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Cerrone, Leites und Ebersole bei UFC 167

UFC 167 hat auch abseits des Hauptkampfes einiges zu bieten.

20 Jahre ist es her, seitdem zum ersten Mal ein Kämpfer in das Octagon der UFC stieg. 252 Events und durchschnittlich etwas 10.000 Zuschauer mehr ist der Sport einen großen Schritt näher an den Mainstream gekommen.

Grund genug, um diesen Anlass mit einem superb besetzten Event gebührend zu feiern. Neben den ganz großen Geschützen auf dem Hauptprogramm hat Joe Silva auch auf dem Vorprogramm gekleckert statt geklotzt und einige Hochkaräter aufgefahren. Neben Donald Cerrone und Evan Dunham verstecken sich u.a. Thales Leites, Erik Perez, Brian Ebersole und Anthony Pettis jüngerer Bruder Sergio auf der Kämpferliste von UFC 167. Das Einschalten sollte sich also lohnen.

Der Event kann in Deutschland, wie üblich, über ufc.tv (Hauptprogramm und zweiter Teil des Vorprogramms) sowie über die offizielle Facebook-Seite der UFC (erste drei Vorkämpfe) verfolgt werden.

Donald Cerrone vs. Evan Dunham
Dieser Kampf hätte wohl auf beinahe jedem anderen Pay-per-View-Event einen Platz auf dem Hauptprogramm sicher gehabt, die UFC-Leichtgewichtsveteranen Donald „Cowboy“ Cerrone (20-6-0(1)) und Evan Dunham (14-4) allerdings werden am Samstag das Vorprogramm abschließen.

Die beiden Leichtgewichtler sind immer für einen spannenden Kampf zu haben, weil sie einerseits extrem gut sind, man sich andererseits aber auch nie wirklich sicher sein kann, was man von ihnen erwarten darf. Cerrone war bereits in der später von der UFC übernommenen WEC ein bekanntes Gesicht und konnte sich im blauen Käfig einen Namen machen. In der 70-Kilo-Klasse der UFC räumte er nach seiner Ankunft mit einer effektiven Mischung aus technischem Thai-Boxen, kontrollierter Aggressivität und variablen Fähigkeiten am Boden ordentlich auf – zwischen Februar und Oktober 2011 dominierte der Cerrone nacheinander Paul Kelly, Vagner Rocha, Charles Oliveira und Dennis Siver, bevor er im fünften Kampf eines extrem ereignisreichen Jahres drei Runden lang von Nate Diaz vorgeführt wurde.

Nach einem mit nur zwei Kämpfen verhältnismäßig inaktiven Jahr 2012 sollte 2013 den Durchbruch bringen – Anthony Pettis verhinderte einen potentiellen Titelkampf jedoch mit einem einzigen Kick zur Leber, der Cerrone mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Bretter schickte. Bei UFC 160 im Mai folgte mit einem klaren Sieg gegen KJ Noons wieder ein Erfolg, bevor Rafael dos Anjos den „Cowboy“ im August entgegen aller Wettquoten nach Punkten bezwingen konnte. Auffällig in seinen Kämpfen ist, dass Cerrone seinen Gegner zurückdrängen muss, um zu beeindrucken. Siver wurde nach wenigen Minuten von einem Headkick angeknockt, nach dem der Kampf im Prinzip gelaufen war. Der Grappler Vagner Rocha fand keine Antwort auf Cerrones Können im Stand und Jeremy Stephens hatte nach einigen Minuten und schweren Treffern nicht mehr die Energie, um ernsthaft gegenzuhalten. Nate Diaz, Anthony Pettis und zuletzt dos Anjos allerdings haben schwere Treffer vermieden und konnten das Heft zunehmend in die Hand nehmen, je länger der Kampf andauerte.

