Grappling

DGL-Finale in Aschaffenburg

Fotos: Mirko Kannenwischer / GroundandPound

Fantástico, Fantastico, Fantastique, Fantastic, Fantastisch! So die Superlative zum gestrigen DGL-Finale der Mannschaften in Aschaffenburg! Rund 65 Athleten gehörten zum eltitären Kreis der Finalisten. Am Ende gewann der Top-Favorit Mogons aus Mainz zwar sehr knapp, aber dennoch verdient, das Finale gegen die Muchachos aus Stuttgart.

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Aber der Reihe nach. Beim derzeitigen Grapplingevent Nummer eins in Deutschland standen acht Teams mit ihren jeweiligen Teamchefs im Rampenlicht der Finalrunde 2011. Die Arena in Aschaffenburg war ein würdiger Austragungsort für eine solche Veranstaltung. Die DGL-Verantwortlichen Franco de Leonardis, Daniel Ackerman und Peter Angerer schafften es, das letztjährige Finale sogar noch zu toppen.

Die Top-Grapplingelite aus dem deutschen Lande war vor Ort, um die Besten zu ermitteln. Mit dem Titelverteidiger Sparta Essen waren außerdem die Ruhrpott Lutadores, das Berliner Grappling Team, die Stuttgart Muchachos, die Southside Connection, Mogons aus Mainz und die Nachrücker Ferrari Jiu-Jitsu Team sowie die Aschaffenburg Monkeys am Start.

Die beiden Divisionsgewinner Nordmänner und Taifun Luta Livre blieben wegen großer Verletzungssorgen der Veranstaltung fern. Während Taifun Anfang vergangener Woche das Handtuch warf, erwischte es die Nordmänner am Donnerstag. Kein eitler Sonnerschein in Düsseldorf und im hohen Norden.

Im ersten Viertelfinale kam es zum Aufeinandertreffen zwischen den Mogons aus Mainz und den Ruhrpott Lutadores. Der Tabellenerste aus der Divisions 3 gegen den Tabellendritten der Division 2. Das Trainerdreigespann Holtmann, Deimann und Davis hatte im Vorfeld mit vielen Verletzten zu tun und konnte so nicht mit dem besten Team auflaufen, trotzdem traten sie beim Finale an und gaben alles. Doch am gestrigen Tag waren die Mogons einfach nicht zu bezwingen, gingen in den sieben Partien ungeschlagen von der Matte und fertigten die Ruhrpottler 31:0 bei fünf Submissionsiegen ab. Da man im KO-System kämpfte, war als erstes Team die Mogons im Halbfinale.

Die Aschaffenburger Monkeys wurden vor der zweiten Partie kurzerhand aus dem Urlaub auf die Matte geholt. Gegner waren die Southside Connection, mit dem Teamleader Gregor Herb und dem deutschen UFC-Veteran Peter Sobotta. Die Southsider warfen die Aschaffenburger mit 6:1-Siegen aus dem Finale. Nur Christian de la Roca sicherte den Aschaffenburgern mit seinem Sieg den Ehrenpunkt. Aber Herb, Sobotta und die restlichen Southsider sorgten für den Viertelfinalsieg. Hervorzuheben ist hierbei die phänomenale Leistung von Dima Götte, der mit knapp 60 Kilo in der Klasse bis 80 Kilo für die Southside Connection an den Start ging und sein Duell deutlich nach Punkten gewann.

Im dritten Viertelfinale kam es zum Aufeinandertreffen zwischen den Berlinern und den Spartanern aus Essen. Es stand auf des Messers Schneide. In einem engen Mannschaftsduell besiegte Titelverteidiger Sparta Essen das Grappling Team aus Berlin mit vier Siegen und einem Unentschieden und erreichte ein Endergebnis von 17:5 Punkten.

Nach den ersten vier Begegnungen stand es Unentschieden zwischen den Berlinern und den Spartanern und das Duell zwischen Timo Kindling und dem ehemaligen Shooto Europameister Volker Dietz endete ebenfalls in Unentschieden. Auch Teamchef Frank Burczynski ging auf die Matte. Er bekam es mit einem alten Bekannten zu tun: Jörg Lothmann. In einem spannenden Kampf gewann Lothmann über die Punkte gegen Burczynski. Mit einem Punktesieg und einer abschließenden Submission, besiegelten die Spartaner dann aber das Schicksal der Berliner und zogen mit einem Endstand von 15:7 Punkten ins Halbfinale ein. Wie auch in der vergangenen Saison war es den Berlinern nicht vergönnt, an den Spartanern vorbei zu kommen.

