Grappling

Die ADCC lädt zur Qualifikation

Foto via www.adccgermany.com

Der Abu Dhabi Combat Club veranstaltete die ersten Einladungsturniere im Submission Fighting (Grappling). ADCC Germany organisiert die offiziellen deutschen Qualifikationsturniere. Die Gewinner der deutschen Turniere bekommen automatisch einen Platz bei den Europäischen Ausscheidungsturnieren.

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In den letzten Jahren entwickelte sich das Einladungsturnier zu einem strukturierten Wettkampf, für den landesweite Qualifikationsturniere ausgeschrieben wurden. Die Gewinner der sogenannten Trials können dann an den ADCC-Championships teilnehmen, die alle zwei Jahre ausgetragen werden.

Vor zwei Jahren nahm Frank Stäblein, als Gewinner der ADCC Germany Trials, als deutsche Vertretung bei den ADCC Europe (bis 65,9 Kilogramm) teil. Er schaffte es bei diesen Ausscheidungskämpfen sogar bis ins Finale. Unterlag aber dort dem Franzosen Nicolas Renier, dazu Stäblein: „Ich wäre erster Nachrücker für die ADCC in Barcelona gewesen. Da aber alle starten konnten, blieb ich als Nachrücker leider zu Hause.“ Trotzdem war der zweite Platz bei den Europe Trails die beste Platzierung eines Deutschen: „Auch diesmal nehme ich wieder teil“, bekräftigt Stäblein sein Vorhaben und weiter: „Sollte ich mich vorher noch verletzten, so dass ich nicht an den German Trials teilnehmen kann, werde ich versuchen, eine Wildcard für die ADCC Europe Trials zu bekommen. Dadurch, dass ich seit Jahren auf einem hohen Niveau kämpfe, ich vor zwei Jahren in Deutschland gewonnen hatte und zweiter bei den Europe Trials wurde, sind die Chancen darauf auch sehr hoch.“

Dass das aber nur in einem Notfall passieren wird stellt er nochmals klar: „Ich werde aber alles versuchen die German Trials zu gewinnen, um dann wieder an den Europe Trials teilnehmen zu können. Denn ich bin der Meinung, dass nur die Gewinner weiter kommen sollten. Aber man weiß ja nie, was kommt.“ Auf die Frage, warum es bei den abschließenden ADCC-Championships noch nie ein Deutscher oder gar Europäer geschafft hat zu gewinnen, oder gar auf das Treppchen zu kommen, entgegnet Stäblein: „Die Brasis, die bei der ADCC starten sind alle ausnahmslos Vollprofis. Sie haben einfach den Zeitvorsprung durch das tägliche Training. Die machen dort als Kinder BJJ oder Luta Livre seit fünfundzwanzig Jahren“, und weiter: „Das BJJ bzw. Luta Livre hat bei den Brasis gleich hinter dem Fußball den höchsten Stellenwert. Deshalb gibt es auch die breite Masse und extrem hohe Klasse an Kämpfern. Die bewegen sich durch die vielen guten Trainingspartner auf hohem Niveau.“

Für Frank Stäblein gibt es aber auch noch einen anderen wichtigen Grund, warum die Deutschen hinten dran stehen: „Im Vergleich zu Deutschland gibt es noch einen großen Unterschied, die Trainer! Hier sind die Trainer alle ambitioniert, aber es gibt höchstens nur 5-6 Trainer, die Weltklasse sind. In Brasilien sind fast alle Trainer Vollprofis und das an jeder Ecke. Dadurch dass das BJJ/LL so einen hohen Stellenwert hat, ist ein Sieg bei den ADCC zu vergleichen mit einem Olympiasieg! Analog dazu ist Mundial das Gegenstück, wo nur zum Unterschied mit Gi gekämpft wird, während bei ADCC No-Gi ausgetragen wird." So beurteilt der deutsche Titelverteidiger die Situation.

Doch was sagt dazu der deutsche Turnier-Seriensieger Malte Janssen, der ebenfalls in der Klasse bis 76,9 Kilogramm antreten wird: „Ich sehe die ADCC-Quali für mich als warm-up für die FILA-Europameisterschaften in Polen Ende September.“ Janssen, der über das gesamte Kalenderjahr eine herausragende Rolle in der deutschen Grapplingszene spielte, ist sich seiner Sache sicher: „Ich gehe davon aus, dass ich den ersten Platz belegen werde. Ich wüsste nicht, wer mich daran hindern sollte“, und weiter: „Natürlich ist jeder, ganz besonders einschließlich ich, immer und überall schlagbar, aber ich mache meine Hausaufgaben immer besonders gründlich.“

