Grappling

"Mein Training ist mir sehr wichtig"

Foto: Anke Müller

Am vergangenen Wochenende fanden in Italien gleich zwei der größten vom Jiu-Jitsu Weltverband IBJJF in Europa organisierte Turniere statt, die Rome International Open und die European Open No-Gi Jiu-Jitsu Championships. Hier errang Anke Müller einen der größten Erfolge ihrer bisherigen Karriere: die Europameisterschaft im Brazilian Jiu-Jitsu.

Es war ein traumhaftes Ergebnis für die 35-jährige Ingenieurin aus Trier, die seit fünf Jahren beim BJJ Team Marshmallow in Prüm in der Eifel unter Jörg Lothmann trainiert. Nachdem sie samstags die Rome International Open sowohl im Leichtgewicht als auch in der Offenen Gewichtsklasse gewinnen konnte, setzte sie sonntags noch eins drauf und sicherte sich das EM-Gold in ihrer Gewichtsklasse und die Vize-Europameisterschaft in der Offenen Klasse. Müller setzte sich gegen die Konkurrenz aus ganz Europa durch, holte dreimal Gold und einmal Silber und ist damit die amtierende Nummer eins der Weltrangliste der Internationalen Brazilian Jiu-Jitsu Federation.

Trainer Jörg Lothmann zeigte sich sichtlich zufrieden mit den Erfolgen seiner Schülerin: "Gratulation vom Team Marshmallow, wir sind stolz auf deine Leistungen!"

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum doppelten Titel im Gi der Rome Open und No-Gi der EM.

Anke Müller: Vielen Dank. Doppel-Gold bei den Rome International Open und Gold und Silber bei den No-Gi European Open. Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Damit bin ich amtierende Europameisterin mit und ohne Gi in meiner Gewichtsklasse und Vize-EM Gi und No-Gi im Open Weight.

Du hast seit Jahren einen Lauf. Bist sehr konstant in deinen Leistungen. Was machst du anders?

Mein Training ist mir sehr wichtig. Ich trainiere bis zu 6x die Woche und versuche in jeder einzelnen Einheit etwas mitzunehmen. Wie ein Job oder Studium, nichts was man leichtfertig schwänzt oder auf die leichte Schulter nimmt. Auch wenn dafür andere Sachen in den Hintergrund treten müssen. Neben dem Beruf nicht immer ganz einfach, aber mit gutem Zeitmanagement durchaus machbar. Und natürlich Spaß haben an dem, was man gerade tut. Mit vielen verschiedenen Leuten trainieren. Offene Matten und Lehrgänge besuchen. Dadurch, dass ich auch selbst Training gebe, bin ich gezwungen, mich intensiv mit den Details der einzelnen Techniken auseinander zu setzen. Das hilft ungemein für das eigene Verständnis.

Daneben versuche ich, so oft wie möglich auf Turniere zu fahren. Der direkte Vergleich mit Gegnerinnen von ähnlichem Niveau und Gewicht zeigt einem ganz gut, wo man steht und was es noch zu verbessern gibt. Das motiviert und gibt gute Hinweise, woran man im Training noch arbeiten muss.

Wie ist dein Resümee über beide Veranstaltungen in Rom?

Wie bei der IBJJF üblich, waren die beiden Veranstaltungen top organisiert. Zeitpläne und Kampflisten wurden im Vorfeld im Internet veröffentlicht und relativ genau eingehalten. Das Niveau war sowohl auf Seiten des Veranstalters als auch hinsichtlich der gemeldeten Kämpfer/innen sehr hoch. Es waren Leute aus ganz Europa und aus Übersee vertreten. Dadurch, dass die Rome International Open und die No-Gi European Open an einem Wochenende stattfanden, haben viele die Möglichkeit genutzt, quasi zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sind bei beiden Turnieren angetreten. Wer in seiner Gewichtsklasse aufs Treppchen kam, hatte somit die Möglichkeit, an einem Wochenende in vier verschiedenen Kategorien (mit und ohne Gi, jeweils Gewichtsklasse und Open Class) zu kämpfen.

