Grappling

„Hard work pays off“

Foto: Ana Yagues

Am vergangenen Wochenende wurde die in Hamburg lebende Spanierin Ana Yagües (Ground Fighters BJJ Hamburg) BJJ World Champion in der offenen Klasse bei den Braungurten. Selbst eine 35 kg schwerere Konkurrentin konnte Yagües im Halbfinale nicht stoppen. Derzeit befindet sich die zweifache Mutter in Bestform.

Groundandpound.de: Hallo Ana, herzlichen Glückwunsch zum World-Champion-Titel! Ist ein Traum für dich in Erfüllung gegangen?
Ana Yagües: Ja, so ist es! Ich kann es immer noch nicht glauben! Und das nur ein Jahr nach der Geburt meiner zweiten Tochter. Ich bin überglücklich. Hard work pays off.

Wie gut konntest du dich auf deine Gegnerinnen einstellen? Was hat diesmal besonders gut funktioniert?
Auf die Gegnerinnen in meiner Gewichtsklasse konnte ich mich gut einstellen. Das Problem war die 90kg schwere Frau, gegen die ich im Halbfinale kämpfen musste. Ich war echt verwirrt und wusste nicht wie ich mich ihr überhaupt annähern konnte. Ich habe meinen BJJ-Coach Ezekiel Zayas und meinen Ringen-Coach David Mendelsohn vor dem Kampf gefragt. Ezekiel meinte, ich solle in der Open/Spider Guard spielen und Omoplata Sweep versuchen, David schlug vor, dass ich eine bestimmte Art Takedown versuchen sollte, der besonders gut funktioniert bei großen Gegnern.

Aber am Ende, als ich auf die Matte war und vor dieser Gegnerin stand, die fast doppelt so groß wie ich war (Anmerk. der Redaktion: Ana Yagues wiegt 57 kg), habe ich für meine stärkste Position entschieden, der Closed Guard.

Besonders gut hat das Coaching funktioniert. Ich habe Ezekiel ganz gut zuhören können und jeden Hinweis von ihm sofort umgesetzt. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft.

Du bist jetzt der World Champion bei den Braungurten, wie fühlt sich das an mit einigen Tagen Abstand?
Ich bin super glücklich und wie gesagt, ich habe es noch nicht wirklich realisiert. Absolute Weltmeisterin.. wow... es kling so cool.

Du bist ja immer schon sehr erfolgreich gewesen, ist dies trotzdem dein größter Erfolg?
Ja, auf jeden Fall. Wobei vor zwei Wochen siegte ich auch bei der London International Open in der absoluten Klasse. Das war für mich auch ein Höhepunkt.

Auch World Champions müssen trainieren, an was arbeitest du jetzt?
Ich arbeite gerade an meinen Schwächen - Takedowns und Guard Pass. Ich möchte mich in jeder Position wohlfühlen, wenn ich den schwarzen Gürtel besitze.

Welcher Titel zählt für dich mehr: World Champion oder Mutter? Spaß beiseite, wie froh warst du, deine Kinder wieder in die Arme nehmen zu können?
Ich war überglücklich. Ich musste den ersten Geburtstag meiner jüngsten Tochter Anais verpassen, um hier kämpfen zu können. Das war für mich sehr schwer. Aber ich hatte von meiner Mutter gelernt, meinen Träumen zu folgen und das habe ich gemacht. Geburtstage kommen hoffentlich noch viele, Weltmeisterschaftstitel sind eher schwerer zu gewinnen. Manchmal fehlt das nötige Geld, oder man ist nicht fit, oder aus anderen Gründen versagt man.

Jetzt haben Gisele und Anais eine Weltmeister-Mutter und wir können den Geburtstag immer noch nachfeiern.

Was ist dir bei deinem Game am wichtigsten?
Der Grips. Ich habe gelernt, vor allem in diesem Jahr, dass guter Grips den Unterschied ausmacht. Dafür sehen meine Hände richtig hässlich aus... (lacht).

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Nach dem Kampf ist vor dem Kampf. Ich fahre in zehn Tagen nach Paris, wo ich als Referee für die NAGA arbeite. Danach beginnt die Vorbereitung für die European Championships im Januar.

Vielen Dank für das Interview, der letzte Satz ist deiner!
Ich muss mich hier bei allen bedanken, die es ermöglicht haben, dass mein Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich werde nicht alle nennen. Sie wissen genau wer sie sind. Und für alle anderen, ich würde euch einen Rat geben, der mir geholfen hat: besucht uns und die anderen Akademien. Trainiert außerhalb des Komfortbereichs. Nicht immer wiederholen, was man schon gut kann. Ich habe in den letzten Monaten fast jedes Wochenende woanders trainiert: Eindhoven, Amsterdam, Berlin. Mit großen Leuten, mit kleinen Leuten, Anfängern, Fortgeschrittenen... und aus jedem Kampf habe ich was gelernt. Nur so kommt man weiter. Danke auch an Groundandpound.de für das Interview.