Evan Dunham ist einer dieser Kämpfer, die keinen Meter zurückweichen. Das hat ihm nicht immer den Sieg, aber im Laufe seiner beinahe fünf Jahre andauernden UFC-Karriere vier Bonus-Schecks und den Respekt der MMA-Gemeinde eingebracht. Wirklich klar verloren hat er darüber hinaus nur ein einziges Mal, als er Anfang 2011 von Melvin Guillard ausgeknockt wurde. Abgesehen davon hat er lediglich knappe (gegen TJ Grant) bis kontroverse (gegen Shean Sherk und gegen Rafael dos Anjos) Punktentscheidungen verloren. Ein Freund von Ranglisten ist der 31-jährige Xtreme Couture-Kämpfer aus diesem Grund nicht, ein Fan-Liebling aber umso mehr. Ob es am Samstag zu einem Sieg gegen Donald Cerrone reicht, bleibt abzuwarten, die Voraussetzungen jedenfalls sollte er mitbringen.

Ed Herman vs. Thales Leites
Im Mittelgewicht könnte sich am Samstag ein hochklassiges Grappling-Duell entwickeln, wenn die hochklassigen Bodenkämpfer Ed „Short Fuse“ Herman (21-9-0(1)) und Thales Leites (21-4) aufeinandertreffen. Oftmals entwickelt sich aus einem solchen Kampf aus Respekt vor den Fähigkeiten des jeweils anderen ein mittelmäßiges Duell im Stand, aber angesichts der letzten Kämpfe dieser beiden Herren könnte auch das ziemlich unterhaltsam werden.

Herman ist seit 2006 Teil der UFC. Damals verlor er im Finale der dritten „Ultimate Fighter“-Staffel das Finale gegen Kendall Grove unter Trainer Ken Shamrock. Sieben Jahre später hat sich einiges getan – Shamrock wird nach erbitterten Streitigkeiten mit der UFC trotz etlicher Kämpfe im Octagon nicht beim 20-jährigen Jubiläum der Organisation anwesend sein, auf dem Herman seinen 15. Kampf in der MMA-Champions League bestreiten wird. „Short Fuse“ hat während dieser Zeit so ziemlich alles erlebt, was diesen Sport ausmacht. Von ernsten Verletzungen über bittere Niederlagenserien und beeindruckende Erfolgsstrecken war alles dabei, was man sich wünschen oder vor dem man sich fürchten kann, die einzige Konstante in Hermans Karriere ist der Unterhaltungswert, den seine Kämpfe bieten. Der war zuletzt im Juli zu bestaunen, als der 33-Jährige sich mit Trevor Smith eine dreiründige Schlacht lieferte, die Herman einen hart erkämpften Sieg und beiden den Bonus für den Kampf des Abends einbrachten.

Als Herman und Smith in Seattle auf’s Ganze gingen, lag Thales Leites letzter UFC-Kampf vier Jahre zurück. Zwischen 2006 und 2009 sicherte der Brasilianer sich mit fünf Siegen in sechs Kämpfen einen Titelkampf gegen Anderson Silva, in dem er jedoch kaum etwas zeigen konnte und nach fünf durch lautes Buhen der Fans begleiteteten Runden eine einstimmige Punkentscheidung gegen Silva abgeben musste. Seinen nächsten Kampf verlor er bei UFC 101 gegen Alessio Sakara und wurde prompt entlassen. Sieben Kämpfe und sechs Siege später, von denen fünf durch Aufgabe zustande kamen, war es für den mittlerweile 32-Jährigen Zeit für ein Comeback. Bei UFC 163, erstmalig für die UFC in seinem Heimatland unterwegs, schlug er Tom Watson in einem harten Kampf nach Punkten und bekommt somit am Wochenende die Chance, mit einem Sieg gegen Ed Herman seinen zweiten Octagon-Erfolg in Folge einzufahren.

Brian Ebersole vs. Rick Story
Ein weiteres Duell zweier recht bekannter Gesichter wird zuvor im Weltergewicht stattfinden. Sowohl Brian „Bad Boy“ Ebersole (50-15-1(1)) als auch Rick „The Horror“ Story (15-7) sind solide Kämpfer, hatten in letzter Zeit aber einige Schwierigkeiten, die sie in Vegas auf Kosten des anderen überwinden müssen.