Ferrari sprang ebenfalls mit ein paar Tagen Vorbereitungszeit mehr als die Aschaffenburger im Finale ein. Trotz großem Kampf unterlag Ferrari. Selbst der Deutsche DGL-Einzelmeister 2011, Edis Bektas, konnte das Ruder nicht herumreißen, auch er verlor seinen Kampf nach Punkten 0:3. Die Sombrero-Träger wiederum entpuppten sich als ein heißer Anwärter auf den Titel. Mit einer starken technischen Leistung um Artukovic und Co., sicherten sie sich die nötigen Siege. Im Endeffekt sprangen vier Submission- und drei Punktesiege heraus. Damit rückten die Schwaben verdient und ungeschlagen ins Halbfinale.

Im ersten Halbfinale standen sich somit die Mogons aus Mainz und die Southside Connection gegenüber. Während die Southsider den ersten Kampf gewannen, glich Maurice Skrober im zweiten Kampf gleich wieder aus. Im Team der Mainzer stand mit Skrober einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsgrappler auf der Matte. Der erst 19-jährige Supertechniker ließ seinem Gegenüber Konstantin Götte keine Chance. In Rekordzeit sicherte er sich mit einem Beinhebel die Punkte für die Mainzer.

Trainingspartner Etienne Steffen wollte es nachmachen, Matthäus Buschkamp hielt aber stark dagegen. Dennoch sicherte sich Steffen vorzeitig den Sieg. Marc Becker bekam es im nächsten Kampf mit dem 10 Kilo leichteren Dima Götte zu tun. Wie im ersten Kampf konnte der kleine, quirlige Götte seine Schnelligkeit gut ausspielen, ehe letztendlich aber trotzdem Becker mit 3:0 gewann.

Zu einem klasse Kampf kam es beim Aufeinandertreffen zwischen Peter Sobotta und Teamkapitän Patrick Herring. Trotz großen Kampfes bekam Sobotta Herring zum tappen. Auch Gregor Herb überzeugte gegen den Mainzer Mike Mullineaux durch eine Submission. Der letzte Kampf sollte die Entscheidung bringen. Der Mainzer Benjamin Russ sicherte sich durch starken Kampf die notwendigen Punkte für den Einzug ins Finale.

Gleich im ersten Fight des zweiten Halbfinales zwischen dem Stuttgarter Robert  Westermann und dem deutschen DGL-Einzelmeister Ali Selcuk Ayin gab es eine kleine Sensation, denn Westermann brachte Ayin zum tappen. Im Kampf darauf erwischte es Franjo Artukovic beinahe böse. Beim Versuch eines spektakulären Flying Armbar, fiel er unglücklich auf den Hinterkopf. Nach kurzer Bewusstlosigkeit seitens Artukovic ging der Sieg an die Spartaner.

Super-Grappler Daniel Jacko, von den Spartanern, bekam es dann mit dem Stuttgarter Alan Omer zu tun. In einem packenden Kampf ging der Sieg an Jacko. Doch die Geheimwaffe Felix Penzer und Super-Techniker Dominik Artukovik holten jeweils durch Submissions die jeweiligen Siege. Volker Dietz, von den Spartanern, hatte darauf das Nachsehen gegen den Schwaben Andre Lix. Ergebniskosmetik betrieb dann nur noch Manuel Masuch, nach seinem Sieg im letzten Kampf für die Spartaner. Damit war der starke Titelverteidiger Sparta Essen aus dem Rennen. Schön: Nach Ende der Veranstaltung verlieh Ober-Spartaner Les Herden Masuch den Lilagurt.

Im großen Finale kam es somit zum Aufeinandertreffen zwischen den Stuttgarter Muchachos und den Mogons aus Mainz. Die Vorzeichen für die Mainzer standen recht gut. In der Meisterschaftsrunde besiegten sie die Stuttgarter mit 14:12. Hier war also für die Stuttgarter noch einiges gut zu machen. Wieder siegte der gut aufgelegte Robert Westermann gegen Sami Aita durch Submission und brachte somit die Stuttgarter in Führung. Maurice Skrober war nun ein wenig unter Zugzwang zu gewinnen, damit die Stuttgarter nicht gleich davon zogen. Doch sein Gegner Florian Wendle konnte Skrobers Technik nicht viel entgegensetzen. Damit kam es zum Ausgleich. Der Kampf Steffen gegen Omer musste darauf nach kurzer Zeit abgebrochen werden, weil Omer sich am Kniegelenk verletzt hatte. In einem der besten Kämpfe des Finaltages gelang Dominik Artukovic gegen Ober-Mainzer Patrick Herring der Sieg über die Punkte. Beide schenkten sich nichts.

