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Big Nog vs. Werdum plus Ultimate-Fighter-Finale

Minotauro Nogueira und Fabricio Werdum werden bereits zum zweiten Mal aufeinandertreffen.

Zum zweiten Mal in nur drei Wochen reist die UFC nach Süden in Richtung Brasilien. Für UFC on Fuel TV 10 wird das Octagon am kommenden Samstag zum ersten Mal in Fortaleza aufgeschlagen, der Heimadtstadt von bekannten Gesichtern wie Thiago Alves und Hermes Franca sowie dem zwischenzeitlichen Zuhause von Carlos Eduardo Rocha.

Obwohl keiner der drei am Wochenende im Ginásio Paulo Sarasate in den Käfig steigen wird, könnten die 13 Ansetzungen trotzdem für einige spannende Stunden sorgen. Neben dem Hauptkampf zwischen MMA-Legende Antonio „Big Nog“ Nogueira und Fabricio Werdum, der Werdum im Falle eines Sieges einen Titelkampf einbringen könnte, gibt es noch einige andere Kämpfe, die Beachtung verdienen. Vor allem die Comebacks von Thiago und Erick Silva versprechen Feuerwerke, und auch auf dem Vorprogramm gibt es den einen oder anderen Kampf, der sich lohnen könnte, wie beispielsweise die Bantamgewichtsbegegnung zwischen Raphael Assuncao und Vaughan Lee.

Der Event kann in Deutschland, wie gewohnt, auf ufc.tv (Hauptprogramm) und Facebook (Vorprogramm) kostenlos verfolgt werden.

Antonio Rodrigo Nogueira vs. Fabricio Werdum
Der Hauptkampf von UFC on Fuel TV 10 ist gleichzeitig ein Rückkampf, denn Antonio Rodrigo “Big Nog” Nogueira (34-7-1(1)) und Fabricio “Vai Cavalo” Werdum (16-5-1) sind im Jahr 2006 bereits bei Pride FC aufeinandergetroffen. Damals besiegte Nogueira seinen jüngeren Kontrahenten via Punktentscheid.

Seitdem ist viel passiert. Beide wurden nach dem Aufkauf Prides in die UFC übernommen und hatten dort gemischten Erfolg. Während Nogueira sich den Interimstitel im Schwergewicht sichern konnte, danach allerdings Niederlagen gegen Cain Velasquez und zweifach gegen Frank Mir hinnehmen musste, verließ Werdum nach einer Bilanz von 2-2 die Organisation und wechselte zu Strikeforce. Dort zeigte er ansehnliche Leistungen und besiegte nacheinander Mike Kyle, Antonio Silva und Fedor Emelianenko. Einer Punktniederlage gegen Alistair Overeem folgte Ende 2011 dann die Rückkehr in die UFC, wo Werdum zwei beeindruckende Siege, gegen Roy Nelson und Mike Russow, einfahren konnte. Seitdem stand „Vai Cavalho“ nicht mehr im Octagon, was einerseits durch Verletzungen, andererseits durch die Dreharbeiten zur zweiten „Ultimate Fighter: Brazil“-Staffel bedingt war.

Nogueira kam im Oktober 2012 mit einem Aufgabe-Sieg gegen Dave Herman ins aktive Kämpferleben zurück, nachdem der spektakuläre Kampf gegen Frank Mir, bei UFC 140, ihn monatelang außer Gefecht gesetzt hatte – nachdem Nogueira Mir zunächst beinahe ausknocken konnte, verlagerte sich der Kampf auf den Boden, wo Mir seinem Gegner per Kimura den Arm brach. Der Kampfausgang markierte nach einer Niederlage aus dem Jahr 2008 den zweiten Misserfolg gegen Mir – einen von zwei Männern, gegen die Nogueira in der UFC verloren hat, der andere ist niemand geringerer als der aktuelle Champion, Cain Velasquez. Mit einer Sieg-Quote von genau 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren ist dieser Kampf für Nogueira existentiell, um zu beweisen, dass er immer noch nicht zum alten Eisen gehört und auf hohem Niveau ernst genommen werden sollte.

Leonardo Santos vs. William Macario
Im Co-Hauptkampf des Abends wird der Sieger der zweiten „Ultimate Fighter: Brazil“-Staffel entschieden. Mit Leonardo Santos (11-3) und William „Patolino“ Macario (6-0) haben es im Laufe der Sendung zwei spektakuläre Weltergewichtler in den Finalkampf geschafft.

