Grappling

Schwarze Gürtel für Nicolas und Félix Penzer

Nicolas (l.) und Félix Penzer (r.) wurde der Schwarze Gürtel im BJJ verliehen. (Foto: Nicolas Penzer)

Großmeister Flavio Behring hat Nicolas und Félix Penzer vor wenigen Tagen den Schwarzen Gürtel im brasilianischen Jiu-Jitsu verliehen. Die Penzer-Brüder haben sich immer schon viel geteilt, jetzt teilen sie sich auch die Freude über diese besondere Auszeichnung.

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum BJJ-Schwarzgurt! Seid ihr sportlich jetzt da angekommen, wo ihr immer hin wolltet?

Nicolas: Vielen Dank. Mit diesem Schwarzgurt habe ich eines meiner Ziele erreicht, aber das ist längst nicht das Ende. Ich denke, speziell im BJJ hört man nie auf, dazuzulernen.

Auch an dich die Frage, Felix. Bist du angekommen?

Félix: Wenn man lange BJJ trainiert, weiß man, dass der Blackbelt nicht das Ende ist, sondern eher ein weiterer Meilenstein auf einem langen Weg. Es ist wirklich eine Lebensphilosophie.

Ihr habt den Schwarzgurt aus den Händen von Großmeister Flavio Behring erhalten. Wie sehr erfüllt euch dies mit Stolz?

Wir sind sehr stolz, Schüler von Flavio Behring zu sein und dass er sein enormes Wissen mit uns teil. Es ist beeindruckend von ihm zu lernen, denn er war bei der Entstehung von Gracie Jiu-Jitsu dabei und hat auch verschiedene Entwicklung im BJJ miterlebt. Außerdem wurden wir während der Prüfung noch von vier weiteren Schwarzgurten evaluiert.

Wenn ihr eure bisherige BJJ-Zeit Revue passieren lasst, an was erinnert ihr euch immer wieder gern zurück?

An unsere ersten Turniererfolge auf der Submissao und der UGC werden wir uns sicher immer gut erinnern. Oder auch an Trainingseinheiten im Keller oder der Garage von Freunden. Ansonsten zählen die Trainingslager im Ausland zu schönen Erinnerungen dazu. Allgemein kann man sagen, dass wir viele Freunde und Bekanntschaften durch Jiu-Jitsu gemacht haben.

Wie hat das BJJ euren Stil zu kämpfen in den Jahren verändert?

Unser Kampfstil war ja immer BJJ. Wir haben zwar andere Kampfkünste davor gemacht, aber gekämpft haben wir immer BJJ. Der sportliche Aspekt und auch die Effektivität von BJJ haben uns damals schnell überzeugt.

Ihr investiert ziemlich viel Zeit mit dem Sport. Warum ist dir das so wichtig?

Félix: Wir haben vor fast elf Jahren mit Jiu-Jitsu angefangen. Es ist schwer zu erklären, warum uns das so wichtig ist, weil wir uns jetzt auch kein Leben ohne den Sport mehr vorstellen können oder wie unser Leben wohl ohne den Sport gewesen wäre. Zudem haben wir über das BJJ viele Persönlichkeiten kennengelernt, die ihr Leben diesem Sport gewidmet haben. So etwas motiviert, immer weiter zu machen.

Nico: Ich denke, es ist wie wenn man einen Künstler fragt, warum er Bilder malen muss. Es ist einfach eine Art, unsere Persönlichkeit auszudrücken und Jiu-Jitsu ist die Kunst.

Machen die Penzer-Brüder alles zusammen?

Der Sport hat unser natürlich sehr verbunden und dadurch verbringen wir auch viel Zeit miteinander. Aber ansonsten lebt jeder sein Leben.

Nico, mit Félix hattest du gleich in der Familie immer einen guten Trainingspartner im BJJ. Wie sehr hat diese Zeit dir geholfen?

Nicolas: Félix zählt immer noch zu meinen wichtigsten Trainingspartnern. Es ist wirklich einfacher und sehr motivierendn mit seinem Bruder zu trainieren. Aber ich habe auch andere zuverlässige Trainingspartner, die auch meine Bros sind.

Auch an dich die Frage, Félix, wie sehr hat dein Bruder dich immer motivieren können?

Wenn man Geschwister hat, die denselben Sport machen wie man selbst, ist das immer sehr motivierend. Vor allem im Kampfsport sieht man sehr oft, dass Brüder miteinander angefangen haben und sich gegenseitig pushen. Wie z.B. unsere Trainingskameraden die Artukovic-Brüder oder auch die Nogueria-Brüder. Wenn ich einmal nicht ins Training gehen kann, weiß ich, dass Nico gerade fleißig trainiert und besser wird, also muss ich das wieder aufholen.

Wenn ihr sportlich gesehen nochmal die Zeit bei euch zurückdrehen könnt, was würdet ihr verändern?

Sehr viel verändern würden wir nicht. Manchmal fragt man sich schon, wie unsere Entwicklung wohl gewesen wäre, wenn wir in einem Gym in Brasilien gelernt hätten, bei dem mehrere Schwarzgurte uns jeden Tag betreuen und verbessern hätten können. Aber dadurch, dass wir in Deutschland auch viele engagierte Trainingspartner und Trainer hatten, konnten wir das relativ gut kompensieren.

