MMA

Bisping vs. Le bei UFC Macau

Mit Michael Bisping und Cung Le hat die UFC zwei bekannte Gesichter auf den Fight Pass gepackt. (Foto: Zuffa LLC)

Lange Zeit war die UFC in Asien, der sprichwörtlichen Heimat des Kampfsports, so gut wie nicht präsent. Mittlerweile hat die Organisation ein eigenes Büro für den asiatischen Markt, in dem mit der UFC Fight Night 48 am Samstag bereits der dritte Event in diesem Jahr abgehalten werden wird, bevor im September noch eine weitere Show im fernen Osten folgen soll.

Allzu viele bekannte Gesichter bietet das Programm westeuropäischen Fans nicht – kaum jemand der 20 Kämpfer dürfte hierzulande irgendwem ein Begriff sein. Die beiden Hauptkämpfe allerdings sind für eine Fight Night allererste Sahne – zwischen Michael Bisping und Cung Le sowie Dong Hyun Kim und Tyron Woodley könnten sich ein paar Kräfteverhältnisse im Mittel- und Weltergewicht verschieben und die beiden Duelle haben darüber hinaus das Potential, sehr spektakulär zu werden.

Die UFC Fight Night 48 wird am Samstag bereits ab 12:30 Uhr mittags über den UFC Fight Pass übertragen, der über ufc.tv ab 5,99 Euro monatlich im Abo erhältlich ist.

Michael Bisping vs. Cung Le
651 Tage wird es her sein, dass Cung Le (9-2) zum letzten Mal ins Octagon der UFC gestiegen ist, wenn er den Käfig am Samstag für den Hauptkampf der 48. UFC Fight Night betritt. Nur ein paar Monate weniger liegt allerdings auch Michael „The Count“ Bispings (24-6) letzter Sieg zurück, weshalb für die beiden populären Mittelgewichte am Samstag im Venetian in Macau einiges auf dem Spiel steht.

Angesichts dessen ist die Vermarktung des Kampfes bisher recht ruhig verlaufen – zumindest bis zwei Wochen vor der Veranstaltung: „Cung Le kann mich am Arsch lecken“, gab Bisping im Interview mit groundandpound.de vor Kurzem zu Protokoll. „Ich werde so oder so die Scheiße aus ihm herausprügeln. Hier habt ihr es zuerst gehört.“ Na denn. Le allerdings schert sich nicht besonders um derartige Provokationen: „Bisping setzt sich mit all diesem Gerede nur selbst unter Druck, und darüber kann ich nur lachen. Ich komme aus einem vom Krieg zerrissenen Land, in dem ich in zwei Flüchtlingslagern gelebt habe – sein Gehabe stört mich nicht.“

Neben allem Trash Talk – ob ernst gemeint oder nicht – könnte dieses Duell vor allem stilistisch interessant werden. Le dürfte dem Briten im Ringen und auf den Beinen technisch einen Schritt voraus sein, ist allerdings mittlerweile stolze 42 Jahre alt und hatte in den letzten Jahren mit allerlei Verletzungen zu kämpfen. Bisping dagegen ist in keinem Bereich herausragend, kann aber sämtliche Disziplinen effektiv verbinden, hat jede Menge Kondition und ist eben auch der jüngere der beiden, der außerdem die letzten Jahre mit Kämpfen anstatt mit Filmdrehs verbracht hat.

Les letzter Auftritt ist vielen Fans trotzdem noch in Erinnerung, denn nach einer harten T.K.o.-Niederlage gegen Wanderlei Silva in seinem UFC-Debüt und einem Punktsieg gegen Patrick Coté wurde im November 2012 eine klare Niederlage gegen Ex-Champion Rich Franklin erwartet. Le „ging“ mit einem verletzten Fuß in den Kampf, knockte Franklin aber dennoch nach nicht einmal zweieinhalb Minuten mit einem einzigen Schlag glatt aus.

Bisping dagegen stand schon vor Les Kampf gegen Franklin kurz vor einem Titelkampf und stand es auch danach. Eigentlich ist der „Count“ immer in der Nähe des Gürtels, ist bisher aber stets kurz vor dem Ziel gescheitert.  Seit Ende 2011 wechseln sich darüber hinaus Sieg und Niederlage ab, neben Siegen gegen Jason „Mayhem“ Miller, Brian Stann und Alan Belcher finden sich aus dieser Zeit Niederlagen gegen Chael Sonnen, Vitor Belfort und zuletzt Tim Kennedy in seiner Bilanz. Für beide kann der kommende Samstag sich daher als Wendepunkt herausstellen – wer auch immer verliert, wird sich vermutlich auf ewig von sämtlichen Titelträumen verabschieden dürfen, während der Sieger dem langersehnten Ziel einen Schritt näher kommt.

