MMA

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 64

Mirko Cro Cop gelang in Krakow ein gelungenes UFC-Comeback. (Foto: Florian Sädler/Groundandpound.de)

Am vergangenen Wochenende war die UFC erstmalig in Polen zu Gast. Zwar hat es in puncto Unterhaltungswert sicherlich schon bessere Events gegeben, einige erinnerungswürdige Momente bekamen die 10.000 Zuschauer in der Krakower Tauron Arena aber doch zu sehen. Zwischen einigen clinchlastigen Punktentscheidungen sorgten beispielsweise Leon Edwards Acht-Sekunden-Knockout und Aleksandra Albus überraschender Aufgabesieg gegen Izabela Badurek für Furore, noch bevor das Hauptprogramm überhaupt gestartet war. Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Mirko Cro Cop
Ist er zurück? Das zu behaupten, wäre vielleicht etwas verfrüht, und Mirko „Cro Cop“ Filipovic ist es vermutlich ohnehin vollkommen egal. Sein erklärtes Ziel gegen Gabriel Gonzaga war Revanche für die desaströse K.o.-Niederlage acht Jahre zuvor. Dieses Ziel hat er erreicht – auch, wenn er dazu den einen oder anderen haarigen Moment überstehen musste.

Den technischen Knockout in der dritten Runde bezeichnete der Kroate anschließend als „einen der wichtigsten Siege“ seiner Karriere, und auch, wenn im Rückkampf kein Titelkampf auf dem Spiel stand, manifestiert dieses Ergebnis Cro Cops Eignung als attraktiver Hauptkämpfer für europäische Events. Im Anschluss an den Kampf kündigte Cro Cop an, zunächst einmal einige kleinere Verletzungen aus dem letzten Trainingscamp ausheilen zu müssen – wenn es in einigen Monaten Zeit für einen neuen Kampf ist, wird sich die Frage stellen, was man mit ihm anstellen soll? Die übliche Route an die Spitze der Gewichtsklasse, die jüngere Kämpfer am Anfang ihrer Karriere nehmen, kommt für ihn nicht infrage – am meisten Sinn machen im Jahr 2015 vermutlich Kämpfe gegen andere große Namen, die sich ebenfalls ihrem Karriere-Ende nähern. Andrei Arlovski wäre so ein Mann, unabhängig vom Ausgang seines anstehenden Duells mit Travis Browne bei UFC 187 im Mai. Ebenfalls aus der alten Garde noch übrig ist Josh Barnett und aus der Kategorie Rückkämpfe Frank Mir, der allerdings im Juli zunächst auf Todd Duffee treffen wird.

Maryna Moroz
Die UFC wirbt damit, dass es Aufbaukämpfe im Octagon nicht gibt. Das mag nicht ganz richtig sein, denn hin und wieder ist schlicht offensichtlich, dass der ein oder andere Kämpfer zum Verlieren in den Käfig geschickt wird – im vielschichtigen MMA-Sport kann man sich dabei allerdings nie sicher sein, dass derartige Rechnungen auch aufgehen. So geschehen auch am Samstag in Krakau: Joanne Calderwood hätte sich mit einem Sieg gegen die weitestgehend unbekannte Debütantin Maryna Moroz vermutlich einen Titelkampf gegen Joanna Jedrzejdzyk sichern können, wurde jedoch knapp eineinhalb Minuten lang ausgeboxt, dann auf den Boden gezogen und wenige Sekunden später per Armbar zum Abklopfen gezwungen.

Im Nachhinein hätte man vielleicht damit rechnen können, dass Moroz als Trainerin der ukrainischen olympischen Boxreserve, die in ihrer Heimat darüber hinaus einen Master of Sports besitzt, einen härteren Test für Calderwood darstellen würde als gemeinhin angenommen. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie die Schottin am Wochenende abfertigte, hatte so allerdings vermutlich niemand erwartet.

Nach dem Kampf gingen Gerüchte um, dass Calderwood in letzter Zeit mit persönlichen Problemen zu Kämpfen hatte, Moroz Leistung darf das aber nicht schmälern – gleichzeitig dürften die 90 Sekunden im Octagon nicht genug sein, um die UFC-Chefetage von ihren Qualitäten als Titelherausforderin zu überzeugen. Sinn würde daher wohl ein Kampf gegen Aleksandra Albu machen, die in Krakau gegen Izabela Badurek ebenfalls einen unerwarteten Sieg einfahren konnte. Falls man Moroz angesichts der Position ihrer geschlagenen Gegnerin eine prestigeträchtigere Aufgabe anvertrauen will, würde sich auch ein Duell mit der Siegerin des Kampfes zwischen Paige VanZant und Felice Herrig anbieten, die am kommenden Wochenende bei UFC on FOX aufeinandertreffen werden.

Stevie Ray
Knapp zwei Wochen hatte der schottische Cage-Warriors-Champion Stevie Ray Zeit, um sich auf sein UFC-Debüt gegen Marcin Bandel vorzubereiten. Zu wenig, um das Ausmaß dieser Chance wirklich realisieren zu können, wie er uns vor dem Kampf erzählte. Geschadet hat das scheinbar nicht, denn Ray überzeugte in Krakow auf ganzer Linie. Zwar schaffte Bandel es, ihn auf den Boden und damit in sein Revier zu ziehen, Ray umschiffte jedoch gekonnt jegliche Gefahren und setzte seinen Gegner stattdessen selbst mit Aufgabegriffen und Ground and Pound unter Druck. In der zweiten Runde beendete er den Kampf schließlich mit einer Reihe harter Schläge am Boden – zu einem perfekten Abend hätte nur noch ein Bonus für die „Performance of the Night“ gefehlt.

Die anstehende Schottland-Show wäre der offensichtliche nächste Stop für „Braveheart“ und im reich bestückten Leichtgewicht gibt es für ihn jede Menge potentieller Gegner. Nach nur einem Sieg wird er vermutlich noch keinen allzu populären Namen vorgesetzt bekommen, Potential auf mehreren Ebenen hätte allerdings ein Duell mit Joe Duffy. Die zwei ehemaligen Cage-Warriors-Kämpfer haben beide jeweils ihren ersten Kampf in der UFC gewonnen, können spektakuläre Momente in den Käfig zaubern und stehen vermutlich am Anfang sehr erfolgreicher Karrieren. Falls die UFC die beiden nicht langsam und getrennt voneinander aufbauen will und beide nicht gerade gleichzeitig im Tristar Gym trainieren, würde dieses Duell sich sicherlich bestens am 18. Juli in Glasgow machen.