Grappling

Marcelo Brigadeiro Exklusiv-Interview

Fotos via groundandpound

Der brasilianische Luta Livre-Meister Marcelo Brigadeiro hat kurz vor der UFC 122 in Oberhausen in Kiel (Eingeladen hatte Lutador Oliver Schmits von Fit und Fight Kiel) halt gemacht, um ein Seminar abzuhalten.

Mit Mark Scanlon (7-0-0) stellt Brigadeiro bei der UFC 122 den Gegner für den Deutschen Pascal Krauss (9-0-0) im Weltergewicht. Brigadeiro, der in England und Brasilien lebt schwört bei dem Kampf gegen Krauss auf seinen Schützling.

Marcelo Brigadeiro selbst hat eine Grappling-Kampfbilanz von 221 gewonnenen, 14 verlorenen und 2 unentschieden. Er ist der einzige Kämpfer, der drei Mal die brasilianischen Submission Championchips und sieben Mal die Rio de Janeiro Championchips of Submission gewonnen hat. Trotz seines jungen Alters hat er schon viel erreicht und ist extrem viel herum gereist.

Er gehört in England dem Team Kaobon und in Brasilien dem RFT-Team an. Aber er ist nicht nur in beiden Lagern durch seine zurückhaltende, nette, offene und professionelle Art der Vermittlung der Materie beliebt bei seinen Schülern, sondern ein weltweit geschätzter Grappler und Trainer.

Groundandpound stand er gestern exklusiv Rede und Antwort. Hier das Interview:

GroundandPound: Hallo Marcelo, vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast GroundandPound ein Interview zu geben. Stell Dich den Lesern bitte erst einmal vor.
Marcelo Brigadeiro: Mein Name ist Marcelo Brigadeiro. Ich bin in Brasilien geboren und aufgewachsen. Ich bin Luta Livre-Meister und glücklich verheiratet.

Was ist dir beim Luta Livre wichtig? Was ist so faszinierend daran?
Luta Livre ist eine aggressive Kampfkunst, aggressiver als jede andere Kunst. Jede andere Kunst denkt eher über die einzelnen Positionen nach, Luta Livre nur über die Submission.

Welche Technik ist deine Spezialtechnik?
Seitdem ich ein Gelbgurt bin, träumte ich nachts davon Techniken weiter zu entwickeln. Die Hälfte der Techniken, die ich in meinen Träumen entwickelte, taugte leider in der Praxis nicht, die andere Hälfte aber schon.

Ich hatte schon immer einen Hang zum Guillotine Choke, dass war damals schon meine Spezialität. Als ich verheiratet war konnte ich nachts dann meine Frau aufwecken und an ihr die geträumten Techniken ausprobieren (lacht).

Eines Tages kam ein Schüler in die Schule und machte bei mir einen Double Leg-Takedown. Meine Verteidigung funktionierte nicht. Ich war danach sehr frustriert. Habe dann versucht bei diesen Angriffen den Guillotine Choke anders zu machen, so dass es erst gar nicht zum Double Leg Takedown kommt. Früh morgens habe ich am kommenden Tag meinen Trainingspartner angerufen und mich zum Training mit ihm verabredet. Nach hunderten von Wiederholungen klappte er dann, der „Brigotine.“

Stimmt, diese Technik ist eine gute Alternative zum klassischen Guillotine Choke.
Wir haben echt viel daran gefeilt und zur jeden denklichen Situation geübt und ausprobiert.

Über deine Siege müssen wir nicht sprechen, wie war es aber mit deinen Niederlagen, Wie gehst du damit um?
Bei meiner ersten Niederlage war ich noch sehr jung und unreif. Ich war damals sehr verärgert. Einige Niederlagen sind aber auch zu unrecht passiert, weil es die Schiedsrichter manchmal einfach anders sehen. Aber ganz klar ist: Verlieren gehört zum Kämpfen dazu! Es gehört zum eigenen Reifeprozess.

Ich habe viele Niederlagen hinnehmen müssen, weil ich immer schon in höheren Gewichtsklassen freiwillig gekämpft habe. In meiner gab es einfach zu wenig potentielle Gegner. Deshalb versuchte ich es mit stärkeren aufzunehmen. Aber ich wollte einfach dieses Risiko eingehen.

Welches war denn deine schlimmste Niederlage?
Ich hatte mal einen Kampf verloren, wo der Schiedsrichter gleichzeitig der Trainer meines Gegners war. Es war ein packender Kampf, am Ende stand es 2:2 nach Punkten. Es musste aber einen Sieger geben. Also ernannte der „Trainer“ seinen Schüler zum Sieger. Das war ein sehr trauriger, wie ärgerlicher Moment in meinem Leben.

Was macht der Mensch Marcelo, wenn er nicht als Lutador unterwegs ist?
Ich bin ein Ehemann. Ich war sechs Jahre während meiner Studienzeit neben dem Luta Livre als Tierarzt unterwegs. Aber ich bin durch und durch ein Lutador. Es beinhaltet ja auch eine gewisse Lebensphilosophie, die sich in das tägliche Leben integriert hat. Es sind dieselben Mechanismen die Greifen.

Ich trainiere fünf Kämpfer in der UFC, dazu weitere 25 bei anderen MMA-Organisationen. Meine Arbeit ist es, die kommenden Gegner zu analysieren. So wie jetzt bei eurem talentierten deutschen Kämpfer Pascal Krauss (lacht).

Wie sollte man trainieren, um erfolgreich zu werden?
1. Man benötigt einen guter Coach. 2. Keinen Stolz, diesen beiseite packen. 3. Keine Angst haben zu tappen. Denn wenn man nicht tappt, entwickelt man sich einfach nicht weiter. Sie blockieren so ihren eigenen Fortschritt.

Marcelo, was möchtest du den Luta Livre-Fans noch mit auf den Weg geben?
Das Luta Livre ist in Deutschland wirklich angekommen. Die Luta Livre-Trainer machen einen guten Job. Es gibt keine großen Unterschiede zu England zum Beispiel. Das Niveau ist extrem hoch.
Was das MMA angeht hat Deutschland fantastische talentierte Kämpfer, die sicherlich auch bald den ganz großen Durchbruch schaffen werden.
Bloß am kommenden Samstag nicht, zumindest nicht Pascal (lacht). Spaß beiseite, es wird ein toller Kampfabend werden. Ich werde war bei Mark Scanlon in der Ecke stehen und ihn coachen. Und wer weiß, nach der UFC könnte ich mir vorstellen auch in Deutschland die MMA-Szene zu unterstützen.

Marcelo, vielen Dank für das ausführliche Interview.
Ich danke euch ebenfalls.