Santos, der in seinem ersten Profi-Kampf im Jahr 2002 gegen den japanischen Superstar Takanori Gomi antrat und lediglich durch mehrheitliche Punktentscheidung verlor, konnte seitdem elf Siege ansammeln – zuletzt schickte er nacheinander Gilmar da Silva und UFC-Veteran Mark Holst per Arm-Triangle Choke schlafen. Im Laufe der TUF-Staffel konnte er zwei Siege einfahren, verlor dann jedoch per Punktentscheid gegen Santiago Ponzinibbio. Aus dem Turnier wurde er dadurch allerdings nicht eliminiert, denn Ponzinibbio brach sich während dieses Kampfes die Hand und musste seinen Finalplatz an Santos abgeben.

William Macario war im TUF-Haus als verrückter Spaßvogel verschrien, ließ es aber im Käfig regelmäßig krachen: Nach sechs vorzeitigen Siegen im Laufe seiner bisherigen Profi-Karriere konnte er während der Staffel einen Punkt- und einen T.K.o.-Sieg einfahren. Falls er am Samstag auch den TUF-Titel gewinnen sollte, würde das für eine glänzende Ausgangsposition seiner UFC-Karriere sorgen – zusammen mit seiner doch eher auffallenden Persönlichkeit hätte er damit sicherlich das Potential, mindestens in Brasilien zu einem bekannten Gesicht zu werden.

Thiago Silva vs. Rafael Cavalcante
Im Halbschwergewicht wird der Brasilianer Thiago Silva (13-3-0(2)) seinen Landsmann Rafael „Feijao“ Cavalcante (11-3-0(1)) im Octagon begrüßen. Silva stand im Jahr 2009 nach mehreren imposanten Siegen in der UFC nur noch einen Kampf vor einer Titelchance in der UFC, wurde dann allerdings von Lyoto Machida in Runde eins ausgeknockt. Seitdem lief es nicht mehr so wirklich rund für den Brasilianer. Mit einem beeindruckenden K.o. gegen Keith Jardine schien Silva zunächst wieder auf die Erfolgsspur zurückzukehren, verlor dann allerdings nach Punkten gegen Rashad Evans. Eine lange Verletzungspause endete zum Jahreswechsel 2010/2011, als Silva einen körperlich unterlegenen Brandon Vera drei Runden lang dominierte; kurz nach dem Kampf wurde Silva allerdings einer gefälschten Urinprobe überführt. Nach Ablauf einer Sperrfrist stieg Silva im April 2012 kurzfristig im Hauptkampf der ersten UFC-Veranstaltung in Schweden gegen Alexander Gustafsson ins Octagon, verlor jedoch klar nach Punkten. Silva kam erneut mit einem Sieg zurück, nach dem Erfolg gegen Stanislav Nedkov testete der Brasilianer allerdings wieder positiv, dieses Mal auf Marijuana.  Technisch gesehen ist Silvas letzter Sieg also mittlerweile also beinahe vier Jahre her; trotz seines Bekanntheitsgrades und den teils unglücklichen Umständen steht er gegen Cavalcante also ordentlich unter Zugzwang.

Für „Feijao“ sieht es ähnlich aus, wenn auch aus anderen Gründen. Der Brasilianer hat sich in mehreren Jahren Strikeforce-Zugehörigkeit einen Namen gemacht und bekommt nun den nicht zu unterschätzenden Druck zu spüren, in der UFC Erfolge zu feiern. Gleich auf dem Hauptprogramm platziert und mit einem gefährlichen Gegner vor den Fäusten ist es sicherlich nicht die beste Voraussetzung, seit über einem Jahr nicht mehr gekämpft zu haben, gleichzeitig bieten diese Umstände natürlich auch eine lohnende Chance für Cavalcante. Falls er gewinnen sollte, würde er sich damit direkt solide in den Rankings einnisten.

Daniel Sarafian vs. Eddie Mendez
Im Mittelgewicht werden am Samstag zwei unterhaltsame Kämpfer aufeinander treffen – „TUF Brazil“-Gewinner Daniel Sarafian (7-3) wird gegen UFC-Neuling Eddie Mendez (7-1-0(1)) antreten.

Sarafian bekam mit neun professionellen Kämpfen auf dem Resümee einen Platz in der ersten brasilianischen „Ultimate Fighter“-Staffel und sicherte sich mit drei dominanten Siegen einen Platz im Finale. Dort konnte er verletzungsbedingt allerdings nicht antreten; letztendlich sollte es ein knappes Jahr dauern, bis der armenisch-brasilianische BJJ-Schwarzgurt wieder ins Octagon steigen konnte. Im Januar dieses Jahres bekam er dann seine Chance in Sao Paulo, seiner Heimatstadt. Der Kampf gegen C.B. Dollaway wurde im Vorfeld weitläufig als Aufbaukampf betrachtet, Dollaway hielt jedoch dagegen und sicherte sich nach drei harten Runden die knappe Punktentscheidung.

