Grappling

Patrick Talmon: „BJJ gibt dir so viel - egal wie alt du bist“

Foto: Patrick Talmon mit dem BJJ Schwarzgurt

2013 wurde der Ludwigshafener Patrick Talmon CBJJO World Champion. Jetzt, drei Jahre später, wurde ihm die Ehre zu Teil zum BJJ-Schwarzgurt ernannt zu werden. Talmon hat es sich verdient. Seine akribische Arbeit auf und neben den Matten dieser Welt hat diese Verleihung mehr als gerechtfertigt.    

GNP1.de: Herzlichen Glückwunsch zum BJJ Blackbelt. Ist dies für dich die Ankunft einer langen Reise?
Patrick Talmon: Vielen Dank für die Glückwünsche. Nein, ich sehe es eher als den Beginn. Ich erkläre es meinen Schülern immer so: „Wenn ihr ein Haus baut, dann fangt ihr mit dem Keller an. Der wird betoniert und muss sehr stabil sein, um das ganze Hause sicher zu tragen. Wenn ihr da schlampt, klappt es nicht.“
Jetzt kann ich anfangen, den Rest des Hauses zu bauen und darauf freue ich mich sehr.

Was wird sich jetzt für dich persönlich alles ändern?
Für mich persönlich nichts. Ich bin mir der Verantwortung dieses Gurtes durchaus bewusst und werde mein Bestes geben, ihm immer und überall gerecht zu werden.

Was haben deine Schüler von deiner Graduierung?
Puh, das müssten wir meine Schüler fragen (lacht). Ich glaube, dass es für alle meine Schüler ein besonderer Moment war. Sie haben miterlebt wie viel Energie, Schweiß und Leidenschaft in diesem Gurt steckt. Wenn man mal darüber nachdenkt, wie viel BJJ'ler auf ihrem Weg zum Blackbelt aufgeben, ist es sehr wichtig, dass man als Trainer immer beweist, dass es sich lohnt zu kämpfen und am Ball zu bleiben. Ich denke die Motivation, die meine Jungs und Mädels dadurch bekommen haben, ist das Größte, was ich Ihnen geben konnte.

Welche Ziele verfolgst du gegenwärtig?
Das größte Ziel momentan ist die Weiterentwicklung unseres Teams in Europa und der Elite Fight Academy.

Deine Ausflüge auf die Matten dieser Welt sind seltener geworden. Wann sieht man dich wo wieder kämpfen?
Hmm, so selten sind sie eigentlich nicht. Habe Ende 2015 beim Icon Cup Bronze geholt und aus London kam ich mit vier Medaillen heim. Anfang 2016 konnte ich Vize-Europameister werden und im Februar gewann ich zwei Goldmedaillen bei der IBJJF Munich Open. Du siehst, so selten ist es gar nicht.

Mitte Oktober fliege ich nach London und werde mein erstes Turnier als Blackbelt kämpfen, soweit die IBJJF meinen Gurt schnell genug umschreibt. Ich freu mich extrem darauf und bin mitten im Training.

War im Nachhinein der World Championship-Titel für dich noch größer einzuschätzen, als der Blackbelt im BJJ?
Hmm, denke man kann es nicht ganz vergleichen. In Brasilien Weltmeister zu werden war grandios und fühlte sich unfassbar an. Es war der Erfolg von vielen Stunden hartem Training. Der Blackbelt ist viel größer, da sich in ihm viel mehr spiegelt. Es geht um persönliche Entwicklungen wie du dich als Mensch, Trainer, Kämpfer, Freund und Partner entwickelst.

Er zeigt, dass du mit Leidenschaft und Herz an einer Sache dran geblieben bist auch wenn es steinig war und vor allem zeigt er, dass es Menschen gibt, die dir zutrauen und die vertrauen, dass du das alles in anderen Menschen auslösen kannst.

Alle sollten sich weiter fortbilden und nicht in ihrer Entwicklung stehen bleiben. Wie sieht deine Entwicklung aus?
Na, ich hoffe doch gut. Ich werde auch weiterhin viel trainieren und jede Menge hochklassige Blackbelts einladen. Das war schon immer der Schlüssel zum Erfolg für uns alle. Jetzt im Oktober kommt Jaime Canuto eine Woche. Es geht genau so weiter wie die letzten Jahre.

Welche Menschen in deinem Leben haben immer an dich geglaubt und wussten, dass du eines Tages den Schwarzgurt verliehen bekommst?

Das kann ich so gar nicht beantworten. Ich weiß, dass meine Frau immer an mich glaubt und es für sie immer klar war, dass ich es irgendwann schaffe den Blackbelt verliehen zu bekommen. Auch mein Mentor und Freund Gabriel Rainho hat immer an mich geglaubt und mir sein Vertrauen geschenkt. Ich denke er wusste auch, dass ich es irgendwann schaffen würde.

Viele sagen, der Glaube ersetzt Flügel. An was glaubst du und wo fliegst du hin?
Ich glaube immer an mich und mein Team. Ich bin mir sicher, dass wir zusammen alles schaffen können. Wir fliegen dahin, wo es uns hin trägt.

Welche Art des Trainings gefällt dir am besten?

Ich finde es wichtig Abwechslung zu kreieren. Du brauchst sehr technisches Training, bei dem du die Zeit hast über jedes noch so kleine Detail zu reden. Aber du brauchst auch harte Einheiten in denen du über deine Grenze gehst und lernst das niemals Schluss ist. Die Mischung macht es aus.

Wer hat dich im Leben bisher am meisten bezüglich des BJJ inspiriert?

Zum einen ganz klar Master Julio. Es war schon immer extrem faszinierend wie er dieses Team führt und sich selbst so zurück nimmt. Ganz klar auch Rodolfo Vieira, ich liebe seinen Stil und orientiere mich schon an ihm. Aber am meisten war es doch "Biel" (Anmerkung der Redaktion: Gabriel Rainho wird "Biel" genannt), ich glaube niemand hat mich die letzten Jahre so sehr beeinflusst und geprägt wie er auf und abseits der Matte.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was wäre dies?
Ich würde mir wünschen, dass wir alle endlich aus diesem Konkurrenzdenken ausbrechen und unsere Kräfte bündeln. Das wäre toll.

Warum sollte jeder mit dem BJJ anfangen?

BJJ gibt dir so viel - egal wie alt du bist. Es bildet tolle Persönlichkeiten, die jede Situation meistern können. Es verbindet Menschen und kreiert Freundschaften. Du wirst fit und tust was für deinen Geist und deine Gesundheit.

Vielen Dank für das Interview, der letzte Satz ist deiner!

Vielen Dank für das Interview. Mein letzter Satz geht diesmal an alle die das hier lesen. Solltet ihr noch nie BJJ gemacht haben, geht raus,  sucht eine Schule in eurer Nähe und macht bitte ein Probetraining. Glaubt es mir, tut ihr es nicht, verpasst ihr was und alle die BJJ schon praktizieren, bleibt immer hart dabei und glaubt an euch. Es zahlt sich immer aus.