Grappling

Das Berliner Schwarzgurt-Doppel

Heiko Schönborn und Christian Kühn, jetzt BJJ-Schwarzgurtträger. (Foto: Heiko Schönborn)

Am vergangenen Wochenende wurde aus den Händen von Michael Haselein der schwarze Gürtel im BJJ an die Berliner Heiko Schönborn und Christian Kühn verliehen. Für die beiden amtierenden BJJ European Champions wurde der Traum wahr, der Schwarzgurt ist der Lohn für die harte Arte und vielen Entbehrungen. Beide gaben nach der Verleihung ein Doppelinterview.

GroundandPound: Erst einmal herzlichen Glückwunsch an die beiden neuen BJJ-Schwarzgurte. Wie glücklich seid ihr?
Heiko Schönborn: Ahhhh, was soll ich sagen. BJJ bedeutet mir sehr sehr viel. Nach der Prüfung war ich innerlich sehr aufgewühlt. Ich musste mir auch das Wasser aus den Augen halten, bei den harten Kerlen, die da waren.

Jetzt wo ich langsam zur Ruhe komme realisiere ich das viel mehr. Es ist eines der größten Ziele die ich im Leben erreichen konnte und wollte. Ich habe durch BJJ sehr viele Menschen kennen gelernt. Viele die mir und uns geholfen haben uns weiter zu entwickeln, BJJ aus anderen Winkeln zu sehen und einfach gute Freunde und Menschen sind.

Christian Kühn: Ich bin ein wenig sprachlos und überwältigt zu gleich, vielleicht weil ich es noch nicht ganz fassen kann. Aber natürlich bin ich überglücklich – es war ein toller Moment, die Urkunde überreicht und die neue Gürtelfarbe um die Hüfte gebunden zu bekommen. – Ich glaube Heiko Schönborn, mit dem ich diese Prüfung beim deutschen Dachverband unter Micha Haselein im Umfang  von zwei Tagen abgelegt habe, kann mir das bestätigen.

Es war einfach die Krönung nach der Goldmedaille auf den Open European Championships der IBJJF.

Hat sich die harte Arbeit jetzt endlich für euch ausgezahlt?

Heiko Schönborn: Definitiv. Die Farbe ist aber nicht er primäre Lohn, sondern die Freude und Leidenschaft auf der Matte. An die neue Farbe muss man sich immer etwas gewöhnen. Die Leute sind aber heißer drauf dich zu tappen, also strengen sie sich mehr an, also mehr Training für sie und mich, hahaha

Christian Kühn: Das kann man wohl sagen, denn nicht nur die „Arbeit“ auf der Matte, sondern das ganze Drumherum, hier meine ich die Familie, Freunde, Arbeit und was uns alltäglich umgibt, leiden ja auch ein wenig darunter, denn jeder der diesen Sport mit einer gewissen Intensität und Intention betreibt, weiß, dass es sich zu einem Lifestyle entwickelt – der Lebensinhalt wird, für den nicht immer unbedingt alle Verständnis aufbringen können.

Welcher Grad war für euch am problematischsten?

Heiko Schönborn: Das kann ich nicht sagen. Ich kann rückblickend sagen, dass es in jeder Phase eine eigene Entwicklung gab, die ich bei mir festgestellt habe und auch bei anderen BJJlern feststelle.
Der problematischste Schritt war in der Braungurtphase, die Trennung von meinem Trainer Ulf Ehlert, was mich doch sehr belastet hat. Probleme im Training hatte ich nie wirklich unser Team war und ist großartig, nur der innere Schweinehund muss oft besiegt werden.

Christian Kühn: Naja sagen wir mal so, meinen größten Tiefpunkt bisher hatte ich in 2009 als Faixa Roxa, als ich mir bei einem Ju Jutsu Allkampfturnier das vordere Kreuzband und das Innenband gerissen hatte. Ich kenne es so, dass die meisten Leute nach einer solchen Verletzung mit ihrem Sport aufhören, nicht mehr auf die Matte zurückkehren, aber einer von denen wollte ich nicht sein. Natürlich ist es verdammt schwer, diese Selbstdisziplin aufzubringen, nur beim Training zu zuschauen, Instructionals zu studieren und diese Sachen mental durch gehen und nicht den Fehler begehen, überstürzt wieder das Training beginnen und so wieder irgendwelche Verletzungen davon zu tragen. Das war wohl eine sehr harte Prüfung.

Was liegt euch am Bodenkampf besonders?

Heiko Schönborn: Ich habe "fast" nichts was ich speziell trainiere. Unser Training unterliegt immer einer großen Rotation. Ich lege mich selten auf eine Technik oder Position fest. Ich versuche Teile zu verbessern wo es mir schwerer fällt zu kämpfen oder wo mich meine Trainingspartner unter Druck setzen können. Ich möchte so universell wie möglich sein und das auch an meine Leute weiter geben.

Christian Kühn: Es ist Schach spielen auf einem anderen Niveau – das ist das Schöne. Körper und Geist bilden eine Einheit und man spielt mit seinem Gegenüber nur auf der Matte – irgendwann zeigt sich ob du gewinnst oder verlierst. – Den Ego muss man beim Training einfach vor der Tür lassen, auf Wettkämpfen kann man dann alles raus lassen.

Welches sind eure nächsten Ziele?

Heiko Schönborn: Die wichtigsten Ziele sind das Vorantreiben unserer neuen Akademie. Endlich haben wir ein eigenes zu Hause um alles umzusetzen was nötig und möglich ist. XTFC Fight Nutrition ist seit diesem Jahr mit uns an Board um uns noch weiter zu pushen. Ich will versuchen so lange wie möglich mit der BJJ Akademie auf Wettkämpfen anzutretten. Wie der Körper das eben mit macht.

Christian Kühn: Soweit es Familie und Arbeit zu lassen, weiterhin hier und da einen Wettkampf bestreiten, mein Wissen auf Seminaren ausbauen und an andere im Training und auf Seminaren teilen und weitergeben, um zu sehen wie dieser Sport in Deutschland an Popularität gewinnt und das Niveau stetig steigt.

Danke für das Interview. Der letzte Satz gehört wie immer euch!

Heiko Schönborn: Ich bedanke mich bei all meinen Trainingspartner die im laufe der Zeit meinen Weg gekreuzt haben. Vor allem Ulf Ehlert und Christian Kühn mit denen ich gestartet bin.... Lucio Linhares, Alex Monsalve für das aufzeigen der Grenzen....wie stark BJJ Profis wirklich sind....allen Jungs und Mädchen der BJJ Akademie Berlin, der IMAG, dem großen Frank Burczynski und dem Ringside...... auch für die Zukunft.... Micheal Haselein, Peter Frontera, Christoph Schadek und dem BJJBD für die Möglichkeit des Blackbelt Test. Es sind einfach viel zu viele... Osuuuuuuu!

Christian Kühn: Alles bewegt sich in Zyklen und irgendwann schließt sich der Kreis und ihr bekommt zurück, was ihr in diesen Sport reingesteckt habt. Vielen Dank an die gesamte BJJ Akademie Berlin, das Team von der IMAG Berlin mit denen wir eng zusammen arbeiten und natürlich an unseren neu gewonnenen Sponsor XTFC Fight Nutrition.