Grappling

„Mein Gameplan ist schon sehr einfach“

Foto: Torben Sander

Nach den London Open und den English Open war es der dritte Turniersieg für Torben Sander dieses Jahr. Sander trainiert bei Douglas Meyer bei Ataque Duplo in Hannover, startet aber auf den großen Turnieren für Icon JJ.

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg in Rom. Es war dein erstes Turnier als Blaugurt. War das ein Einstand nach Maß?
Torben Sander: Vielen Dank! Ja, für mich kam das schon überraschend, dass ich so gut abgeschnitten habe. Dieses Jahr hatte ich bereits fünf Turniere als Weißgurt bestritten und die letzten beiden (London International Open und English Open) in meiner Klasse auch gewonnen. Dass ich aber in Rom als Blaugurt auf dem Treppchen ganz oben lande, damit habe ich wirklich nicht gerechnet, zumal ich alle drei Kämpfe recht souverän durch Submissions gewinnen konnte. Wenn ich an diese Leistung anknüpfen könnte, dann wäre ich natürlich mehr als zufrieden.

Wie hast du deine Kämpfe analysiert?
Meine Freundin hat alle Kämpfe mit dem Handy aufgenommen und nach dem Turnier hatte ich dann Zeit, mir die Fights anzuschauen. Es hilft, wenn man sich die Kämpfe nachträglich anschaut und seine Fehler erkennt. Noch hilfreicher ist allerdings, dass mein Trainer Douglas Meyer sich die Videos in der Regel auch anschaut und dann Tipps gibt, was besser zu machen ist. In Hinblick auf das nächste Turnier ist das natürlich klasse!

Auch habe ich eine kleine private Statistik über meine Kämpfe und schreibe mir ein paar Details auf. Ich komme aus der Informatik-Branche, und da gehören bei allem Auswertungen dazu. Anhand der Statistik kann man schön erkennen, wie sich mein Stil in den letzten beiden Jahren verändert hat.

Wie hat die Veranstaltung auf dich gewirkt?
Wie bei den EUROS war die Durchführung hervorragend, es gab kaum Abweichung von der Planung. Spannende Kämpfe gab es auch zu sehen! Nicht so schön fand ich die beschränkte Teilnehmerzahl, da ich gerne auch No-Gi gekämpft hätte, ich mich aber nicht mehr anmelden konnte. Rom ist auch eine tolle Stadt, in der man abseits vom BJJ-Zirkus auch auf Kultur machen kann, wenn man denn möchte. Nächstes Jahr wäre ich gerne wieder dabei!

Was hast du dir für dieses Jahr noch alles vorgenommen?
Auf dem Rom-Turnier habe ich viele alte Freunde getroffen und abends beim Bier wird viel geredet und rumgeblödelt. Das Ende vom Lied wird wohl die kollektive Teilnahme an den Masters/Seniors in Kalifornien im Oktober sein. Das ist umso erfreulicher, da wir zu siebt sind, aus unterschiedlichen Teams kommen und trotzdem die Reiseplanung zusammen machen. Ein Woche trainieren, dann das Turnier und danach noch etwas Auspannen. Ob es denn angeht, das ist aber final noch nicht entschieden. Ich würde mich schon freuen, da ich zwei Mal in der Paragon-Academy in L.A. trainiert habe und die Jungs gerne wiedersehen würde!

Ansonsten werde ich weiterhin versuchen, viele Turniere mitzunehmen, Grappling ist ja im Kommen und es gibt immer mehr Möglichkeiten! Mir macht das Kämpfen einfach Spaß und mit der Routine kommt halt auch Vertrauen in das eigene Können, man lernt viel über sich selbst.

Hannover gilt noch nicht als Hochburg für Grappling und BJJ. War das u.a. durch deinen Erfolg der Durchbruch?
Das sehen wir Hannoveraner aber anders! Douglas Meyer und Matt Smith machen im Ataque-Duplo-Team einen Superjob! Es sind immer mehr Leute im Training und das Niveau ist wirklich hoch. Nicht zuletzt kommen auch viele Auswärtige nach Hannover, um dort BJJ zu trainieren. Ich kann wirklich jedem empfehlen, mal den Weg auf sich zu nehmen und mitzutrainieren. Es ist nicht nur die hervorragende Qualität des Trainings, die Spaß macht und einen voranbringt, sondern auch der lockere, aber respektvolle Umgang untereinander, der das Team ausmacht!

Das Team Ataque Duplo war auch schon sehr erfolgreich auf den Norddeutschen Meisterschaften, den British und English Open und nicht zuletzt den EUROS, wo Titel und Medaillien geholt wurden. In diesem Jahr hatte Ataque Duplo zum Beispiel ein Team beim "City vs. City"-Turnier in London, das von EUROSPORT aufgezeichnet wurde. Das Training macht also nicht nur Spaß, sondern ist zielorientiert und auch von Erfolg gekrönt!

Des Weiteren gibt es in Hannover auch noch zwei, drei starke No-Gi-Gruppen. Die Lowland-Alliance kämpft im zweiten Jahr in der DGL und ist dort erfolgreich - es tut sich also schon richtig was in der niedersächsischen Landeshauptstadt!

Konntest du mit deiner Lieblingstechnik wieder brillieren?
Auf jeden Fall! Ich bin bei Turnierkämpfen der absolute Minimalist und mein Gameplan ist schon sehr einfach. Komplizierte Dinge liegen mir nicht und so lange es funktioniert, werde ich daran zwar optimieren, aber nicht viel ändern. Klar, beim Rollen im Training stehe ich auf die "fancy moves", aber auf Turnieren halte ich mich an die absoluten Basics. Details verrate ich natürlich nicht, aber jeder, der drei Monate BJJ trainiert, der kennt meine Turniertechniken zumindest.

Vielen Dank, der letzte Satz ist deiner.
Natürlich möchte ich mich bei meinem Trainer Douglas Meyer und den Teamkollegen von Ataque Duplo und dem Kampfsportclub-Lutter bedanken, die mir hart aber fair zu Seite stehen! Es ist schon klasse mit so vielen unterschiedlichen Leuten zu trainieren, die der Spaß am BJJ verbindet! Euch Jungs von GnP möchte ich dafür danken, dass ihr die Grapplingfahne hochhaltet und Berichte über den coolsten Sport der Welt schreibt!