Grappling

Anke Müller ist die Nummer eins der Welt

Foto: Anke Müller

Anke Müller fliegt von Erfolg zu Erfolg. Sie ist die Beste, die Nummer eins der Welt der IBJJF. In  Europa kann ihr keine in ihrer Gewichtsklasse mehr das Wasser reichen. Nach dem Gewinn der Rom International Open und No-Gi European Championship sollte jetzt Mundial folgen. Da wäre Anke Müller gern dabei, um zu zeigen, dass sie auch unter den Besten, die Beste ist.

Groundandpound.de: Hallo Anke, herzlichen Glückwunsch zu deinen vier Medaillen! Wie glücklich bist du jetzt mit einigen Tagen Abstand?
Anke Müller: Nun, wer mich kennt, weiß natürlich, dass ich am liebsten (wieder) vier Goldmedaillen mit nach Hause gebracht hätte. Leider war das Starterfeld in meiner Kategorie etwas dünn gesät, weshalb ich mich auch entschieden habe, eine Gewichtsklasse höher als sonst (also Mittelgewicht statt Leichtgewicht) anzutreten damit ich überhaupt eine Gegnerin hatte. Lieber einen schönen Kampf gemacht und ehrenhaft verloren als kampflos Erste zu werden. Eine Goldmedaille ohne dafür gekämpft zu haben (vor allem wenn ich ganz genau weiß, dass ich alleine in meiner Gewichtsklasse bin) ist in meinen Augen nichts, worauf man stolz sein kann. Nun, ich habe sowohl mit als auch ohne Gi den Finalkampf im Mittelgewicht verloren. Und das gegen eine Gegnerin, die ich hätte schlagen können und in der Vergangenheit auch schon mehrfach geschlagen habe. Auch meine Gegnerinnen lernen eben dazu. Am Ende hat es dann für zwei Goldmedaillen in der Offenen Klasse mit und ohne Gi und zwei Mal Silber im Mittelgewicht Gi und No-Gi gereicht.

Bei den Rome International Open (mit Gi) hast du Silber im Mittelgewicht und Gold in der offenen Klasse gewonnen. Wie ist das für dich zu werten?
Bei meinem ersten Kampf im Mittelgewicht mit Gi, der gleichzeitig der Finalkampf war, hatte ich zunächst Schwierigkeiten in den Kampf hineinzufinden. So war einer meiner Versuche, eine Submission anzubringen, nicht eng genug und es gelang es meiner italienischen Gegnerin, meine Guard zu passieren und ihre Top-Kontrolle bis zum Ende der Kampfzeit zu behalten. 0:3 nach Punkten verloren.

In der Open Class hatte ich dann meine Revanche. Während meine Gegnerin durch einen Punktsieg über eine zwei Gewichtsklassen leichtere israelische Kämpferin relativ leicht ins Finale kommen konnte, hatte ich in doppelter Hinsicht das schwerere Los gezogen. Ich musste gegen eine starke Medium-Heavy-Kämpferin aus England ran, konnte den Kampf aber mit einem Guardpass 3:0 gewinnen. Also Finale wieder gegen die Italienerin. Diesmal konnte ich mir direkt zu Beginn die Closed Guard sichern und von dort aus attackieren. Meine Gegnerin hat sehr gut verteidigt, blieb aber ansonsten relativ passiv, sodass nach meine Mühen nach Ende der Kampfzeit bei einem Punktestand von 0:0 mit einem Kampfrichterentscheid zu meinen Gunsten belohnt wurden.

Einen Tag später auch in Rom bei den No-Gi Europeans (offene Europameisterschaft ohne Gi) war es nochmals Silber im Mittelgewicht und Gold in der Open Weight Kategorie. Wie bewertest und analysierst du da deine Kämpfe?
Die No-Gi Europeans waren fast eine Wiederholung des Kampftages mit Gi. Diesmal war ich mit meiner Leistung im ersten Kampf eigentlich ganz zufrieden. Leider gelang es mir trotzdem nicht, den Punkterückstand von 0:2 wieder aufzuholen, den ich mir durch einen Fehler gleich zu Beginn des Kampfes eingefangen hatte. Ich war die ganze Kampfzeit hindurch in der Offensive, was am Ende dennoch leider nur für 4 Advantages gereicht hat. Und in dem Moment, wo ich mir endlich ihren Arm gesichert hatte und zum Hebel ansetzen wollte, war die Zeit rum. Das sind so die Momente, wo man am liebsten ganz laut "***" schreien möchte.

In der Open Class auch hier wieder das gleiche Spiel wie im Gi. Meine Finalgegnerin kam im Halbfinale wieder gegen die Light-Feather-Kämpferin und konnte sie diesmal auch relativ schnell submitten. Ich durfte wieder gegen die Medium-Heavy-Kämpferin ran, konnte sie aber nach einem kräftezehrenden Halbfinal-Match mit einem Sweep 2:0 besiegen.

Im Finale gelang es mir auch diesmal, die Closed Guard zu sichern und von dort aus meine Angriffe zu starten. 30 Sekunden vor Ende der Kampfzeit stand es immer noch 0:0. Dann kam ich endlich mit einem meiner Angriffe durch und konnte eine kleine Unachtsamkeit meiner Gegnerin nutzen um sie mit einem Armhebel zu beenden. 30 Sekunden vor Schluss hatte ich endlich doch noch meine Submission! Ich war erleichtert und überglücklich und gleichzeitig total fertig. Europameisterin No-Gi in der Absolute Division!

