MMA

BJ Penn mit dem dritten Anlauf gegen Frankie Edgar

Von den vier Finalplätzen sind am Sonntag alle durch Team Edgar besetzt (Foto: Zuffa LLC).

Zwei Mal ist er bereits gescheitert, aber BJ Penn ist nicht bekannt dafür, schnell aufzugeben. Am Sonntag unternimmt die lebende Legende daher noch einen dritten und letzten Anlauf, Frankie Edgar im Octagon zu schlagen.

Der Kampf am Sonntag könnte darüber hinaus das letzte Mal sein, dass wir Penn im Käfig sehen – selbst im Falle eines Sieges bestünde laut Penn eine reelle Chance, dass er sich aus dem aktiven Geschäft zurückzieht. Edgar indes will sich im Federgewicht seinen zweiten Titelkampf erarbeiten, nachdem Champion José Aldo ihn vor über einem Jahr äußerst knapp nach Punkten schlagen konnte.

Ebenfalls auf dem Hauptprogramm werden im Halbschwer- und Mittelgewicht zwei neue „The Ultimate Fighter“-Sieger ermittelt und mit Justin Scoggins und Dustin Ortiz werden zwei vielversprechende Talente im Fliegengewicht aufeinandertreffen.

Die Veranstaltung kann über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der im Abo ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv zu haben ist.

Frankie Edgar vs. BJ Penn
Die meisten Menschen geben den Dingen eine zweite Chance, wenn etwas beim ersten Anlauf nicht funktioniert hat. Wenn es dann wieder schiefgeht, ist aber meist Schluss – abhaken und etwas anderes suchen, heißt die Devise.

Nicht so für BJ „The Prodigy“ Penn (16-9-2). Der ehemalige UFC-Leicht- und Weltergewichtschampion befindet sich seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast, hat aber noch eine große Rechnung offen, bevor er sich möglicherweise endgültig an die Strände Oahus zurückzieht. Vier Niederlagen in seinen letzten sechs Kämpfen stehen in der Bilanz des Hawaiianers, die zwei bittersten davon gegen Frankie „The Answer“ Edgar (16-4-1). Nach darauffolgenden, extrem einseitigen Niederlagen gegen Nick Diaz und Rory MacDonald im Weltergewicht hätte man es dem 35-Jährigen nicht verdenken können, wenn er seine Faustschützer endgültig an den Nagel gehangen hätte, aber „The Prodigy“ ist noch nicht ganz fertig mit dem Sport. 

Der stets als trainingsfaul portraitierte Hawaiianer will es noch einmal wissen. Dafür hat Penn sich in den letzten Monaten bis ins Federgewicht runtertrainiert – Motivation scheint für diesen Kampf kein Erfolgshindernis zu sein. Daneben sind die Gegner in dieser Gewichtsklasse auch nicht mehr gefühlte 20 Kilo schwerer als Penn, dem die Umstände dieses Kampfes daher bestens in die Hände zu spielen scheinen.

Und dennoch geht die lebende Legende als Underdog in den Kampf, denn Penn hinkt hinterher: zwei Mal hat Frankie Edgar ihn besiegt, seitdem noch zwei Mal seinen Titel gegen Gray Maynard verteidigt und im Anschluss extrem knappe bis kontroverse Punktniederlagen gegen Ben Henderson und José Aldo einstecken müssen. Zuletzt schlug der 32-Jährige bei UFC 162 Charles Oliveira im „Fight of the Night“ nach Punkten und könnte mit einem weiteren Sieg gegen Penn wieder ganz oben im Titelrennen um Aldos Gürtel einsteigen.

Corey Anderson vs. Matt Van Buren
Um den Titel des Ultimate Fighters werden am Sonntag in Vegas zwei Teamkollegen kämpfen. Sowohl Corey „Beastin 25/8“ Anderson (2-0) als auch Matt „Gutter“ Van Buren (6-2) haben im TUF-Haus das Jersey von Frankie Edgar getragen und werden sich nun im Finale wiedersehen.

