Grappling

„Unterm Strich kann ich eigentlich ganz zufrieden sein!“

Foto: Thomas Holtmann

Auch 2013 zog es Thomas Holtmann wieder nach Lissabon zu den IBJJF European Championships. Dieses Jahr startete Holtmann das erste Mal als Schwarzgurtträger des BJJ. Zählte er in den Zeiten der Braungurte immer zum Favoritenkreis, musste er es diesmal erst einmal beweisen. Da die Leistungskurve aller Athleten steil nach oben zeigt, musste das Turnier zeigen, was alles möglich ist. Eine Verletzung kurz vor der EM schmälerten dann auch noch zusammen mit einer starken Erkältung die Chancen sich erfolgreich durchzusetzen. Doch es sollte alles anders kommen. Holtmann brillierte und wurde letztendlich zweimal mit Platz drei belohnt (Mittelgewicht und Open Class) und bekam Lob von allen Seiten.

GroundandPound: Hallo Thomas, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinen beiden dritten Plätzen bei den IBJJF European Championships in Lissabon!

Thomas Holtmann: Danke für die Glückwünsche!

Du bist jetzt das erste Mal als Schwarzgurtträger dort angetreten, was ging in dir vor?

Wie jeder Wettkämpfer weiß, ist es jedes Mal ein „komisches“ Gefühl wenn man in einer neuen Gurtklasse startet, aber aufgrund von meiner Vorbereitung bin ich doch recht zuversichtlich an die ganze Sache herangegangen.

Du bist erkältet angetreten, musstest sogar Antibiotikum zu dir nehmen. Bestand für dich ein gesundheitliches Risiko?

Ich würde es einmal so formulieren, dass man ein gewisses Restrisiko natürlich niemals ausschließen kann, aber es ist ja alles gut gegangen.

Hinzu kommt auch deine Schulterverletzung. Du warst vor rund drei Wochen noch im Krankenhaus. War dies für dich ein großes Hindernis?

Davon abgesehen, dass ich also in den letzten drei Wochen nicht richtig trainieren konnte, ist es natürlich viel wichtiger, dass man nicht mental einbricht. Mir war von Anfang an klar, dass mich die Verletzung weder an meiner Teilnahme hindern noch daran dass ich auf jeden Fall alles in meinen Kämpfen geben würde. Aber natürlich hat man so etwas die ganze Zeit über im Hinterkopf, aber wie gesagt, hier spielt dann die mentale Komponente eine große Rolle.

Im Halbfinale kam es zum Deutsch-Deutschen Duell gegen Michael Haselein. Haselein gewann, wie kam es dazu?

Zunächst einmal möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Michael für dieses Match bedanken. Ich hoffe darauf, dass wir uns in der Zukunft noch einmal auf einer Competition begegnen werden. Michael hat sehr gut gekämpft und konnte sich am Anfang einen Punktevorsprung sichern, welchen er aufgrund seiner Erfahrung halten konnte.

Als ich mir dann wieder eine bessere Position erarbeitet hatte war die Zeit dann leider schon abgelaufen.  Es war ein schöner Kampf und wie gesagt würde ich mich freuen, wenn wir dies noch einmal wiederholen könnten.

Im Halbfinale der Open Class wurde dir vom Mattenrichter ein Vorteil nicht gegeben. Was war da los?

Da solltest du lieber einmal den Mattenrichter fragen. Tatsache ist, dass mir mindestens ein Advantage nicht gegeben wurde. Dementsprechend hatten wir am Ende einen Punktegleichstand und obwohl mir auch von mehreren Außenstehenden versichert wurde, dass ich mehr attackiert hätte, hat der Mattenrichter dann meinem Gegner den Sieg zugesprochen. Aber die Schuld liegt einzig und allein bei mir. Wenn ich dieses Match genau so wie die anderen mit Submission frühzeitig beendet hätte, wäre ich nicht in die Situation gekommen, mich der Schiedsrichterentscheidung zu beugen.

Du hast in der Vergangenheit schon viele Treppchenplätze für Deutschland geholt. Warum reichte es bis jetzt nicht für einen Titel?

Das ist ja so nicht ganz richtig. Immerhin habe ich ja 2003 schon einmal den Titel geholt. Gute Frage, als Wettkämpfer braucht man ab und an auch mal einfach ein Quäntchen Glück. Und das hat mir diesmal auf jeden Fall gefehlt. Aber untern Strich kann ich eigentlich ganz zufrieden sein. Ich bin, unter nicht gerade besten körperlichen Voraussetzungen, auf meinem ersten Turnier, und hier handelt es sich nicht um irgendein Wald-und-Wiesen-Turnier, sondern die EM der IBJJF mit internationaler Besetzung, als Black Belt gestartet und konnte mir dort zwei Medaillen erkämpfen. Es hätte auch schlechter ausgehen können.

Du kämpfst traditionell bei der EM mit, warum bringt dir dieses Turnier so viel Spaß?

Bei diesem Turnier habe ich die Möglichkeit mich mit anderen alten Männern auf einem sehr hohen Niveau zu messen. Daher ist die EM in Lissabon auf jeden Fall das Turnier für mich.

Ein weiterer Ausblick. Du wirst mit deinem Team bei der DGL in der kommenden Saison antreten. Wie weit seid ihr in der Vorbereitung?

Dadurch, dass ich diesmal komplett andere Voraussetzungen habe, denn ich sehe die Jungs ja regelmäßig auf meiner Matte, würde ich doch mal sagen, es läuft bestens. Die Jungs sind heiß und freuen sich aufs Kämpfen!

Wie geht es für dich weiter?

Ende März geht es zunächst einmal wieder zum Training nach China und im Mai kämpfe ich dann wieder beim Tribal Gathering der Dog Brothers in LA, worauf ich mich schon mehr als freue.

Vielen Dank für das Interview! Der letzte Satz gehört dir!

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlichst bei meinem gesamten Team für die Unterstützung in der Vorbereitungszeit bedanken. Ein dickes Dankeschön auch an meinen Sponsor Gameness Europe. Zum Abschluss möchte ich mich dann natürlich auch noch bei meiner Frau bedanken, wenn sie mir nicht den Rücken freihalten würde, wäre es für mich unmöglich das zu tun, was ich mache.