Grappling

Die Deutschen Einzelmeister sind gefunden

Manuel Masuch nach seinem Finalsieg. (Fotos: Mirko Kannenwischer/GroundandPound & Valentino Kerkhof / facebook.com/SportMMA)

Am Samstag wurde in der Ruhrstadt Essen auf der FIBO, der internationalen Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, die Deutschen Einzelmeisterschaften der Deutschen Grappling Liga ausgetragen.

Man hatte sich vor der Veranstaltung gewünscht, dass viele spannende Kämpfe die Deutschen Meisterschaften sogar noch krönen würden. Man hatte sich vor der Veranstaltung außerdem  gewünscht, dass viele Zuschauer sich das Mattenspektakel vor Ort anschauen würden. Und – das alles ist eingetreten!

Während der sechsstündigen Meisterschaften schauten in Halle 8 rund 5000 Leute zu. Viele verharrten während den Kämpfen auf der foeldeak-Mattenfläche, vor dem Phantom-Messestand, die dort aufgebaut worden war. Die Sportehe hält jetzt schon zwei Jahre, die die Deutsche Grappling Liga (DGL) mit der FIBO einging. Die FIBO ist für die DGL ein Glücksgriff, sowie auch umgekehrt.

Ein Glücksgriff war auch die Auslosung der Kämpfe für die einzelnen Gewichtsklassen. Viele namenhafte Grappler wollten unbedingt den „Pott“ mit nach Hause nehmen und gleichzeitig das Ticket für die FILA-Grappling Europameisterschaften Anfang Juni lösen. Denn die Gewinner der einzelnen Gewichtsklassen qualifizierten sich automatisch für die EM in Brüssel, die vom 28. bis zum 30. Juni in der belgischen Landeshauptstadt ausgetragen wird. Aber vor der Kür kommt die Pflicht!

Maurice Skrober versuchte alles.

Denn die Bodenkampfasse gaben alle richtig Gas. Es war ein hohes Tempo und viele technische Kabinettstückchen zu bestaunen. Gerade die junge Garde um Maurice Skrober und Bastian Seifert feuerten kräftig gegen die etablierten. In der Gewichtklasse bis 65kg bekam es Seifert gleich in der zweiten Runde mit einem anderen hoffnungsvollen Grappling-Talent zu tun, dem Mainzer Mannschaftsmeister-Teammitglied Sami Aita. Aita, der die Nachfolge von Supergrappler Frank Stäblein einnahm, ist derzeit in einer hervorragenden Verfassung. So musste es zu einem packenden Kampf der beiden Jungspunde kommen. Am Ende siegte Seifert. Einer der Favoriten musste aber auch schon vor den Einzelmeisterschaften die Segel streichen, der Titelverteidiger Ali Ayin Selcuk. Er musste verletzungsbedingt kurzfristig absagen.

Einen hätte ein Wiedersehen mit Selcuk besonders gefreut: Robert Scott Westerman! Westerman, der im Mannschaftsfinale Selcuk eine Niederlage beibrachte, war wieder sehr heiß. Westerman überzeugte zunächst durch klugen Positionskampf. Einer war an diesem Tag aber noch besser: German Top Team-Grappler Stefan Hoss! Hoss siegte im Halbfinale gegen Westerman. Im Finale kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Hoss und Seifert. Nach starkem Beginn von beiden fiel Seifert Sekunden später in den Guiotine-Choke von Hoss. Der drückte zu und Seifert klopfte ab.
unter 65kg
1.Stefan Hoss (GTT)
2.Bastian Siefert (Fight Bros)
3.Robert Scott Westermann (Arte Suave)
3.Julian Rollshausen (Suum Cuique Mainz)
Stefan Hoss

Bei den unter 70kg Grapplern nahm sich Vorjahresfinalist Kaan Yesiller eine Menge vor. Im ersten Kampf gegen Gero Mayer vom Mainzer Mannschaftsmeister überzeugte Yesiller. Doch dann war im Halbfinale Endstation gegen einen anderen jungen wilden: Maurice Skrober. Der rächte seinen Mannschaftskameraden Gero Mayer und zog als Favorit ins Finale ein. Einer, den vorher fast niemand auf dem Zettel hat schob sich ebenfalls ins Finale: Gerhard Tenhündefeld. Tenhündefeld zog dann im Finale ganz groß auf. Mit 4:0 führte Tenhündefeld, brachte so seine Führung über die Zeit. Knapp wurde es trotzdem, denn Skrober hatte Tenhündefeld schon fast in einer Kneebar. Doch der Druck auf das Gelenk war zu wenig, Skrober verlor das Finale. Er hinterließ aber seine Visitenkarte auf der FIBO. Ihm und einigen anderen gehören auf jeden Fall die Zukunft in der unter 70kg-Klasse.
unter 70kg
1.Gerhard Tenhündefeld (Team GT)
2.Maurice Skrober (Suum Cuique)
3.Kaan Yesiller (Taifun Luta Livre)
3.Michael Ovsjannikov (Integra e.V.)

