Grappling

Iron Warrior Germany 2011

Fotos via Valentino Kerkhof und Mirko Kannenwischer

Am vergangenen Wochenende wurden in Hamburg die deutschen Trials für den Iron Warrior Europe 2011 ausgetragen. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um die deutschen Submission Grappling Meisterschaften.

Vor fünf Wochen hatten die Schweizer die Trials des Iron Warrior Europe eröffnet, daraus ergaben sich die ersten 20 Athleten, die sich qualifiziert haben. Parallel fand auch in Tschechien ein Ausscheid statt. Anschließend folgen jetzt noch die Trials in Belgien, Holland, Dänemark und England.

Im Oktober findet der Iron Warrior Europe-Wettbewerb dann seinen Abschluss mit der Europameisterschaft, welche dieses Jahr ebenfalls in Hamburg ausgetragen wird. Der Mitveranstalter Gökhan Böttcher von der European Krav Maga Organization sagte nach dem Turnier: „Der Iron Warrior Germany 2011 ist vorbei und er war gut, sehr gut! Mit 78 Anmeldungen im Vorfeld haben wir unseren bisherigen Teilnehmerrekord verzeichnen können.

Leider konnten gestern verletzungsbedingt einige Kämpfer nicht antreten. Ein komplettes Team blieb sogar mit ihrem Fahrzeug liegen und konnte nicht teilnehmen.

Es waren viele motivierte Starter am frühen Morgen in Hamburg und gewillt, sich den Titel des Deutschen Meisters im Submission Grappling und somit auch die Starttickets für die Europameisterschaften im Oktober zu holen.

Das Regelwerk des Iron Warriors ist knallhart - keine Punkte, kein Zeitlimit. Ein Sieg ist nur durch Aufgabe des Gegners möglich. Und wer aufgibt, ist raus aus dem Turnier. Dementsprechend verbissen kämpften die Teilnehmer und schenkten sich nichts. Durchhaltewille bis ans Limit wurde gezeigt, bei dem etliche Kämpfer sogar über ihre eigenen Grenzen hinauswuchsen und trotz immenser Erschöpfung weiterkämpften, um zu siegen.“

Böttcher konkretisiert weiter: „Hervorgehoben werden muss hierbei, dass die Kämpfe dennoch sehr fair liefen und es keine größeren Verletzungen gab. Für diesen tollen Umgang mit einander gilt den Kämpfern unser Dank!

Viele namenhafte Starter hatten den Weg nach Hamburg gefunden, um bei den Europameisterschaften dabei sein und sich mit den Qualifikanten aus den anderen Iron Warrior Ländern messen zu können.

Dieses Jahr hatten wir bei den Trials zunächst auf eine Open Class verzichtet. Aber kurzerhand wurde vor Ort auf den Wunsch der Kämpfer reagiert, die trotz teilweise zahlreicher Kämpfe immer noch nach diesem Regelwerk kämpfen wollten. Christian de la Roca konnte sich hier den Sieg in der Open Class sichern.“

Es gab am Kampftag aber auch einen Frauen-Superkampf. Die Berlinerin Charlotte von Baumgarten gegen die Hamburgerin Ana Yagües, dazu Böttcher: „ Wir hatten mit Charlotte von Baumgarten und Ana Yagües einen Superfight, der es in sich hatte. Beide Frauen lieferten einen sehr schönen Kampf, für das sie vom Publikum den gebührenden Applaus bekamen. Charlotte konnte sich hierbei gegen Ana durchsetzen und siegreich aus der Begegnung hervorgehen. Sie werden bei den Europameisterschaften beide in der Frauen-Superfightklasse starten und Deutschland vertreten.“