Brian Ebersole kam Anfang 2011 in die UFC, als er in seiner Wahlheimat Australien kurzfristig gegen Chris Lytle einsprang. Zur Überraschung der meisten Zuschauer schlug der stets mit einem aus Brusthaaren geformten Pfeil auf dem Oberkörper auftretende Ebersole den Veteranen in einem unterhaltsamen Kampf nach Punkten und brachte ihm damit die letzte Niederlage seiner Karriere bei. Einige Monate später gewann er bei UFC 133 als erster und höchstwahrscheinlich letzter Kämpfer der UFC den „Diese-schrecklichen-Shorts-so-schnell-wie-möglich-aus-dem-TV-hol“-Bonus, als er einen lediglich mit einer Speedo-Shorts bekleideten Dennis Hallman in Runde eins T.K.o. schlug. Siegen gegen Claude Patrick und TJ Waldburger folgte bei UFC 149 im Juli 2012 eine knappe Punktniederlage gegen James Head, und seitdem war der „Bad Boy“ verletzungsbedingt nicht mehr im Octagon zu sehen.

Rick Story wird den Hauptkampf mit einigem Argwohn verfolgen. Im Dezember 2010 war er es, der Johny Hendricks dessen bisher einzige Niederlage beibrachte. Seit diesem Kampf sind die Karrieren der beiden allerdings in unterschiedliche Richtungen verlaufen. Hendricks konnte sechs Kämpfe nacheinander für sich entscheiden und verdiente sich damit den Titelkampf gegen Georges St-Pierre. Auch Story gewann nach dem Sieg gegen Hendricks noch einmal, als er sich bei UFC 130 eine Punktentscheidung gegen den ehemaligen Titelherausforderer Thiago Alves sicherte, seitdem folgten allerdings deutlich zu viele Rückschläge für Storys Geschmack. Einer überraschenden Punktniederlage gegen Charlie Brenneman folgte eine weitere gegen Martin Kampmann. Mit einem Sieg gegen Brock Jardine rettete Story einige Monate später seinen Job, bevor er diesen mit Niederlagen gegen Demian Maia und Mike Pyle wieder in Gefahr brachte. Trotz der Rückschläge ist Story mit seiner Kombination aus Ringen, Aggressivität und harten Schlägen stets gefährlich, und wenn er am Samstag die Form abrufen kann, die er in seinen Kämpfen gegen Hendricks und Alves gezeigt hat, könnte es ein schmerzhafter Abend für Brian Ebersole werden.

Erik Perez vs. Edwin Figueroa
Diese beiden Bantamgewichtler sind eigentlich nie in einem langweiligen Kampf zu sehen, und in dieser Kombination wird sich das am kommenden Wochenende aller Voraussicht nach auch nicht ändern.

Erik „Goyito“ Perez (13-5) debütierte auf dem Finale der 15. „Ultimate Fighter“-Staffel in der UFC, wo er John Albert zur Aufgabe zwang. Es folgten (T.)K.o.-Siege gegen Ken Stone und Byron Bloodworth, die dem erst 23-Jährigen Mexikaner einen prestigeträchtigen Kampf gegen Takeya Mizugaki einbrachte. Das Talent und der Veteran lieferten sich harte fünfzehn Minuten, an deren Ende Erfahrung allerdings die Oberhand behielt und Mizugaki einen geteilten Punktsieg einfahren konnte. Nun ist „Goyito“ zurück im Käfig, wo er mit einem spektakulären Sieg gegen Edwin „El Feroz“ Figueroa (9-3) einen zweiten Anlauf in Richtung Titelkampf starten will.

Für Figueroa wird es der sechste Auftritt im Octagon sein, das er im Frühjahr 2011 zum ersten Mal betrat. In seinem Debüt-Kampf traf er mit weniger als zwei Wochen Vorbereitungszeit auf Michael McDonald, lieferte den „Kampf des Abends“ ab und ging die volle Distanz mit dem ehemaligen Herausforderer auf den Interims-Gürtel. Seitdem lief es allerdings weniger gut für den stets aggressiv kämpfenden Texaner – zwar konnte er sich zunächst Erfolge gegen Jason Reinhardt und Alex Caceres sichern, verlor dann aber gegen Francisco Rivera und Roland Delorme. Gegen Perez muss also wieder ein Sieg her, um den Job zu sichern; eine leichte Aufgabe wird das allerdings mit Sicherheit nicht.