Ein wahres Feuerwerk von spektakulären Techniken, welches die Zuschauer zum Zungenschnalzen verführte. Dennoch lagen die Stuttgarter noch mit 8:10 im Rückstand. Mullineaux und Russ machten dann aber ernst und schlugen ihre jeweiligen Gegner Penzer und Lokhov. Im abschließenden Kampf gewann dann zwar noch Andreas Zeier gegen Niels Wernersbach, doch konnte das am Finalsieg der Mainzer nichts mehr ändern. Damit wurden die Mogons aus Mainz der neue Deutsche Mannschaftsmeister und damit Nachfolger von Sparta Essen.

Kurios: Die Stuttgarter sind trotzdem das erfolgreichste Team. Dies war ihre zweite Vizemeisterschaft hintereinander. Dies ist zwar ein schwacher Trost für Ober-Muchacho Michael Hockenjos – aber Realität. Die Mainzer nahmen neben der Meisterschaft und einem über einen Meter hohen Pokal auch eine Meisterprämie von 2.000 Euro entgegen.

GroundandPound wünscht dem neuen Titelträger Mogons Mainz alles Gute zum Titel!

Stimmen zum Finale:
Frank Burczynski, Teamchef des Berliner Grappling Teams sagte: „Das Berliner Grappling Team war stolz darauf, Teil dieses Events zu sein. Das Niveau hat sich nochmal um 1.000% erhöht... Wahnsinn, was für hochkarätige Kämpfe wir gesehen haben. Wir glauben fest daran, dass eine Einrichtung wie die Grappling Liga unseren Sport weiter nach vorne bringt und viel populärer macht. Gratulation an den Deutschen Meister aus Mainz!

DGL-Verantwortlicher und Veranstalter Daniel Ackerman äußerte sich folgendermaßen: „Wir waren rund um zufrieden, die Teams haben sich erstklassig Präsentiert. Ich denke, für jeden Grapplingfan war die Qualität der Kämpfe eine Augenweide. Weiter so Jungs!“

Michael Hockenjos sagte zum erneuten zweiten Platz: „Wieder nur Zweiter? Ich sehe das so: Letztes Jahr fast erster, dieses Jahr auch.

Wie andere Teams, konnten auch wir nicht in Bestbesetzung antreten. Nico (Penzer) fiel aufgrund einer Verletzung von der Submissao aus, Sascha (Petraitis) musste die Teilnahme gestern Morgen absagen. Ich selbst bin auch noch nicht ganz fit und bin der Versuchung wiederstanden, mich selbst einzusetzen.

Für Sascha konnte ich ein Nachwuchstalent aus meiner Schule einsetzen. Andreas Zeier konnte Sascha Petraitis würdig vertreten und unterlag nur dem viel Erfahreneren Masuch von den Spartanern. Bei Nico Penzer war das nicht so einfach, der Ausnahmeathlet wurde sehr gut vertreten von Andre Licks. Jedoch verletzte der sich nach seinem zweiten Kampf und wir mussten Sergej Lokhov bis 90 Kilo ins Finale schicken. Bis 65 Kilo hatten wir drei Kämpfer, bis 70 nur einen. Auch hier mussten wir im Finale etwas tricksen nachdem sich Franjo Artukovic im zweiten Kampf verletzte. Florian Wendle startete für ihn bis 70 Kilo und versuchte, in einem spannenden Kampf mit Maurice Skrober sein Bestes, keine Punkte abzugeben.

Die erste Runde war überraschend leicht, wir hatten erwartet, auf die Taifuns zu treffen und uns das Halbfinale hart erkämpfen zu müssen.