Anderson hat als Profi erst zwei Mal im Käfig gestanden, konnte seine beiden Gegner jedoch jeweils nach drei Minuten der ersten Runde ausknocken. Im TUF-Haus dagegen musste er zwei Mal über die volle Distanz, sicherte sich mit den Siegen gegen Josh Clark und Patrick Walsh jedoch neben dem Platz im Finale auch noch dringend benötigte fünf Runden an Kampferfahrung.

Matt Van Buren hat mit acht Profi-Kämpfen mehr Erfahrung auf dem Buckel und mit dem Alliance MMA Gym in San Diego außerdem ein sehr solides Team im Rücken. Der 1,95-Meter-Mann hat mit vier Kämpfen bei Bellator darüber hinaus bereits Erfahrung auf der großen Bühne und geht mit einer einstimmigen Punktentscheidung sowie einem T.K.o.-Sieg aus dem TUF-Haus mit mehr Momentum ins Finale als sein Gegner. Ob es ihm am Sonntag helfen wird? Wir werden sehen…

Eddie Gordon vs. Dhiego Lima
Im Mittelgewicht werden ebenfalls zwei von Frankie Edgars Leuten die TUF-Krone unter sich ausmachen – Eddie „Truck“ Gordon (6-1) könnte am Wochenende neben Chris Weidman der zweite Kämpfer aus dem Serra-Longo-Team werden, der einen UFC-Titel mit zurück nach New York nimmt. Zwar geht es in diesem Kampf „nur“ um die „The Ultimate Fighter“-Trophäe, die daraus resultierende Aufmerksamkeit könnte Gordon jedoch gut gebrauchen. Dabei hat der 30-Jährige bereits im Haus für Aufsehen gesorgt, als er neben Matt Gabel und Mike King auch den populären irischen Cage Warriors-Champion Cathal Pendred schlug.

Lima dagegen besiegte Tim Williams und Roger Zapata durch Aufgabe, um sich seinen Platz im Finale zu sichern. Lima ist jedoch nicht nur auf dem Boden äußerst gefährlich, sondern auch im Stand, wo er bisher drei Gegner (T.)K.o. schlagen konnte. Der BJJ-Trainer des American Top Team Atlanta will seine Fähigkeiten nun auch außerhalb des Gyms bekannt machen und sich mit einem Sieg gegen Edide Gordon die TUF-Krone unter den Nagel reißen.

Derrick Lewis vs. Guto Inocente
Abgerundet wird das Hauptprogramm von einem Kampf im Schwergewicht, der weniger wegen vermeintlicher Titelambitionen interessant sein dürfte und mehr wegen der Frage, ob Derrick „The Black Beast“ Lewis (10-2-0(1)) auch seinen zweiten Gegner in der UFC ähnlich spektakulär aus dem Weg räumen kann, wie er es im April mit Jack May getan hat?

Ihm gegenüber wird dieses Mal Carlos Augusto „Guto Inocente“ Filho (6-2) stehen, der zum ersten Mal seit Mai 2012 wieder in den Käfig steigen wird. Der 28-Jährige von den Blackzilians machte sich zunächst in der brasilianischen Szene einen Namen, bevor er von Strikeforce unter Vertrag genommen wurde, wo er Virgil Zwicker vor nun über zwei Jahren nach Punkten bezwang. Seitdem ist einiges passiert – zunächst wurde sein zweiter Einsatz für Strikeforce durch die Absage des gesamten Events verhindert, als Gilbert Melendez sich vor seinem Kampf gegen Pat Healy verletzte. Ein Kampf bei UFC 168 kam dann im vergangenen Dezember nicht zustande, weil sowohl Shane del Rosario als auch Inocente das Duell verletzungsbedingt absagten, bevor letzterer scheinbar durch fahrlässiges Verhalten von Alistair Overeem eine weitere Trainingsverletzung erlitt – dieser Vorfall war angeblich verantwortlich dafür, dass Overeem bei den Blackzilians „gegangen wurde“.  Nun ist der Brasilianer gesund und bereit, am Sonntag in Las Vegas ins Octagon zu steigen.

