MMA

Benavidez, Gomi und Ellenberger in Aktion

Im Hauptkampf von UFC 172 will Glover Teixeira den Halbschwergewichtstitel von Jon Jones erobern.

Nur eine Woche nach dem letzten großen Event ist die UFC-Produktionsmaschinerie schon wieder in vollem Gange – am 26. April steigt in Baltimore gleich der nächste wichtige Kampf, wenn Jon Jones seinen Halbschwergewichtstitel gegen Glover Teixeira zum siebten Mal verteidigen will.

Vor den ganz großen Stars werden aber auch zwölf weitere Kämpfer ins Octagon steigen, von denen einige einen ähnlichen Bekanntheitsgrad haben wie die Hauptkämpfer. So werden in der Baltimore Arena u.a. Joseph Benavidez und Takanori Gomi in Aktion zu sehen sein.

UFC 172 kann live über ufc.tv verfolgt werden. Während für das Hauptprogramm einmalig 17,99 Euro bezahlt werden müssen, ist das Vorprogramm kostenlos über den UFC Fight Pass erhältlich.

Joseph Benavidez vs. Tim Elliott
Im letzten Duell des Vorprogramms werden zwei talentierte Kämpfer im Fliegengewicht aufeinandertreffen. Joseph „Joe B-Wan Kenobi“ Benavidez (19-4) hatte im vergangenen Dezember zum zweiten Mal die Chance, den Weltmeisterschaftsgürtel bis 57 Kilo zu gewinnen, scheiterte aber erneut an Champion Demetrious Johnson. Tim Elliott (10-4-1) dagegen muss den Durchbruch an die Spitze noch schaffen, was ihm mit einem Sieg gegen den populären Kalifornier sicherlich gelingen würde.

Für Benavidez hat dieser Kampf einen bitteren Beigeschmack, denn eigentlich hatte „Joe B-Wan Kenobi“ noch vor ein paar Monaten gehofft, sich in diesem Jahr als Champion der Fliegengewichtsklasse zu etablieren. Im Hauptkampf von UFC on FOX 9 im vergangenen Dezember wurde der Team Alpha Male-Kämpfer dann jedoch zur Überraschung beinahe sämtlicher Zuschauer von Demetrious Johnson in Runde eins K.o. geschlagen, der bis dahin keineswegs für harte Hände bekannt war. Die vorzeitige Niederlage bedeutet für Benavidez offensichtlich einen riesigen Rückschlag, nachdem im September 2012 bereits einmal äußerst knapp nach Punkten an Johnson gescheitert war. Bisher führt Benavidez mit seiner Bilanz das unausgesprochene Gesetz des Alpha Male-Teams um Urijah Faber fort – er gewinnt eigentlich immer, solange es nicht um einen Titel geht, den Benavidez übrigens bereits in der WEC trotz zweier Versuche nicht an sich reißen konnte. Theoretisch müsste Benavidez also auch am Samstag als Sieger das Octagon verlassen, was Tim Elliott natürlich verhindern will.

Auch Elliott musste auf dem Weg zum Titel Ende letzten Jahres einen Rückschlag hinnehmen, für ihn ist dieser Kampf aber daher umso mehr Wert. Elliott debütierte im Mai 2012 mit einer kontroversen Punktniederlage gegen John Dodson in der UFC und konnte seitdem Jared Papazian und Louis Gaudinot schlagen. Einen Kampf gegen Ali Bagautinov, der im Juni gegen Demetrious Johnson antreten wird, verlor Elliott im November bei UFC 167 jedoch, was seine Titelträume zunächst platzen ließ. Es hätte nach dieser Niederlage sicherlich dankbarere Gegner als den Top 5-Dauergast Benavidez gegeben, auf der anderen Seite wäre ein Sieg gegen den mehrfachen Titelherausforderer aber unbestreitbar der wichtigste Erfolg in Elliotts Karriere, der eine wertvolle Abkürzung auf dem Weg nach Oben bedeuten würde.

