MMA

„Als Referee hast du die größte Verantwortung überhaupt“

Fotos: Torsten Hass

Torsten Hass war der einzige deutsche Referee bei den MMA Amateurweltmeisterschaften der IMMAF in den USA. Obwohl er nicht als Kämpfer im Oktagon agierte, stand er trotzdem als Referee im Mittelpunkt.

Hass war einer von insgesamt 18 Kampfrichtern, die vom Weltverband IMMAF ausgewählt worden sind. Der pensionierte Kampfsportler Torsten Hass ist seit 40 Jahren im Business und hat in verschiedenen Funktionen an über 40 Kämpfen teilgenommen.

GNP1.de: Erst einmal Glückwunsch zur Nominierung! Wie ist jetzt, mit etwas Abstand, dein Resümee der Veranstaltung in den USA?
Torsten Hass: Ich kann nur sagen, ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Es war eine große Ehre für mich, als Verantwortlicher vom Gremium ausgewählt worden zu sein und Deutschland und die GEMMAF erfolgreich zu vertreten. Ein sehr gut organisiertes Event mit tollen und spannenden Kämpfen, die absolut fair verlaufen sind. Und dazu habe ich eine Menge neue und vor allem netter Menschen aus aller Welt kennenlernen dürfen.

Der Austragungsort war Las Vegas, die Stadt der Spieler. Verlässt du dich auch mehr auf dein Glück, oder bist du der harte Arbeiter?
Um ehrlich zu sein, es hat mich schon umgehauen zu sehen, dass man quasi in jedem Hotel  und eigentlich überall 24 Stunden an Automaten oder Spieltischen sein Geld ausgeben kann, Menschen über Menschen. Ich habe es nicht ausprobiert und ja, ich bin ein harter und disziplinierter Arbeiter, betreibe Kampfsport seit knapp 40 Jahren, kann selber nicht mehr kämpfen – man hat ja die eine oder andere Verletzung, aber gebe mein Wissen und Know-how als MMA-Trainer an meine Jungs weiter.

Du hast auf Grund deiner guten Leistungen auch ein Finale leiten dürfen, war dies eine große Ehre für dich?
Erst morgens nach dem Team-Meeting bekamen wir unsere Kämpfe zugeteilt, als Referee, als Judge oder zum Kämpfer-Check. Jeder hat quasi alles gemacht. Ich hatte insgesamt knapp 40 von 130 Kämpfen, die ich so betreut habe. Und dann der Sonnabend, der Finaltag. Wir haben uns alle im „Sands Expo Center“ der UFC Fight Week zum Team-Meeting getroffen und ja, die Freude war groß von Marc Goddard höchstpersönlich die Nachricht zu bekommen, einen Finalkampf als Referee und zwei Kämpfe als Judge zu erhalten. Da wir insgesamt 18 waren und es nur zehn Finalkämpfe gab, war das sicherlich die größte Auszeichnung für mich.

Wie kann man sich das Verhältnis zwischen Referee und Sportler vorstellen?
Einfach absolut sportlich und sehr gut. Alle Sportler habe ich schon morgens um 6.30 Uhr gesehen zum Weigh-in, man sieht sich abends im Hotel und sonst auch. Ein absolut faires Miteinander, sowohl vor dem Kampf als auch danach, so wie wir es ja auch uns alle wünschen. Kämpfen auf ganz hohem Niveau und sich danach die Hand geben.

Welches sind deine Hauptaufgaben im Oktagon/Ring?
Als Referee hast du die größte Verantwortung überhaupt, insbesondere den Kämpfern gegenüber. Es ist dein Job, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen, mögliche Fouls blitzschnell zu erkennen, die Kämpfer zu schützen und auch sonst für die Einhaltung der Form des Wettkampfes zu sorgen, aber natürlich auch zu jedem Zeitpunkt als Vorbild zu wirken. Man muss den Ring bzw. das Oktagon kontrollieren, dass sich dort niemand verletzen kann und beim Wettkämpfercheck die Kämpfer inspizieren, Handschuhe, Tiefschutz, Fingernägel, unerlaubte Flüssigkeiten usw. – also insgesamt schon eine Menge an Aufgaben.