Dong Hyun Kim vs. Tyron Woodley
Der Co-Hauptkampf zwischen Dong Hyun „Stun Gun“ Kim (19-2-1(1)) und Tyron „The Chosen One“ Woodley (13-3) hätte den Event genauso gut anführen können wie das Duell zwischen Bisping und Le und verspricht ebenso Feuerwerke.

Kim gab bereits 2008 mit einem T.K.o.-Sieg gegen Jason Tan sein UFC-Debüt, bevor er Matt Brown einige Monate später geteilt nach Punkten schlug. Mit sechs weiteren Erfolgen gegen TJ Grant, Amir Sadollah, Nate Diaz, Sean Pierson, Paulo Thiago und Siyar Bahadurzada machte der Koreaner sich in den Folgejahren einen Namen, gewann gegen jeden dieser Gegner aber lediglich nach Punkten. Die einzigen Kämpfe, die in diesem Zeitraum vorzeitig endeten, waren (T.)K.o.-Niederlagen gegen Carlos Condit und Demian Maia, die Kim aus dem Titelrennen fernhielten. Vermutlich hatte er die ständige Kritik an seinem Kampfstil satt, jedenfalls kündigte Kim im vergangenen Jahr an, ab sofort mit größerem Risiko zu kämpfen als bisher.

Derartige Versprechungen hört man häufiger vor dem nächsten großen Kampf, Kim jedoch meinte es offensichtlich ernst und schlug den gefährlichen Brasilianer Erick Silva im vergangenen Oktober in dessen Heimatland mit einem einzigen Schlag K.o. Glück, könnte man meinen, ein ähnlich aggressiver Kim ließ darauf jedoch im März einen weiteren K.o. folgen, mit John Hathaway darüber hinaus gegen einen sehr fähigen Kontrahenten – mit dem krachenden Spinning Back Elbow machte sich „Stun Gun“ im März nach Shonie Carter und John Makdessi zum erst dritten UFC-Kämpfer, der einen Kampf mit einer eingedrehten Schlagtechnik beenden konnte.

Am Samstag wird er in Form des „Chosen One“ einen weiteren harten Test vor die Fäuste bekommen, der sich – falls erneut der alle Risiken außer Acht lassende Kim auftaucht – angesichts Woodleys Kampfstil zu einer spannenden Schlacht entwickeln und spektakulär mit einem weiteren krachenden K.o. zu Ende gehen könnte.
Woodley, ein erfolgreicher High School- und College-Ringer mit dem Körperbau eines Hydranten und Knockout-Power für Zwei in den Fäusten, dürfte darüber hinaus mit einer Menge Motivation in diesen Kampf hinter feindlichen Linien gehen.

Der 32-Jährige machte sich zwischen 2009 und 2012 bereits bei Strikeforce einen Namen, wo er u.a. André Galvao, Tarec Saffiediene und Paul Daley besiegte, bevor er schlussendlich Nate Marquardt im Kampf um den Weltergewichtstitel unterlag. Nach der Übernahme der Organisation durch die UFC kündigte Woodley nach nur 36 Sekunden Kampfzeit spektakulär sein Kommen an, als er Jay Hieron mit einem einzigen Schlag von den Beinen holte und unsanft auf der Matte aufschlagen ließ.

Das Momentum wurde zwischenzeitlich von einer unansehnlichen Punktniederlage gegen Jake Shields getrübt, bevor sich Woodley mit einem weiteren imposanten K.o. gegen Josh Koscheck einen Kampf gegen Carlos Condit sicherte. Der renommierte ehemalige Titelherausforderer verlor letztendlich durch eine Knieverletzung, wurde aber zuvor fast durchgehend dominiert, weshalb Woodley gegen den ähnlich steil aufsteigenden Rory MacDonald angesetzt wurde. Gegen den Kanadier zeigte Woodley dann jedoch so gut wie gar nichts von der Explosivität und Aggressivität, die ihn so weit gebracht hatte – nach drei Runden am falschen Ende von MacDonalds Jab musste Woodley sich im Juni geschlagen geben. Nun bekommt er die Chance, diesen Ausrutscher wieder gutzumachen.