Trotz der großen Bedeutung der beiden Turniere war die Atmosphäre sehr sportlich und fair. Es war schön, alte Bekannte wieder zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen.

Das sieht immer alles sehr einfach aus, wenn du deine Gegnerinnen besiegst. Ist es auch für dich so?

Kämpfen ist nie einfach. Schließlich treten beide mit dem Ziel an, den Kampf zu gewinnen, und beide haben lange auf genau diesen Moment hintrainiert. Aber es lief einfach optimal für mich an diesem Wochenende; ich war mental und physisch gut in Form. Ich bin eine Gewichtsklasse tiefer gestartet als sonst, fühlte mich aber trotz Diät und der ungewohnt warmen Temperaturen in Rom stark und fit. Obwohl ich im Vorfeld wie immer ziemlich aufgeregt und nervös war, konnte ich auf der Matte meine Leistung auf den Punkt abrufen und meine Kämpfe fast alle vorzeitig durch Submission gewinnen.

Wie viel Anteil hat dein Team im Hintergrund für deinen Erfolg?

Das BJJ Team Marshmallow ist meine sportliche Heimat. Trotzdem trainiere ich so oft wie möglich zusätzlich mit anderen Teams, um eine größere Vielfalt an Trainingspartnern und Technikvarianten kennen zu lernen. An dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön an meinen Trainer Jörg Lothmann, dass er diese Art des Training nicht nur akzeptiert, sondern sogar begrüßt und fördert. Ich danke dem gesamten BJJ Team Marshmallow und meiner eigenen Truppe, der Judo-/BJJ-Gruppe im Unisport Trier, ganz herzlich für die Unterstützung, die Vorbereitung und den Rückhalt, sowohl in sportlicher, als auch in menschlicher Hinsicht.

Was liegt jetzt demnächst bei dir an Projekten noch an?

Dieses Jahr möchte ich noch die IDM, die London International Open Gi/ NoGi und die Munich Open mitnehmen. Wenn sich weitere Möglichkeiten ergeben, zu Turnieren nach Belgien oder Holland zu fahren und evtl. einen Superfight bei der DGL zu bestreiten, bin ich natürlich grundsätzlich an allem interessiert.

Im August werde ich erst mal ein paar Tage Trainingsurlaub beim Berlin Rolling Camp und beim BJJ Ladies Summercamp in Eindhoven machen. Ich freue mich schon auf die Gelegenheit, mich mit anderen Grapplingbegeisterten auszutauschen, den Alltag auszublenden und mehrmals am Tag zu trainieren, zu rollen und einfach Spaß zu haben.

Nächstes Jahr im Januar geht’s dann wieder zur European Open nach Lissabon. Nachdem ich dieses Jahr die Euro als Blaugurt gewonnen habe, werde ich natürlich alles dransetzen, meinen Gegnerinnen auch als Purplebelt das Leben auf der Matte schwer zu machen.

Mein nächstes großes Ziel ist dann, auch mal außerhalb Europas zu trainieren und zu kämpfen. Ein paar Wochen zum Training nach Brasilien und die Masters in Rio zu kämpfen wäre schon genial.

Gerade die großen internationalen Turniere sind natürlich auch immer eine Geldfrage. Mit Flug, Unterkunft und Startgebühren sind da ganz schnell ein paar hundert Euro zusammen. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen auf meine Erfolge zu verweisen und meine Pläne vorzustellen. Vielleicht findet sich ja jemand, der bereit wäre, mich auf meinem Weg finanziell ein wenig zu unterstützen?

Du wirst bei der IBJJF als Nummer eins im No-Gi bei den Lilagurten geführt. Wie stolz macht dich das?

