Grappling

„Am Ende war schon die Teilnahme an den Masters der Hammer“

Rang drei für Torben Sander. (Foto: Torben Sander)

Am Ende belegte der Hannoveraner Torben Sander bei den Masters/Seniors in Long Beach, Kalifornien Platz drei. Der Blaugurt-Träger startete in der Gewichtsklasse bis 88,3 Kilo in der  Senior-1-Klasse. Der dritte Platz ist für Sander aber nur der Start in die kommenden Turniere. Bei den Munich Open im November und den BJJ Euros im Januar möchte Sander richtig durchstarten. Der Erfolg gibt ihm recht; jetzt werden die Taten folgen.

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz bei den Masters/Seniors! Wie zufrieden warst Du mit Deinen Kämpfen?
Torben Sander: Danke! Das Turnier lief durchwachsen für mich. Ich hatte in der ersten Runde ein Freilos und habe mir den Kampf meiner möglichen Gegner angeschaut. Dieser Kampf war kurz und schmerzlos, ein Kämpfer hat sehr klar dominiert und schnell durch eine Submission gewonnen. Da steigt die Aufregung schon, wenn man weiß, dass man auf so einen guten Fighter treffen könnte.

Mein erster Kampf war dann auch körperlich ziemlich fordernd, ich konnte auch kaum mein Spiel spielen. Bis 30 Sekunden vor Schluss lag ich nach Punkten zurück, konnte dann das Blatt noch drehen, so dass ich den Kampf bei Punktegleichstand mit einem Vorteil gewonnen habe.

Im Halbfinale bin ich dann an den späteren Sieger meiner Klasse getroffen und auch hier war es wieder eine knappe Sache;, diesmal hatte ich aber leider das Punktedefizit, als der Kampf vorbei gewesen ist.

Insgesamt muss ich feststellen, dass meine Gegner körperlich in Topform waren und mir verletzungsbedingt eine gute Vorbereitung gefehlt hat. Des Weiteren werde ich auch bei großen, wichtigen Turnieren wie den EUROS in Zukunft wieder eine Gewichtsklasse tiefer im Mittelgewicht und nicht Medium Heavy starten.

Also bist Du eher unzufrieden mit Deiner Leistung?
Eigentlich nicht! Ich bin ja erst vor drei Monaten Blaugurt geworden und wenn ich da jetzt schon die Worlds gewonnen hätte, dann wäre das wohl seltsam, oder? Die Bronzemedaille geholt zu haben, ist auch eine klasse Sache! Auf der anderen Seite bin ich nicht richtig auf Leistung gekommen, und das kannte ich bisher nicht. Dass ich meinen ersten Kampf so kurz vor Ende noch drehen konnte und das Halbfinale nur knapp verloren habe, das ist auch ein gutes Gefühl.

Wenn meine Vorbereitung besser geklappt hätte, dann wäre es vielleicht noch besser gelaufen. Hinterher lässt sich darüber ja immer einfach und viel spekulieren. Am Ende war schon die Teilnahme an den Masters/Seniors der Hammer!

Du hast ja schon mehrfach in Europa gekämpft, wie ist Dein Eindruck von dem Turnier in den USA?
Die IBJJF-Turniere sind immer sehr gut organisiert, und das war auch auf den Worlds wieder so! Ein paar kulturelle Eigenheiten gab es allerdings schon. Man hat halt gemerkt, dass man in den USA ist. Ich war in den letzten Jahren beruflich über zehnmal in Nordamerika und da hat man ein Auge für die Unterschiede.

In der Halle lief selbstverständlich die Klimaanlage und bei 35 Grad Außentemperatur wurde bei etwas über 20 Grad gekämpft. Die ungewohnte, trockene Luft hat es auch nicht angenehmer gemacht. Ein Aufwärmen war also wirklich nötig!

Neben dem Acai-Stand gab’s stilecht Hotdogs und auch „Bratwurst-Plate“ und „Pretzels“ für Hungrige zu kaufen. Hammer! Sonst gab es aber leider keinerlei Equipment-Stände in der Halle. Unser Plan, noch günstig einen guten Gi zu erwerben, löste sich sofort in Luft auf.

Die Stimmung war klasse, die Tribüne voll und man konnte auch ein paar Stilikonen antreffen, wie zum Beispiel Kurt Osiander oder Marcus Almeida Buchecha.

Warst Du alleine unterwegs oder bist Du mit einem Team angereist?
Wir waren insgesamt zu sechst: Ulf Ehlert, Markus Schmidt (beide Berlin), Oliver Fischer (Freiberg), Spiros Huhn (Mannheim), Otfried Glaser (Bremen) und ich.

Wir hatten irgendwann mal angefangen, über so einen Trip rumzuspinnen und irgendwann wurde es ernst! Da wir fast alle aus unterschiedlichen Städten kommen und verschiedenen Teams angehören, war die Planung schon etwas schwierig. Dank einer Facebook- und Whatsapp-Gruppe hat am Ende aber alles doch gut funktioniert. Je näher der Reisetermin kam, desto häufiger hat mein Handy gebimmelt und es musste was geklärt werden. Der informelle Reiseleiter zu sein, hat mir echt Spaß gemacht. Nächstes Jahr Tokio, Jungs!

Was habt ihr sonst noch erlebt? Kalifornien ist ja schon touristisch!
In der ersten Woche haben wir nur die Highlights in L.A. durchgeboxt. Venice Beach, Walk of Fame und Hollywood-Schild. Trainiert haben wir selbstverständlich auch, und das bei Rubens „Cobrinha“ Charles. Es war schon interessant, mal eine der Premium-Akademien L.A.s von innen zu sehen, da nimmt man nicht nur Technik, sondern auch eine Menge Ideen mit. Ansonsten wurde aber viel relaxt und jeder hat sich auf seine spezielle Art auf die Worlds vorbereitet. Gewichtmachen war auch Thema - für den einen nach unten, für den anderen nach oben, um in Ultra Heavy nicht der Schmalste zu sein.

Die zweite Woche war dann aber heftiger, da wir uns von zwei Mitreisenden getrennt haben und zu viert fünf Tage nach Las Vegas gefahren sind. Wie man so schön sagt: „What happens in Vegas, stays in Vegas!“. Nur so viel, am Ende sind wir wieder zu viert Richtung Heimat geflogen und haben niemanden zurückgelassen.

Wie geht es bei Dir weiter? Hast Du schon weitere Turniere im Auge?
Ich werde im November auf den Munich Open und bei den English Open starten. Und dann stehen im Januar wieder die EUROS an. Im nächsten Jahr werde ich allerdings nicht mehr so viel Turniere kämpfen, da mir mein Körper doch ab und an mal sagt, dass ich bald 40 Jahre alt werde. Aber so lange es geht und Spaß macht, wird gekämpft! Manchmal werde ich schon sauer auf mich, dass ich meine Kampfsportkarriere nicht gleich mit Jiu Jitsu begonnen habe, sondern im Nachhinein betrachtet viel Zeit verschwendete.

Der letzte Satz gehört wie immer Dir.
OK! Dann möchte ich mich nochmal bei meinen Mitreisenden für die mega-gute Zeit bedanken. So viel Spaß für wenig Geld, klasse! Ich hoffe, dass wir uns bald mal wiedertreffen.

Da die beiden Teams (Kampfsportclub Lutter und Ataque Duplo Hannover) sowie mein BJJ-Trainer Douglas Meyer ja wissen, dass ich ihnen sehr viel zu verdanken habe, brauche ich das ja nicht explizit erwähnen! (lacht)

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