Grappling

„Erfolge jeglicher Art kommen meist in kleinen Schritten“

Gleich bei seinem ersten Auftritt als BJJ-Schwarzgurt auf internationaler Bühne in Warschau bei den Abu Dhabi Trails holte Johannes Wieth Platz eins. (Foto: Johannes Wieth)

Johannes Wieth, der deutsche Mister Mundial, wurde jetzt die große Ehre zu Teil, ein offizieller Meister des BJJ zu sein. Doch der Schwarzgurt ist für Wieth erst der Auftakt in eine neue und noch bessere Zeit als zuvor. Man wird Johannes Wieth noch oft zuerst auf der Matte und dann auf dem Siegertreppchen ganz oben finden. Jetzt jagt Mister Mundial die großen Titel der Schwarzgurte. Bei einem ist man sich sicher, auch dieses Unterfangen wird Wieth gelingen.

Groundandpound.de: Nochmals herzlichen Glückwunsch zum Schwarzgurt im BJJ. Bist du nach einer langen Reise endlich angekommen oder beginnt jetzt alles erst?
Johannes Wieht: Um ehrlich zu sein, denke ich nicht, dass sich großartig etwas für mich ändert. Ich werde weiterhin alles versuchen, mein Jiu-Jitsu zu verbessern und ein besserer Trainer und Mensch zu werden.

In zwei Bereichen wird sich durch den Schwarzgurt vielleicht dennoch etwas ändern: Zum einen erhoffe ich mir eine gewisse Außenwerbung für mein Gym. Ich nehme an, dass ein Schwarzgurt bei jemandem, der mit der BJJ-Szene nicht so vertraut ist, etwas mehr Eindruck macht, als wenn der Schulleiter "nur" Braungurt ist. Also vielleicht ein kleiner Pluspunkt auf der geschäftlichen Seite. Zum andern, und das bedeutet mir wirklich viel, kann ich nun endlich bei Wettkämpfen bei den Blackbelts starten. Davon erhoffe ich mir natürlich eine Menge lernen zu können und sehe es als sehr motivierende Herausforderung.

Was ist dir in der langen Zeit am leichtesten und schwersten gefallen?
Also wenn mir irgendetwas leicht gefallen ist, dann vielleicht, dass ich ohne Probleme immer am Ball bleiben konnte. Ich habe nie wirklich lange oder tiefe Motivationslöcher, da ich immer davon ausgehe, dass Erfolge jeglicher Art meist in kleinen Schritten kommen. Ich bin da sehr geduldig und weiß, dass es manchmal halt etwas langsamer vorwärts geht oder sogar mal ein Schritt zurück. Wichtig ist, über viele Jahre konstant an etwas zu arbeiten, nicht zu schnelle Ergebnisse zu erwarten und darauf zu vertrauen, dass man es irgendwann schafft. 

Am schwersten fällt mir eigentlich das viele Reisen. Ich fühle mich daheim recht wohl und die beste Zeit und das beste Training habe ich meistens mit meinem Team hier in München. Generell kann Reisen natürlich eine Bereicherung sein, aber wenn es zu oft ist oder immer nur zu einem Turnier oder Trainingscamp in dessen Rahmen es wenig Zeit für Land, Leute und Sightseeing gibt, nervt mich das.

Über was konntest du jetzt noch am meisten lachen?
Am meisten lachen könnte ich heute noch über Xandes ersten Besuch hier in München. Zu dem Zeitpunkt haben wir hier ausschließlich No-Gi trainiert. Als wir dann alle ohne Kimonos vor Xande standen, meinte er, dass wir kein BJJ trainieren. Seine Aussage hat uns tierisch aufgeregt, da wir es nicht so gesehen haben. Am nächsten Tag standen wir dann alle in "Kimonos" da. Karate-, Judo-, Taekwondo-, Ninjutsu- und Jogginganzügen. Ein Bild für Götter. Kaum einer konnte den Gürtel binden, andere haben die Gi-Hosen verkehrt herum getragen...hätte gern ein Foto davon. Xande lacht sich heute noch darüber schlapp.

Du giltst als Mister Mundial, konntest schon viele Titel in fast allen Gurtklassen gewinnen. Wie erklärst du dir diesen Erfolg?
Ich denke, dass es an meinen guten Lehrern und harter Arbeit liegt. Es gibt keine Abkürzungen. Was natürlich hilft, sind gute Trainingsmethoden. Auf dem Gebiet habe ich das Gefühl, niemals auszulernen. Ich bin immer auf der Suche nach noch besseren Drills, Techniken oder Strategien. Erst dieses Jahr habe ich im Worldcamp in San Diego wieder so viel dazugelernt, was den Aufbau und den Ablauf von Drills angeht und wie man damit verschiedene Facetten seines Kampfstils beeinflussen kann.

