MMA

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 47

Mit ihrer 47. Fight Night machte die UFC zum ersten Mal im Bundesstaat Maine Halt (Foto: Zuffa LLC).

Ungewohnte drei Wochen hintereinander hat der sonst so rastlose UFC-Zirkus Pause gemacht, bevor es am Samstag in Bangor ganz im Nordosten der USA wieder im Octagon zur Sache ging. Mit dem unspektakulären Punktsieg Ryan Baders gegen einen über weite Strecken überforderten Ovince St. Preux endete der Abend antiklimatisch, zuvor wurden jedoch in keinem anderen Kampf des Hauptprogramms die Punktrichter gebraucht.

Alles in allem bekamen die 5000 Zuschauer im Cross Insurance Center einiges an rasanter Action geboten, aus der einige Protagonisten als große Gewinner, andere mit bitteren Niederlagen hervorgingen. Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Ross Pearson
Eigentlich hat Ross Pearson in seinen letzten Kämpfen nichts wirklich Falsches gemacht, trotzdem lag sein letzter Sieg drei Kämpfe und knapp eineinhalb Jahre zurück, als er am Wochenende gegen Gray Maynard ins Octagon stieg.

Nach einem kontroversen „No Contest“ gegen Melvin Guillard wegen eines illegalen Kniestoßes und einer noch viel kontroverseren Punktniederlage in einem Kampf gegen Diego Sanchez, den er in den Augen so ziemlich aller Zuschauer deutlich gewonnen hatte, dürfte dieser K.o. daher ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und Erleichterung in Pearson ausgelöst haben. Hätte er gegen einen immer noch gefährlichen, aber mittlerweile dank seiner aufgebrauchten Nehmerfähigkeiten allgemein abgeschriebenen Maynard verloren, hätte das seiner Position immens geschadet, da er dann drei Kämpfe hintereinander nicht gewonnen hätte – Kontroverse hin oder her, eine legitime Niederlage nach all den Dramen wäre katastrophal gewesen.

So aber kann Pearson nun genau dort weitermachen, wo er nach dem Erstrundensieg gegen Ryan Couture im Frühjahr 2013 vermeintlich aufgehört hat. Wenn die UFC seine Niederlage gegen Sanchez tatsächlich als Sieg wertet, ist Pearson seit fünf Kämpfen ungeschlagen und hätte sich damit sicherlich einen hochkarätigen Kampf beispielsweise gegen den Sieger des Kampfes zwischen Ben Henderson und Rafael dos Anjos am kommenden Wochenende verdient. Trotzdem wird er sich wohl zumindest noch einen weiteren, offiziellen Sieg holen müssen, um an die relevanten Top-Kämpfe zu kommen. Der Sieger des Kampfes zwischen Joe Lauzon und Michael Chiesa würde ebenso in Frage kommen wie der momentan verletzte Abel Trujillo, gegen den Pearson eigentlich schon am Wochenende antreten sollte.

Alan Jouban
So wirklich kannte Alan Jouban bisher niemand. Zumindest niemand, der sich nicht brennend für Abercrombie & Fitch interessiert, für die „Brahma“ bereits einige Male als Model vor der Kamera stand. Seth Baczynski dagegen hat in jener Branche zwar keine große Zukunft vor sich, konnte sich dafür aber in der UFC in den vergangenen Jahren einen Namen machen, indem er u.a. Matt Brown zur Aufgabe zwang und zuletzt dem ehemaligen Titelherausforderer Thiago Alves einen harten Kampf lieferte.

Zunächst sah es dann auch so aus, als wenn der Veteran seine Erfahrung ausspielen könnte – Jouban wurde recht früh auf wacklige Beine gestellt, behielt aber die Ruhe und schlug zurück, sobald er sich erholt hatte. Sobald Jouban realisierte, dass Baczynski selbst angeschlagen war, drehte der Debütant auf und schlug seinen Gegner mit einem perfekt sitzenden Schlag K.o. –weiterhin aufgewertet wird dieser Sieg durch den mit 50.000 Dollar dotierten „Fight of the Night“-Bonus. Einen Top-Gegner hat sich Jouban mit diesem Sieg sicherlich nicht verdient, stattdessen könnte er in einem Kampf gegen den Sieger des am 13. September stattfindenden Duells zwischen Paulo Thiago und Sean Spencer beweisen, dass er definitiv in die UFC gehört.

Thiago Tavares
Ein Gewichtsklassenwechsel ist ein beliebtes Mittel für Kämpfer, um etwas frischen Wind in ihre Karriere zu bringen. Nicht immer geht der Plan auch auf, für Thiago Tavares allerdings hat sich das Abkochen vom Leicht- ins Federgewicht bisher als absoluter Glücksgriff erwiesen. Der Brasilianer war schon im Leichtgewicht ein solider Kämpfer, sein etwas suspektes Kinn hat ihm jedoch ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht und ihm einige Kämpfe gekostet, die er womöglich hätte gewinnen können, wenn er nicht versucht hätte, im Stand ein Statement zu setzen.

Diese Phase scheint vorbei zu sein, wie sein Erstrunden-Aufgabesieg gegen Robbie Peralta vom Wochenende zeigt. Tavares verschwendete gegen seinen für harte Fäuste bekannten Gegner keine unnötige Sekunde auf den Beinen, sondern verlagerte das Geschehen umstandslos auf die Matte, wo er Peralta dank technischer und physischer Überlegenheit nach Strich und Faden dominierte, bis er eine halbe Minute vor Ende der ersten Runde den Rear Naked Choke anbringen und Peralta damit zum Abklopfen zwingen konnte. Das Interview mit Jon Anik nach seinem Sieg nutze Tavares dann dafür, um für einen seiner Schüler mit den Worten „Er ist so viel besser als ich“ um einen UFC-Vertrag zu bitten. Alles in allem also ein rundum gelungener Abend für Tavares, der nach einigen mäßig erfolgreichen Jahren wieder auf dem Weg in Richtung relevanter Kampfansetzungen sein könnte. Ein interessanter Gegner für seinen nächsten Kampf wäre der Sieger des Kampfes zwischen Nik Lentz und Charles Oliveira. Gegen Lentz hat Tavares vor über vier Jahren bereits einmal Unentschieden gekämpft, während Oliveira ebenfalls ein starker Bodenkämpfer mit einigem Momentum ist, der einen Sieg gegen einen etablierten Namen braucht.