MMA

Barnatt: "Ich will das Gesicht des Europäischen MMA werden!"

Luke Barnatt hat große Ziele vor Augen. (Foto: Valentino Kerkhof/Groundandpound.de)

Laut ihm selbst hätte Luke Barnatt es in allen Bereichen des Lebens zu etwas bringen können, wenn er nur seinen Fokus darauf gerichtet hätte. Das glaubt man dem 26-jährigen Londoner gerne, wenn man im Hinterkopf behält, dass er vor fünf Jahren zum ersten Mal ein Gym betreten hat und mittlerweile eine 3-0-Bilanz in der UFC sein Eigen nennt. „Bigslow“ ist auf der Jagd nach großen Siegen und einem besseren Image für den Sport – am 31. Mai in der Berliner o2 World kann er beides erreichen.

So vielversprechend die Zukunft momentan für den jungen Londoner aussieht, so unstet waren vor einigen Jahren die Anfänge. Barnatt hätte es leichter haben können, immerhin hatte er, der mit 16 die Schule verließ, es mit Anfang Zwanzig nach einer Menge wenig beneidenswerter Jobs endlich in eine annehmbare Position in einem Londoner PR-Unternehmen geschafft und verdiente gutes Geld. Eines Tages jedoch fragte ihn einer seiner Kollegen, ob er nicht gerne mal mit ihm Mixed Martial Arts trainieren würde. Barnatt ging in der Annahme mit, seinem Kollegen eine kleine Abreibung verpassen zu können und musste im Gym auf die harte Tour lernen, wie falsch er damit lag: „Ich habe im Sparring den Arsch versohlt bekommen. Damit das nicht noch einmal passieren konnte, habe ich mich ins Zeug gelegt und so ziemlich jeden Tag trainiert.“

Bereits sechs Monate später hatte Barnatt sich trotz seiner 12-Stunden-Tage im Büro derart gesteigert, dass sein Gym ihn für einen Amateurkampf anmeldete. An diesem Abend sollte zwar nicht alles nach Plan verlaufen, am Ende des Tages gab seine erste Erfahrung im Käfig Barnatt jedoch Zuversicht, etwas Besonderes gefunden zu haben: „Der Kerl hat mir in Runde eins den Kiefer gebrochen. In der zweiten habe ich dann gewonnen. Nach diesem Kampf meinten die Jungs aus dem Gym ‚Okay, du hast Potential, du bist hart im Nehmen und noch etwas unbeholfen’, sie haben mehr Zeit in mich investiert und so haben die Dinge ihren Lauf genommen.“

Ein weiteres halbes Jahr später war MMA gänzlich in den Fokus seines Lebens gerückt, obwohl sein stressiger Tagesablauf dies eigentlich nicht zuließ. Barnatt realisierte, dass er eine schwere Entscheidung zu treffen hatte – entweder konnte er weiter an einer Karriere in der PR-Branche werkeln, oder seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und sich im Kampfsport verwirklichen. Frei nach dem Motto ‚Alles oder Nichts’, kündigte Barnatt seinen Job, sagte Allem, wofür er jahrelang gekämpft hatte Lebewohl und zog ins Gym ein. Wortwörtlich, wohlgemerkt.


Ein radikaler Neustart
„Es war aufregend“, so Barnatt über die erste von einigen hundert Nächten, die er buchstäblich auf den Matten des Gyms verbrachte. Die Stille und Leere in der ansonsten so lebhaften Halle ließen den damals 21-Jährigen schlagartig realisieren, dass er sein Leben gerade eigenhändig um 180 Grad gedreht hatte: „In der ersten Nacht alleine hat es mich wie ein Schlag getroffen – ich dachte mir: ‚Das ist jetzt dein Leben.’ Ich habe im Training hundert Prozent gegeben, weil ich alles dafür aufgegeben hatte. Jede Einheit war bedeutsam, was auch der Grund für meine schnelle Entwicklung war. Es war definitiv kein glamouröser Lebensstil, aber es war das, was ich wollte und es hat mich zu dem Kämpfer gemacht, der ich heute bin.“

Tatsächlich zog die riskante Investition schnell Erfolge nach sich – Barnatt gewann Kämpfe im MMA, Kickboxen, Boxen und Grappling und machte sich auf diese Weise rasch einen Namen. Kaum ein Monat verging, ohne dass „Bigslow“ in einen Käfig, einen Ring oder auf die Matten stieg, was ihm einerseits eine Menge Erfahrungen einbrachte und ihn andererseits fokussiert bleiben ließ. Fehlendes Verständnis von Familie und Freunden, die Trennung von seiner Freundin und andere persönliche Opfer, die er besonders in der Anfangszeit für den Kampfsport bringen musste, rückten so in den Hintergrund: „Wenn ich Schlafen ging, dachte ich nicht über meine Situation nach. Ich dachte ans Gewinnen.“

Mit lediglich fünf MMA-Kämpfen auf dem Buckel griff Barnatt Ende 2012 nach der Möglichkeit zum Durchbruch. Für sechs Wochen zog er in eine Villa in Las Vegas ein und kämpfte gegen andere aufstrebende Athleten um den Titel der 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel. Zwar musste Barnatt sich nach zwei Siegen dem Neuseeländer Dylan Andrews geschlagen geben, mit einem Punktsieg gegen Collin Hart auf der Finalveranstaltung im April 2013 sicherte der Brite sich aber dennoch einen Vertrag mit der UFC.