Gerhard Tenhündefeld

In der unter 75kg-Klasse wartete auf Etienne Steffen einige harte Brocken zur möglichen Titelverteidigung. Steffen setzte sich souverän durch bis ins Finale. Der Berliner Christian Kühn wollte bloß bei der Vergabe auch ein Wörtchen mitreden. Früh schaffte Kühn den Kopf von Steffen mit einer Revers-Triangel zu kontrollieren. Steffen gelang es zunächst nicht dort raus zu entkommen. Doch Steffen gelang am Ende doch ein Escape und ein Punktesieg (4:0) gegen einen klasse grappelten Steffen.
unter 75kg
1.Etienne Steffen (Muskelkater/Suum Cuique Mainz)
2.Christian Kühn (BJJ Berlin Randori PRO)
3.Andre Breuer (Pantera FC)
3.David Adam (GTT)
Etienne Steffen

Die große Frage war, sollte der Deutsche Vorzeige-Grappler Malte Janssen wieder so souverän auftreten können, wie im vergangenen Jahr. Denn trotz einer Knieverletzung sicherte Janssen sich 2011 den Deutschen Meistertitel. Janssen, der seit einigen Monaten von Düsseldorf nach München beruflich umgezogen ist, hatte nach eigenen Aussagen noch ein wenig Trainingsrückstand. So war es für ihn so eine Art Standortbestimmung, die Janssen mit Bravur bestand. Während in der am stärksten besetzten Gewichtsklasse Becker, Herring, Goll und Co ihre Kämpfe im K.O.-System jeweils siegten, kam auch Janssen ins Halbfinale. Dort stand mit dem Berliner Moritz Goll ein alter Bekannter Janssen gegenüber. Goll, der in der Grapplingliga zu den Beständigsten zählt, konnte aber am Ende Janssen nicht bezwingen, obwohl ihm Janssen ein paar Gelegenheiten dazu gab. Im zweiten Halbfinale traf mit Malischewski ein anderer Berliner auf einen Taifunen: Oren Sevil. Sevil bezwang den starken Malischewski und traf im Finale auf Janssen. So stand es im Stadtduell 2:0 für Düsseldorf. Im Finale machte Janssen dann keine Gefangenen mehr. Er spielte seine Routine vollends aus. Oren kam nicht richtig in den Kampf. Janssen kam mit schnellen und hochklassigen Techniken an den Arm von Oren. Dann schnappte die Armbar zu und Oren musste abklopfen.
unter 80kg
1.Malte Janssen (Taifun Luta Livre)
2.Sevil Oren (Taifun Luta Livre)
3.Michael Malischewski (Berserker Team Magdeburg)
3.Moritz Goll (BJJ Academy Berlin Randori PRO)

Sevil Oren und Gewinner Malte Janssen

Sergej Lokhov hätte sich in der unter 86kg-Klasse sicherlich vorher auch nicht träumen lassen ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Aber der Stuttgarter Lokhov setzte sich eindrucksvoll durch das Starterfeld. Sein kämpfen  in Verbindung mit dem dynamischen Ringen setzte alle seine Gegner sehr unter Druck. Ohne Pausen zu machen ging er seinen Gameplan nach. Auch Patrick Herring konnte nicht an Lokhov vorbei. In der Liga glänzte Herring, Lokhov war diesmal einfach um einen Tick erfolgreicher. Auch der junge Felix Penzer wollte sich diesmal in das Notizbuch von dem anwesenden Grappling-Bundestrainer Armin Eslami bringen. Penzer setzte sich in der ersten Runde gegen Dennis Miroschnikov durch. Auch Ole Leifels war für Penzer kein Hindernis. Erst Andreas Birgels stoppte den Stuttgarter, der in Brüssel studiert am siegen. Im Finale setzte Birgels gegen Lokhov alles auf eine Karte. Beide kamen über die Zeit, so dass der „Golden Point“ in der Verlängerung entscheiden sollte. Lokhov setzte dann zum Wurf an und bracht Birgels so zu Boden.
unter 85kg
1.Sergej Lokhov (Arte Suave)
2.Andreas Birgels (Team Alpha)
3.Patrick Herring (Suum Cuique)
3.Felix Penzer (Arte Suave)