Die unterlegene Ana Yagües war nach dem Kampf unzufrieden, aber dennoch kämpferisch: „Ich kann nur sagen, dass Charlotte eine ausgezeichnete Kämpferin ist, technisch gut und sehr schnell. Sie hat definitiv besser als ich gekämpft. Ich hatte sehr blöde Fehler gemacht und sie hat sie perfekt ausgenutzt. Ich habe mich sehr über diese Niederlage geärgert, weil ich mich für den Kampf richtig vorbereitet hatte und ich auf die Matte nichts davon zeigen könnte. Aber jetzt habe ich mich beruhigt und habe nur eines vor, von meine Fehler zu lernen und besser werden! Ich freue mich auf die nächste mal! Man lernt mehr aus einer Niederlage als von 1000 Siege (lacht)."
Charlotte von Baumgarten
Bei den Herren waren viele bekannte Namen im Teilnehmerfeld dabei. Wie zum Beispiel die Lokalmatadoren Olaf Hommel, Ioannis Antonopoulos und Samuel Sanvicente, die alle schon viele Erfolge feiern konnten. Sanvicente war am Kampftag sogar dreimal vertreten. Er selbst, seine Frau Ana, die im Frauen-Superkampf startete und der eigene Nachwuchs.

Für Samuel Sanvicente hatte es diesmal nur für einen zweiten Platz gereicht. Trotzdem resümierte Sanvicente: „Das Turnier war sehr gut: sehr gute Organization und super sportliche Atmosphäre."

"Mein Ziel war selbstverständlich zu siegen aber nach den ersten zwei Kämpfen, die ich mit Armbar gewonnen hatte, traf ich auf Mourad im Finale. Er ist ein sehr harter Kämpfert und auch ein meiner stärksten Rivalen in Deutschland. Er war sehr schnell mit seinem angesetzten Fußhebel, ich könnte mich nicht rechzeitig verteidigen.“

Samuel Sanvicente kämpferisch: „Seit kurzen habe ich meine eigene BJJ-Akademie geöffnet und somit kann ich jetzt viel mehr trainieren. Mein Ziel jetzt ist noch härter zu trainieren und mich besser für die nächste DGL-Kampftag und die Iron Warrior-Europameisterschaft vorbereiten. Dabei wird mir mein Professor und Schwarzträger Andre Nunes helfen, der in Kürze für ein paar Wochen nach Hamburg kommt.“

Ein anderes Nordteam konnte beim Iron Warrior gleich zwei Titel abräumen. BJJ Pro Italia-Gewinner Fernando Vieira (-70kg) und sein Mannschaftskamerad Steve Mensing (-85kg) triumphierten in ihren Gewichtsklassen. Auch der Hamburger Kamil Lipski konnte den versierten Mensing im Finale nicht stoppen. Lipski hatte sich in seinen anderen Kämpfen zuvor gut durchgesetzt. Doch dann war Schluss.
Steve MensingFernando Vieira
Auch der Deutsche Einzel- und Mannschaftsmeister Ali Selcuk war mit von der Partie. Der Grappler, der auch zum Deutschen Nationalteam gehört, legte mächtig los. Neben seiner Gewichtsklasse (-65kg) holte Selcuk auch die schnellste Submission nach Rund 15 Sekunden- Klasse! Er dominierte, er siegte. Sein härtester Konkurrent um den Platz im Nationalkader, Frank Stäblein, musste leider kurzfristig absagen. Sonst wäre es sicherlich zum Aufeinandertreffen der beiden Giganten in der unter 65kg-Klasse gekommen.
Ali Selcuk
Dazu Selcuk: „Ihn muss ich schlagen, um meiner Platz in der Nationalmannschaft zu sichern. Schade das es heute nicht dazu kam.“

Und weiter abschließend: „Die ersten zwei Fights hatte ich relativ fix mit Guillotine und Reverse Guillotine gewonnen.  Dann das Finale mit einem Fußhebel in 15 Sekunden, was der schnellste Submission des Tages war gewonnen.“

Ein anderer alter Bekannter räumte ebenfalls mal wieder zwei Klassen ab. Der Hamburger Christian De La Roca, der aber in Frankfurt lebt und dort auch trainiert gewann das Schwergewicht und die offene Klasse. Dazu de la Roca: „Cool! Ein hoch interessantes Turnier. Hatte noch nie bei so einer Art Regelwerk mitgemacht. Bin noch nicht so sicher was ich davon halten soll, aber ich wusste dass ich große Probleme bekomme wenn ich auf Heiko (Schönborn) treffe.