Damit hast du dir deinen vierten EM-Sieg in Folge erkämpft. Bist nun amtierende Europameisterin mit und ohne Gi in der offenen Klasse und die aktuelle #1 in der Weltrangliste der IBJJF sowohl mit als auch ohne Gi. Bist du am Ziel deiner Träume?
Zusammen mit meinem Sieg bei den European Open 2013 (Mittelgewicht, Blue) und 2014 (Absolute, Purple) und bei den No-Gi Europeans 2013 (Light, Purple) ist das nun mein vierter EM-Titel in Folge.
Damit bin ich auf der Weltrangliste der IBJJF bei Purple Master 1 Female gleich in drei Kategorie auf Platz #1: Gi und No-Gi Open Class und No-Gi Lightweight (Da dieses Jahr niemand in der Leichtgewichtkategorie angetreten ist, habe ich immer noch den Titel vom letzten Jahr.)

Ich bin natürlich überglücklich. Ich hatte vor dem Turnier schon mal vorsichtig geschaut und nachgerechnet, von daher wusste ich, dass mich ein Sieg in der offenen Klasse mit und ohne Gi jeweils auf den ersten Platz der Rangliste bringen würde. Dass es dann tatsächlich auch so geklappt hat, war wirklich unbeschreiblich genial. Natürlich bin ich stolz und glücklich über meinen Erfolg, ich versuche jedoch mir nicht allzu viel darauf einzubilden. Back on the mats and business as usual heißt die Devise.

Was kann man von dir noch alles zukünftig auf der Matte erwarten?
Ich gebe mich natürlich damit nicht zufrieden. Wer zufrieden ist wird zu selbstsicher, träge und faul. Und das ist dann ganz schnell der Anfang vom Ende. Ganz im Gegenteil: Nach einem Turnier – egal ob gewonnen oder verloren – bin ich immer ganz besonders motiviert wieder auf die Matte zu kommen, zu trainieren und den ganzen neuen Input zu verarbeiten. Natürlich kennt man seine Stärken und Schwächen aber trotzdem ist jedes Turnier immer ein harter Prüfstein seiner eigenen Fähigkeiten und man bekommt nicht zuletzt auch wieder neue Impulse und Ideen die dann im Training direkt umgesetzt werden.

An was arbeitest du gegenwärtig noch, was dein technisches Repertoire noch vervollständigen wird?
Ich denke mal, ich selber (und natürlich mein Trainer) kennen die – definitiv vorhandenen – Lücken in meinem Game am besten. Ich weiß also, woran ich noch arbeiten muss, um mein Spiel kompletter zu machen, gewisse Schwachstellen zu eliminieren und Stärken auszubauen. Ich hoffe, es ist verständlich, dass ist darüber nicht zu sehr ins Detail gehen möchte.

In rund zwei Monaten ist Mundial-Time in Long Beach. Wäre das was für dich als Europas Beste in ihrer Gewichtsklasse. Die sollte doch da nicht fehlen?
Ich würde unheimlich gerne auf den Master and Seniors World Championships im Herbst in Long Beach kämpfen und rechne mir dort auch gute Chancen aus. Ein „kleines“ Problem sind die nötigen 1.000 bis 1.500 Euro, die ich leider nicht mal eben so nebenbei auf der hohen Kante habe (und die Turniere in Europa sind ja auch nicht gerade preiswert). Sollte ich das Geld doch noch irgendwie zusammen bekommen, stehe ich eher heute als morgen im Reisebüro um mir mein Flugticket nach LA zu buchen.

Wo wird man dich stattdessen demnächst wieder kämpfen sehen?
Durch IBJJF und NAGA gibt es mittlerweile so viele Turniere in Europa, dass es zeitlich und finanziell gar nicht mehr möglich ist, alle zu besuchen. Im Herbst wird definitiv London wieder auf dem Programm stehen, auch ein Abstecher nach Berlin und in die Niederlande ist schon fest eingeplant. Skandinavien und Osteuropa reizen mich auch schon länger. Ansonsten lasse ich einfach mal alles auf mich zukommen und entscheide spontan woran es sich lohnt teilzunehmen.

Neben dem IBJJF-Wettkampfbetrieb bin ich seit kurzem auch Mitglied des Newaza-Bundeskaders des DJJV. Ich bin sehr stolz und glücklich über die Möglichkeit, nun auch in dieser Liga mein Können unter Beweis zu stellen.

Vielen Dank, der letzte Satz gehört dir!
Ich habe zu danken. Deshalb an dieser Stelle erst mal herzlichen Dank an die Macher von Groundandpound für eure tolle Arbeit und für das Interview. Außerdem danke ich meinem Trainer Jörg Lothmann und allen die mich auf meinem Weg unterstützt und voran gebracht haben, ganz besonders meinen Trainingspartnern vom BJJ Team Marshmallow, Fight Team Impact Luxemburg, RFS Team Saarbrücken und selbstverständlich meiner Gruppe beim Unisport Trier. Mein Erfolg ist auch euer Verdienst. Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden und meinem Liebsten, dass sie es trotz allem immer noch mit mir aushalten. Außerdem möchte ich meinem Sponsor Scramble ganz herzlich für die tolle Ausstattung danken. Ich freue mich wirklich sehr, so einen klasse Sponsor gefunden zu haben.