Muss man als Referee geboren sein?
Hmm, vielleicht ein bisschen. Es ist auch so, dass das Reffen nicht unbedingt etwas für jeden ist, vor und während des Events ist es immer wieder eine große Anspannung und Verantwortung, die man inne hat. Viele entscheiden sich dann für den Judge. Die nötige Unparteilichkeit gehört als Unparteiischer selbstverständlich auch dazu. Nur wenn man dann so seine Wehwehchen hat und nicht mehr aktiv kämpfen kann, dann möchte ich zumindest noch sehr nahe am Kampfgeschehen sein und das gelingt mir über diesen Weg.

Findet man nicht ab und zu Sympathie für den einen oder anderen Kämpfer, wie ist das da mit der Fairness?
Wie ich eben schon gesagt, das entscheidende ist Neutralität und Unparteilichkeit. Natürlich möchte ich nicht bestreiten, dass man nach einem Kampf dem einen oder anderen sagt, dass das ein super Kampf war, den er gemacht hat. Auch das gehört zur Anerkennung dazu.

Was sollte jeder Referee von Haus aus mitbringen?
Man sieht und hört immer wieder von Veranstaltungen, bei denen es grauenhafte Leistungen der Verantwortlichen gab. Aus meiner Sicht sollten Referees daher Ahnung vom Sport haben, qualifiziert sein, ehrlich und fair aber auch das Quäntchen Nervosität vor dem Kampf haben, jedenfalls geht es mir immer so, um absolut auf den Punkt fokussiert zu sein.

Wo und wie hast du dein Handwerkszeug des Referees sein gelernt?
Zum einen bin ich geborener Kampfsportler und betreibe verschiedene Stile seit über 40 Jahren - Karate, Kickboxen, BJJ, Ringen und MMA. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, dass ein Referee oder Judge über dieses nötige Handwerk verfügt, um qualifiziert beurteilen zu können, was die Kämpfer da so machen. Des Weiteren habe ich dann verschiedene Ausbildungen als Referee und Judge wahrgenommen und mit entsprechenden Zertifikaten abgeschlossen, final dann bei Wolf Menninger, meinem Mentor, in der GEMMAF. Nicht zu vergessen die vielen MMA Veranstaltungen, bei denen ich tätig bin, um zu praktizieren.

Wann hattest du dich dazu entscheiden Referee zu werden?
Nachdem ich meinen letzten Bandscheibenvorfall 2012 hatte, sagte ich mir, ich muss noch was anderes machen, um diesem Sport erhalten zu bleiben.

Gab es schon einmal von dir gefällte Entscheidungen, die du im Nachhinein anders gewertet hättest?
Das kann ich mit einem klaren nein beantworten, sowohl als Referee oder auch als Judge. Es ist aber auch so, dass man nie alles einhundert Prozent sehen kann. Das darf dann in der Gesamtheit nie dazu führen, ein Fehlurteil zu fällen.

Waren die IMMAF Amateur Worldchampionships der Höhepunkt deiner Referee-Laufbahn?
Ja, absolut. Dass ich diese Gelegenheit erhalten habe, da dabei sein zu dürfen, dafür bin ich sehr dankbar und auch sehr stolz.

Was steht bei dir als nächstes an? Sportler möchten für die UFC kämpfen, ist es auch dein Ziel dort als Referee anzukommen?
Als nächstes steht die MMA Europameisterschaft in Birmingham an. Außerdem ist es so, dass die GEMMAF mittlerweile schon Veranstaltungen für 2016 plant, bei denen wir (das gesamte Team) natürlich auch dabei sind.

Es gibt darüber hinaus eine Reihe von deutschen MMA-Veranstaltern, die sich mittlerweile der GEMMAF Offiziellen bedienen, um für einen reibungslosen Ablauf bei der Veranstaltung zu sorgen.
Ich habe in Las Vegas gute Kontakte knüpfen können und vielleicht klappt es, demnächst einen UFC Kampf zu erhalten.

Vielen Dank für das Interview, der letzte Satz gehört dir!
Es lebe dieser Sport, ich glaube, wir sind nun endlich aus der Schmuddelecke raus. Es gibt so viele tolle MMA-Vereine in Deutschland und vielleicht sieht man uns einmal bei den Olympischen Spielen.