Der Durchbruch in der UFC
Seit seinem erfolgreichen Debüt in Vegas ist „Bigslow“ noch zwei weitere Male in den Käfig gestiegen, jedoch beide Male auf europäischem Boden - im vergangenen Oktober brachte er Andrew Craig im Kampf des Abends der UFC Fight Night in Manchester zur Aufgabe, bevor ein gut platzierter Headkick ihn im März in London zum ersten Mann machte, der den Schweden Mats Nilsson stoppen konnte. Nicht einmal drei Monate später wird Barnatt schon wieder ins Octagon steigen – ist es Zufall, dass er so häufig und vor allem immer in Europa zu sehen ist? Keineswegs, wie der 26-Jährige erklärt: „Ich will Mixed Martial Arts und die UFC in Europa und England auf das nächste Level hieven. Ich habe darum gebeten, in England und Deutschland zu kämpfen – ich will hier in Europa bleiben. Ich will meine Marke aufbauen und die Leute wissen lassen, wer ich bin, um das Gesicht des Europäischen MMA zu werden und etwas zu bewirken“, so Barnatt. „Ich sehe mich selbst und meine Karriere als seine Geschäftschance. Ich denke, so schnell wie ich in die UFC zu gelangen, ist eine Leistung. Aber ich denke auch, dass das, was ich getan habe, genau das ist, was jeder tun muss. Wenn jemand etwas wirklich will, muss er sich diesem Ziel zu hundert Prozent verschreiben. So war ich schon immer – wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.“

Die Perspektive und Einstellung eines Geschäftsmannes hat Barnatt bisher gute Dienste geleistet. Drei aufeinanderfolgende Siege in der UFC einzufahren ist beeindruckend, bringt einem aufstrebenden Kämpfer aber zunächst meist wenig Aufmerksamkeit ein. Barnatt ist anders, denn er ist außerhalb des Octagons und des Gyms mindestens genauso aktiv wie innerhalb: „Die UFC gibt dir eine Plattform, die man für unzählige Bereiche nutzen kann – du kannst das Leben von Menschen beeinflussen. Es gibt in der UFC mehr zu erreichen, als nur Kämpfe zu gewinnen.“ Ob mit Interviews, als Motivationsredner oder durch Seminare mit Ernährungs-Experte Mike Dolce – Barnatt hat bisher einen besseren Job als die meisten seiner Kämpferkollegen gemacht, wenn es darum geht, seinen Namen zu stärken und dabei die Menschen zu erreichen. „Du bekommst eine gewisse Macht, wenn du in die UFC kommst, denn plötzlich interessieren sich die Leute für dich und genau das musst du nutzen. In Deutschland beispielsweise hassen die Politiker Mixed Martial Arts, sie finden es schrecklich. Ich würde gerne mal mit diesen Politikern sprechen und herausfinden, warum das so ist. Das ist wichtiger, als Kämpfe zu gewinnen, aber die Sache ist nun mal die, dass du Kämpfe gewinnen musst, um mehr Einfluss zu bekommen, weshalb das meine Priorität Nummer eins ist.“

Nächster Halt: Berlin
Aus diesem Grund ist Barnatt zur Zeit fokussiert auf Sean Strickland – der 23-Jährige US-Amerikaner ist ein gefährlicher, überall versierter und aufstrebender Kämpfer, der erst im März Barnatts TUF-Kollegen Bubba McDaniel in der ersten Runde zur Aufgabe zwang. Gerade dieser Kampf gibt Barnatt jedoch Zuversicht, am 31. Mai als Sieger aus dem Octagon zu steigen: "Ich habe ein Interview von ihm gesehen, in dem er gesagt hat, dass er sich etwas Ruhe gönnen und nicht direkt wieder kämpfen möchte. Ich habe das Gefühl, dass sein Management ihn dazu gedrängt hat, diesen Kampf anzunehmen. Ich finde, er hätte sich erst einmal zurücklehnen und die Tatsache genießen sollen, dass er gerade in die UFC gekommen ist. Meiner Meinung nach ist es eine schlechte Entscheidung für Sean Strickland, jetzt hier rüber zu kommen und gegen mich zu kämpfen.“ Obwohl er seinen Gegner hoch achtet und keineswegs unterschätzt, hat Barnatt konkrete Vorstellungen davon, wie es nach einem Sieg weitergehen soll: “Wenn ich ihn schlagen kann und dann vier Siege in Folge haben werde, würde mich das auf das nächste Level befördern. Ich denke, ich bin bereit dafür. Ich denke auch, dass unser Kampf definitiv das Potential hat, einen Bonus-Award zu bekommen, aber ich versuche immer, den Kampf schnell zu beenden: Reingehen, rausgehen, bezahlt werden.”