Doch auch er sieht sich einer Übermacht der brasilianischen Grappler, die fast ausnahmslos mindestens die ersten Plätze bei allen vergangenen Championships unter sich ausmachten, skeptisch gegenüber: „Wir deutschen Grappler sind ein Volk von Hobby-Sportlern mit großer Klappe. Ausnahmen bestätigen die Regel. Keiner will hart trainieren. Keiner fährt regelmäßig auf Wettkämpfe, um Erfahrungen zu sammeln und die Schwachstellen im „Game“ zu erkennen. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, aber im Prinzip entspricht es der Realität“, und Janssen ergänzt: „Um auch nur auf europäischer Ebene mithalten zu können, muss man jeden Tag trainieren, vielleicht auch mal zweimal am Tag, und das so professionell wie möglich. Kondition, Kraft und Power sind elementare Aspekte im Grappling geworden, die über eine große Mehrheit an kämpfen entscheiden. Viele meiner Kämpfe entscheide ich nur mit Kondition und Power.“

Janssen legt nach: „Den Willen wirklich zu gewinnen hat man, oder man hat ihn eben nicht. Erfahrungen bekommt man nur durchs regelmäßige kämpfen. Viele sind dazu einfach nicht bereit. Darum sind bis dato keine deutschen auch nur durch die ADCC Euro-Trials gekommen. Ich hoffe das ändert sich bald.“ Abschließend sagt Malte Janssen: „Die Brasilianer sind meiner Meinung nach so stark, weil es a) einen riesigen Talent-Pool und große Konkurrenz gibt, die nur darauf warten einem den Hintern aufzureißen und sich zu beweisen, b) viele einfach nix anderes machen außer BJJ/Grappling und c) exzellente Trainer besitzen. Die Brasis sind halt immer noch das Maß aller Dinge, da können auch Ryan Hall, Jeff Glover, Mike Fowler und Co nix ändern. Ganz zu schweigen von den Europäern oder den Deutschen. Für Nicolas Renier ist immer in der ersten Runde Schluss.“

Sorgen brauchen sich die Brasilianer also in der Endabrechnung scheinbar nicht zu machen. Doch was sagen eigentlich die Brasilianer selbst dazu. Einer der seit fast drei Jahren unter uns lebt und diese Kunst in Deutschland unterrichtet ist Carlos Eduardo Rocha aus Brasilien (MMA Europameister & Manto Cup Sieger), der in über 300 BJJ-Kämpfen in Brasilien ungeschlagen ist: „Es ist das Training und wir denken ganz anders. Es gibt nur eine Seite eines Brasilianers, diese Seite heißt gewinnen.“ Und Rocha fügt hinzu: „Jeden Tag mehrmals trainieren ist enorm wichtig. Doch wichtiger ist für uns die Tradition. Traditionell sein ist wichtig, Tradition ist wichtiger“, erklärt er und weiter: „Traditionell sein wie in Japan, dies haben wir uns erhalten und leben danach“, sagt er abschließend.

Es gibt im Übrigen noch eine Neuerung bei den ADCC: Ab Januar 2011 wird es eine Qualifikationsreform geben, dann werden neue Regularien greifen, nach denen die besten Kämpfer aus dem jeweiligen Land über das gesamte Kalenderjahr ermittelt werden, und sich einen Platz bei den deutschen Trials erkämpfen können. Die Kampfzeit beträgt maximal sechs Minuten. In den ersten drei Minuten davon gibt es keine Punktewertung. Prinzipiell kann jede Organisation, jede Stilrichtung an den Ausscheidungskämpfen teil nehmen. Ansprechpartner ist der ADCC-Repräsentant Andreas W. Schmidt. Bei weiteren Fragen oder Informationen zum Turnier bitte unter +49 (221) 2714129 erfragen.

ADCC German Qualifikation
Samstag, 18.09.2010
Realschulhalle
Goethestraße
50181 Bedburg


Zeitplan:
Waage von 10:00 - 11:00 Uhr
Rulemeeting ab 11:30 Uhr
Beginn der Kämpfe 12:00 Uhr
Ende der Veranstaltung ca. 19:00 Uhr

Regeln:
Die Kämpfe finden nach dem KO-System statt.
Es gelten die offiziellen ADCC Regeln

Gewichtsklassen:

Männer:
-65,9 Kg
-76,9 Kg
-87,9 Kg
-98,9 Kg
+99 Kg

Frauen:
-55,9 Kg
-65,9 Kg
+65 Kg

Startgeld:
35 Euro bei Anmeldung bis zum 08.08.2010
45 Euro ab dem 08.-08.2010