Interviews

Till Görres: Konkurrenz kann das Geschäft befruchten!

"Get in the Ring"-Promoter Till Görres (Foto: Stefan Groenveld)

Am kommenden Samstag findet in Hamburg eine weitere Ausgabe von „Get in the Ring“ statt. Die Veranstaltung zählt aktuell zu den traditionsreichsten Events in Deutschland. Grund genug, um sich mit Promoter Till Görres zum Interview zu treffen. 

GnP1.de: Till, am 4. November geht „Get in the Ring“ in die nächste Runde. Daher als erstes die Frage, wie laufen die Vorbereitungen?
Till Görres: Die Vorbereitungen sind schon lange abgeschlossen und wir befinden uns in der Phase von Detailabsprachen mit den Gewerken.

Florian Kröger und Meryem Uslu waren bei der Pressekonferenz anwesend. Auf wen aber dürfen sich die Zuschauer noch freuen?
Um in Hamburg bzw. Trittau zu bleiben, Kevin Burmester. Er hat gerade gegen Liam Harrison, der jedem ein Begriff ist, in Manchester um einen WM-Titel gefightet. Bis zum Lowkick, welcher den Kampf vorzeitig beendete, ein starker Auftritt in England. Kevin trifft auf Pascal Graf aus der Schweiz. Eine Bombenparty erwarten wir von Neil Aquino gegen Comebacker Kevin Klinger. Maurice Lohner kreuzt die Fäuste mit Omid Rezaiee, Chris Jürs mit Sascha Valentic. Für den Titelkampf von Reza Khatami suchen wir seit gestern einen neuen Gegner. Das Haus rocken wird natürlich Titelverteidiger Enrico Rogge gegen Florian Kröger sowie Meryem Uslu gegen Laura Torre. Die sogenannte „Undercard“ können wir nicht so bezeichnen, da sich mit Crispin Ramis de Ayreflor, Ramazan Bakis, Evans Witte, Christian Kiesel, Kevin Schötz, Dennis Thomas, Hashim Momani, Michal Gesiarz, Eddy Ocran, Willi Wittermann, Marcel Mühlbach, Hamid Rezaiee und Arian Sadikovic nur ausgewiesene  Qualität an den Start begeben wird. Ob am Ende dann alle den Weg in den Ring finden, sehen wir am 4.11.2017.

Erneut wirst du im „MEHR! Theater“ veranstalten und wirst deinem Ruf gerecht, dass du immer an außergewöhnlichen Locations dran bist. Bist du kein Fan der Sporthallen-Atmosphäre?
Nicht wirklich! Sporthallen werden meist einer Abendveranstaltung nicht gerecht. Es gibt in Hamburg keine Arenen, wie in anderen europäischen Städten. Turnhalle ist für den wichtigen Nachwuchsbereich, die außergewöhnlichen Sportler sollen auch eine besondere  Location genießen. Hamburg ist eine Weltmetropole mit vielen Facetten.

Welche Location würde dich noch reizen?
Momentan kann ich mir nichts vorstellen, was meinen Wünschen so entspricht, wie das „MEHR! Theater“. 

Es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass du das „Mehr! Theater“ nur deshalb bekommen hättest, weil es dort auch hübsche Nummergirls gibt. Klär uns mal auf.  
Dieses Gerücht kannte ich bis eben nicht, vielleicht bist Du der Vater des Gedanken? (lacht) Schöne Frauen und Männer gehören auf jedes Event.

Foto: Stefan Groenveld

Du arbeitest hauptberuflich im Marketing-Bereich des NDR. Verbindungen zum Fernsehen gibt es da garantiert. Wann werden wir „Get in the Ring“ über die Mattscheibe flimmern sehen?
Zum Ersten trenne ich das aus verschieden Gründen ganz deutlich und zum Zweiten ist in Deutschland selbst für den Boxsport bei den großen Sendern kein Vertrag zu bekommen. Sauerland ist bei SAT1 mit den ersten Shows nicht erfolgreich gewesen und ist schon der Globalplayer.