Auf diese Weise würde Barnatt seinem Ziel näher kommen, vier Mal pro Jahr zu kämpfen und schon bald in die Top Ten einzusteigen. Barnatt ist spät mit dem Sport angefangen und will früh wieder aufhören, investiert momentan aber all seine Energie in sein Ziel, innerhalb dieses Zeitraumes ein UFC-Champion zu werden. Noch vor wenigen Jahren wäre dieses Ziel absolut undenkbar gewesen, seitdem jedoch hat er die richtigen Schritte unternommen, um es möglich erscheinen zu lassen – eine aufregende Zeit in einem aufregenden Leben liegt hinter und vor allem vor Luke Barnatt: “Als ich 21 war, hatte ich nichts – keine Fähigkeiten, keinen Hintergrund, keine Sportlichkeit. Es war alles harte Arbeit. Wenn ich mein Schicksal weiter austricksen kann, bin ich dazu berufen, etwas Großes zu tun. Wenn das nicht MMA oder die UFC sein sollten, kann ich alles auf dieser Welt machen, das ich will. Im Moment sieht es aber so aus, als wäre es genau das und deshalb stecke ich meine ganze Energie dort rein.“


Wer Luke Barnatt in Aktion erleben will, bekommt die Gelegenheit dazu am 31. Mai bei der UFC Fight Night: Munoz vs. Mousasi. Tickets erhältlich unter on.ufc.com/1ol2O9s


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“I want to become the face of European MMA!”
UFC’s Luke Barnatt gears up to make a statement in Berlin.

According to himself, Luke Barnatt could have made it in every aspect of life had he only put his focus on it. That doesn’t sound too crazy when keeping in mind that only five years ago he stepped into a gym for the first time and now owns a 3-0 record in the UFC. “Bigslow” is on a quest for great victories and a better Image for the sport – on May 31st in Berlin’s o2 World, he will get the chance to pursue both.

As bright as the future is looking right now for the young Londoner, as shaky were the beginnings just a few years ago. Barnatt could have had it easier; in fact he, who left school at 16 years old, had just secured himself a decent and well paid position in a London based PR Company after having to push through a tough string of not so glamorous jobs. One day, though, one of his colleagues asked if he would like to come to his gym and train MMA with him, not knowing what string of events he was kicking off. Barnatt accepted assuming he could give his co-worker a little whipping but quickly had to learn the hard way how wrong he was: „We sparred together and I got my ass kicked. I decided to push pretty hard to not get my ass kicked any more and started training pretty much every day.”

Six months later and despite his 12-hour days at the office, Barnatt had shown such significant improvements that his gym registered him for an amateur fight. Not everything went according to plan that night, but at the end of the day, Barnatt’s first experience in the cage made him realize he could be on to something here: „The guy broke my jaw in the first round. I came back in the second round and won. After that fight, the guys at the gym thought ‘alright, you probably could be pretty good at this, you’re a tough kid and you’re awkward’, so they spend a lot more time with me and it just developed from there.”

Another six months later, Mixed Martial Arts had become his focus to such an extent that spending all day in a different world at the office just didn’t feel right anymore. Barnatt realized that a tough decision was coming up – he could either continue working on his career in the PR scene or he could turn his passion into his occupation and try to make it in combat sports. Going ‘all or nothing’, Barnatt quit his job, said good bye to everything he had worked so hard for for years and moved into the gym. Like, literally.


Starting all over again
“It was exciting”, Barnatt says about the first of multiple hundred nights that he spend alone on the gym’s training mats. The silence and emptiness in the otherwise so lively place made the 21-year-old suddenly realize that he himself had just totally turned his life around: „The first night I spent alone, it became quite real and I was like ‘alright, this is my life now’. It made me commit a hundred percent in training because I had given up everything for it. Every session to me meant something, which is why I developed so quickly. It wasn’t a very glamorous lifestyle, but it was what I wanted to do, so it is what made me the fighter that I am today.”

