MMA

Aller guten Dinge sind drei – UFC Fight Night 60

Neil Magny ließ auf zwei Niederlagen sechs Siege nacheinander folgen (Foto: Tobias Bunnenberg).

David gegen Goliath im Octagon? Diesen Eindruck konnte man bekommen, als Ex-Leichtgewichtschampion Ben Henderson am Samstag einen Ausflug ins Weltergewicht wagte und dabei in Form von Brandon Thatch auf jemanden traf, der gut und gerne als austrainiertes Mittelgewicht durchgehen würde. Was am Ende des Abends blieb, war zum einen die erneute Erkenntnis, dass Gewicht im Octagon nicht alles ist – zum anderen konnten aber auch schon vor dem Hauptkampf einige Kämpfer überzeugen und ihren Karrieren zusätzlichen Schwung verleihen.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends.

Ben Henderson
Je näher Ben Hendersons Kampf gegen Brandon Thatch kam, desto schlechter schien seine Idee gewesen zu sein, nur wenige Wochen nach einer Punktniederlage gegen Donald Cerrone Hals über Kopf einen Kampf eine Gewichtsklasse über seinem angestammten Arbeitsplatz anzunehmen. K.o.-Maschine Thatch hatte immerhin jeden bis auf einen seiner Kämpfe in der ersten Runde beendet und könnte mit seinen muskelbepackten 1,88 Metern Körpergröße locker als Mittelgewicht durchgehen. Zu Beginn ihres Kampfes schien dieser deutlich sichtbare Unterschied sich dann auch im Kampfverlauf bemerkbar zu machen – Thatch wirkte zunächst schlicht zu wuchtig für Henderson, der merklich vorsichtiger als sonst agierte und mit seinen Aktionen natürlich weniger ausrichten konnte als man es gegen Leichtgewichte von ihm gewohnt war. Sobald Thatch müder wurde, wendete sich das Blatt allerdings und Hendersons Erfahrung kam ins Spiel – vor allem auf der Matte zeigte sich, dass Hendersons Können dem seines Gegner überlegen war, bevor in Runde vier schließlich ein Rear Naked Choke das Ende des Kampfes herbeiführte.

Letztendlich hat sich das immense Risiko für Henderson also ausgezahlt – mit dem Sieg gegen Thatch hat er nicht nur seine letzten beiden Niederlagen Vergessen gemacht, er hat dabei auch noch bewiesen, dass er im Weltergewicht selbst mit einem gefährlichen und überdurchschnittlich großen Gegner klarkommt. Schaut man sich die Spitzenkämpfer der 77-Kilo-Klasse an, dann fällt auf, dass Henderson mit seinen 1,75 Metern nicht großartig kleiner ist als ein Robbie Lawler (1,80 Meter) oder Johny Hendricks (ebenfalls 1,75 Meter). Ob seine Zukunft langfristig tatsächlich im Weltergewicht liegt, bleibt wohl nur abzuwarten, mit dem Sieg gegen Thatch hat er die Grundsatzdiskussion zumindest aber schon einmal im Keim erstickt. Letztlich wird es wohl auf das Timing ankommen, denn in beiden Gewichtsklassen sind die meisten sinnigen Gegner für Henderson momentan gebucht, verletzt oder gesperrt. Hendersons Vorschlag eines Duells mit Rory MacDonald wurde von Dana White bereits zurückgewiesen, in den Top 15 des Weltergewichts würden dafür Leute wie Thiago Alves, Tarec Saffiediene oder auch Carlos Condit warten – im Leichtgewicht dagegen ist momentan jeder potentielle Gegner eingeplant, der Ex-Champion müsste dort also wohl auf eine Chance als kurzfristiger Verletzten-Ersatz hoffen.

Neil Magny
Ebenfalls auf dem Hauptprogramm wurde im Weltergewicht eine rekordverdächtige Erfolgs-Serie weitergeführt: Beachtliche fünf Kämpfe nacheinander hat Neil Magny im vergangenen Jahr gewonnen und zog so mit Donald Cerrone gleich. Während Cerrone für seinen prall gefüllten Terminkalender jedoch allgemeine Bewunderung erntete, blieb Magny stets unter dem Radar der meisten Fans. Mit seinem Aufgabe-Sieg gegen Kiichi Kunimoto auf dem Hauptprogramm der Fight Night aus Broomfield dürfte der Veteran der 16. "The Ultimate Fighter"-Staffel nun allerdings das richtige Statement gesetzt haben, um in den Ranglisten endlich einen Schritt nach vorne zu machen. Zwar werden seinem Resümee die wirklich großen Namen fehlen, um aus Sicht der UFC einen allzu großen Sprung zu rechtfertigen, sechs Siege in Folge sollten ihn aber zumindest in die Nähe der Top 15 hieven.

Denkbar wäre beispielsweise ein Gunnar Nelson, der nach seiner Niederlage gegen Rick Story genau auf den 15. Rang abgerutscht ist und einen Comeback-Kampf braucht. Schlägt er Magny, ist er wieder zurück auf der Siegerstraße, während ein Sieg für Magny den Durchbruch in die relevanten Gefilde der 77-Kilo-Klasse bedeuten würde.

Ray Borg
Dem Fliegengewicht fehlt es gerade ganz offensichtlich an qualifizierten Herausforderern für Champion Demetrious Johnson, im Schatten der Blockbuster-Kämpfe mausert sich dafür aber momentan das ein oder andere Talent heran, das später einmal eine Gefahr für den momentan so dominanten Titelträger darstellen könnte. Eines davon heißt Ray Borg – der "Tazmexican Devil" fuhr am Samstag mit einem Kimura gegen Chris Kelades seinen zweiten vorzeitigen Sieg in der UFC ein, seinen achten Erfolg in neun Profi-Kämpfen. Angesichts seiner erst 21 Jahre scheint das Potential Borgs grenzenlos zu sein, sinnigerweise scheint die UFC ihn außerdem langsam aufbauen zu wollen. Falls sie ihn trotzdem testen wollen, ohne ihm gleich einen gelisteten Gegner vorzusetzen, dann würde der zähe Ire Neil Seery diese Aufgabe vermutlich perfekt ausfüllen. Bei UFC Stockholm hat der 35-Jährige Veteran erst im Januar den hoch gehandelten Chris Beal zurück auf Los gesetzt und dürfte auch Borg zeigen können, ob er für höhere Aufgaben bereit ist.