Takanori Gomi vs. Isaac Vallie-Flagg
Im Leichtgewicht wird am Samstag eine lebende Legende in den Käfig steigen – Takanori ”The Fireball Kid” Gomi (34-9-0(1)) verdiente sich diesen Status während seiner Glanzzeit bei Pride FC, wo er Knockout über Knockout ansammelte und sich den Leichtgewichtstitel sichern konnte. Seit Gomi in der UFC antritt, blieben die ganz imposanten Erfolge jedoch größtenteils aus. Einer Debüt-Niederlage Anfang 2010 gegen Kenny Florian folgte ein Flashback in die Vergangenheit, als Gomi mit einem K.o. gegen Tyson Griffin Nostalgie-Gefühle bei einer Menge Fans weckte. Seitdem konnte er außerdem Eiji Mitsuoka und Mac Danzig besiegen, musste sich jedoch auch Nate Diaz, Clay Guida und zuletzt Diego Sanchez geschlagen geben, wobei die Punktniederlage gegen Sanchez äußerst kontrovers war.

Über ein Jahr nach seinem letzten Kampf kehrt Gomi nun ins Octagon zurück, wo Strikeforce-Veteran Isaac Vallie-Flagg (14-4-1) auf ihn warten wird. Der Greg Jackson-Kämpfer räumte zu Beginn seiner Karriere einige Knockouts und Submissions ab, musste zuletzt jedoch vier Mal über die volle Distanz. Die ersten drei Punkentscheidungen gingen jeweils knapp an ihn – gegen Brian Melancon, Gesias Cavalcante und Yves Edwards – bevor er im Januar nach längerer Pause Elias Silveiro einstimmig unterlag. In Baltimore bekommt Vallie-Flagg nun die Chance, nicht nur wieder auf die Siegerstraße einzubiegen, sondern dabei gleich noch eine Legende des Sports zu seinem Resümee hinzuzufügen.

Jessamyn Duke vs. Bethe Correia
Im einzigen Frauenkampf des Abends werden im Bantamgewicht Jessamyn ”The Gun” Duke (3-0-0(1)) und Bethe ”Pitbull” Correia (7-0) aufeinandertreffen. Für beide wird dies der zweite Kampf in der UFC sein, nachdem sowohl Duke als auch Correia ihr Debüt Ende des letzten Jahres gewinnen konnten.

Dukes Weg in die UFC führte sie nach drei Kämpfen für Invicta FC in die 18. „The Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) – deren Titel blieb ihr zwar dank einer Punktniederlage gegen Raquel Pennington verwehrt, einen Platz auf der Finalveranstaltung im November brachte ihr der spektakuläre und später als „Fight of the Season“ ausgezeichnete Kampf aber trotzdem ein. Dort schlug sie Peggy Morgan einstimmig nach Punkten und sicherte sich damit einen UFC-Vertrag. Ihren ersten nicht mit TUF zusammenhängenden Auftritt hat sie nun am kommenden Wochenende gegen Bethe Correia.

Die 30-jährige Brasilianerin startete ihre Karriere erst im März 2012 und fuhr in den folgenden eineinhalb Jahren sechs aufeinanderfolgende Siege ein, was ihr einen Vertrag mit der UFC einbrachte. Gegen die Veteranin Julie Kedzie gelang ihr in ihrem Debüt bei der 33. UFC Fight Night im Dezember in Australien gleich ein wichtiger Sieg, dem „Pitbull“ am Samstag gleich noch einen weiteren folgen lassen will.

Vagner Rocha vs. Joe Ellenberger
Eigentlich hätte der Samstag in Baltimore der Tag der Ellenberger-Brüder sein sollen. Top Ten-Weltergewicht Jake sollte sich mit einem Sieg gegen Tarec Saffiedine wieder zurück ins Titelgespräch bringen, nachdem Zwillingsbruder Joe kurze Zeit vorher erfolgreich gegen Yancy Medeiros im Octagon debütierte.

