Grappling

„Buschkamp Bros. 2.0 verdanken wir Augusto Frota“

Thomas Buschkamp (2 v.l.) und sein Trainer Augusto Frota (3 v.l.) (Foto: Frota Team Nogueira)

Alle guten Dinge sind drei. Das zählt gerade für die Buschkamp Bros. Das Trio ist sehr erfolgreich und viel auf den Grappling- und BJJ-Matten rund um die Welt zu sehen. Auch Thomas Buschkamp mag die Zahl drei sehr. Gerade in Verbindung mit dem Mittel RheinCup, Submissao und Munich Open. Alle Turniere wurden innerhalb der vergangenen drei Wochen veranstaltet. Auf allen drei Turnieren war er auf dem Treppchen.

Groundandpound.de: Hallo Thomas, ein dreifaches herzlichen Glückwunsch zu deinem dreifachen Treppchenplatz. Der Mittel RheinCup, Submissao und am vergangenen Wochenende die Munich Open gehörten (fast) dir. Hast du eigentlich vor, bei jedem Turnier ganz oben auf dem Treppchen sein?
Thomas Buschkamp: (lacht) Ab dem Moment, an dem ich IMMER ganz oben auf dem Treppchen bin, wäre es kein Reiz mehr für mich zu kämpfen, Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, gegen Kämpfer auf der Matte zu stehen, die mich fordern und mich in der Entwicklung als Sportler aber auch als Mensch voranbringen.

Wie erklärst du dir deinen Erfolg?
Nimm eine große Portion Disziplin, verrühr es mit Geduld, zwei Löffel Spaß daran und pack es sieben Jahre lang in den Ofen bzw. auf die Matte (lacht). Was mich vorangebracht hat und wo ich einen riesen Vorteil gegenüber den anderen habe, ist, dass ich Leute um mich habe, die den gleichen Traum teilen, die genauso motiviert sind, die mir Tag für Tag in den Arsch treten, die mir wieder aufhelfen, wenn ich auf dem Boden liege, die mir die Tränen wegwischen und mich wieder auf meine richtige Bahn bringen.

Du gibst auf der Matte stets den Ton an, bist du bei deinen Brüder auch der Anführer?
Anführer? Meine „KLEINEN“ Brüder (Martin und Matthäus) sind zwei Tasmanische Teufel, die sich einen riesen Spaß daraus machen, wenn sie mich hauen, treten, werfen oder submitten. Das mit Anführer kann man so nicht sagen, klar bin ich der große Dalton-Bruder, trotzdem lerne ich sehr viel von den beiden, nicht nur sportlich, sondern auch im täglichen Leben.

Man konnte bei dir einige neue Moves sehen. Hattest du diese extra für die Turniere trainiert?
Ich habe in der Tat ein paar neue Moves. Ich reise ja sehr viel und trainiere auf der ganzen Welt mit Spitzenathleten: Augusto Frota (FROTA TEAM ZÜRICH), Ed Ramos (ATOS), Claudia Calasans (ATOS), RODOLFO VIERA (GFTEAM), CICERO COSTHA (Trainer von LEANDRO LO und den MIYAO BROS.) und  Marcus Aurelio sind nur einige der Namen, mit denen wir in letzter Zeit trainiert haben.

IM BJJ/NO-GI gibt es viele Techniken, nicht jede passt zu jedem Sportler, das liegt meistens an physischen Bedingungen wie Größe, Stärke, Flexibilität bzw. die Athletik im Gesamtpaket. Trotzdem sollte man einen Nagel mit einem Hammer in die Wand hauen und nicht mit einer Wasserwage (lacht). D.h. um effizient zu kämpfen, sollte der Gameplan an den Gegner angepasst werden, bei einem guten Ringer pull ich Guard, einen Hulk mit 45 cm Oberarmen werde ich choken etc.

Zwei tolle Beispiele sind z.B. hier zu sehen. Bei der siebten Sekunde einen Guardpull Sweep Move a la Marcelo Garcia, da ich es für strategisch einfacher gehalten habe, so diesen 130 Kilo Judo Black Belt Koloss auf den Boden zu bringen (lacht). Bei 1:09 einen Guard Pass into Flying Armbar a la Shinya Aoki, richtige Technik im richtigen Moment. Ich bezweifle, dass ich ihn aus irgendeiner Topposition gearmlocked hätte.

Was liest du in den Augen deiner Gegner, wenn sie sehen, dass es gegen dich geht?
Ich liebe es, unter Druck zu performen, genau das gibt mir den Kick. Vielleicht sollte ich mal beim Fallschirmspringen rollen oder so. Man muss sich mit diesem Kribbeln im Bauch anfreunden, man muss lernen mit der Angst umzugehen. Wenn man keine Angst hat zu verlieren, dann heißt es auch irgendwie, dass es einem nicht wichtig ist. Es stimmt, dass viele meiner Gegner im deutschen Raum mich kennen. Das kann verschiedene Folgen haben, das von ohhhh nein bis hin zu „Hammer, endlich darf ich mal“ führen kann...

Wird der Druck jetzt für dich bei deinem nächsten Auftritt sehr groß sein?
Der Druck lastet eigentlich mehr auf mir als an ihnen, da ich die Zielscheibe bin und es immer einfacher ist, als Underdog in einen Kampf zu gehen.

Ziehst du dein Game gegen deine Gegner stets durch oder varierst du mitten im Kampf?
Das ist eine gute Frage. Da ich ein sehr temperamentvoller Mensch bin und oft auf mein Bauchgefühl höre, treffe ich leider ab und zu Entscheidungen, für die mich meine Brüder und mein Trainer Augusto Frota am liebsten Backpfeifen würden. Matthäus macht es dann auch mal (lacht). Und so wird auch sehr schnell aus einem sicheren ersten Platz ein zweiter, da ich eine Position für eine Submission hergeschenkt habe. In meinen Augen sollte Jiu-Jitsu so sein, trotzdem werde ich es in Zukunft besser abwägen, wann eine Kamikazeaktion angebracht wäre.

Das Level ist bei den Buschkamp Bros. ziemlich hoch. Wie pusht euch euer Trainer aber zu noch mehr Leistungen?
Wem wir Buschkamp Bros. 2.0 zu verdanken haben, ist Augusto Frota. Er steckt nicht nur Geld, Zeit und viele viele Stunden in uns hinein, sondern ist auch unser Mentor und Freund.

Was fehlt dir noch, um bei den ganz großen internationalen Turnieren mithalten zu können? Und was steht jetzt bei dir an, wo wird man dich kämpfen sehen?
Ich denke, ich bin bereit für die ganz große Bühne, ich denke meine Skills und meine Erfahrung sind auf einem Level, mit dem ich mich auch international nicht verstecken muss. Leider sind solche Turniere mit hohen Kosten verbunden, und da man leider mit BJJ nicht wirklich Geld verdienen kann, muss ich sehr stark selektieren, wo ich kämpfe und mir ist es lieber, vier Mal im europäischen Ausland zu kämpfen als einmal in den USA. Also wenn jemand Lust hat, einen ambitionierten jungen Grappler zu sponsern, der das Auge des Tigers hat und sehr hungrig ist, meldet euch bei mir.

Vielen Dank, der letzte Satz ist wie immer deiner!
Ich würde mich gerne noch bei GEVAS bedanken, die mich schon unterstützt haben, als noch niemand an mich geglaubt hat. Außerdem bedanke ich mich bei AUGUSTO „PAU NO GATO IRMAO“ und meinen beiden kleinen Tasmanischen Teufeln! PEACE, LOVE & JIU-JITSU.