Seit Juni habe ich das dann daheim mit meinem Team konsequent im Training umgesetzt und die Fortschritte sind beeindruckend. Das ganze Team hat eine spürbare, positive Veränderung dadurch erlebt. Das sind die Dinge, die meine Flamme am Brennen halten und mich immer hungrig auf das nächste Level machen. Diese Euphorie überträgt sich dann natürlich auf das ganze Team und dadurch sind dann alle voll bei der Sache und die Stimmung im Training ist top.

Was trainierst du am meisten?
Am meisten trainiere ich Technikdrills und Positions- oder Aufgabensparring. Freies Sparring nur einmal die Woche und mal 1-2 Runden hier und da.

Wie kann man sich einen Tagesablauf bei dir vorstellen, wenn du dich auf einen Wettkampf vorbereitest?
Ich schaue, dass ich sechs Tage die Woche, wenn möglich 2x pro Tag, trainiere. Je nach Erschöpfungszustand kann eine Einheit auch mal nur Techniktraining und Stretching sein. Optimal sind für mich zweimal am Tag BJJ, habe ich mal keine Zeit oder Trainingspartner zu Verfügung, mache ich Konditionstraining oder Krafttraining. Ich versuche alle 7-10 Tage schweres Kreuzheben zu machen und an mindestens fünf Tagen die Woche Klimmzüge. Ansonsten viel Intervalltraining in Form von Laufen, Hügelsprints oder auf dem Airdyne Bike. 

Morgens trainiere ich 1,5-2,5 Stunden BJJ, die Länge hängt auch von der Intensität ab. Abends dann noch mal 45-90 Minuten BJJ. Samstag/Sonntag oder wenn ich keinen Partner auf der Matte habe, kommt noch Kraft- und/oder Konditionstraining dazu. Mein Pausentag ist flexibel. Wenn ich beim BJJ-Training merke, dass mir die Spritzigkeit fehlt, ist es Zeit, am kommenden Tag keinen Sport zu machen. 

Im aktuellen Kalenderjahr lief es bis jetzt nicht so, was war los?
Ja, dieses Jahr hat für mich sehr schwach begonnen. Bei der EM ist was bei meiner Anmeldung schief gelaufen und ich konnte nicht teilnehmen. Bei den San Francisco Open war ich gesundheitlich nicht auf der Höhe und bei den Worlds konnte ich aufgrund einer ernsthaften Infektion, die ich vier Tage vor dem Wettkampf bekommen habe, nicht starten. In der zweiten Jahreshälfte lief es dann besser. Grapplers Quest in Amsterdam lief nach Plan und bei den Abu Dhabi Pro Trails in Warschau habe ich erfolgreich mein erstes Turnier als Schwarzgurt bestritten. Das war bisher mein diesjähriges Highlight. Endlich bei den Schwarzgurten zu starten, macht gleich so viel mehr Spaß. 

Wann kann man einen fitten Sportler Johannes Wieth wieder erwarten?
Genau jetzt und zur nächsten Wettkampfsaison, die mit der EM Ende Januar beginnt.

Deine Schule läuft fantastisch. Welches sind eure Schwerpunkte?
Ganz klar das BJJ. Wir bieten aber auch Muay Thai, Boxen und MMA an. Diese Gruppen entwickeln sich auch sehr gut und ich bin bemüht, diese noch weiter auszubauen. Besonders da meine dreijährige Suche nach neuen, größeren und schöneren Räumlichkeiten in besserer Lage nun endlich ein Ende gefunden hat. Das neue Gym wird der Hammer. Unter anderem mehr Platz für mehr Trainingseinheiten.

Welches sind deine nächsten Ziele?
Mein neues Gym natürlich und möglichst viel Wettkampferfahrung als Schwarzgurt zu sammeln. Wenn mein Körper mir noch weitere 3-4 Jahre gestattet, denke ich, dass ich noch einiges auf Wettkämpfen reißen kann. Mit 40 Jahren werde ich dann wettkampfmäßig einen Gang runter schalten, bei den alten Herren starten und mehr Trainer und Gym-Manager sein. Sollte sich zeigen, dass ich der Randy Couture des BJJ sein kann, kann sich das eventuell noch etwas nach hinten verschieben. 

Vielen Dank für das Interview. Der letzte Satz gehört dir!
Danke, dass ich dieses Interview geben durfte. Trainiert alle so viel ihr könnt und lest fleißig GroundandPound!