Dort wird Derrick Lewis versuchen, gegen ihn seinen zehnten Knockout im vierzehnten Kampf einzufahren. Der 29-jährige Texaner hat eine bewegte Vergangenheit, die allerlei Schwierigkeiten mit dem Gesetz und einen läuternden Gefängnisaufenthalt beinhaltet, der letztendlich dazu geführt hat, dass Lewis sich im MMA neu erfunden hat. Im Käfig hat „The Black Beast“ seinem Spitznamen seitdem alle Ehre gemacht – frühe Gehversuche in der Box-Szene tragen nun auch im MMA noch Früchte, wie man an der beeindruckenden K.o.-Quote des ehemaligen Legacy FC-Champions unschwer erkennen kann.

Justin Scoggins vs. Dustin Ortiz
Das Hauptprogramm des Abends wird von einem Kampf im Fliegengewicht eröffnet, in dem sich zwei der vielversprechendsten Talente der noch jungen Gewichtsklasse duellieren werden.

Justin „Tank“ Scoggins (9-0) debütierte im Dezember in Australien in der UFC, wo er Richie Vaculik in der ersten Runde T.K.o. schlagen konnte. Auf diesen Sieg ließ Scoggins im März einen weiteren folgen, als er Will Campuzano nach Punkten schlug und seine weiße Weste damit beibehielt. Der 22-Jährige, der stets mit einem breiten Grinsen im Gesicht zum Octagon marschiert, will sich nun mit einem dritten UFC-Sieg und zum ersten Mal auf dem Hauptprogramm einen Namen machen.

Leicht wird das allerdings nicht werden, denn auch Dustin Ortiz (13-3) ist ein junges, aufstrebendes Talent, das bisher zwei Mal in der UFC gewonnen hat. Hätten während seines Kampfes gegen John Moraga andere Punktrichter am Octagon gesessen, könnte der 25-Jährige vielleicht sogar schon drei UFC-Siege sein Eigen nennen, der knappe Kampf wurde im vergangenen Januar jedoch an den ehemaligen Titelherausforderer gegeben. Seitdem hat Ortiz mit Ray Borg ein weiteres großartiges Talent geschlagen, sodass dieses Duell gegen Justin Scoggins für ihn bereits den dritten Kampf im Jahr 2014 bedeutet.

Vorprogramm:
Im letzten Kampf des Vorprogramms geht es für die Leichtgewichte Kevin Lee (7-1) und Jesse „The Body Snatcher“ Ronson (13-4) vermutlich um den Verbleib in der UFC. Lee debütierte im Februar gegen Al Iaquinta in der UFC, musste nach drei hart umkämpften Runden jedoch eine einstimmige Punktentscheidung abgeben. Zuvor hatte er jeden seiner Kämpfe gewonnen, die letzten vier vorzeitig durch Aufgabe. Am Sonntag wird er auf Jesse Ronson treffen, der bereits zwei Mal im Octagon stand, jedoch sowohl an Michel Prazeres als auch an Francisco Trinaldo geteilte Punktentscheidungen abgeben musste. Außerhalb der UFC war auch er zuvor ungeschlagen, wobei drei aufeinanderfolgende Siege gegen Kämpfer mit den Nachnamen Healy, Ricci und St. Pierre zustande kamen, die man aber natürlich nicht mit ihren Namensvettern aus der UFC verwechseln sollte.

Zuvor wird Jumabieke „The Wild Wolf“ Tuerxun (14-1) zum zweiten Mal ins Octagon steigen, nachdem er dort sein Debüt nach Punkten gegen Mark Eddiva verlor. Der Chinese ging im März mit 14 Siegen in ebenso vielen Kämpfen als deutlicher Favorit in seinen Kampf gegen Mark Eddiva, wurde von seinem wesentlich unerfahreneren Gegner aber recht deutlich geschlagen. Diese Schlappe soll am Wochenende aus den Köpfen der Fans ausradiert werden, und zwar mit einem überzeugenden Sieg gegen Leandro „Brodinho“ Issa (11-4). Der Brasilianer hat sein UFC-Debüt jedoch ebenfalls verloren und geht daher mit der gleichen Einstellung in diesen Kampf wie sein Gegner. Ob dieser Hintergrund letztlich für einen spannenden Kampf sorgt, werden wir in der Nacht von Sonntag auf Montag sehen.

