Grappling

„Es macht mir plötzlich noch größeren Spaß“

Foto: Johannes Wieth

Er gehört zu den ganz Großen im deutschen BJJ-Sport, hat international schon viel gewonnen. Alle seine Gurtfarben wurden vergoldet. Jetzt ist der Münchener Johannes Wieth bei den Schwarzgurten angekommen. Auch hier konnte er auf Anhieb sein erstes Gold einfahren. Doch bei den Munich Open reichte ein kleiner Fehler, um das Match zu verlieren. Johannes Wieth wird aber genau daran arbeiten, damit der Erfolg sich wieder einstellt.

Groundandpound.de: Hallo Johannes, bei den Schwarzgurten führst du das fort, was du schon bei den Weißgurten abgeliefert hast: Erfolg! Jetzt bei den Munich Oen Platz eins im Schwergewicht und Platz drei in der offenen Klasse. Wie glücklich bist du?
Johannes Wieth: Ich muss sagen, dass ich immer Spaß an Wettkämpfen und all den Herausforderungen, die damit zusammenhängen hatte. Seitdem ich Mitte 2013 mein Training etwas umgestellt habe und sich dadurch auch meine Art zu kämpfen etwas geändert hat, macht es mir plötzlich noch größeren Spaß.

Ich sehe nun alles weniger ernst und will auf der Matte einfach nur Vollgas geben. Ich riskiere deutlich mehr als früher und gebe dem Gegner in bestimmten Situationen auch etwas mehr Raum, damit er sich bewegt und dadurch Öffnungen kreiert, die ich versuche zu meinen Gunsten zu nutzen. Ein weiterer Punkt ist, dass ich nun versuche mich direkt vor dem Kampf in eine aufgeregte, nervöse Stimmung zu versetzten. Ich denke, ich war früher zu gelassen vor den Kämpfen, was oft zur Folge hatte, dass ich etwas zu langsam und zu wenig aggressiv war. Etwas nervös gefalle ich mir besser, es fühlt sich toll an und ich denke dass es meine Performance positiv beeinflusst.

Nun endlich bei den Schwarzgurten zu starten und die Möglichkeit zu haben mich mit den Monstern zu messen, beflügelt natürlich nochmal extra. Wenn ich dann noch ab und zu als Sieger die Matte verlassen kann, macht mich das überglücklich.

Das ist dein zweiter Turniererfolg hintereinander. Wie bewertest du die positive Entwicklung?
Klar, bin ich froh dass ich bei den Schwarzgurten nicht wieder bei absolut Null anfangen muss. Es tut gut zu sehen, dass ich bereits jetzt auf diesem Niveau Matches gewinnen kann. Ich gebe mein Bestes, bin mir aber auch im Klaren das ich in dieser Liga noch auf Gegner treffen werde die mich richtig zerstören werden. Auf dem Podium zu stehen fühlt sich toll an und gibt schöne Fotos, eine Entwicklung findet aber immer erst nach einem Wettkampf statt und genau da liegt mein Fokus.

Du bist erst kürzlich zum Schwarzgurt graduiert worden. welches sind die größten Unterschiede zwischen braun und schwarz?
Fehler werden sofort vom Gegner ausgenutzt und ein Kampf dauert bis zu zehn Minuten.

Musst du dich jetzt noch mehr anstrengen, um zu punkten?
Das würde ich so nicht sagen, ich glaube das ist in allen Gürtelklassen mal schwerer und mal leichter. Ich denke, dass gemachte Fehler gegen einen Schwarzgurt schwerer wieder auszubügeln sind.

Woran lag es, jetzt mit ein wenig Abstand, dass du das Halbfinale in der offenen Klasse verloren hast?
Das war eine große Lektion für mich. Ich habe den Kampf die ersten 5-6 Minuten deutlich dominiert, lag mit der Wertung vorne und hatte bereits sogar einen Submission angesetzt, bei der ich dachte, dass ich ihn durchbringe. Leider hat mir mein Gegner einen Escape gezeigt, den ich weder kannte noch erwartet habe. Der Kampf ging weiter und es lief gut für mich. Dann habe ich den Fehler gemacht, mich nach der verbleibenden Zeit zu erkundigen, als es dann hieß noch ca. fünf Minuten, kam ich mir erschöpft vor. Ich weiß nicht ob ich wirklich müde war (evtl. übertrainiert) oder mir es nur eingebildet habe, auf jeden Fall habe ich für 3-5 Sekunden den Fokus verloren. Als ich wieder ganz bei der Sache war, hatte mein Gegner den Eingang in den Omoplata gefunden, ab da war ich dann immer einen Schritt hinterher und hab den Anschluss nicht mehr gefunden. Nach einigen Positionswechseln bin ich dann in einem Armbar gelandet, in dem das Drama dann sein Ende gefunden hat. Das ist wahrscheinlich der Unterschied, den ein Schwarzgurt ausmacht, eine Sekunde Unachtsamkeit wird sofort bestraft und es ist extrem schwer, wieder ins Match zu finden, wenn man mal einen Schritt hinten an ist.

Woran erkennst du, ob dein potentieller Gegner etwas drauf hat? Ist da für dich der Gurt immer der Gradmesser?
Nein, ein Gurt ist ein Gurt und ein Fighter ein Fighter. Wenn jemand eine Kampfsau ist, erkenne ich das sehr schnell, meist an den Griffen und dem Vorwärtsdrang. Es gibt natürlich auch die hinterlistigen Sleeper...ganz locker und friedlich und dann plötzlich gehen sie ab wie Schmitz Katze.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Training, Training, Training und dann zur EM nach Lissabon Ende Januar.

Vielen Dank, der letzte Satz ist wie immer deiner!
Lasst Euch nie einreden, dass Eure Ziele unrealistisch sind. Lieber die Erfahrung machen, dass Ihr ein hoch gestecktes Ziel nicht ganz erreicht, als es gar nicht erst zu versuchen.