The risky investment indeed brought quick results – Barnatt won fights in MMA, Kickboxing, Boxing and Grappling and that way made a name for himself in a short amount of time. Hardly a month went by where “Bigslow” didn’t step into a cage, a ring or onto the mats, allowing him to gain experience on the one hand, keeping him focused on the other. Lacking understanding of family and friends, breaking up with his girlfriend and other personal sacrifices he had to make became a lot easier to handle that way: „Going to bed, I wasn’t thinking about that, I wasn’t thinking about my situation. I was thinking about winning.”

Only five fights deep into his MMA career, Barnatt jumped on the opportunity to break through internationally towards the end of 2012. For six weeks, he moved into a Las Vegas mansion to compete against other surging athletes in order to win the 17. Season of “The Ultimate Fighter”. Even though he lost to Dylan Andrews following two victories inside the house, he secured himself a spot on the UFC roster by defeating Collin Hart at the Finale in April of 2013.


Making it in the UFC
Since his successful debut in Vegas, „Bigslow” has entered the cage twice, both times on European soil. Last October, he tapped Andrew Craig at a Manchester Fight Night before in March using a well placed head kick to become the first man to stop Swede Mats Nilsson at UFC London. Less than three months later in Berlin, Barnatt will step into the Octagon again – is it a coincidence that he is competing so often and always in Europe? Not at all, the 26-year-old explains: „I’m trying to improve Mixed Martial Arts and the UFC for people in Europe and England. I asked to fight in England, I asked to fight in Germany – I’m requesting to stay here in Europe. Build my brand here, let people know who I am so I can become the face of European MMA and make a difference“, Barnatt says.
„I see myself and my career as a business opportunity. I think getting into the UFC as quickly as I did is an achievement, but I think what I did to do it is just what everyone needs to do. If they really want to do something, they have to commit a hundred percent to it. That’s how I’ve always been in my life – if I want to do something, I do it properly. “

The perspective and attitude of a business man has served Barnett well so far. Getting three consecutive victories in the UFC is impressive, yet a striving fighter usually gains little attention from that. Barnatt is different; outside the Octagon and the gym, he is at least as active as he is inside of it: „You’re given a platform by the UFC. You can use that for a lot of different areas – you can influence people’s lifes. There is more to gain from the UFC than just winning fights.” From giving Interviews and doing motivational speaking to organising nutrition seminars with Mike Dolce and appearing as a guest fighter at UFC events, Barnatt so far has done a better job than most of his peers of getting his name out and having an effect on other people along the way: “You have a position of power by being put in the UFC, because all of a sudden, people care about you. In the UFC, you’ve got that power and you need to use it. For example, politicians in Germany hate Mixed Martial Arts, they think it’s terrible. I’d like to speak to these politicians and find out why they dislike it. That’s more important to me than winning fights, but the thing is: the more fights you win, the more influential you become, so obviously, winning fights is my Nr. 1 priority.”


Next stop: Berlin
That is why Barnatt right now is focused on Sean Strickland. The 23-year-old American is a dangerous opponent – well rounded and coming up – who just in March submitted Barnatt’s TUF-Castmate Bubba McDaniel in the first round. That fight, though, in fact makes Barnatt confident he will leave the Octagon as the winner on May 31st: "I watched an Interview of him saying he didn’t want to fight straight away, he wanted to take some time off. I feel like he has been pressured to take this fight by his management company. I think he should have taken a bit of time off and enjoyed the fact that he just got into the UFC. In my opinion, it’s a bad move for Sean Strickland to come over here and fight me right now.” Even though he has much respect for his opponent and isn’t overlooking him at all, Barnatt already knows exactly what he wants after a victory: “I think beating him, moving 4-0, it would mean that I can step up to the next level. I think I’m ready for that. I also think that me vs. Sean Strickland is definitely up there for a good opportunity to be another ‘Performance-‘ or ‘Fight of the Night’, but I’m always looking for a quick finish: get in, get out, get paid.”

That way, Barnatt would definitely stay on track with his plan to fight four times a year and to enter the Top Ten in the foreseeable future. Barnatt has started out late and plans on leaving the sport relatively early, but right now is focusing all of his energy towards his goal of becoming a UFC champion during that time span. Just a few short years ago, this plan would have seemed totally unrealistic, but he has since been taking the right steps to actually make it happen – exciting times in an exciting life are lying behind and ahead for Luke Barnatt:  “When I was 21 years old, I had nothing – I had no skills, no background, no athleticism. It was just hard work. If I can continue to trick destiny, I think I’m destined to do something great. If it’s not MMA, if it’s not the UFC, I could do anything I want in the world. But right now, it feels like it is and I’m pushing hard for it.”


Watch Luke Barnatt in action at UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi on Saturday May 31st. Tickets now on sale here:

German: on.ufc.com/1ol2O9s
English: on.ufc.com/1fFjgIu