Zhang Lipeng vs. Brendan O’Reilly
Im Leichtgewicht werden mit Zhang „The Warrior“ Lipeng (7-7-1) und Brendan „Badger“ O’Reilly (5-0) zwei Kämpfer aus dem „Ultimate Fighter“-Haus aufeinandertreffen. Lipeng gewann im März die erste chinesische Version der „The Ultimate Fighter“-Realityserie mit einem geteilten Punktentscheid gegen Wang Sai. Dank der Inflation an TUF-Staffeln bedeutet dieser Titel mittlerweile allerdings nicht mehr allzu viel – vor allem, wenn man sich das kämpferische Niveau der chinesischen Version genauer anschaut, während der sogar ein Yoga-Lehrer ohne jegliche Kampfsporterfahrung versehentlich in den Cast aufgenommen wurde. Mit ebenso vielen Profi-Siegen wie –Niederlagen auf dem Konto muss Lipeng in diesem Jahr beweisen, dass er tatsächlich in die UFC gehört.

O’Reilly war Anfang des Jahres ebenfalls im TUF-Haus zu sehen, das jedoch einige tausend Kilometer von der chinesischen Variante entfernt in Kanada aufgebaut wurde. Im ersten Kampf der „The Ultimate Fighter: Nations“-Staffel war für O’Reilly bereits früh Schluss, als er von Kajan Johnson zur Aufgabe gezwungen wurde. Offiziell noch ungeschlagen, wird der Australier als Profi zum ersten Mal seit Februar 2013 wieder in den Käfig steigen, nachdem er vor eineinhalb Jahren Mike Aarts in Runde zwei zur Aufgabe zwingen konnte. Da TUF-Castmitglieder üblicherweise entlassen werden, wenn auf die Zeit im Haus kein Sieg folgt, steht der Australier am Wochenende mit dem Rücken zur Wand.

Ning Guangyou vs. Yang Jianping
Im Federgewicht wird sich mit einigen Monaten Verzögerung doch noch klären, wer als Sieger aus der ersten chinesischen TUF-Staffel hervorgehen kann. Ning „Smasher“ Guangyou (3-2-1) und Yang Jianping (6-3-1) kämpften sich mit je zwei Siegen im Haus bis ins Finale vor, das im März jedoch wegen einer Verletzung Jianpings nicht stattfinden konnte. Fünfeinhalb Monate später ist es nun doch noch so weit.

Guangyous Karriere gleicht bisher einer Achterbahnfahrt: nach einem Unentschieden ins einem Profi-Debüt gewann er zwei Kämpfe vorzeitig, nur um dann zwei Mal hintereinander zu verlieren. Mit einem T.K.o.-Sieg gegen Zhouwen Jiang in der chinesischen RUFF-Organisation verdiente der 32-Jährige sich dann seinen Platz im TUF-Haus, wo er sich mit einem Aufgabe- und einem K.o.-Sieg den Platz im Finale sicherte.

Jianping dagegen hat von seinen letzten acht Kämpfen sechs gewonnen, jeden davon vorzeitig und einen davon gegen den deutschen MMA-Pionier Jesse-Björn Buckler im September 2010 in Erfurt. Im TUF-Haus führte er seine Serie mit einem Erstrunden-Aufgabesieg zunächst fort, bevor er für einen einstimmigen Punktsieg gegen Yao Zhikui zum ersten Mal über die Runden gehen musste.

Vorprogramm:
Im Weltergewicht wird Wang „The Fire Kylin“ Sai (6-5-1) auf den Briten Danny „The Cheesecake Assassin“ Mitchell (14-5-1) treffen. Sai arbeitete sich Anfang des Jahres in der TUF: China-Staffel bis ins Finale vor, wo er jedoch in einem knappen Kampf von Zhang Lipeng nach Punkten geschlagen wurde. Nun wird er mit Danny Mitchell auf eine vermutlich noch größere Herausforderung treffen – der 28-Jährige aus Doncaster stand bereits mit Namen wie Gunnar Nelson, Cathal Pendred oder Kendell Grove im Käfig und kann Siege gegen Dean Amasinger sowie die UFC-Veteranen Besam Yousef und Nicholas Musoke sein Eigen nennen. Sein eigenes UFC-Debüt im März in London verlor er jedoch nach Punkten gegen Igor Araujo, weshalb in Macau nun wieder ein Sieg für den Käsekuchen-Attentäter her muss.