Sergej Lokhov

Obwohl es nicht viele Starter in der Gewichtsklasse unter 90kg gab, gaben die aber richtig Gas! Neben dem Titelverteidiger Gregor Herb ging auch der Karlsruher Benjamin Russ auf die Matte. Mit der Nachmeldung von Hamburgers Mehmet Yüksel kam man hier auf fünf Startern. Russ und Herb setzten sich in ihrer Gruppe im K.O.-System jeweils durch, so dass beide im Finale dann auf einander trafen. Mehmet Yüksel, der sich eigentlich auch gerne im Finale gesehen hätte, war nach seiner Erstrundenniederlage dementsprechend frustriert: „Ich kam leider viel zu spät in den Kampf. Hatte die ersten Minuten völlig verpennt, doch ab der Hälfte des Kampfes gegen Pastecki kontrollierte ich ihn nach belieben“, so Yüksel nach der Punktneiderlage. Im Finale ging Herb dann schließlich kein Risiko mehr. Routiniert und gekonnt grappelte er Russ aus, der sich gegen die drohende Niederlage stemmte. Doch der Titelverteidiger war an diesem Tag einfach zu gut und beendete den Kampf zwanzig Sekunden vor Ablauf durch Submission.

unter 90kg

1.Gregor Herb (BJJ Freiburg)
2.Benjamin Russ (AJJK Karlsruhe)
3.Pastecki
3.N. Gulow

Gregor Herb

Die schweren Jungs hatten hingegen zur unter 90kg-Klasse viele Starter. Auch Titelverteidiger Alexander Petrajtis präsentierte sich wieder in Topform. Diesmal gab es aber auch mit Manuel Masuch einen erfahrenen Grappler, der unbedingt die Krone gewinnen wollte. Masuch setzte sich in seiner Gruppe gegen Thorsten Klein und MMA-Veteranen Danny Stritzke durch. Auch das Halbfinale gegen Amir Dragan gewann Masuch. Sascha Ernst bekam es gleich mit dem Titelverteidiger Petrajtis zu tun. Trotz starken Kampfs konnte Ernst Petrajtis nicht Paroli bieten und verlor. Ghassan Younes von Taifun setzte alles daran, den wesentlich größeren Petrajtis den Schneid abzukaufen, doch auch hier setzte sich der Titelverteidiger durch. Im Finale gegen Masuch wurden die Karten aber wieder neu gemischt. Beide taksierten sich, keiner wollte ein Risiko eingehen sich gleich zu Beginn submitten zu lassen. Erst durch die Aufforderung des Schiedsgerichtes ging es dann richtig zur Sache. Dann machte Masuch die Punkte (3:0) und verteidigte diese bis zum Schluss.
über 90kg
1.Manuel Masuch (Sparta Essen)
2.Alexander Petrajtis (Stuttgart Muchachos)
3.Amir Dragan (MMA Spirit)
3.Ghassan Younes (Taifun Luta Livre)

Manuel Masuch

In insgesamt 48 Kämpfen war aber ein Trend herauszulesen, es gab wenig Submissions. Die Siege wurden diesmal über die Punkte eingefahren. Das hohe Tempo und viele technische Kabinettstückchen sorgten für einen hohen Unterhaltungswert für die zahlreichen Zuschauer. Auf die Sieger der einzelnen Gewichtsklassen kommt jetzt der nächste große Schritt: Die FILA-Europe Championchips in Brüssel. Da wartet sicherlich noch ein anderes Kaliber. Hier möchte jeder glänzen, jeder gewinnen. Der Wille wird eine zentrale Rolle neben der Psyche spielen. Deutschland besitzt im Gegensatz zum europäischen Ausland noch nicht über viel Erfahrungen bei so großen und prestigeträchtigen Turnieren. Doch mit der diesjährigen Qualifikation durch den Meistertitel geht es endlich los! Die Tür ist aufgestoßen zur europäischen Topelite. Janssen und Co werden Deutschland Ende Juni in Brüssel topfit vertreten – davon kann man ausgehen.

Neben den Deutschen Meistern gab es aber auch noch ein anderes Novum. Mit dem Aschaffenburger Felix Freudenberger wurde ein neuer Mattenrichter neben Franco De Leonardis eingesetzt. Der frische FILA-Absolvent wurde gerade erst zertifiziert und darf jetzt auch bei den großen Turnieren als Mattenrichter fungieren.

Da sah es für Christian Kühn noch gut aus im Finale gegen Etienne Steffen

Franco De Leonardis und Daniel Ackerman waren nach den Deutschen Meisterschaften rundum zufrieden: Wir möchten uns vor allen Dingen bei unsern Partner bedanken, ohne die so eine Mamutveranstaltung gar nicht erst möglich gewesen wäre“, so De Leonardis. Daniel Ackerman ergänzte: „Danke an Foeldeak, Mr. Big, Phantom MMA, Wieder, XTFC, Vantage Fighting und Bodies. Und nicht zu vergessen GroundandPound. Ihr seit immer zur Stelle und macht einen Wahnsinnsjob für die ganze Szene.“