Grappling

Mehmet Yüksel

Fotos: Mirko Kannenwischer / GroundandPound

Mehmet Yüksel hat GroundandPound kürzlich Rede und Antwort gestanden. Er gehört zu einer neuen Ära von Grapplern, die hart und viel an sich arbeiten und dadurch sehr erfolgreich sind. Mehmet hat sich aber auch von einem Klassekämpfer zu einem Klassetrainer entwickelt. Trotz der Trainertätigkeit hat er aber noch lange nicht vor, nur Schüler zu trainieren.

Vielmehr möchte er seine Philosophie des Kampfes an seine Schüler weitergeben. Er nimmt sich neben seinem Studium die Zeit, sich durch viel Training intensiv mit den für ihn passenden Trainer weiterzuentwickeln.

Gerade hat er bei der Hayastan Grappling Challenge 2010 in Hamburg die Europameisterschaft in der Klasse bis 92 Kilogramm gewonnen. Doch er ist noch lange nicht fertig. Im vergangenen Jahr ist er Hamburger Meister im Ringen im Freistil und griechisch/römisch geworden. Bei den Norddeutschen Meisterschaften wurde er Vizemeister.

Beim Grappling-Bundesligateam der Phantom Fighters Hamburg hat er alle seine Kämpfe entweder vorzeitig durch Submission oder durch Punkte gewonnen. Er gilt auch hier als „Mister Zuverlässig.“


GroundandPound: Stell Dich den Lesern von GroundandPound bitte erst einmal vor.
Mehmet Yüksel: Mein Name ist Mehmet Yüksel, geboren bin ich am 19. März 1980 in Hamburg. Ich studiere derzeit Orientalistik und arbeite seit Anfang des Jahres als Grappling-Traniner in Hamburg. Zum einem in der X-ESS Sport und Fitness GmbH in Langenhorn und im Sportstudio Popeye an der Bürgerweide.

Was für Sportarten machst Du?
Ich mache seit acht Jahren Ringen und seit etwa vier Jahren BJJ.

Du hast gerade den Hayastan Europameistertitel im Grappling in Deiner Gewichtsklasse unter 92 Kilogramm gewonnen. Wie fühlst Du Dich?
Ich war recht froh darüber, dass ich den Tag gut bestanden habe, weil ich keine ausgiebige Vorbereitung für das Turnier hatte und zudem kam noch, dass ich gesundheitlich angeschlagen war. Dennoch war das ein gutes Ergebnis, das mich glücklich gemacht hat, aber ich will es nun nicht übertreiben, da der Wettkampf von mir nicht besonders viel abverlangt hat. Also angeben mit dem Titel will ich erst mal nicht.


Lief alles nach Plan? Wie war Dein Gameplan?
Beide Kämpfe liefen mehr oder weniger nach Plan. Der Takedown ist mir mehrfach gelungen und danach die vorteilhaften Positionen und die Kontrolle des Gegners. Ich fühlte mich in keinem der beiden Kämpfe in Bedrängnis, nur die Submissions haben gefehlt. Doch das Regelwerk hat bisschen dazu beigetragen dass es nicht geklappt hat mit den Submissions, erstens zu wenig Zeit und zweitens die Unterbrechungen durch die Runden.

Du bist neben dem Grappling auch noch aktiver Ringer, wie sieht es da für Dich aus?
Ja das Ringen ist weiterhin meine Leidenschaft, doch leider bin ich da nicht so dermaßen erfolgreich wie beim Grappling. Ich bin noch aktiv und werde jetzt in den nächsten Wochen einige Ringkämpfe machen müssen und später wieder bei der Hamburger-Meisterschaft teilnehmen... hoffentlich.

Stimmt, im vergangendem Jahr bist Du Hamburger Meister im Ringen geworden.
Genau, das war eine tolle Erfahrung.

Welche Trainer/Trainingspartner haben Dich am meisten inspiriert?
Trainingspartner? Da gibt es schon einige. Die wichtigsten wären für mich alphabetisch Alexis Zolakidis, Carlos Eduardo Rocha, Ismail Cetinkaya, Juri und Kamil. Doch in letzter Zeit habe ich recht viel mit Alexis trainiert und der Typ ist meines Erachtens eine Klasse für sich in Dingen Grappling. Sehr flexibel und kontrolliert auf dem Boden und brandgefährlich in Beinhebeln, also einer von dem ich immer was Neues lerne.

Du hast auch in der DGL alle Deine Kämpfe schnell und eindrucksvoll gewonnen. Trägst Du das Erfolgsgen in Dir?
Haha, Erfolgsgen? Wenn ich das hätte, würde ich mein Studium beenden. Ich glaube, dass ich einfach frei und vertraut im Kopf bin wenn ich in den Kampf gehe und vor allem ich mich an den Gegner mit seinen Schwächen und Stärken anpasse. Dann kommt der Erfolg von selbst. Ein türkisches Sprichwort lautet: „Eisen das arbeitet, rostet nicht.“

Was macht das Grappling für Dich so faszinierend?
Grappling oder auch andere Greif-Sportarten finde ich faszinierend, weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, den Gegner auszuspielen. Es ist ein Denkspiel wie Schach, wobei man sich voll auspowert ohne seinen Gegenüber zu verletzen.

Thema Ausländer: Es ist ja gerade viel darüber in den Medien zu lesen, Stichwort: Sarrazin. Gibt es im Grappling eine große Rivalität unter den Nationalitäten?
Auf der Matte sind wir alle gleich, hier gab es noch nie irgendwelche Probleme. Es ist wie in einer großen Familie.


Du hast bei Deinen Kämpfen Deinen Glücksbringer stets bei Dir (Anm. d. Red.: ein orangefarbenes T-Shirt, mit dem es noch keine Niederlage gab), bei den Hayastan jedoch nicht, warum?
Das T-Shirt hab ich angehabt, ist dir wohl entgangen, nur nicht im Kampf, aber in den Pausen. Hätte ich es an, wären wohl auch die fehlenden Submissions da.

Wie geht es jetzt für Dich weiter?
Wie es weiter geht, weiß ich nicht genau. Ich werde weiterhin fleißig trainieren fürs Grappling und Ringen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich später noch etwas in der MMA-Szene. Aber vor allem brauche ich mal einen vernünftigen Urlaub, da ich seit zwei Jahren nicht aus Hamburg rauskomme.

Welche ist Deine Spezialtechnik und warum?
Würgegriffe und Kimura-Variationen. Das sind Griffe, die sicher funktionieren, auch wenn man verschwitzt ist und natürlich mag ich Takedowns und eigentlich auch Slams und Suplex - doch die letzten beiden kann man nie verwenden, weil es auf jedem Turnier verboten ist. Ich finde, dass man „Ringer“ durch diese Regeln mehr einschränkt als andere Sportler, dazu kommt noch, dass die meisten Ringer wenig Ahnung von Submissions haben. Im Grunde werden sie durch diese Regeln entwaffnet. Sie sind wie Bären, denen man Fangzähne und Klauen rauszieht.

Vielen Dank für das Interview.
Ich bedanke mich auch bei GroundandPound.de.

hxess.agcjauss.de

sportstudio-popeye.de