Ein weiterer Weltergewichtskampf wird zwischen Alberto Mina (10-0) und Shinsho „Animal“ Anzai (8-1) ausgetragen. Mina, ein ungeschlagener Brasilianer, der jetzt im Fernen Osten lebt, hätte eigentlich im März sein UFC-Debüt gegen Zak Cummings geben sollen, der das Gewichtslimit jedoch um knackige dreieinhalb Kilo verpasste, woraufhin der Kampf abgeblasen wurde. Nun folgt der zweite Anlauf für Mina, der sich gegen Shinsho Anzai den fünften Knockout oder den siebten Aufgabe-Sieg holen will. Anzai war in seiner bisherigen Karriere ähnlich erfolgreich, so hat der 28-Jährige aus Tokio sechs seiner acht Siege durch T.K.o. eingefahren.

Ebenfalls in Macau wird der Kanadier Roland „Stunning“ Delorme (9-3-0(1)) vermutlich um seinen Job kämpfen. Der 30-Jährige war Ende 2011 Teil der 14. TUF-Staffel, in der er jedoch im Halbfinale vom jetzigen Bantamgewichtschampion TJ Dillashaw zur Aufgabe gezwungen wurde. Nach Ende der Staffel lief es für Delorme zunächst gut – Siegen gegen Josh Ferguson, Nick Denis und Edwin Figueroa folgten jedoch in den vergangenen zwölf Monaten Niederlagen gegen Alex Caceres und Michinori Tanaka. Nun wird er auf Yuta „Ulka“ Sasaki (17-1-2) treffen. Der japanische Debütant kann nicht die UFC-Erfahrung seines Gegners vorweisen, dafür aber mehrere Shooto-Titel und eine erfolgreiche ADCC-Teilnahme sowie eine Siegesserie von momentan sieben Erfolgen am Stück.

Im Weltergewicht will Anying Wang (2-0) seinen zweiten Sieg in der UFC einfahren, nachdem der TUF China-Teilnehmer im März Albert Cheng nach einer Runde durch T.K.o. bezwingen konnte. Am Samstag wird er auf Colby Covington (5-0) treffen, der sich während seiner Uni-Zeit ein Zimmer mit Jon Jones und dem kürzlich von der UFC verpflichteten Joe Soto teilte. Nun will es der 26-Jährige Ringer-Experte seinem alten Freund „Bones“ gleichtun und einer bisher ungeschlagenen MMA-Karriere eine großartige Laufbahn in der UFC folgen lassen.

Zuvor wird im Bantamgewicht der Frauen Elizabeth Phillips (4-2) in ihrem zweiten UFC-Kampf auf die Russin Milana Dudieva (10-3) treffen. Phillips debütierte im Juni bei UFC 174 im Octagon, verlor einen sehr unterhaltsamen Kampf jedoch durch eine hauchdünne Punktentscheidung gegen Valerie Letourneau. Dudieva dagegen hat noch nie in der UFC, dafür aber weitaus häufiger als ihre Gegnerin in anderen Organisationen gekämpft, in denen sie u.a. Danielle West und die Deutsche Sheila Gaff schlagen konnte. Von zehn Siegen hat sie darüber hinaus drei durch T.K.o. und ganze sechs durch Aufgabe eingefahren.

Bantamgewicht Royston Wee (3-0) debütierte im Januar nach nur zwei Profi-Kämpfen gegen Dave Galera in der UFC und besiegte seinen Gegner in Singapur einstimmig nach Punkten. Acht Monate später bekommt er gegen den Chinesen Zhuikui Yao (1-1) nun die Chance auf den nächsten Erfolg, während Yao nach einem K.o.-Sieg bei TUF China zum erst zweiten Mal als Profi gewinnen will.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 48: Bisping vs. Le
Samstag, 23. August 2014
CotaiArena in Macau, SAR, China

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Michael Bisping vs. Cung Le
Dong Hyun Kim vs. Tyron Woodley
Zhang Lipeng vs. Brendan O’Reilly
Ning Guangyou vs. Yang Jianping

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Wang Sai vs. Danny Mitchell
Alberto Mina vs. Shinsho Anzai
Roland Delorme vs. Yuta Sasaki
Wang Anying vs. Colby Covington
Elizabeth Phillips vs. Milana Dudieva
Yao Zhikui vs. Royston Wee