Grappling

„Ich habe erst vor drei Jahren begonnen“

Foto: Kai Butzkies-Schiemann

Der neue No-Gi Champion in seiner Gewichtsklasse kommt aus Hamburg. Kay Butzkies-Schiemann verfolgt konsequent seinen Weg. Seine Formel lautet: Sein gestecktes ziel erreichen. Jetzt wurde Kay Butzkies-Schiemann gerade Europameister bei den Masters im No-Gi. Anfang des Jahres langte es im Gi nur für einen zweiten Platz. Jetzt wurde dieser vergoldet.

Groundandpound.de: Hallo Kai, herzlichen Glückwunsch zum No-Gi EM-Titel.

Kay Butzkies-Schiemann: Vielen Dank.

Wo trainierst du, wo hast du dich vorbereitet?

Ich trainiere beim Team GroundFighters Hamburg unter Brown-Belt Samuel Sanvicente und Professor Ezekiel Zayas. Ich habe dieses Jahr Podest-Platzierungen bei zwei der wichtigsten IBJJF Turniere gewonnen: Silber bei der European Open Jiu-Jitsu Championship in Lissabon und Gold bei der European Open Jiu-Jitsu NO GI Championship in Rom.

Du hast jetzt schon im Kalenderjahr 2013 einige Treppchenplätze geholt. Ist das dein Jahr?

... nun ja. Ich habe nach einigen Jahren des "Stand-Up" erst vor drei Jahren mit dem Groundfighting im Luta Livre angefangen und bin dann über diese Schiene zum BJJ gekommen. Mittlerweile trainiere ich 4-5 Mal die Woche á drei Stunden und bin froh, dass ich meine Zeit so einteilen kann, dass ich das Training zeitlich neben meinem Job noch recht komfortabel absolviert bekomme und mich so das ganze Jahr über in einer recht guten Form befinde. Vor diesem Hintergrund und mit den vergangenen Erfolgen im Rücken möchte ich natürlich meine (Kampf)-Bilanz noch weiter ausbauen.

Du bist im Grappling und im BJJ auf der Matte zu finden. Was machst du lieber?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister... da ich ja aus dem No-Gi komme, habe ich mich anfangs mit dem Kämpfen im Gi schwer getan, weil ich gezwungen war, mein Spiel an diese neuen Möglichkeiten anzupassen. Meine Technik hat sich insgesamt durch das Training mit Gi stark verbessert. Die Möglichkeiten, einen Gegner zu choken, zu sweepen und zu kontrollieren gehen einfach weit über das hinaus, was ohne Gi möglich ist. Und genau hier liegt meines Erachtens die Problematik: Bei einem ausschließlichen Training im Gi wird ein Kämpfer natürlich das Ergreifen desselben als Standard adaptieren, um seinen Gegner zu kontrollieren. Eine übermäßige Abhängigkeit von den Möglichkeiten des Gi - wie z.B. in einem MMA-Kampf oder einer Straßen-Auseinandersetzung im Sommer - können einen Grappler dann möglicherweise aus seinem gewohnten Konzept bringen. Ich persönlich trainiere beides gerne: Gi aufgrund der unzähligen technischen Moves, No-Gi-Grappling aufgrund der athletischen Komponente.

Hattest du im Vorfeld von diesem Titel geträumt?

Jein! Oder um mit einem Zitat von T. Roosevelt zu antworten: "Far better it is to dare mighty things, to win glorious triumphs even though checkered by failure...", oder kurz gesagt: Ich kann nicht gegen jeden gewinnen, aber ich trete gegen jeden an! Bei den Europeans in Lissabon erfolgte die Teilnahme eher noch unter dem Olympischen Motto "Dabeisein ist alles". Nachdem ich dort aber trotz des sehr hohen Niveaus siegen konnte, habe ich die Rome Championship sehr viel wettbewerbs-orientierter angegangen und mich gezielt vorbereitet. Offensichtlich hat das gut funktioniert.

Wie geht es jetzt für dich weiter, was steht noch bei dir an?

Unsere Akademie ist noch recht jung, aber wir haben mittlerweile ein sehr starkes Wettkampfteam durch alle Gewichtsklassen, mit dem wir sowohl in Einzel- als auch Team-Turnieren antreten. Aktuell konzentrieren wir uns für 2013 auf die verbleibenden Termine in der DGL und die London International Open im Oktober. Darüber hinaus würde ich gerne noch das eine oder andere "Submission-Only"-Turnier mitnehmen.

Der letzte Satz ist deiner!

Ich möchte mich an dieser Stelle vor allen Dingen bei Samuel Sanvicente und Professor Ezekiel Zayas bedanken, die mich technisch mit meinem Gameplan soweit vorbereitet haben, dass ich diese bemerkenswerten Ergebnisse überhaupt erreichen konnte; sowie ganz besondere Worte des Dankes an meinen alten Box- und Grappling-Trainer Thomas Röpnack vom Nordic Fight Team, welcher bei mir überhaupt erst das Interesse am Groundfighting geweckt und die Grundlagen hierfür geschaffen hat!