Tja, und 20 Minuten lang ging es nur hoch und runter! Der Heiko ist technisch so gut. 21 Minuten lang haben wir da rumgerauft! Leider habe ich Heiko am Ende am Knie verletzt als ich zu einer Kneebar rollte. Ich hoffe es ist nicht schlimm und er ist bald auf wieder auf den Beinen! Auch der Martin Audorff hat mich beeindruckt! der Junge ist 17 und zieht da Fantasy Submissions durch. Der könnte mein Sohn sein! Ein super interessantes Turnier! Vielen Dank an Gökhan für die Einladung!“

Es gab bei diesem Besuch aber auch eine Familienzusammenführung: „Es war auch toll meinen Vater aus Guatemala, der mich noch nie kämpfen sah und meine Schwester und viele Freunde dort zu haben.“

Der erst 17-jährige Martin Audorff aus Hamburg traf im Finale der offenen Klasse und im Schwergewicht im ersten Kampf  auf de la Roca: „Christian ist ein sehr, sehr guter Techniker der auch mehr Erfahrung hat als ich. Er hat eine sehr gute Kontrolle über mich und all seine Gegner gehabt und meine Niederlagen gegen ihn waren kaum zu verhindern.

Im ersten Kampf hatte er mich unglücklich mit einem Armbar getappt als ich ihn gestakt hatte, ich hatte mein Arm frei bekommen aber konnte nicht mit meiner freien Hand rein greifen um ihn rauszuziehen. Im zweiten Kampf hatte er denselben Eingang benutzt wie beim ersten Kampf um mich runter zu bekommen. Ich konnte auch kurz die Kontrolle übernehmen bis ich sie wieder verloren habe. Ich konnte ca. eine Minute in seiner Armtriangle aushalten, woraufhin er zum Kneebar ging und mich tappte.

Meiner Meinung nach sehe ich Christian in Sachen Technik in Deutschland sehr weit vorne. Er hat ja auch u.a. ein Braungurt getappt was sehr bemerkenswert ist. Ich würde Christian definitiv höher als Purple einstufen. Und was sehr gut an Christian ist, er ein sehr fairer Sportsmann, er frag sofort ob alles klar ist redet mit dir einfach super dieser Mensch.“

In dieser Form könnte de la Roca auch was für die Deutsche Grappling-Nationalmannschaft im Schwergewicht sein. Er steht sicherlich schon als Alternative im Notizbuch von Bundestrainer Eslami.

Audorff sagte abschließend noch: „Ich werde mich jetzt auf den Summer Slam der am 6. August ist vorbereiten und hoffen das ich Gold holen kann.  In der Zeit bis dahin müssen auch ein paar Pfunde runter.“

Mitveranstalter Böttcher sagte noch abschließend: „Die Ergebnisliste ist auf www.iron-warrior.com zusammen mit Bildern und Videos einsehbar.

An gleicher Stelle könnt ihr auch die bisherige Starterliste der Europameisterschaften einsehen.

Wir wünschen allen Athleten viel Glück bei den Euros und bedanken uns recht herzlich bei allen Kämpfern! Außerdem ein großer Dank an unsere Sponsoren SYNERGYSTORE, XTFC, Gameness sowie der European Krav Maga Organization, welche uns vor Ort mit zahlreichen Helfern zur Verfügung stand!“

Iron Warrior Germany 2011
Hamburg
11. Juni


Die Ergebnisse im Überblick:

- 65 Kg
1. Ali Selcuk
2. Adrian Ruf
3. Rang Saarden

- 70 Kg
1. Fernando Vieira
2. Ioannis Antonopoulos
3. Olaf Hommel

- 75 Kg
1. Mourad Benabdallah
2. Samuel Sanvicente
3. Darius Emrich

- 80 Kg
1. Patrick Herring
2. Michael Malischewski
3. Jonathan Dudreuil

- 85 Kg
1. Steve Mensing
2. Kamil Lipski
3. Lukas Pilgram

- 90 Kg
1. Oliver Mohrdieck
2. Sandro Zanke
3. André Solle

+ 90 Kg

1. Christian de la Roca
2. Heiko Schönborn
3. Sascha Ernst

Sieger Open Class:
1. Christian de la Roca
2. Martin Audorff
3. Sascha Ernst

Superfight Damen:
Charlotte von Baumgarten vs. Ana Yagües
Siegerin: Charlotte von Baumgarten

Schnellste Submission des Tages:
Ali Selcuk Ayin, Sparta Essen (00:15:37sec)