Grappling

„Grenzen stecke ich mir selbst sehr hoch“

Fotos: Gerhard Tenhündfeld

Er ist der Deutsche Einzelmeister der DGL und Nationalmannschaftsteilnehmer bis 70kg auf der FILA EM Ende Juni 2012 gewesen: Gerhard Tenhündfeld sattelte als fünfzehnjähriger vom Fußballspielen zum Ringen um. Bis zum Juniorenalter zählte Tenhündfeld immer zur Deutschen Ringerspitze. Anfang zwanzig diagnostizierte man dann an den Knien Arthrose im fortgeschrittenen Stadium. Er musste sportliche Aktivitäten im Leistungsbereich reduziert. Mit 29 hatte er dann diverse Kampfsportarten ausprobiert und ist so zum Grappling und BJJ gekommen und dort seither aktiv.

GroundandPound: Gerhard, stell dich den Lesern bitte erst einmal in ein paar Sätzen vor!
Gerhard Tenhündfeld: Zu der Vorstellung also: Ich heiße Gerhard Tenhündfeld, bin jung gebliebene 35 Jahre und von Beruf Maler- und Lackierermeister. Meine Freizeit widme ich ausschließlich sportlichen Aktivitäten, außer Kampfsport: Fahrrad fahren und Wintersport.

Du bist gerade für die deutsche Grappling-Nationalmannschaft in Brüssel angetreten. Für eine Medaille hat es aber nicht gereicht. Was fehlt noch zum großen Titelgewinn?
Es sind oft Kleinigkeiten warum es nicht ganz reicht, ich hab in den entscheidenden Situationen einfach zu große Fehler gemacht, an dehnen aber gearbeitet werden kann. Dann sieht die Sache vielleicht auch schon ganz anders aus.

Im April dieses Jahres bist du auf der FIBO in Essen Deutscher Einzelmeister der DGL im Grappling geworden. Was zählt dieser Erfolg für dich?
Na ja, einen Titel zu holen ist immer was, aber ich werte Titel eigentlich nicht, ich will kämpfen und nach Möglichkeit gewinnen, ob deutsche Meisterschaften oder jedes andere Turnier.

Vorher hatte man dich dort nicht auf der Rechnung. War dies ein Vorteil?
Wundert mich eigentlich, dass keiner mit mir rechnete. Vielleicht war ich im Vorfeld auf zu wenigen Turnieren. Wie gesagt, meine Zeit ist nicht immer so üppig, deswegen nehme ich mir für das eine oder andere Turnier, was mir wichtig ist, eben die Zeit und für andere Turniere eben nicht. Glaube nicht, dass es ein Vorteil war, außer dass ich ohne jeden Druck kämpfen konnte.

Was war bis jetzt dein größter sportlicher Erfolg?
Meine bisher größten Erfolge im Grappling und BJJ waren auf der FILA WM 2010 in Polen, wo ich jeweils dritter wurde. Im BJJ-Halbfinale lief es etwas unglücklich, sonst wäre dort noch mehr drin gewesen.
Gerhard Tenhündfeld 2010 bei der FILA WM
Wie genießt du deine Erfolge?
Sportlicher Erfolg ist immer relativ, man kann eben nicht davon runter beißen aber es macht Spaß und motiviert weiter zu machen.

Du kämpfst aktuell in der DGL für das Team Grapplekinx, hast die Liga sicherlich verfolgt. Wen siehst du in diesem Jahr als Favoriten?
Ich bin zwar den Grapplekinx angeschlossen, habe aber bisher noch keinen Einsatz gehabt, meinen Part deckt Ben Schotthöfer ab, der bislang ungeschlagen ist. Titelfavorit sind für mich die Jungs um Gregor Herb, die Southside Connection und Mainz knapp dahinter.

Wer sind national und international deine schärfsten Konkurrenten?
National denke ich hab ich in der Gewichtsklasse 70kg oder 71kg nicht so viel Konkurrenz. International zählt hier sicherlich der Pole Maciej Polok dazu, der die Klasse auf der FILA EM jetzt auch dominierte.

Wo sind deine Grenzen?
Die Grenzen steck ich mir selbst sehr hoch, ob im Sport oder im Beruf, immer volle Power. Deshalb kann es eben auch mal sein, dass die Leistungsfähigkeit niedrig ist. Aber an einem Tag, an dem ich gut drauf bin, muss man es erstmal schaffen an mir vorbei zu kommen!

Was motiviert dich, ständig an deine Grenzen zu gehen?
Ich bin extrem ehrgeizig, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, schaff ich in der Regel auch, auch wenn es mal Durststrecken gibt. Ich habe einen ausgeprägten Kampfgeist in die Wiege gelegt bekommen, dazu brauch ich nicht mehr tun als auf die Matte zu gehen und mich den Herausforderungen zu stellen.

Wie gehst du mit konstruktiver Kritik um?
Konstruktive Kritik ist gut und wichtig, sonst kann man seine Fehler nicht ausmerzen und sich verbessern. Ich bin für konstruktive Kritik immer offen.

Was möchtest du sportlich mal erreichen?
Sportliche Ziele will ich mir eigentlich gar nicht setzen, was kommt das kommt. Einfach immer das Beste daraus machen. Sonst setzt man sich selber nur unter Druck.

Vielen Dank für das Interview. Der letzte Satz gehört dir!
Sport sollte man machen, weil es einem Spaß macht! Nicht wegen irgendwelchen Titeln oder Erfolgen und schon gar nicht wegen dem Geld, aber dafür sind wir ohnehin in der falschen Branche.
Tenhündfeld auf der diesjährigen FILA EM