Grappling

„Die Atmosphäre war ziemlich cool“

Foto: German Kumite

Bei den Herren siegte Michael Matzner, der aus elf Begegnungen zehn Siege einheimste (10-1). Matzner überzeugte in seinen Kämpfen, er machte das, was er am besten kann: alles geben und trotzdem viel Spaß haben. Gegen elf Gegner setzte sich Matzner erfolgreich durch. German Kumite war für 23-jährigen ein wichtiger Sieg in seiner Karriere. Jetzt werden die nächsten Ziele angepeilt und umgesetzt.

Groundandpound.de: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Gesamtsieg bei German Kumite! Mit zehn Siegen und nur einer Niederlage bist du der König unter den Blaugurten. Wie fühlst du dich?
Michael Matzner: Erst mal danke für die Glückwünsche, ja König unter den Blaugurten ist vielleicht hoch angesetzt aber natürlich freut mich der Sieg riesig.

Hatte es dich am Ende sehr gewurmt, diese eine Niederlage gegen Carlo Szelinsky einzustecken? Hat dir am Ende die Kraft gefehlt, immerhin hättest du dann eine blütenreine Weste.
Nein, wurmen tut mich der Kampf eigentlich nicht, ja eine 11-0 Bilanz würde sich schon cool anhören aber im Prinzip geht ja alles noch ums Dazulernen. Dank Carlo wurde mir klar, dass ich Footlocks bisher zu sehr vernachlässigt hab und werde deshalb an meiner Offensive und Defensive arbeiten. Für mich ist diese Erfahrung und Erkenntnis dann wertvoller als eine „blütenreine“ Weste.

War der Kampf gegen Carlo dein schwierigster Kampf?
Um das zu sagen war der Kampf leider zu kurz. Bevor wir wirklich loslegen konnten hat sich der Carlo auch schon mein Bein geschnappt.

Wie erklärst du dir deinen Erfolg?
Als ich vor drei Jahren mit Michael Schey (Mitgründer von unserem Team Jiu-Jitsu Alemao) angefangen habe, mithilfe von Videos zu trainieren und wir bis heute noch nie wirklich einen Trainer hatten, glaube ich, dass es mich mehr gefordert als benachteiligt hat. Wahrscheinlich ist es nicht für jeden das Richtige, aber wenn man sich genug reinsteigert, kann man dadurch wesentlich tiefer in die Materie eintauchen. Für mich ist Spaß auch das Wichtigste an der Sache und das hab ich meinem Team zu verdanken. Wir haben nicht nur ein megastarkes Wettkampfteam, sondern sind alle auch privat Freunde, was unsere Trainingsatmosphäre einzigartig macht. Dazu kommt, dass ich meine ganze Familie fürs Jiu-Jitsu infizieren konnte und ich so mit meinem Bruder Max und meiner Schwester Alina rund um die Uhr starke Trainingspartner habe.

Woran hast du besonders im Vorfeld gearbeitet?
Ich habe mich in den Vorbereitungssparrings mehr auf maximale Kontrolle und Energieeffizienz konzentriert, als auf verrückte Sweeps und Spaßtütentechniken. In Bamberg habe ich viel Nogi mit richtig starken Trainingspartnern trainiert, was meine Top-Kontrolle wirklich stark verbessert hat. So fand ich, dass man auch gut sehen konnte, dass in einem Submission-only Format gute Basics weit wichtiger sind als Berimbolo und deep half guard.

Wie hast du die Veranstaltung und das ganze Drumherum empfunden?
Die Atmosphäre war ziemlich cool, es war durchweg freundschaftlich aber ohne, dass das nötige Feuer und der Ehrgeiz gefehlt hat. Die Verbundenheit mit den anderen Wettkämpfern war viel größer als bei normalen Turnieren, ich hab viel neue Bekanntschaften geschlossen, mit denen ich hoffentlich bald auch mal trainieren kann. Durch die Belgier hatte man auch irgendwie ein internationales Flair. Also nochmal Props an Jan ich hoff der macht weiter so!

Der Kampf gegen Sbai Qualid ist für dich ausgefallen. Was war da los?
Der hat sich am Vortag am Oberschenkel gezerrt und konnte leider nicht mehr kämpfen.

Gleich den ersten Kampf hast du eine Armbar nach 16:10 Minuten gewonnen. Das war gleichzeitig dein längster Kampf. Wie kam es dazu?
Der Eric hat verteidigt wie ein Stein, ich war auf allen Top Positionen und konnte es einfach nicht zu Ende bringen, das hätte mich beinah noch verzweifeln lassen. Zum Glück konnte ich dann den Sack doch zu machen.

U.A. viermal Armbar, dreimal Triangle und einige Chokes. Damit hast du deine Gegner aufgeben lassen. Welche Technik liegt dir am besten?
Irgendwie sind mir Chokes lieber als Hebel, von oben arbeite ich viel mit dem Brabo Grip um damit für Chokes zu attackieren. Von unten bin ich mit Triangles recht gefährlich und Armbars hol ich mir eigentlich nur wenn ich sie vor die Nase gesetzt bekomme.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Jetzt sind erst mal wieder meine Schüler dran, wir wollen auch unser Gym vergrößern und unseren Nachwuchs fördern. Heuer werde ich dann noch auf den Munich Open und den Deutschen Meisterschaften kämpfen und wenn alles so gut weitergeht werde ich nächstes Jahr dann auch mal  international auf den Europameisterschaften starten.

Vielen Dank für das Interview. Der letzte Satz ist deiner!
Danke an meine Familie, meine Freundin und meine Kumpels, die das Leben auch außerhalb der Matte lebenswert machen.