfang 2011 jedoch nach mäßigem Erfolg entlassen. Nicht allzu viele Monate später bot sich allerdings schon als kurzfristiger Ersatz die Möglichkeit zum Wiedereinstieg. Diesen Kampf musste er zwar nach Punkten an Francis Carmont abgeben, seine nächsten drei Begegnungen konnte er dafür aber klar gewinnen. Zuletzt bezwang der 26–Jährige den gefährlichen Brasilianer Luiz Cané in dessen Heimatland und brachte sich damit erstmals ins Gespräch. Falls er an diesem Wochenende auch an Nick „The Promise“ Ring (13-1) vorbeikommen sollte, könnte er damit seine Position in der derzeit etwas unklaren Rangliste der Mittelgewichtler stark verbessern.

Ring stand seit Juli 2012 nicht mehr im Octagon, als er gegen Court McGee eine äußerst kontroverse Punktentscheidung gewann. Nach einem nicht minder fraglichen Punktsieg gegen Riki Fukuda aus dem Jahr 2011 brachte das dem 34–Jährigen Kanadier bei den Fans den zweifelhaften Ruf ein, er könne einfach nicht nach Punkten verlieren. Fakt ist allerdings trotz alledem, dass Ring ein äußerst fähiger Kämpfer ist; seine einzige offizielle Niederlage musste er im Jahr 2011 gegen Tim Boetsch nach Punkten hinnehmen. An diesem Wochenende bekommt er nun die Chance, mit einem Sieg gegen Chris Camozzi eine Siegesserie zu starten.

Mike Ricci vs. Colin Fletcher
Die Platzierung dieses Weltergewichtskampfes auf dem Hauptprogramm hat im Vorfeld einige Kritik vonseiten vieler Fans hervorgerufen. Nichtsdestotrotz ist dieser Kampf allerdings eine interessante Kollision nicht nur zweier unterschiedlicher Kampf-, sonder auch zweier gegensätzlicher Lebensstile. Während der aus Montreal stammende Standspezialist Mike „The Martian“ Ricci (7-3) am ehesten den ruhigen und etwas eitlen Hipster-Typus verkörpert, ist der mehr grapplingorientierte Engländer Colin „Freakshow“ Fletcher (8-2) entsprechend seines Spitznamens am ganzen Körper tätowiert, trägt außerhalb des Käfigs die unterschiedlichsten Hüte und Masken und dazu oft ein schrilles Clown-Makeup.

Beide haben fast gleichzeitig an zwei verschiedenen Staffeln des „Ultimate Fighter“-Formats teilgenommen, kämpften sich beide ins jeweilige Finale vor und verloren dort nach Punkten. Auf beiden lastet an diesem Wochenende also ein gewisser Druck, die während der Sendung aufgebauten Erwartungen nicht zu enttäuschen und sich in der UFC einen Namen zu machen.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 158: St-Pierre vs. Diaz
Samstag, 16. März 2012
Bell Centre in Montreal, Quebec, Kanada

Weltergewichtstitelkampf:
Georges St-Pierre (c) vs. Nick Diaz

Hauptprogramm (ufc.tv)
Carlos Condit vs. Johny Hendricks
Jake Ellenberger vs. Nate Marquardt
Chris Camozzi vs. Nick Ring
Mike Ricci vs. Colin Fletcher

Vorprogramm (ufc.tv)
Patrick Côté vs. Bobby Voelker
Antonio Carvalho vs. Darren Elkins
Dan Miller vs. Jordan Mein
John Makdessi vs. Daron Cruickshank

Vorprogramm (Facebook)
Rick Story vs. Quinn Mulhern
T.J. Dillashaw vs. Issei Tamura
George Roop vs. Reuben Duran