Nico, wie schaffst du es, dein berufliches/privates Leben in Einklang mit der sportlichen Karriere zu bringen. Gerade weil das MMA-Training ja ebenfalls ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt?

Da ich noch Student bin, kann ich meine Zeit gut selbst einteilen und wenn ich schlechte Noten schreibe, schiebe ich es darauf, dass ich gleichzeitig Leistungssport mache. Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre das alles aber auch nicht möglich gewesen.

Félix, du lebst in Brüssel. Wieso hast du dir diese Stadt ausgesucht zu leben?

Neben Pommes, Pralinen, Bier und Waffeln bietet Brüssel auch viele Studienmöglichkeiten, so dass meine Freundin und ich unsere Master hier machen konnten. Mittlerweile habe ich meinen PhD hier angefangen und werde dadurch auch erst mal bleiben. Dass es dank Patrick Chaput (4. Dan im BJJ) hier jemanden gibt, der seit 20 Jahren Jiu-Jitsu macht und es eine gute BJJ-Szene gibt, hat meine Entscheidung, hierher zu ziehen natürlich erleichtert

Was habt ihr beide jetzt noch alles vor?

Nico: Ich möchte mich wie in den letzten zwei Jahren hauptsächlich auf MMA fokussieren und sehen, wie weit ich diesen Weg gehen kann.

Félix: Die nächsten drei Jahre bin ich wohl noch mit meinem PhD beschäftigt. Ansonsten versuche ich weiterhin, mich im Jiu-Jitsu zu verbessern.

Nico, nach deiner MMA-Niederlage bei Respect.9 gegen Marcin Naruszczka folgten drei Siege gegen Wesley Howard, Philipp Grieble und Nils Wernersbach. Was gibt dir MMA, was dir BJJ nicht bietet?

MMA ist einfach die sportliche Herausforderung, sich in allen Facetten des Zweikampfs zu messen. Ich habe mit BJJ angefangen, um MMA kämpfen zu können und achte beim BJJ-Training darauf, die Aspekte des MMA zu berücksichtigen. Auch die Selbverteitigung und Takedowns, die Teil des BJJs sind und auf die unser Großmeister viel wert legt, trainiere ich viel und das MMA gibt mir die Möglichkeit, dies dort unter Beweis zu stellen.

Wäre die UFC auch was für dich, gerade weil am 31. Mai die Fight Night in Berlin stattfinden wird?

Zunächst würde ich gerne den Mittelgewichtstitel von Respect.FC zurückgewinnen. Danach schauen wir, wie es weitergeht, um mehr Erfahrung im MMA zu sammeln. Definitiv ist die UFC langfristig gesehen ein Ziel von mir.

Félix, dein Fokus liegt sportlich gesehen ganz beim BJJ. Hat dich MMA nie so gereizt?

Vor ein paar Jahren (2006) habe ich an einem MMA-Amateurturnier teilgenommen, im Finale hat mich Nico gewinnen lassen, weil ich einen Kampf mehr bestritten hatte als er (lacht). Es hat mir schon Spaß gemacht und ich baue es auch gerne ab und zu in mein Training ein, allerdings ist es für mich zeitlich einfach nicht möglich, den nächsten Schritt zu gehen. Aber ich bin ja noch jung und wer weiß, was noch passiert. Wenn ich aber je einen richtigen MMA-Kampf bestreiten werde, dann nur, wenn ich mich auch 100% auf diese Aufgabe konzentrieren kann.

Wie siehst du den sportlichen Erfolg deines Bruders, Félix?

Ich bin unheimlich stolz auf Nicos Erfolge und ich glaube auch fest daran, dass er bald auch in höheren Ligen mitmischen kann. Das Talent dazu hat er auf jeden Fall.

Nico, wie wertvoll sind die Tipps deines Bruders, wenn es ums Ganze geht?

Abgesehen davon, dass er gerade seine Doktorarbeit in Sportwissenschaften schreibt und mir mit professionellen Ernährungs- und Trainingsplänen hilft, ist mir seine Meinung sehr wichtig. Er gehört zu den Leuten im Team, denen ich einfach vertraue und die mich immer mit Tipps und Ratschlägen unterstützen.

Vielen Dank für das Doppelinterview. Wenn ihr am Schluss noch etwas loswerden möchtet, habt ihr jetzt und hier die Gelegenheit!

Wir möchten uns bei allen Trainingspartnern bedanken, die uns auf dem Weg zum Schwarzgurt begleitet haben. Wir bedanken uns natürlich bei Grand Master Flavio Behring für die vielen Jahre, die wir bei ihm Jiu-Jitsu gelernt haben. Außerdem noch bei Prof. Andreas Hoffmann, der die ersten Seminare in Deutschland organisiert hat und auch bei unserem ersten Trainer Sifu Philipp Hackert, der uns zum Kampfsport gebracht hat. Dann bedanken wir uns noch bei Prof. Frank Beels, der uns in Brüssel herzlich aufgenommen hat und regelmäßig die Seminare und Trainingscamps organisiert. Und noch speziell ein Gruß an unser Team Arte Suave & Stallion Cage Stuttgart.

Um über Nico Penzer immer auf dem Laufenden zu bleiben, besucht seine Sportlerseite bei Facebook!