Ich war schon überrascht, als ich das gesehen habe. Natürlich freue ich mich, die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste zu sein. Allerdings ist mir auch klar, dass die IBJJF-Liste nur eine Momentaufnahme ist und dass es sehr viele gute Grapplerinnen gibt, die nicht bei der IBJJF kämpfen und deshalb nicht dort gelistet sind. Ich sehe diese Position also schon mit einem gesunden Realismus und versuche mir nicht allzu viel darauf einzubilden.

Bist auf Rang sechs der Welt mit Gi. Eigentlich kämpfst du doch lieber im Gi?

Ja, das stimmt. Ich trainiere und kämpfe sowohl mit als auch ohne Gi, aber im Gi fühle ich mich wohler. Das Spiel mit dem Gi ist meiner Meinung nach technischer und kontrollierter und es bietet viel mehr Möglichkeiten.

Was die Rangliste angeht, so gibt es bei der IBJJF einfach mehr Turniere mit Gi als ohne Gi. Deshalb ist es im No-Gi-Bereich vielleicht etwas einfacher, mit einem erfolgreichen Turnier auf einen guten Ranglistenplatz zu kommen.

Vielen Dank für das Interview. Der letzte Satz gehört wie immer dir!

Erst mal herzlichen Dank an dich und das gesamte Groundandpound-Team für eure Berichterstattung. Außerdem danke ich meinem gesamten Team, meinem Trainer Jörg Lothmann, der mich unterstützt und an mich glaubt, und allen meinen Trainingspartnern, die mir bei meiner Vorbereitung geholfen haben. Ohne euch wäre das alles nicht möglich!

Vielen Dank auch an Phantom MMA, Vantage Fighting und Predator BJJ Clothing.

 

 

Erfolge 2013

1. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu Championship -69kg (PT)

1. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu No-Gi Championship -61,5kg (IT)

1. Platz Rome International Open IBJJF Jiu-Jitsu Championship -64kg und Open Class (IT)

1. Platz Belgium Open -64kg (BE)

1. Platz Westdeutsche Meisterschaft BJJ +58,5kg und Open Class (GER)

1. Platz Westdeutsche Meisterschaft No-Gi + 56,5 kg (GER)

1. Platz Preussen Pokal -65kg (GER)

 

2. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu Championship - Open Class (PT)

2. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu No-Gi Championship - Open Class (IT)

2. Platz BJJ Flanders Cup +64kg (BE)

2. Platz BJJ Mittelrhein-Cup - Open Class (GER)

2. Platz Preussen Cup Grappling -65kg (GER)

 

3. Platz Flanders BJJ Cup - Open Class (BE)

Erfolge 2012

MMA Winner by Points Respect Fighting Championship 8 (GER)

 

1. Platz Int. Deutsche Meisterschaft BJJ +58,5kg und Open Class (GER)

1. Platz Westdeutsche Meisterschaft BJJ +58,5kg und Open Class (GER)

 

1. Platz Westdeutsche Meisterschaft No-Gi + 56,5 kg (GER)

1. Platz Antwerp Open +63kg (BE)

1. Platz Submit'er Challenge Gi -69kg (GER)

1. Platz Preussen Pokal -70kg (GER)

1. Platz Preussen Cup +65kg und Open Class (GER)

 

2. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu No-Gi Championship -66,5kg (GB)

2. Platz Int. Deutsche Meisterschaft No-Gi +56,5kg (GER)

2. Platz Antwerp Open - Open Class (BE)

2. Platz Flanders Cup +64kg und Open Class (BE)

2. Platz Tap or Snap +60kg (GER)

3. Platz London International Open IBJJF Jiu-Jitsu Championship -69kg und Open Class (GB)

3. Platz Submit'er Challenge No-Gi +60kg (GER)

 

5. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu Championship -74kg (PT)

5. Platz European Open IBJJF Jiu-Jitsu No-Gi Championship - Open Class (GB)

 

Technikerpreis (BJJBD)

Nominiert für Ground & Pound Awards "Kämpferin des Jahres National 2012"