Grappling

„Meine Eltern haben mir immer beigebracht bis zum Ende zu kämpfen“

Derja Gois mit ihrem zweiten Platz (Foto: Derja Gois)

Neue Talente braucht das Land. Mit Dercia Gois hat gerade so ein Talent bei den IBJJF-Europameisterschaften in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon weitere Sporen verdient. Wundern tut sich Gois aber nicht, sie ist auf die Submission programmiert. Das ist neben viel Spaß eines ihrer Kernziele.

GNP1.de: Hallo Dercia, herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg bei der IBJJF EM. Waren das deine Tage? Es hat scheinbar alles gepasst?
Dercia Gois: Ich bin super glücklich mit meiner Leistung bei den Europeans. Nach so viel hartem Training und einer anstrengenden Diät während der Weihnachtszeit, hat es sich gelohnt.

Meine Trainingspartner haben mir mit der Vorbereitung sehr geholfen. Natürlich ist es nicht so einfach sich für die Europeans vorzubereiten, wenn man nebenbei in Vollzeit arbeitet. Das ist aber möglich, wenn man motiviert und diszipliniert ist. Mein Trainer Mauro Pilco Martinez war sehr wichtig in dieser Phase, weil er immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt hat.

Wenn ich gezweifelt habe, hat er mich 100% unterstützt und mich motiviert nicht zu schwächeln. Ich bin der Meinung, dass es ganz wichtig ist, wenn der Trainer auch mitmacht. Er war immer für uns da, hat mittrainiert und mitgekämpft, leider nach zwei Kämpfen, die er dominiert hat, verloren, weil ihm ein Punkt weggenommen wurde, wegen seiner Hand auf dem Boden.

Mein Freund Silvio und meine Familie haben mich auch sehr unterstützt. Ohne sie wäre es nicht möglich.

Meine Trainingspartner, insbesondere die Wettkämpfer Ines, Mauro, Chris und Holger waren so unglaublich... das kann man nicht beschreiben. Wir waren alle auf demselben Schiff und haben uns gegenseitig unterstützt, wie eine Familie. Dazu andere Trainingspartner von unserer Philco MMA Team Family, die nicht bei dem Turnier waren, haben mir sehr viel bei der Vorbereitung geholfen; Julian, Joseph, Jannick und viele anderen.

Im Finale bist du disqualifiziert worden. Wie kam es dazu?
Ja, ich wurde disqualifiziert, weil ich einen Footlock gemacht habe und meine Gegnerin ihn verteidigen wollte. Sie hat sich gerollt... und als ich mich mitgerollt habe, habe ich versehentlich meinen Fuß weiter nach innen gelegt und das ist verboten. Deswegen hat der Schiedsrichter mich ohne Verwarnung sofort disqualifiziert.

Seitdem ich kämpfe, wurde ich noch nie disqualifiziert. Das war das erste Mal und es hat mich ein bisschen geärgert. Trotzdem respektiere ich meine Gegnerin, weil sie zu mir kam und mir gratuliert hat. Sie war der Meinung, dass es unfair war und dass das Ergebnis anders hätte sein sollen.

Was für Lehren schließt du daraus?
Wir müssen an uns selbst glauben und für unsere Ziele kämpfen. Nichts ist unmöglich, wenn man motiviert ist. Teamarbeit, Freunde und Familie sind, meiner Meinung nach, die Schlüsselelemente für den Erfolg.

Wir müssen an uns und an unsere Fähigkeiten glauben, fleißig trainieren und der Rest kommt von allein.

Wie war das Niveau auf der EM?
Das Niveau war sehr gut bei den Europeans, aber es gab nichts, dass wir nicht erwartet haben. Wir kämpfen auch auf anderen europäischen Turnieren mit hohem Niveau und deswegen haben uns die Europeans nicht überrascht.

Wir haben uns gut vorbereitet, manchmal neben der Arbeit zweimal pro Tag trainiert und glücklicherweise haben wir die Möglichkeit im Philco MMA Team, neben unserem Trainer mit anderen Weltklasseathleten zu trainieren, wie z.B. Professor Remco Pardoel. Außerdem nehmen wir oft an BJJ-Camps teil und organisieren bei uns auch Open-Mats. Das bringt uns die Möglichkeit mit anderen zu rollen.

Du hast vor ein paar Wochen die Dutch Open gewonnen. Bist du in der Form deines Lebens?
(lacht) Ja, ich habe Gold bei den Dutch Open geholt, aber ich würde es nicht sagen, dass ich in der Form meines Lebens bin. Ich möchte mich weiterentwickeln und noch besser werden. Meine Eltern haben mir immer beigebracht bis zum Ende zu kämpfen.

Was ist als nächstes geplant?
Ich und mein Team möchten gerne bei den Worlds kämpfen und ich glaube, dass es möglich ist, eine gute Leistung zu bringen. Unser Ziel ist, jetzt Sponsoren für das Team zu finden, die an uns glauben und uns helfen unseren Traum zu ermöglichen. Es ist schwierig, wenn man alle Kosten privat übernimmt, allein der Flug in die USA ist schon teuer.

An was arbeitest du technisch?
Mein Trainer Mauro ist immer dabei, wenn ich kämpfe. Er hilft mir während der Wettkämpfe und am Ende gibt er mir immer Feedback, was ich noch verbessern muss.

Wenn wir zurück auf der Matte sind, arbeiten wir zusammen an meinen Schwächen. Jeder Kampf ist anders und jede Erfahrung bringt uns mehr und mehr voran.

Der letzte Satz gehört dir!
Vielen lieben Dank für das Interview.