Die zweite Runde gegen Sparta Essen war klasse. Wir wurden letztes Jahr, wie andere Grappling Teams, von der Kampfführung der Spartaner überrascht. Wir konnten unsere Strategie aufgrund der letztjährigen Erfahrungen gut einstellen. Robert Westermann setzte die besprochene Vorgehensweise mit ganzem Herzen um und ließ Ali Selcuk keine Luft. Er folgte der roten Linie derart konsequent, dass er Selcuk aus der Unterlage-Mount mit Guillotine zur Aufgabe zwang. Diesem Beispiel folgend, nahm die Begegnung seinen Lauf und wir konnten die Spartaner verdient schlagen.

Dass besonders das Finale äußerst eng wird, egal ob mit Mainz oder einem anderen Top-Team, welches sich ins Finale vorkämpft, war klar. Die Kämpfe waren so eng, dass ich Franco de Leonardis nicht darum beneidet habe, die eine oder andere Entscheidung treffen zu müssen. Besonders als Alan Omer bis 75 Kilo beim Angriff mit einer eingesprungenen Beinschere vom Mainzer Kontrahenten verletzt wurde, wurde nach kurzer Beratung von der Kampfleitung entschieden: Verbal Tap Out von Omer, der Sieg wurde dem zugesprochen, der den Angriff durchgeführt hat.

Eine schlechte Entscheidung für mich, nicht nur weil es uns sozusagen die Meisterschaft kostete, sondern auch weil ich es für falsch halte, solche Zeichen zu setzen. Andere könnten sich ein Beispiel daran nehmen und den Gegner absichtlich verletzen, z.B. durch Flying-XY, der Partner kann nicht mehr kämpfen und ist somit raus.

Trotz allem bin ich sehr zufrieden mit unseren Jungs. Einstellung, Einsatz, Erfahrung und Teamgeist haben uns wieder ganz nach vorne gebracht. Das Training hat sich ausgezahlt, die Stunden in der Academy, mit den Trainingskameraden, wo andere sich vergnügen - zu lernen und zu schwitzen.

Ich hoffe, dass die Verletzungen alle auskuriert werden und alle Athleten wieder antreten können. Ich selbst habe in meinem Sport-Leben viele Erfahrungen, auch mit Verletzungen gesammelt und bin der Überzeugung, dass auch diese Erfahrungen genutzt werden können. In meinem Unterricht und bei Trainingswochen ist das auch immer ein Thema. Denn Sicherheit trainiert man für sich selbst, für den anderen und natürlich für die Effizienz der eigenen Technik.

Besten Dank an alle, die dieses Event unterstützt und einen großartigen Kampfsportevent ermöglicht haben. Danke an unser Team, Arte Suave und Maluco - Viva los Muchachos!“

Franco de Leonardis meinte: „Meinen größten Respekt an alle beteiligten Teams, es war mir ein Ehre, solche spannenden kämpfe zu schiedsen.“

Das letzte Wort gehört den Deutschen Meistern um Teamkapitän Patrick Herring: „Also, nachdem ich mich gestern ja schon bei allen bedankt habe, wir in Mainz freuen uns natürlich unglaublich über diesen Gewinn und vor allem auch darüber, ein Teil von der ganzen positiven Entwicklung im Grappling zu sein. Gestern waren fast alle der besten Kämpfer Deutschlands da und dementsprechend hoch war auch das kämpferische Niveau. Wir hoffen, dass das einfach eine gute Werbung für unseren Sport war und dass sich Grappling mit Unterstützung der DGL und der FILA immer weiter verbreiten wird. Für uns Mainzer war das gestern der Abschluss einer Supersaison und wir sind endlich da angekommen, wo wir hinwollten.

Wir haben gezeigt, dass man auch in nur fünf Minuten Kampfzeit mit technisch gutem Grappling gewinnen kann. Aber vor allem hat das alles geklappt, weil wir als Team super zusammengearbeitet haben. Keine Eitelkeiten, keine Einzelkämpfer und jeder hat sich der Taktik gegen den jeweiligen Gegner angepasst. Auch wenn das manchmal hieß, dass derjenige mal eine Runde ausgesetzt hat. So sieht gutes Teamwork aus und so macht es vor allem einen Riesenspaß, mit diesem Team auf Turniere zu fahren und gemeinsam zu kämpfen. Und jetzt freuen wir uns auf die nächste Saison!“

GnP-TV war außerdem vor Ort, holte Statements ein und führte viele Interviews mit den Gewinnern und Verlierern. Die Videos von den Interviews werden sukzessive bei GnP-TV und facebook eingestellt.