Gerade bei dieser Tätigkeit könnte man ja meinen, jawoll der Görres macht es locker auf einer Pobacke, wenn es darum geht neu Sponsoren zu gewinnen. Ganz so einfach wird es wohl nicht sein?
Wie erwähnt, ganz klare Trennung. Wir sind lange am Markt und haben einen tollen Stamm an Unterstützern, welcher uns auch neue Türen öffnet, um den Kostenapparat zu bewältigen. Es wäre abendfüllend alle Helfer vom Staplerfahrer bis zum Großsponsoren aufzulisten. Sponsoren sind in einer Großstadt zwar an jeder Ecke zu finden, aber schwer zu überzeugen, da die Medienpräsenz schlicht nicht vorhanden ist.

Foto: Stefan Groenveld

Zum Thema Hamburg zurück. Würdest du mir Recht geben, wenn ich sage, eine Veranstaltung nur mit Hamburger Gyms und Kämpfern – damit bekommt man nahezu jede Halle voll und der Baum würde brennen?   
Die Frage ist nicht neu, aber kommt gerade in Hamburg immer wieder auf. Warum gestaltet es sich denn so schwierig einen solchen Event auf die Beine zu stellen? Es gab diverse Anläufe, zuletzt vor ca. 10 Jahren. Es sind zu viele verschieden Charaktere und Egos. Dabei geht es nur um Peanuts. Stell dir vor, wir alle würden damit Geld verdienen! Hätte, wäre, wenn und aber sind oft diskutiert worden und nach großen Worten, folgte die Ernüchterung. Ich persönlich komme mit Querköpfen ganz gut klar, nicht jedoch mit der Nichteinhaltung von Gentlemen-Agreements. Es gibt für mich ein paar Werte, die im fairen Wettbewerb gelten sollten. Diese sind oft gebrochen worden. Vielleicht bin da etwas altmodisch (heute oldschool). Wort ist Wort und Handschlag ist Handschlag.

Ohne jemanden persönlich anzugreifen, aber wäre es nicht am einfachsten, wenn man endlich mal alles begraben würde, was einmal war und sich zusammen an einen Tisch setzen würde?
Ich denke die Gräben sind zu tief, aber auch da bin ich schon überrascht worden. Da sitzen Erzfeinde plötzlich wieder beim Abendbrot zusammen. Ich denke, der Zug ist abgefahren. Faire Konkurrenz kann das Geschäft befruchten und dann bereinigt sich der Markt von alleine.

Foto: Stefan Groenveld

Es gibt neben deinem Event noch einige andere durchaus interessante Veranstaltung in der Hafenmetropole. Schaut man da auch schon mal was die Konkurrenz macht bzw. wo siehst du deine Veranstaltung im Vergleich zu den anderen?
Selbstverständlich beobachte ich die Mitbewerber und habe teilweise auch meine Sportler dort im Einsatz. Aber dabei geht es dann wirklich um Details, denn über ein Matchmaking oder abgesagte Kämpfe lasse ich mich nicht aus, da die Szene wirklich viele unprofessionelle Leute am Start hat und die Promoter bei der Vielfalt der lustigen Absagen, die ärmsten Säue sind. Einen Vergleich maße ich mir nicht an. Das Publikum entscheidet.

Wo bzw. wie würdest du „Get in the Ring“ zukünftig platzieren und präsentieren?
Wir haben vor 1,5 Jahren Silverback Promotion gegründet und einen Dreiahresplan aufgestellt. Jetzt sind wir im Zweiten und es hätte schlimmer kommen können... Die Anfragen der Sportler sind vielfältig und wir haben sehr gute Leute um uns herum, welche den weiteren Aufbau mit tragen. Ich wäre mit ein paar guten Jahren im „MEHR! Theater“ sehr zufrieden.

Wenn ich schon mit einem Hamburger Original spreche, dann muss die folgende Frage erlaubt sein. HSV – Abstieg, Relegation oder Überraschung?
Es gibt so unglaublich viele "Fans", die nicht ihren Lokalen Club unterstützen. Ich könnte das nicht. Der HSV ist unabsteigbar und allen Gegner, die nicht aus Hamburg kommen, darf ich sagen, wir sind Hamburger und ihr eben nicht. Fußball begeistert die Massen und auch mich, aber es gibt auch andere Dinge, als extrem gut bezahlten Lümmeln beim Kicken zuzuschauen. Und ein Bayern-Fan zu sein, ist mir zu einfach.