Vorprogramm (Facebook)
An diesem Wochenende werden drei weitere Kämpfe auf der offiziellen Facebook-Präsenz der UFC übertragen. Im Weltergewicht duellieren sich am 16. November zwei versierte Ringer, wobei der auf College-Niveau äußerst erfolgreiche Jason „The Kansas City Bandit“ High (17-4) in diesem Bereich einen großen Erfahrungsvorteil haben dürfte. In der UFC steht High zurzeit bei 1-1. Nachdem er sein UFC-Debüt in nur 71 Sekunden per Aufgabe gegen Erick Silva verlor, gelang ihm im August auf die gleiche Weise ein Sieg gegen James Head. Nun trifft er auf Anthony „The Recipe“ Lapsley (22-5-0(2)), einem Bellator-Veteranen, der acht seiner letzten neun Kämpfe gewinnen konnte und in seiner sieben Jahre und 29 Kämpfe andauernden MMA-Karriere nur fünf Mal über die Distanz gegangen ist. Lapsley hat darüber hinaus ein Händchen für merkwürdige Kampfausgänge. Als er bei Bellator 35 gegen Jay Hieron antrat, brach der Ringrichter den Kampf in dem Glauben ab, Lapsley sei bewusstlos, was keineswegs der Fall war. Drei Jahre zuvor war er bereits auf Youtube zum Hit geworden, nachdem sein Kampf gegen Aaron Wetherspoon in einem No-Contest endete, da die beiden sich gegenseitig ausgeknockt hatten. Am Samstag wird Lapsley jede Kontroverse vermeiden wollen, denn gegen Jason High muss ein möglichst beeindruckender Sieg her, um die UFC-Karriere angemessen starten zu können.

Zuvor könnte es zu einer naheliegenden Verwechslung kommen. Im Fliegengewicht wird Sergio „The Phenom“ Pettis (9-0) sein Octagon-Debüt geben, der jüngere Bruder von Anthony, dem neugekrönten Leichtgewichtschampion der UFC. Es galt allgemein nur als eine Frage der Zeit, bis der momentan 20-Jährige ins Octagon steigen würde, nachdem er vier Amateur- und seine bisherigen neun Profi-Kämpfe allesamt gewinnen konnte. 
Er wird nach der verletzungsbedingten Absage des Briten Vaughan Lee auf Will Campuzano (13-4) treffen. Der gebürtige Mexikaner dürfte so manchem noch aus einigen Auftritten in der WEC und UFC bekannt sein, wo er allerdings mäßigen Erfolg hatte und Anfang 2011 vor die Tür gesetzt wurde. Seitdem war Campuzano dafür unaufhaltsam – fünf aufeinanderfolgende Siege haben ihm für den 16. November die Rückkehr ins Octagon eingebracht.

Im Eröffnungskampf wird Gian Villante (10-4) zum ersten Mal seit seiner kontroversen Debüt-Niederlage gegen Ovince St. Preux im April wieder ins Octagon steigen, als der Kampf nach einem versehentlichen Fingerstich in Villantes Auge abgebrochen wurde. Er trifft auf Cody „Donnybrook“ Donovan (8-3), der in seinem Debüt Nick Penner ausknockte und obendrein den Bonus für den Kampf des Abends einsackte, im August aber dann von jenem Ovince St. Preux ausgeknockt wurde, der zuvor schon Villante geschlagen hatte.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 167: St-Pierre vs. Sonnen
Samstag, 16. November 2013
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Weltergewichtstitelkampf (ufc.tv)
Georges St-Pierre (c) vs. Johny Hendricks

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rashad Evans vs. Chael Sonnen
Rory MacDonald vs. Robbie Lawler
Josh Koscheck vs. Tyron Woodley
Tim Elliott vs. Ali Bagautinov

Vorprogramm (ufc.tv)
Donald Cerrone vs. Evan Dunham
Ed Herman vs. Thales Leites
Brian Ebersole vs. Rick Story
Erik Perez vs. Edwin Figueroa

Vorprogramm (Facebook)
Jason High vs. Anthony Lapsley
Will Campuzano vs. Sergio Pettis
Gian Villante vs. Cody Donovan