Am Samstag wird Sarafian gegen Eddie Mendez (7-1-0(1)) eine Chance auf Wiedergutmachung bekommen. Der Kalifornier Mendez, der hier sein UFC-Debüt geben wird, hat ein ausgeglichenes Resümee, das sowohl K.o.- als auch Aufgabe- und Punktsiege beinhaltet. Ob das gegen den in der UFC erfahreneren Sarafian reichen wird, werden wir am Wochenende sehen können.

Erick Silva vs. Jason High
Vor ziemlich genau einem Jahr sah es ganz danach aus, als ob man mit Erick „Indio“ Silva (14-3-0(1)) einen zukünftigen Titelherausforderer oder sogar Champion in der Mache hatte, nachdem er mit einem Aufgabe-Sieg gegen Charlie Brenneman den dritten Gegner im dritten UFC-Kampf in Runde eins aus dem Weg geräumt hatte. Ein hochmotivierter Jon Fitch beendete den rasanten Aufstieg des 28-Jährigen im Oktober 2012 allerdings, indem er Silva im Kampf des Abends von UFC 153 nach Punkten bezwang. Silva, der nach der Niederlage eigentlich so schnell wie möglich wieder zurück in den Käfig wollte, musste diese Pläne begraben, denn er verletzte sich im Vorfeld eines geplanten Kampfes gegen Jay Hieron allerdings und kann erst jetzt wieder aktiv werden.

Der erste Gegner auf Silvas Weg zurück ins Rampenlicht sollte eigentlich der ebenfalls junge und talentierte Engländer John Hathaway sein, der „Hitman“ verletzte sich jedoch und wurde durch den in die UFC zurückkehrenden Strikeforce-Veteranen Jason „The Kansas City Bandit“ High (16-3) ersetzt. High war seit Mitte 2011 für Strikeforce im Einsatz und konnte alle seiner drei Kämpfe im Hexagon gewinnen, zuletzt per Guillotine Choke gegen Nate Moore.

Rony Jason vs. Mike Wilkinson
Im ersten Kampf des Hauptprogramms werden im Weltergewicht “TUF: Brazil”-Gewinner Rony “Jason” Mariano Bezerra (12-3) und Mike „The Warrior“ Wilkinson (8-0) aufeinandertreffen. Während Jason das Beste aus seiner Zeit im TUF-Haus machen konnte und das Turnier gewann, wurde Wilkinson diese Möglichkeit während der „Australia vs. UK“-Staffel durch eine Verletzung geraubt. Ihm wurde von der UFC trotzdem ein Platz auf der Finalveranstaltung gewährt, und Wilkinson enttäuschte das in ihn gesetzte Vertrauen nicht – ein Sieg gegen Brendan Loughnane sicherte ihm einen Platz im UFC-Kader. Für ihn ist es der erste „offizielle“ Kampf im Octagon, während Jason bereits im Oktober bei UFC 153 Sam Sicilia T.K.o. schlagen konnte und mit einem Sieg auf dem Hauptprogramm nun anfangen könnte, größere Wellen zu schlagen.

Vorprogramm (Facebook)
Als letzter Kampf auf dem Vorprogramm ist die Bantamgewichtsbegegnung zwischen Raphael Assuncao (19-4) und Vaughan Lee (13-8-1) angesetzt. Assuncao kämpft seit Jahren auf einem hohen Level, so kann er in der WEC und der UFC Kämpfe gegen Urijah Faber, Erik Koch, Mike Easton u.A. vorweisen. In der UFC gewann der Brasilianer nach seinem missglückten Debüt drei Kämpfe hintereinander und könnte mit einem Sieg am Samstag wieder in die Nähe der Top-Leute kommen. Der aus Birmingham in England stammende Vaughan Lee stand bisher ebenfalls vier Mal im Käfig der UFC, wechselt seitdem allerdings zwischen Sieg und Niederlage. So verlor er knapp nach Punkten gegen Chris Cariaso und wurde nach einigen furiosen Minuten von TJ Dillashaw zur Aufgabe gebracht, nachdem er den japanischen Superstar „Kid“ Yamamoto auf die gleiche Weise bezwingen konnte. Zuletzt gewann er bei UFC London im Februar 2013 eine Punktentscheidung gegen Motonobu Tezuka und konnte sich damit vor den Entlassungspapieren drücken.

Zuvor wird es im Mittelgewicht zur Sache gehen, wenn der ehemalige Schwergewichtler Ronny Markes (14-1) auf Derek Brunson (10-2) trifft. Markes konnte in der UFC bisher gegen Karlos Vemola, Aaron Simpson und Andrew Craig gewinnen. Jeder dieser Kämpfe ging allerdings über die volle Distanz, an diesem Wochenende braucht der Brasilianer daher einen vorzeitigen Sieg, wenn er sich nachhaltig in die Köpfe der Fans einbrennen will. Brunson kämpfe einige Male bei Strikeforce und debütierte bei UFC 155 gegen Chris Leben. Brunson gewann zwar nach Punkten, konnte in dem recht ereignisarmen Kampf aber trotzdem kaum beeindrucken. Auch für ihn wäre ein spektakulärer Sieg also Gold Wert.