Von diesen Plänen ist letztendlich nicht viel übrig geblieben, da Jake Ellenberger nun bei UFC 173 auf Robbie Lawler treffen wird und auch Medeiros als Ersatzkämpfer ins Hauptprogramm hochgestuft wurde. Joe „Excalibur“ Ellenberger (14-1) wird aber immer noch die Chance bekommen, endlich in der UFC zu kämpfen, da mit Vagner „Ceará“ Rocha (11-3) ein Ex-UFC-Kämpfer eingesprungen ist, der seine zweite Chance im Octagon bekommen wird. Ellenberger hätte eigentlich schon vor Jahren in der UFC debütieren sollen, kurz nach dem Anruf Joe Silvas erreichte den Wahl-Kalifornier jedoch die Diagnose „Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie“, eine seltene und in vielen Fällen tödlich verlaufende Blutkrankheit. Obwohl die Ärzte ihm mitteilten, dass er seinen 30. Geburtstag vermutlich nicht erleben wird, hat Ellenberger die Krankheit dank einer extrem teuren Therapie mittlerweile so weit im Griff, dass der 29-Jährige wieder trainieren und kämpfen kann. Neben einer Niederlage gegen den heute ebenfalls in der UFC kämpfenden Justin Salas hat Ellenberger seitdem vier Kämpfe gewonnen, drei davon vorzeitig durch T.K.o. oder Aufgabe.

Am Samstag wird er auf Vagner Rocha treffen. Rocha war bereits zwischen 2011 und 2012 drei Mal in der UFC zu sehen, aus der er jedoch mit einer 1-2-Bilanz entlassen wurde. Einer Punktniederlage gegen Donald Cerrone folgte ein Aufgabe-Sieg gegen Cody McKenzie, im Januar 2012 wurde der BJJ-Spezialist dann jedoch von Jonathan Brookins K.o. geschlagen. Vier Siege später bekommt er nun seine zweite Chance. 

Zuvor wird im Leichtgewicht Danny „Last Call“ Castillo (16-6) auf Charlie „The Spaniard“ Brenneman (19-6) treffen. Castillo war zuletzt im Dezember in Aktion zu sehen, als er Edson Barboza eine Runde lang durch das Octagon prügelte, bevor der Brasilianer sich zusammenriss und in den folgenden zwei Runden eine ultraknappe Punktentscheidung gewann. Bitter für Castillo, denn Barboza war am vergangenen Wochenende gegen Donald Cerrone auf dem Hauptprogramm der UFC auf FOX zu sehen. Stattdessen muss „Last Call“ nun versuchen, gegen einen weiteren Ringer-Spezialisten zurück in die Spur zu finden: Charlie Brenneman war bereits zwischen 2010 und 2012 in der UFC zu sehen, damals jedoch im Weltergewicht, wo er u.a. Rick Story schlagen konnte. Nach Niederlagen, u.a. gegen Johny Hendricks, Erick Silva und Anthony Johnson und seiner Entlassung gewann er einige Kämpfe in kleineren Organisationen, bevor er im Januar in die UFC zurückkehrte, wo er in der ersten Runde von Beneil Dariush niedergeschlagen und zur Aufgabe gezwungen wurde – in Baltimore braucht der „Spaniard“ daher dringend einen Sieg.

Im ersten Kampf des Abends werden die UFC-Debütanten Chris „The Real Deal“ Beal (8-0) und Patrick Williams (7-3) aufeinandertreffen. Beal ist seit seinem Profi-Debüt im Sommer 2009 unbesiegt mit acht Siegen in Folge, von denen jedoch sechs über die Distanz gingen. Das 28-jährige Bantamgewicht kämpfte zuletzt meist für BAMMA USA, wo der begnadete Boxer zuletzt im März einen T.K.o.-Sieg gegen Keith Carson einfahren konnte. In seinem UFC-Debüt wird er mit Patrick Williams auf einen Gegner mit Ringer-Vergangenheit treffen, dessen Kämpfe jedoch meist vorzeitig enden – nur zwei von Williams’ Kämpfen gingen über die Runden, die restlichen endeten allesamt durch Knockout oder Aufgabe.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 172: Jones vs. Teixeira
Samstag, 26. April 2014
Baltimore Arena in Baltimore, Maryland, USA

Halbschwergewichtstitelkampf (ufc.tc)
Jon Jones (c) vs. Glover Teixeira

Hauptprogramm (ufc.tv)
Phil Davis vs. Anthony Johnson
Luke Rockhold vs. Tim Boetsch
Jim Miller vs. Yancy Medeiros
Max Holloway vs. Andre Fili

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Joseph Benavidez vs. Tim Elliott
Takanori Gomi vs. Isaac Vallie-Flagg
Jessamyn Duke vs. Bethe Correia
Vagner Rocha vs. Joe Ellenberger

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Danny Castillo vs. Charlie Brenneman
Chris Beal vs. Patrick Williams