Auch Adriano Martins (25-7) braucht einen Sieg. Das brasilianische Leichtgewicht debütierte im Oktober mit einem beeindruckenden Aufgabe-Sieg gegen Daron Cruickshank im Octagon, wurde dann jedoch im Januar von Donald Cerrone mit einem Headkick spektakulär auf die Bretter geschickt. Seine neue Aufgabe ist daher etwas machbarer und wird in Form von Juan Manuel „Fenix“ Puig (11-2) in den Käfig steigen. Puig ist Mexikaner, und wird daher vermutlich versuchen, Martins möglichst schnell und schmerzlos aus dem Weg zu räumen, um einen Platz bei UFC 180 zu ergattern. Die Veranstaltung wird der erste UFC-Event in Mexiko sein, und mit einem erfolgreichen Octagon-Debüt könnte Puig seine aktuelle Siegesserie auf sieben Erfolge am Stück ausdehnen, was ihm eine komfortable Ausgangssituation für die Show am 15. November in Mexico City bescheren würde.

Im Halbschwergewicht kommt es zum Duell zwischen Team Penn und Team Edgar, wenn Patrick „The Beast of the East“ Walsh (4-1) aus Frankie Edgars Mannschaft auf Dan „Dragon“ Spohn (8-3) trifft, einen Repräsentanten von BJ Penns Team. Walsh besiegte in der ersten Runde des Turniers Anton Berzin einstimmig nach Punkten, musste sich dann jedoch auf die gleiche Art dem Finalisten Corey Anderson geschlagen geben. Spohn erging es ähnlich – er kämpfte sich mit einem Punktsieg gegen Todd Monaghan ins Halbfinale, wo er jedoch von Matt Van Buren in der zweiten Runde technisch K.o. geschlagen wurde. Nun wird sich zwischen den beiden entscheiden, wer seine Zeit im Haus mit einem UFC-Vertrag krönen kann.

Auch im Bantamgewicht der Frauen wird es im Mandalay Bay Events Center zur Sache gehen, wenn Alexis Dufresne (5-0) aus dem renommierten Team Quest und Sarah „Cheesecake“ Moras (3-1) ins Octagon steigen. Dufresne ist bisher in fünf Profi-Kämpfen ungeschlagen und konnte jede ihrer Gegnerinnen vorzeitig durch T.K.o. oder Aufgabe besiegen, zuletzt Kim Couture. Davis trainiert im Toshido MMA-Team, das u.a. bereits UFC-Weltergewicht Rory MacDonald hervorgebracht hat, und hält einen prestigeträchtigen Sieg gegen die TUF-Siegerin Julianna Pena, deren Kampf im April 2012 nach zwei Runden durch den Ringarzt abgewunken wurde.

Im ersten Kampf des Abends wird Robert Drysdale (6-0) nach langer Wartezeit endlich seine Chance in der UFC bekommen. Der international gefragte BJJ-Coach, der u.a. bekannte Kämpfer wie Frank Mir trainiert hat und in der Vergangenheit immer wieder als Betreuer auf UFC-Veranstaltungen zu sehen war, hat jeden seiner sechs Profi-Kämpfe durch Aufgabe gewonnen. Nachdem ein positiver Doping-Test sowie eine Infektionskrankheit sein ursprünglich für UFC 163 im vergangenen August geplantes Debüt verzögert hat, wird er nun auf Keith Berish (5-0) treffen. Der New Yorker ist ebenfalls noch ungeschlagen und musste in fünf Kämpfen lediglich ein Mal über die Runden – von seinen restlichen vier Kämpfen hat er je zwei durch Aufgabe und durch T.K.o. gewonnen.


Anbei das gesamte Programm:

The Ultimate Fighter 19 Finale
Sonntag, 6. Juli 2014
Mandalay Bay Events Center in Las Vegas, Nevada, USA

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Frankie Edgar vs. BJ Penn
Corey Anderson vs. Matt Van Buren
Eddie Gordon vs. Dhiego Lima
Derrick Lewis vs. Guto Inocente
Justin Scoggins vs. Dustin Ortiz

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Kevin Lee vs. Jesse Ronson
Jumabieke Tuerxun vs. Leandro Issa
Adriano Martins vs. Juan Manuel Puig Carreon
Patrick Walsh vs. Dan Spohn
Sarah Moras vs. Alexis Dufresne
Robert Drysdale vs. Keith Berish