Im Federgewicht wird „TUF: Brazil“-Finalist Godofredo Castro (9-1) versuchen, sich nach seinem Sieg gegen Milton Vieira im Januar und der Finalniederlage im Juni 2012 gegen Rony Bezerra eine positive UFC-Statistik zu erkämpfen. Ähnliche Pläne hat Felipe Arantes (14-4-1(2)), der nach einer Niederlage in seinem Debüt einen Sieg gegen Antonio Carvalho einfuhr und dann gegen Milton Vieira ein Unentschieden erkämpfte.

Im Weltergewichtskampf zwischen Ildemar „Marajó“ Alcantara (18-5) und Leandro „Buscape“ Silva (11-0-1) wird es vor allem interessant zu sehen sein, wie Alcantara auf seine neue Gewichtsklasse reagiert – der Brasilianer besiegte Anfang des Jahres Wagner Prado im Halbschwergewicht vorzeitig, nur um dann seinen Plan bekanntzugeben, ab sofort im Weltergewicht antreten zu wollen. Gesagt, getan – am Wochenende wird er bis 77 Kilo auf Silva treffen, der hier sein UFC-Debüt gibt. Der ungeschlagene Brasilianer konnte zuletzt den UFC-Veteranen Chris Wilson bezwingen und bekommt nun seine Chance, es auf der großen Bühne zu etwas zu bringen.

Im Federgewicht werden zwei Kämpfer aufeinandertreffen, die etwas holprige Starts ihrer UFC-Karrieren hinter sich haben. Rodrigo Damm (10-6) gewann zunächst bei UFC 147 durch Aufgabe gegen Anistavio Medeiros, musste bei UFC 154 allerdings eine knappe Punktentscheidung an Antonio Carvalho abgeben. Hirot dagegen lieferte im Februar gegen Rani Yahya einen beherzten Einsatz, zog nach drei Runden allerdings trotzdem den Kürzeren.

Ebenfalls in Fortaleza wird es zwischen Caio „Hellboy“ Magalhaes (5-1) und Karlos „The Terminator“ Vemola (9-3) zur Sache gehen. Beide Mittelgewichtler hatten bisher eher wenig Erfolg im Octagon und dürften hier mit hoher Wahrscheinlichkeit um ihren Job kämpfen. Während Magalhaes im Juni 2012 gegen Buddy Roberts verlor, konnte Vemola UFC 122 in Oberhausen gegen Seth Petruzelli und einige Monate später gegen Mike Massenzio gewinnen, zog im Laufe seiner UFC-Karriere allerdings auch drei Mal den Kürzeren.

Eröffnet wird der Abend im Mittelgewicht, wenn Antonio Braga Neto (8-1-0(1)) auf Anthony Smith (17-9) treffen wird. Neto, der seit 2008 nur je ein Mal pro Jahr gekämpft hat, kann zurzeit eine Siegesserie von drei Erfolgen am Stück sein Eigen nennen – zuletzt besiegte er den UFC-Veteranen Brock Larson nach nur 64 Sekunden per Kniehebel. Smith ist erst seit 2008 Profi, hat in dieser Zeit aber ganze 26 Mal gekämpft. Zuletzt unterlag er im Januar auf der Strikeforce-Abschlussveranstaltung Roger Gracie, nachdem er sein Strikeforce-Debüt im August 2012 noch in Runde eins via Triangle Choke gewinnen konnte.

Anbei das gesamte Programm:

UFC on Fuel TV 10: Nogueira vs. Werdum
Samstag, 8. Juni 2013
Ginásio Paulo Sarasate, Fortaleza, Brasilien

Hauptprogramm (ufc.tv)
Antonio Rodrigo Nogueira vs. Fabricio Werdum
Leonardo Santos vs. William Macario
Thiago Silva vs. Rafael Cavalcante
Daniel Sarafian vs. Eddie Mendez
Erick Silva vs. Jason High
Rony Jason vs. Mike Wilkinson

Vorprogramm (Facebook)
Raphael Assuncao vs. Vaughan Lee
Ronny Markes vs. Derek Brunson
Godofredo Pepey vs. Felipe Arantes
Ildemar Alcantara vs. Leandro Silva
Rodrigo Damm vs. Mizuto Hirota
Caio Magalhaes vs. Karlos Vemola
Antonio Braga Neto vs. Anthony Smith